Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Bedeutung des Hongpei 烘碚(Röstungsprozess) beim Oolong

Gestern habe ich über einen Jadeoolong geschrieben, der zwar aus 2006 stammt, aber bereits nach-fermentiert wurde. Dass dieser Tee nicht lagerfähig ist, hängt es mit dem mangelnden Röstungsprozess (im Chinesisch Hongpei) und das ist ein populäres Problem bei heutigem Oolong, der immer grüner wird.

Ein Oolong, der je nach Gattung einen richtigen gattunggerechten Röstungsporzess durch macht, bekommt einen schmeichenden Geschmack, leicht lieblich und fruchtig und schenkt uns ein unglaubliches Duft-Erlebnisse – blumig, fruchtig, honigartig. Die Röstung stabilisiert einen Oolong, so dass er lagerfähig ist und das feucht warme Klima im Südchina und Taiwan durchstehen kann – bis die nächste Ernte wieder da ist.

So war es früher. Heute ist der grüne Oolong am kommen! Wer würde noch ein gerösteter Oolong verkaufen? Der dunkler aussieht und nicht so „erfrischender“ schmeckt? Das beste Beispiel von dieser Entwicklung und der „Eisene Göttin“ – Tie Guanyin, einstiger brauner Oolong ist heute grüner als alle andere Oolongs. Ich denke manchmal, wie sieht die Göttin heute aus – mit ihrem eisenen Gesicht, wenn sie die Entwicklung der wirtschaftlichen Dominanz beobachtet?

Ausserdem können die meisten Teeläden Taiwans nicht mehr selbst Tee rösten. In der alten Zeit war die Röstung die wichtige Aufgabe eines Teemeister in einem Laden, der je nach dem Geschmack seines persönlichen Stils und Vorliebe seiner Kundschaft eine eigene Note durch Röstung verliehen hat. Nun verkauft meiste Teeshops in Taiwan einfach den Tee weiter, der streng gesagt – nicht „vollständig“ verarbeitet wird. Traditionelle Arbeitsverteilung zwischen dem Teebauer und Läden wird heute nicht mehr beachtet. Welche Shops in Taiwan röstet überhaupt noch selbst? Alle glauben an Vaaaakum-Verpackung!! Was machst Du, wenn Du doch die Verpackung aufmachen muss und den Tee stehen lässt…? Was machst Du als ein Teehändler, der Tee verkauft?

Der Oolong, der nach Europa exportiert wird, wird dagegen geröstet – richtig. Leider unterliegt solcher Oolong immer „Probleme des grünen Oolong Trends“.

Der Jadeoolong, der im Aufguss nicht richtig enfalten kann – im Vergleich mit dem anderen, hat Herstellungsfehler, der beim Ruhen- Fermentation (Da Lang- ein Fachbegriff in Chinesisch) stattfindet.

Je mehr ein Konsument über Probleme des heutigen Entwicklung bewusst ist, desto einfacher könnte ein Oolong wieder wie ein „stabiler“ Oolong sein! Wir wollen einen richtig „stabilen“ Oolong, nicht ein „Eintagflieger“!

Degustation zwei Jadeoolong aus Mingjian

Ich habe einen Jadeoolong aus Mingjian erhalten und man bat mich ihn zu probieren. Es wurde gesagt, dass dieser Tee einwenig seltem sei. Mit einem anderen Jadeoolong, den ich vor einem Monat habe, habe ich zusammen degustiert

Dieser Jadeoolong, den ich zugeschickt bekomme, sieht man im Bild rechts und ich bezeichne ihn als A. Den Jade Oolong von mir sieht man im Bild links und ist B.

A schmeckt wirklich seltsam. Ja, mit Fremdgeruch und ist nach fermentiert. Leicht sauer, grassig und unrein. Dagegen duftet der Jadeoolong typisch nach diesem Tee und der Aufguss fein und rein. Von der Farbe des Aufguss sieht man, dass die beiden Jadeoolong beim Welken und Erhitzen gut verarbeitet war. Klare Farbe und nicht trüb. Der A hat fester gerollte Blätter als von B. Der geht nicht wirklich auf im Aufguss, obwohl die Röstungsduft nicht mehr zu finden war – wegen der Nachfermentation. Das Problem liegt wohl an der Fermentation und spätere Röstung, die die Stabilität eines Oolongs entscheidet?

Warum findet bei diesem Jahrgangs-Jadeoolong A schon die Nachfermentation statt? Weil dieser Tee schlecht gelagert war? Ich würde sagen, dass dieser Tee nicht ganz korrekt verarbeitet war, weil korrekt verarbeiteter Tee hält auch kurze schlechte Lagerung aus und der Nachfermentationsgeschmack bei einem richtig verarbeiteten Tee kommt anders raus und hat andere Note, als diese unangenehme „Fremdgeschmack“!

 

Ein alter Oolong, eine alte Freundschaft

Ein alter Oolong, eine alte Freundschaft

Ich hatte viel zu erledigen bevor der Zug abfuhr. In dieser eiligen Stimmung, in diesem nassen und kalten Wetter goss ich unbewusst einen Dongding Jahrgang 1981 auf.

Für einen Kunden aus fernem Norden musste ich Tee bemustern, bevor das Postamt um 12 Uhr schloss. Jonny Holiday sang in der Luft leidenschaftlich und traurig von „Oh Marie“. Teedosen standen überall herum im Raum - auf Tatami, auf dem Tisch, auf dem Stuhl oder irgendwo, wo ich es nicht mehr finden werde.

Ich bin zu langsam, zu unübersichtlich und zu chaotisch. „Warum hast Du gestern so viel Champagner bei Ali getrunken?“ Echter Champagner ist mein Lieblingsgetränk außer dem Tee.

Die Autos rasten draußen vorbei, mein Herz konnte nicht schneller schlagen und in diesem Moment kam sie.

Sie war blas und klagte sich ebenfalls über den Champagner. Sie saß am Tisch und schaute mich Tee packen zu. Meine Hände bewegten ununterbrochen und mein Kopf drehte sich weiter um den Tee. Sie erzählte unauffällig und langsam von der Freundin ihrer Mutter, die nur Bi Luochun kiloweise trinkt. „Ich glaube, dass mein Vater mit ihr ein Verhältnis hat.“ ganz ruhig fuhr sie weiter fort “ Meine Mutter reagierte nur aggressiv über sie, sagte aber nie etwas.“ Ich reagierte nicht auf sie. Weil sie zu ruhig erzählte? “ Mein Vater hat sie immer getroffen. Sie ist jung und schön und meine Mutter ist veraltet und krank…“ Ach, liebe Freundin, warum erzählst Du so unauffällig und ruhig über den Stein Deines Herzen? Ich ging schweigend schnell in die Küche und trank ein Schluck den Dongding 1981. Ein alter Tee, der sich mit der Zeit reift, verändert und vielfältiger wird. So ein gelagerter Oolong schmeckt wie eine reife Pflaume kurz vor Platzen: süß, sauer und fruchtig wie es nicht mehr geht.

Heute schmecke ich die Säure nicht.

Ich kenne sie seit mehr als zehn Jahren. Eigentlich werden wir nie Freundinnen. Sie kommt aus einem gut bürgerlichen Haus mit entsprechendem Habitus, während ich eher ein gescheiterter Revoluzzer war. Wir erlebten ähnliches Schicksal, das uns zueinander fuhr. In der dunkelsten Zeit meines Lebens brachte sie mir das Licht. Aber ich kam mit ihrem bürgerlichen Habitus nicht klar, habe Mühe mit ihrer immer gepflegten fröhlichen Fassade. Ich spürte in ihr eine Mauer, die das zerbrechliche Ich schützte und gleichzeitig behinderte. Sie kann ihre Probleme nicht artikulieren, außer dass ich sie rüttele. Trotz meiner Konfrontation mit ihr und meiner unverholfenen direkten Art pflegte sie eine Freundschaft zu mir, weil „ich habe Dich einfach gerne.“ Ich habe Dich einfach gerne…

 

Wie schmeckt ein alter Tee? Wie schmeckt eine alte Freundschaft? Einmal fragte mich Herr Reichmuth, wie kann man sicher sein, dass dieser Oolong so alt ist? Gestern stellte mir ebenfalls Herr Kolodziej diese Frage. Ein alter Oolong schmeckt geschmeidig wie Seide, wenn er ein guter stabiler Tee war und gut gelagert ist. Kurz vor Verkauf wird er noch einmal aufgefrischt, aber nicht zu stark geröstet, so dass sein typischer Pflaumen-Geschmack zum Ausdruck kommt. Wenn er zu stark nach Feuer schmeckt, ist zu lang nach geröstet. Wenn seine dunklen Blätter nicht richtig im Aufguss entfalten können, ist er zu oft und zu lang geröstet – er ist tot. Wenn er diesen typischen Pflaumen-Geschmack nicht aufweist und nicht geschmeidig schmeckt, ist er kein gelagerter Oolong!

Ein grüner Oolong in heutiger Form, die zu jung gepflückt, zu wenig fermentiert und kaum geröstet, ist unstabil. Dieser Tee kann man nicht lagern. Das ist ähnlich wie mit dem Leben und Menschen. Wenn man selbst den Boden aufgebaut hat, wird man stabil, weiser und mental stark. Eine Freundschaft, die stabil und einfach ist, schmeckt wie ein alter lebendiger Dongding, der leicht süß, leicht sauer. Und er reift noch weiter…

Fancy Oolong 番庄烏龍茶 und Oriental Beauty 東方美人

Vor paar Wochen war ich zufällig in einem Internetshop, wo Fancy Oolong Oriental Beauty verkauft – stolzen Preis 48 € für 100g.

Ist Fancy Oolong Oriental Beauty? Fancy Oolong gibt es eigentlich nicht auf Chinesisch. Dieser Tee wurde immer für Exportmarkt bestimmt und nicht auf der Insel „genossen“. Heutzutage bezeichnet man diesen Tee, der im Sommer geerntet wird und von Insekten befallen sein muss, als Baihao Oolong 白毫烏龍. Die beste Qualität dieses Oolong ist „Oriental Beauty“.

Ist Fancy Oolong ein günstiger Oriental Beauty?

Ich fragte meinen Teebauer in Sanxia, wo inzwischen Baihao Oolong verkauft, ob er mich beantworten kann. Er produziert diesen Oolong seit paar Jahren, nachdem der hochwertige Bi Luochun geerntet wird und der Sommertee nicht ganz hochwertig und von Insekten massenhaft befallen ist. Er kennt Fancy Oolong nicht. Sanxia ist auch kein originales Anbaugebiet für Fancy Oolong und Oriental Beauty. Sein Teegarten sind auch nicht von den geeigneten Oolongbaum für Oriental Beauty. Aber sein Tee schmeckt hervorragend – wie ein wunderbarer Fancy!

Vor paar Tagen rief ich einen anderen Teebauer in Miaoli an, wo originales Anbaugebiet für diesen hochwertigen Tee ist und der Teebauer ausgezeichneten Oriental Beauty produziert. Ich erzählte ihn, dass ich gerade für viele Klienten hochwertigen Fancy Oolong suche und der Markt in Europa ziemlich orientierungslos ist. Man versteht einfach nicht mehr, was Fancy Oolong ist, weil man auch irgendwo nachlesen kann.

Teebauer Hsu lachte und erzählte mir, wie er von Fancy Oolong und Oriental Beauty versteht. Fancy Oolong ist für ihn ein Tee, entweder anfangs Mai oder in Juli produziert wird. Ein Tee, der nicht so stark von einer speziellen Insektsorte befallen und meistens maschinell hergestellt wird. Diese Insekten (auf Chinesisch Xiaolü Yeichan) haben Mühe mit richtiger Hitze und verstecken sich – wie Menschen – unter den Bäumen und unternehmen nichts (nicht mal Teebäume befallen). Nur in einer feuchten warmen windlosen Klima zwischen 25 – 28 Grade fühlen sie sich wohl. Das ist gerade in Miaoli / Taiwan anfangs Juni. Sie vermehren sich und befallen die Teetriebe. Wenn der Teegarten stark befallen ist, schmeckt dieser Tee durch speziellen Verfahren honigsüss und duftend wunderbar fruchtig. Der ausgeprägte fruchtige Geschmack fehlt, wenn der Garten nicht stark befallen wird oder der Teegarten andere Teebaumsorten hat. Richtiger Teebaum (Qingxin Dapong), richtige Insektenmenge und richtiger Herstellungsprozess schaffen diesen charmanten unverwechselbaren Oriental Beauty. Hochwertiger Fancy Oolong wird noch mit Händen gepflückt und verarbeitet. Normaler Fancy Oolong ist ein industrielles Produkt. In der Regel wird Fancy Oolong von verschiedenen Ernte und verschiedener Qualitäten gemischt. Selten wird Jahrgangsfancy und sortenrein in Europa angeboten.

Ist Fancy Oolong Oriental Beauty? Nein. Man kann eigentlich „Beerenauslese“ nicht mit „Eiswein“ verwechseln, oder?

Oder besser gesagt: ein Oriental Beauty ist ein „super“ Fancy Oolong, aber ein Fancy Oolong ist kein Oriental Beauty!

Was ist ein gelagerter Oolong?

Vergleich zwei gelagerten Oolongs

Oben: Aufguss von Dongding Jahrgang 1981 mit aufgegossenen offenen Blätter; unten Aufguss von Ban Tianyao 1993 mit aufgegossenen Blätter. 

Teefreund Gerhard hat mir einen gelagerten Oolong aus Wuyishan 武夷山 geschickt. Dieser Tee heißt Ban Tianyao 半天妖 ein sehr berühmter Yancha!

Heute goss ich ihn mit Freude auf und war sehr gespannt auf einen Yancha von 1993!

Der Tee duftet sehr stark nach dem Feuer, als ich die Tüte öffnete. Der Röstungsduft ist sehr dominant, so dass ich den Tee selbst kaum wahrnehmen kann. Der Tee wurde aufgegossen und der Aufguss war recht dunkel. Der frisch zubereitete Yancha duftet leicht säuerlich – ja, ein Merkmal eines gelagerten Oolong. Jedoch ist der Duft dominiert von der Röstungsnote. Der Ausguss schmeckt leicht geschmeidig und stark nach der Röstung – malzig, schwer. Der Abgang kam mir ziemlich heftig vor: er wirkt zusammenziehend und trocknet mein Hals sehr stark – so dass mein Hals in nächsten paar Stunden wie verbrannt wäre.

Ich konnte es mir nicht vorstellen – ein Yancha von 1993? Wie sollte ein gelagerter Oolong sein?

Sofort holte ich einen Dongding Oolong 凍頂烏龍 Jahrgang 1981. Diesen Tee erhielt ich vor einem Monat von Teataster Chen. Er wurde ebenfalls aufgefrischt. Nun schmeckt die Nuance der Röstung nur noch sehr schwach und andere Noten kommen zur Geltung. Der frische Duft, der nach Pflaumen duftet, die kurz vor der Reifung platzt – lieblich, säuerlich und süß. Der Aufguss schmeckte sehr geschmeidig, balsamierte mein Hals und die Würze aromatisierten den Mund! Ein Tee, der gereift wurde und immer noch weiter reift, könnte einen frischen Tee zu einer reifen Frucht verwandeln.

Ein gut gelagerter Oolong schmeckt lebendig. Aufgrund seiner speziellen halben Fermentation schmeckt ein gelagerter Oolong nach einem Pflaumen, der kurz vor der Reifung platzt! Säuerlich und süß! Der Aufguss schmeckt sanft und geschmeidig aufgrund der guten Lagerung. Der Abgang ist wohltuend! Die aufgegossenen Blätter sind vollständig aufgegangen, elastisch und stark – nicht verkohlt, auch nicht grün.

Man kann selbst Oolong lagern – dieser Tee verändert sich auf einer sehr interessanter Art und Weise – wegen seiner speziellen Fermentation. Manche Teebauer erfrischen gelagerten Oolong jedes Jahr, weil die Feuchtigkeit in Taiwan den Tee schaden könnte. Dadurch werden die Blätter verkohlt und der Tee ist praktisch wie tot! Manche Teebauer erfrischen den Tee, bevor sie ihn verkaufen. Die erfrischende Röstung schmeckt zwar anfangs stark, aber schwächt nach paar Wochen. Der Tee bleibt lebendig und die erlebnisreiche und genussvolle Duftnote und Geschmack kommen wunderbar zur Geltung!

Hast Du auch Oolong daheim, der Dir zuerst nicht schmeckt? Versuch´ ihn doch zu lagern. In fünf Jahren zeigt er Dir eine Überraschung!

Urpsrung des Oolongs

wuyishan 

Wuyi Shan, ein heiliger Berg des Taoismus.

Viele berühmte chinesische Teesorte stammten aus dem buddhistischen Kloster. Der berühmte Lungjing oder der gelbe Tee waren die Kreation des Kloster-Lebens. Denn das Sitze der Meditation und der schäfrigen Stile behinderten die geistige Entwicklung des Mönches. Der Tee wurde entdeckt und eingesetzt, die Verdauung zu fördern und gegen die Schläfrigkeit zu bekämpfen. Nur die Entstehung des Oolong hat keine buddhistische Hintergrund, sondern einen taoistischen.

Wuyishan (Wuyi Gebirge) ist seit Jahrtausend einen heiligen Berg des Taoismus. Viele taoistische Priester lebten in diesem Gegend. Neben ihrer geistigen Ausbildung und Meditation beschäftigen sie sich in ihrer Freizeit mit Tee-Forschen. Sie gingen ins tiefen Wildnis und entdeckten verschiedene Teebäume auf dem steilen Hang oder im tiefen Schlucht. Sie pflegten die wilden Teebäumen und stellten den Tee aus solchen Bäumen her. Jedes Jahr im Frühling tauschen sie miteinander ihre Errungenschaft aus und fanden heraus, was für wunderbare Teebäume im Wildnis existierten!

So ein Tee-Treff war ein bisschen anders als Tee-Wettbewerb heute. Es ging nicht um den besten Tee, sondern um einen guten Tee, mit dem man miteinander eine Tasse teil. Es war wie eine Zusammenkunft der Tee-Menschen, die sich zusammentreffen, um die wunderbare Welt des Tee zu geniessen. Das Ego spielt keine Rolle und dies gehört ebenfalls zu dem geistigen Training des Priesters.

Durch solchen Treffen werden verschiedene wunderbare Teebäume entdeckt und benannt. Man macht Setzlinge aus dem Teebaum und baut im Teegarten an. Interessanterweise schmecken dieser Tee sofort anders, sobald sie nicht mehr in der gleichen Umgebung gedeihen können.

Die ausgesuchte Teebäume, die ursprünglich von taoistischen Priester entdeckt wurden, werden als Mingcong – bekannter Teebaum genannt. Es sind die Pioneer des Oolongs.   

Paochung 包种, ein Oolong oder ein gelber Tee?

Gestern erzählte mir Teefreund Jürg, dass der Paochung (Baozhong) ein gelber Tee sei. Ich bin fast vom Stuhl runter gefallen. Ich spürte, dass mein Blutdruck hoch steigt. Er bemerkte es und lachte. Die Information stammt von einem Buch „All the Tea in China“ von Kit Chow und Ione Kramer, S. 150.

Ist Paochung ein gelber Tee? Was ist ein gelber Tee und was ist ein Oolong? Wenn wir den Herstellungsprozess beider verschiedenen Tee genau in die Lupe nehmen würden, würden wir uns wundern, wieso konnten so genannten Experten so etwas behaupten!

Ein Oolong ist ein Tee, der nach der Pflückung gewelkt werden muss. Dieser Prozess entscheidet die Qualität des Aufgusses und Duft. Zu kurz gewelkter Oolong schmecken zusammenziehend und duftet nach Gras. Ein gelber und grüner Tee werden dagegen nicht gewelkt, sondern direkt nach der Pflückung erhitzt. Der Unterschied zwischen gelbem und grünem Tee liegt daran, dass der grüne Tee gleich getrocknet wird, während der gelbe weiter ruhen gelassen wird. Durch diesen Prozess des Ruhens bekommt dieser Tee eine spezielle Note. (siehe aus hier).

Paochung ist ein Oolongtee, der ursprünglich eine Nachahmung von Wuyi Yancha 武夷岩茶 ist. Die Einwanderer aus China im 19. Jahrhundert bauen ihre vertrauten Pflanzen ein, die angeblich von Engländer Dodd finanziert wurden. Die chinesischen Einwanderer produzierten ihren vertrauten Teetypen her, wahrscheinlich auch um ihre Heimweh zu stillen. In Taiwan war Paochung ein Synonym von Oolong. Heute unterscheidet man verschiedene Typen von Oolong:

halbkugelige Form: die Machart stammt von Anxi, die Teenamen sind Tie Guanyin, Dongding und Hochlandoolong.

länglich streifenartig: die Machart stammt von Wuyi Shan, die Teenamen sind Paochung. In Guangdong gibt es einen Tee Dan Cong, der ähnliche Form und Urpsrung hat.

blattform: die einzig neuartige Machart aus Taiwan – der Oriental Beauty. Seine günstigen Varianten sind als Fancy Oolong im Westen weltberühmt.

Paochung aus Shiding

Paochung (Baozhong) aus Shiding, Taipei.

Man könnte einen Tee als Paochung bezeichnen, wenn er aus dem Teebaum Qingxin Wulong 青心乌龙aus Taiwan stammt und eine längliche streifenartige Form hat. Alle andere Nachahmung aus anderen Ländern kann man eigentlich nicht als Paochung nennen, sondern nur Oolong. Wenn der Paochung aus dem Gegend Pinglin, Shiding, Nangan und Muzha in Taiwan kommt, darf man ihn als Wenshan Paochung (Baozhong) Cha bezeichnen. Es gibt nun in Taiwan auch Nachahmung von Paochung, die aus neuen Teebaumsorten hergestellt sind. In guten seriösen Laden in Taiwan werden sie extra kennzeichnet und nicht als Paochung verkauft.

Der Paochung, der nach traditioneller Art hergestellt wird, hat einen goldenen Aufguss. Er strahlt blumige und elegante Duftnote aus. Momentan gibt es viele grünern Paochung, der sehr grün im Aufguss ist und nach „Gemüse“ duftet… 

Was hat der Oolong Paochung mit grünem Tee und gelben Tee gemeinsam, außer dass sie alle Tees sind? Diese Antwort würde ich gerne von so genannten Teeexperten erklärt bekommen!

Oriental Beauty, wer bist Du?

Oriental BeautyDer Oriental Beauty aus Beipu, Taiwan.

Oriental Beauty hat nun verschiedene Kandidaten. Der einstige Formosa Oolong ist nun konfrontiert mit verschiedenen Kandidaten aus China. Fujian war ursprünglich die Heimat von verschiedenen Oolongs, die von anderen nachgeahmt wurden. Paochung und Dancong sind Kopie von Wuyi Yancha, während Tie Guanyin aus Taiwan auf den Tie Guanyin aus Anxi zurückzuführen war. Nun gibt es auch Kopie von Oriental Beauty aus Fujian. Eine historische Ironie?

Als China noch kulturelles Mutterland war, pilgerten Japaner, Koreaner, Südasiaten nach dem Reich der Mitte. Dort lernten sie Buddhismus, Tee und verschiedene Sitten kennen. Japanischer Kimono ist eine abgeguckte Mode aus Sechs Dynastien in China. Diese kulturelle Adaption erlebt in dem jeweiligen nacheifernden Land eine kulturelle Blüte und dessen Früchte können wir heute sehr gut beobachten. Japanische Kultur ernährt sich aus dem chinesischen Boden, aber entwickelt sich zu einem eigenständigen Stil und Richtung. Japaner verstehen ihre Kultur als eine eigenständige, nicht als eine Kopie.

Der Tee kam nach Taiwan durch chinesische Einwanderer, die eigentlich Wirtschaftsflüchtlinge waren. Sie fanden in Taiwan eine neue Heimat und pflanzten dort ihren Tee, den sie in ihrer Heimat gerne tranken. Durch den Engländer Dodd wurde Formosa Oolong Ende 19. Jahrhundert (1866) richtig weltberühmt – dieser Formosa Oolong war der Oriental Beauty (Baihao Wulong Cha)! Ein Zufallsprodukt, der aus Sparsamkeit und Überlebenswille des taiwanesischen Teebauer entstanden ist. Wir wussten nicht mehr, woher dieser Name stammt. Wir wussten nur, dass dieser Tee eine einzige taiwanesische Kreation ist. Alle andere Formosa Oolong, sei es Paochung, sei es Dongding oder Hochlandoolong, sind mehr oder weniger inspiriert von dem Fujian Oolong. Sie entwickelt sich zwar zu einer eigenen Richtung, aber ihr Ursprung ist chinesisch. Nur den Oriental Beauty könnte man nirgends in der chinesischen Literatur im Festland China, in ihrer Tradition nachschlagen.

Nun findet die Einwanderungsrichtung umgekehrt statt. Es ist so unberechenbar wie die Geschichte. Taiwanesische Einwanderer gehen nun Richtung China – nicht als Wirtschaftsflüchtlinge, sondern als Investoren! Taiwanesischer Teebauer kehrt nach Anxi zurück und pachte Länderei, um ihren „taiwanesisierten“ Oolong herzustellen. Darunter auch Oriental Beauty. Manche produzieren Oriental Beauty nach dem Formosa Vorbild, manche… produzieren einfach etwas und verkaufen weiter ins Ausland!

Der Wind weht nun in einer anderen Richtung. In Europa gibt es nun verschiedene Oriental Beauty! Die „wirkliche“ Beauty, die von Insekten gebissen wurden und wunderschönen honigarigen fruchtigen Aufguss anbieten, ist konfrontiert mit anderen „Beauties“, die halbkugelige Form und starke Röstung zeigen, oder nach Kastanien schmecken. Die Konsumenten in Eurpan können sich als Kaiser fühlen, zwischen verschiedenen Oriental Beauties aus verschiedenen Herkünften zu wählen. Aber wer ist die „wirkliche“?

Der chinesische Harry Potter erzählt seine Geschichte schon mit 9 Bänden, während das englische Original weniger hat – nur 6 Bände. Wer ist die Kopie, wer ist der original? China ist die Weltfabrik.

Wenn der Teehändler in Europa sich nicht mit der Geschichte des Tees und der Sprache des Tees beschäftigt, ist ausgeliefert von dem so genannten „Experten“ aus Asien. Der Expert oder der Verkäufer kann immer etwas erzählen, aber ein Tee spricht immer dieselbe Sprache, wie er ist. Der Händler hätte dann Interesse sein Fachwissen selbst weiter zu bilden und den Tee wirklich zu verstehen, wenn der Konsument ihn auffordert.

Dongding Oolong heute und gestern 凍頂鳥龍茶的过去和现在

Formosa Dongding Oolong 凍頂鳥龍茶 aus Mitte Taiwan 南投 Nantou wird sogar offiziell von Beijing Regierung als chinesische Spezialität für Olympia 2008 gewählt. Das Volk in Formosa könnte wohl tiefst berührt sein.
Was hat China mit dem Formosa Dongding zu tun?
Ende des 19. Jahrhunderts ein Mandariner Lin Fengchi 林鳳池 aus Lugu bestand kaiserliche Hofbeamte-Prüfung von Manchu 滿洲 (Manchu herrschte in dieser Zeit in Taiwan. Jahrzehnte später übergab Manchu die Macht über Taiwan an die Japaner.) Als Dank an sein Clan, das ihn finanziell unterstützte, brachte 1885 Oolongbäume aus Wuyi Gebirge 武夷山 nach Lugu 鹿谷zurück. Verwandte Lin Sanxian 林三顯 pflanzte die Teebäume im Dongding Berg 凍頂山 (700 M ü. M.). Dieser Teebaum heißt Qingxin Wulong, dessen Verwandte heute in China Aijiao Wulong heißt.
Heute werden nicht nur Qingxin Oolong 青心烏龍 im Dongding-Berg angepflanzt. Jinxuan und Cuiyu (Jadeoolong) erobern auch den „heiligen“ Berg des Formosa Oolongs!
Früher war der Dongding Oolong ein Oolong, der orangenfarbigen Aufguss zeigt und leicht nach Osmanthus duftet (typische Duftnote von Qingxin Oolong 青心烏龍 – da Duft von Osmanthus in Europa nicht bekannt ist, versuche ich diese Duftnote umzubeschreiben – mit Maiglockchen-Duft). Die aufgegossenen Blätter weisen deutlich rötliche Ränder und olivgrüne Farbe im Zentrum der Blätter. Der Geschmack ist vielseitig, lieblich, leicht säuerlich und geschmeidig. Der Duft ist langhaltig und langsam entfaltend. Farbe und verschiedene Bilder werden hervorgerufen. Ich, Roger und Miriam hatten das Glück, diesen Tee in dieser alten Art zu trinken – am einen regnerischen Nachmittag an der Limmat. Roger fragte mich, ob er diesen Tee haben könnte. Leider war der Tee ausverkauft. Man muss heute Teebauer bieten, diesen Tee in dieser Art herzustellen. Mal sehen, ob der Teebauer in diesem Winter wieder macht. Frühlingsernte enthält oft zu viel Feuchtigkeit, die diese Art von Tee nicht besonders begünstigt. Tie Guanyin aus Anxi ist deswegen berühmt für seine Herbst-Ernte, nicht für die Frühlingsernte.
Heute ist der Dongding ein grüner Oolong geworden. Heute heißt alle Formosa Oolong außer Oriental Beauty und Hochlandoolong Dongding Oolong. Eigentlich hat Dongding eine typsichen Duftnote und einen typischen Geschmack, denn der Dongding Berg ein spezielles Klima hat, das Teeanbau besonders begünstigt. Aber wer kann uns heute garantieren, dass dieser Dongding Oolong aus Dongding kommt? Selbst für den Tee-Wettbewerb in Dongding wird Tee aus Hochland eingekauft und als Dongding bezeichnet. Solcher „falscher“ Dongding gewinnt sogar Preise im Wettbewerb. Wenn man nur an die Wörter der Menschen glaubt, nicht mehr an dem Tee selbst, verliert man immer mehr Bezug zu der Realität!

Dongding Berg

Dongding Berg

Wo Geld eine Rolle spielt, wird wohl die Qualität eines Menschen getestet. Eigentlich kann man nur der Formosa Oolong Dongding bezeichnen, wenn der Tee aus Zhangya, Fenghuang und Yonglong Dörfer stammen. Heute werden umgehende Dörfer auch zu Dongding gezählt. Ruitian 瑞田 (nur 100 M. ü. M.) und Fenghuang 鳳凰山 (Teegarten von National Taiwan Universität, 800 M. ü. M.) sind zwei völlig verschiedene Teegegend und Klimazone. Aber ihr Tee heißt immer Dongding Oolong. Also viel Glück braucht ein Teeliebhaber, wenn er Dongding Oolong einkauft.

Dongding Oolong wird 5 Ernte pro Jahr vom April bis November getätigt. Momentan gibt mind. 3 verschiedene Teewettbewerbe von Dongding und jeweils im Frühling und Winter. Der erste Preis kostet oft 1000 € für 600g!! Warum sollte man gegen den Trend und Geld arbeiten?