Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Probleme der modernen Oolongs

Der Oolongtee erlebt seit paar Jahren einen Geschmackswandel, sowohl in China als auch in Taiwan. Der Oolong ist wörtlich übersetzt einen schwarzen Drachen. Der heutige Oolong, der auf dem Markt herrscht, ist ein Tee, der sich nicht mehr viel von Grüntee unterscheidet. Die Blätter zeigen kaum Spuren der Fermentation, die eine rötliche Färbung am Blätterrand zeigt. Die Form des Tees verändert sich auch zu einem kugelförmigen Tee.
Dieser neue Trend verändert drei Dinge: die Reife der gepflückten Blätter, die Zeit des Welkens und die Zeit der Fermentation. Wenn sollte man die Blätter eigentlich pflücken? Es ist verschieden bei verschiedenen Teesorten. Beim Oolong sollte man warten bis die Teeblätter um den Trieb schon zwei reife offene Blätter aufweisen. Wenn sie zu jung sind, als sie gepflückt wurde, gibt es folgendes Problem: man kann diese Blätter nicht zu lang unter der Sonne welken lassen. Sie zeigen sich als ein „Scheintod“. Sie hängen und werden blass. Teebauer bekommt Panik und beenden sofort den Welkensprozess. Die Feuchtigkeit der Blätter können sich nicht richtig ausscheiden und bleiben erhalten. So ein Tee schmeckt oft bitter und grasig im Aufguss, sehen allerdings schön aus. Denn die jungen Blätter sich leicht formen lässt. Normalerweise lässt man die Blätter vier bis acht Stunde fermentiert, so dass 3/10 rötlich und 7/10 grünlich in einem Blatt aus sieht. In unserer Zeit, in der Äußerlichkeit viel wichtiger ist, gewinnt die Form eines Tees Vorrang gegenüber dem tatsächlichen Geschmack. Da die Meister, die den Tee formen sehr teuer zu bezahlen sind, bleibt die Zeit für die Fermentation nicht viel übrig. Der Geschmack dieses Tees tendiert bitter und die Farbe des Aufgusses ist trüb. Solcher Oolong wirkt in einer Gongfu (Kungfu) Zeremonie richtig Magen anregend. Oolongs und Matcha sollte man generell nicht mit leerem Magen genießen.

Welken
Nach der Pflückung werden Blätter unter der Sonne welken lassen. Wenn es keine Sonne gibt, muss der Teebauer sich etwas einfallen lassen. Moderne Technik hilft, kann allerdings die Sonne nicht ersetzen…

Formen
Den Tee zu einer schönen Form zu verarbeiten.

Opa und Tie Guan Yin / Tieh Kuan Yin 鐵觀音

Opa hat zwei Dynastie erlebt. Er lebte zwischen 1910 und 1999, in der japanischen und chinesischen Herrschaft. Er wurde in einer Grundbesitzer Familie als den einzigen Sohn hineingeboren, während Japan Taiwan herrscht. Er war reich und hatte 9 Kindern. Meins Oma kannte er als Spielkamaradin. Sie war sieben, als sie von ihrer Familie abgegeben wurde. Sie wußten als Kinder schon, dass sie eines Tages Mann und Frau werden. Er wurde zu einem guten Geschäftismann ausgebildet.
Nach der Machtübernahme der jungen chinesischen Republik wurde mein Opa plötzlich Anaphabet. Er verstand kein Chinesisch. Er konnte mit der neuen herrschenden Klasse nicht umgehen. Es war eine neue Zeit mit neuen Sitten und neuen Hoffnungen , die nicht für Menschen, die noch an der alten Ordnung hängen, reserviert waren. Mein Opa war eben so einer. Die Familie wurde schnell verarmt. Als Kind sah ich den Auf und Ab innerhalb der eigenen Familie auf einer rasch verändernden und unterdruckten Insel. Oma schimpfte oft, während Opa seinen Tee trank. Er trank am liebsten einen Oolong namens Tie Guan Yin. Eine braune Fabe und einen verbrannten Geschmackt! Ich hielt möglichst Distanz zu seinem Tee und seiner Geschichte. Tie Guan Yin ist ein Tee, der mit Opa, der immer allein vor chinesisch sprechenem Fernseher saß und Tee trank, zusammen meine Erinnerung prägt.

Heute fand man so einen Tie Guan Yin nicht mehr. Er ist inzwischen ein Grüntee-artiges Getränk geworden. Die neue Zeit mit einem neuen Geschmack verändert viele Dinge, die gut und schlecht waren. Aber der Tee, der einst der schwarze Drache war, ist heute??? Zu jung gepflückte Blätter,der schnell bitter werdende Geschmack und die Magen anregende Eigenschaft sind Charaktere heutiges Tie Guan Yin. Ich finde den Geschmack des Opas nicht mehr.
Heute bekam ich einen Paket aus Taiwan. Ein Teebauer wurde extra beauftragt. Der schwarze Drache ist wieder da. Und der Geruch meines Opas kommt wieder von der Ferne und füllt meinen Raum.

Muzha Zhengcong Tie GuanyinMuzha Tie Guanyin

Der Geschmack des Oolongs

In den letzten Tagen war ich immer allein, um meine Dissertation zu schreiben. In dieser Abgeschiedenheit war Tee der einzige Freund. Er begleitet mich in diesen grauen Tage in Innen und Außen.
Gerne gieße ich einen Oolong auf, wenn das Schreiben wieder zu kritisch wird. Wenn ich Hunger habe, gehe ich gerne zu Ali. Nicht weil ich gerne Kepab esse, sondern die Familie Alis mir etwas vermittelt, als ob sie immer da wäre. Für mich bedeutet sie etwas Unveränderliche in einer schnell lebiger Welt.
Ich erinnere mich an Tea-Taster Chen. Ich nenne ihn Meister. Er hat immer viel Schätze, die hinter seinem Schreibtisch verborgen sind. Wenn ich zu Besuch komme, geht er wieder nach hinten und grinst. Er schenke mir einen Oolong ein. Ich kannte so etwas nicht. Ich glaubte, dass ich viele Farbe plötzlich gesehen hätte, als er in meinem Mund füllte. Ein bisschen Honig, ja Orangen. Ein bisschen erfrischen, ja Grün. Es bisschen wie Pfirsich, wie Orchideen und wie Iris – rot, blau und lila. Ich fragte ihm, was für einen seltsamen Tee? Er lachte, es ist der Tee, den man vor 50 Jahre als Oolong versteht… Oolong, der in natürlichem Prozess aufgewachsen ist. Er wurde zwischen süßen Kartoffeln gepflanzt. Die süßen Kartoffeln saugte die meisten Nährstoff weg, so dass die Teepflanzen ihre Wurzel gang tief einschlagen mussten. Sie wurden stark, kräftig und aromatisch. Sie wurden von Insekten gefallen. Diese befallenen Triebe wurden separat gepflückt und extra gerollt. Das war so einer!
Dieser Tee brachte wieder Farbe in meinen Tage zwischen dem Computer und Bücher, zwischen mir und meiner eigenen Dialoge.
Von so einen Tee hat er mir nur 10g gegeben!

chen

Fancy Oolong 番庄烏龍茶

Fancy Oolong ist das Produkt von taiwanesischer Export-Geschichte. Er war Synonym des Formosa Oolongs. Fancy 番庄, auf Taiwanesisch Huanzong. Wörtlich übersetzt heißt: Dieser Tee wurde von Barbaren (Ausländer – gewisse Sinozentrismus) verpackt und verschifftet. Ein Tee, der ein Zwillingsprodukt ist von Oriental Beauty. Während Oriental Beauty als hochwertiger Jahrgangstee ihren Ruhm und Würde genießt, sucht Fancy Oolong vergeblich nach der Anerkennung. Er ist ein Tee aus mehrerer Ernte. Ernte von Sommer, von diesem Jahr, letztem Jahr oder vorletztem Jahr. Wenn eine Bestellung von Ausland kommt, wird diese Ernten zusammengemischt, erfrischt und verpackt. Darunter mischt man Oriental Beauty, der nicht den besten Preis erzielt und als Vorrat dient. Die beste Qualität von Fancy Oolong hat mehr Oreintal Beauty Anteil oder ein seltener Jahrgangstee, während die billigere hauptsächlich Teile verschiedener Ernten.
Der bekannte Fancyoolong kommt traditionell aus Xinzhu 新竹und Miaoli 苗栗-Gegend. Seit kurzen ist Sanxia ein neue Mitstreiter. Bei meisten Teeläden kann man kaum Auskunft über Jahrgang und Anbauort erfahren.
Die Aufguss des Fancy Oolong ist rötlich fast wie ein Schwarztee. Die beste Qualität schmeckt lieblich und honigsüß.

Formosa Oolong Tee 福爾摩莎烏龍茶

Formosa 台灣 produziert Oolong Tee seit mind. 150 Jahren. Die ersten 120 Jahren wurde der Tee ausschließlich für Export bestimmt. Die Taiwanese hatten keine Chance ihren eigenen Tee zu kosten. Es war eine Zeit der Kolonialismus. Die letzten 20 Jahren verschwand der Formosa Oolong aufgrund des hohen Produktionskostens immer mehr von dem internationalen Markt, während die Insel und Inselbewohner eine steile Karriere mit Elektronik in der Globalisierung machten. Nun werden dem Inselbewohner nicht mehr den Geschmack des Formosa Oolongs vorenthalten und der Formosa Tee spielt auch nicht mehr eine wichtige Rolle in dem Welthandel.
Im 17. Jahrhundert wurde Formosa Tea bereits von Holländer nach Persien vermarktet. Damals war noch kein Oolong, sondern eine Art von wildem Tee. 1869 wurde der Formosa Oolong endlich in den Welthandel eingeführt – durch den umstrittenen englischen Händer John Dodd, der auch Opium an Chinesen verkaufte – direkt in die neue Welt. Dort wurde Formosa Oolong weltberühmt.
Nach dem Opiumkrieg (1895) wurde Taiwan japanisch. Meine Großeltern waren die besten Augenzeugen dieser Epoche. Sie sprachen Japanisch und gaben ihren Kindern japanischen Namen. In dieser Zeit wurde Taiwan hauptsächlich als Anbaugebiet für Schwarztee (Hong Cha), weil Japaner den Oolongtee als einen Konkurrent zu ihrem Sencha betrachteten.
Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm der im Bürgerkrieg gegen Kommunisten verlorene General Jian Jieshi 蒋介石 die Macht von Japanern. Nun wurde Formosa Schwarztee wieder Formosa Oolongtee. In den 50er und 60er Jahren war Taiwan eigentlich noch bekannt für Grüntee wie z. B. Ganpowder, Sencha und Lungjing etc. Der Bauchladen des taiwanesischen Teehändlers boten das an, was der Weltmarkt brauchte. Flexibel, einfallsreich und blitzschnell. Als der Exportmarkt in Taiwan zusammenbrach, überlebten nur die kleinen Teebauer, die von dem Export-Boom nicht profitierten und ihrer Tradition treu geblieben sind.
Bis zu dieser Epoche wurde der Formosa Tea hauptsächlich für Export und Devisen bestimmt. Der Geschmack des Formosa Teas war privilegiert.
Fancy Oolong ist das Produkt dieser Export-Geschichte.

Werbungen von Formosa Oolong in der japanischen Herrschaft-Periode (1895-1945)

Oolongtee Werbung in Jap. Zeit
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