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Alishan 2004 – Seelenverwandtschaft

In meiner Studienzeit der Germanistik lass ich unheimlich gerne die Literatur vom Mittelalter. Insbesondere zogen mich die keltische Mythen immer an. Oft habe ich das Gefühl, dass diese Kultur sehr sehr nah an der Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Viele Dinge, die nicht übersetzbar sind, findet man in den keltischen Sagen wieder. Seelenverwandtschaften, die in Chinesisch nicht lediglich als Karma zu übersetzen ist, hat die keltische Sichtweise eine übereinstimmige Interpretation.

Immer mehr findet der gelagerte Tee im Europa Liebhaber. Heute bekam ich wieder einen Auftrag den Nage-Nage-Guifei Cha zu reservieren. Dieser Alishan 2004 wird nun wohl restlos aus dem Zimmer meines Lehrers verschwunden.

Ich liebe gelagerten Tee, weil dieser Tee das Leben andersrum liest. Andersrum – wie Benjamin Button. Als 80-Jähriger geboren erlebt Benjamin die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit des Körpers hautnah und lernt das Leben in einer anderen Richtung zu kennen. Er wird immer jünger, während die Menschen, die er liebt, immer älter werden. Er erlebt zuerst der bitteren Seite des Lebens, hinfällig, pflegebedürftig, abhängig und gedemütigt, während die Andere das Wachstum, Jungend und Schönheit leben.

Nage-Nage Cha hat mich sofort geschnappt, als ich ihn zum ersten Mal trank – dies können bestimmt viele andere Teefreunde zustimmen. Intensiv, fruchtig, honigsüß, jedoch – leicht sauer, pflaumig und langhaltig – melancholisch, würde ich bezeichnen. Viele Bilder werden in mir wachgerufen, mich versetzte der Tee in einer anderen Zeit – in einer Zeit, in der die Uhr anders läuft. Komischerweise blieb meine Uhr oft im Stillstand, wenn mein Lebensumstände sich gerade stark wandelte. Ganz unabhängig ob es mit Batterie oder Automatic läuft. Die Uhr stand vor einigen Wochen wieder stil. Ich wußte, die Zeit ist nun anders geworden. Mein Körper lebt nun einen anderen Rhythmus, während meine Uhr mit diesem Rhythmus nicht mehr zurechtkam…

Alishan 2004 war wie eine Art von Wieder-Erkennung, als ob ich schon lange auf ihn gewartet hätte. Eine Art von Seelenverwandtschaft. Süchtig, abhängig und gleichzeitig schmerzhaft, weil das Ende dieses Tees ist abzusehen, nicht wahr? Irgendwann geht er zu Ende, irgendwann ist er alt, verholzt und zerfällt und dann? Es ist eine merkwürdige Art so ein Vergleich zu tätigen. Es müsste wirklich ein Verrückter sein – ich bin wohl verrückt.

Ein Tee-Verrückter genießt im Chinesisch einen tollen Ruhm. Man bezeichnet ihn als Cha-Chi! Ein Cha-Chi wird nicht ausgelacht, sondern respektiert. Denn man dort Menschen bewundert, die ihre Leidenschaft zum Ausdruck bringen und leben.

Benjamin sah auch das Ende seiner Liebe zu seiner Tochter und beschloss, zu gehen. (ihr habt bestimmt gemerkt, ich liebe diesen wunderschönen Film.) Während seine Tochter immer erwachsener wird, wird er immer jünger, kleiner und kindischer. Um ihr ein „normales“ Leben zu ermöglichen, ging er weg. Wenn man das Leben nicht einmal andersrum erlebt hätte, kann man wohl andere Menschen nicht so lieben, wie Benjamin. Wir denken meistens nur an uns selbst, wir wollen Macht über anderen Menschen haben, sie zu bestimmen, was für eine Rolle, sie in unserem Leben zu spielen haben. Benjamin und Daisy, Zwei Seelenverwandten, die sofort in einander erkannten, dass sie füreinander etwas besonders sind. Nicht, dass sie wirklich etwas besonders sind, sondern das Gedächtnis, dass sie besonders waren, wird wachgerufen. Auch wenn sie im Leben paar Male gegeneinander entschieden haben, bringt das Schicksal sie wieder zusammen. Jeder hat seinen eigenen Weg und alles hat seine Zeit.

Was macht denn einen Tee die Zeit zu überdauern? Die Liebe eines Teeliebhabers zum Tee.

Der kuriose Fall von Alishan Hochland 1999

Eine Uhr, die rückwärts läuft, landet mit der Zeit in Friedhof.

Eine Verbindung, die von einem bestimmten Muster belastet wird, bricht im Lauf der Zeit ab.

Eine Beziehung, die das tiefe Herzen berührt, wird durch die Zeit alt.

Wie ist denn es, wenn eine Uhr rückwärts laufen würde?

Wie ist es, wenn wir zum zweiten Mal Chance hätte, die Dinge neu zu erleben?

Wie ist es, wenn wir alt geboren und immer jünger werden?

Manchmal haben wir das Gefühl, jemanden bei der ersten Begegnung bereits gekannt zu haben. Die Zeit und Raum spielen gar keine Rolle. Manchmal haben wir das Gefühl, wenn wir es noch einmal erleben würden, würden wir vieles anders machen. Die Zeit und der Raum beschränken stets den Rahmen unsere Handlungen. Wir sind anscheinend nicht unser eigener Herr. Der eigene Herr für das Leben.

Als der Alishan 1969 einmal im Februar degustiert wurde, wurde ich „enttäuscht“ von der Reaktion der Anwesenden. Die Anwesenden waren vom großen Name in ihrem Bereich und waren enttäuscht von diesem fast 40 Jahre alten Tee. Sie sagten, er zerfällt. Ein Tee, der seinen Höhepunkt erreicht und nun zerfällt. Zerfall. Er schmeckte nur nach duftendem Holz. Verholzt. Alt und gelagert. Sie achteten nicht auf die Geschmeidigkeit die durch die Zeit gewann, nicht auf die Energie dieses Tees, die den Körper aufwärmte. Ein Tee, der zu alt ist.

 

Vor Kürzen trank ich mit Lehrer Aton in Taipei einen Alishan 1999, bevor die Reisegruppe eintraf. Ich erkannte den anderen, der zerfällt, in ihn. Ich erkannte ihn in seiner Leichtigkeit, die die Zeit übersteht, seine Vielschichtigkeit, die zeitlos ist und seine klare Sprache, die die Zeit überdauert. Einerseits fruchtig reif, Duft nach den unter der Sonne getrockneten Zwetschgen; andererseits blumig nach zarten Frühlingsorchideen. Klar, unverklemmt und unverschwommen. „Das ist es.“ Sagte Aton zu mir. Ich nickte meinen Kopf. Ein Tee, den wir in Shui Tang einführen werden. Als ein Einstieg für Teeliebhaber in die Reise mit der Zeit…

Dieser 10jährige Alishan im Vergleich mit Alishan 1969 versetzt mich ins Kino von Benjamin Button. Indem ich ihn (1999) trank, erinnerte er mich an dem 1969. Benjamin wurde alt geboren und erlebte sein Leben immer jünger. Während die anderen hinfälliger wurden, wurde er immer kräftiger und lebendiger. Was ist die Zeit für Menschen? Was ist das Zeitlose im Leben? Gibt es wirklich, was die Zeit unbedeutend macht?

 

„Möchtest Du diesen Alishan noch jünger erleben?“ fragte Aton mich anschließend. Noch jünger? Ich sah ein Schalk im Augen von Aton. Noch jüngerere Alishan, der Nage Nage Cha, den er manchmal versteckt und manchmal doch verkauft. Er weiß manchmal nicht, wie er die Attacke von berührten Teeherzen widerstehen kann, an sie keinen guten Tee zu verkaufen.

Der noch jüngere Alishan 2003 noch fruchtiger, blumiger und frischer. „Er ist so jung!“ Nur im Aussehen? In seinem Wesen ist er reif, er ist klar und übersteht die Zeit. Er wird alt. „Nehme doch all diesen Tee. Lagere ihn, verkaufe ihn langsam. Es ist gut für Dein Geschäft.“ Aton wollte mir helfen, einen Name mit Raritäten und erlesenen Tee im Europa zu behaupten. Er gibt mir sein Schatz, weil ich ihn verstehe. Weil meine Liebe zum Tee ihn berührt. Ist das, was zeitlos ist?

 

Als Benjamin Button Daisy begegnet, wurde es ihm etwas klar. Diese Person verändert sein Leben. Dieser Erkenntnis machte vielleicht sein hinfälliges Leben einen Sinn, denn es nicht mehr in dem gleichen Muster läuft. Der gleiche Muster, sich so zu fühlen und verhalten wie die alten Menschen, die auf Tod warten. Er bekommt Mut.

Mein Leben verlief auch in einem bestimmten Muster. Bis mir durch Tee und durch den so genannten Teeweg eines klar wurde, dass ein Muster mein Leben und meine menschlichen Beziehungen dominierte und dominiert.

Auch wenn man bewusst die Dinge zweite Chance gibt, verlaufen die Dinge nicht immer anders. Yang Dechang versuchte in „Yi Yi“ zu erklären, dass gewisse Muster unser Leben stets dominieren und unseren Versuch zum Scheitern bringen. Wenn wir bewusst wieder in die gleiche Situation zurückkommen, überkommt uns die Unerträglichkeit dieser Wiederholung. Der unglückliche Familievater von Yiyi fährt noch einmal mit seiner Jungendfreundin zusammen auf die Reise. Am Ende steht er fest, dass sie einfach nicht an ihr Schicksal verändern. Es dominiert ein bestimmtes Muster, eine bestimmte Wiederholung, die den zweiten Versuch so unertäglich schmerzhaft machte. Vielleicht weil es nicht einmal wahrgenommen wurde, um durchzubrechen.

 

Es ist bestimmt auch der Grund, warum Elisabeth in Wong Kar Wais „ My Blueberry Nights“ durch das Amerika wandert, um wieder nach New York zurückzukommen. (Wong Kar Wai bezeichnete diesen Film als eine Geschichte von einer Frau, die den weitesten Weg genommen hat, anstatt den kurzen, um den Mann, den sie liebt, wieder zu begegnen.) Sie wusste, dass der Cafe-Besitzer Jeremy auf sie wartete. Aber wenn sie wieder die Tür gleich geöffnet hätte, wäre sie immer noch dieselbe Elisabeth wie gestern gewesen. Sie musste ihr Leben mit Abstand betrachten und reflektieren, was bis jetzt dominierte. Sie musste ihre Schmerzen mit auf den weiten Weg mitnehmen und ihre Geschichte durch Leben des anderen mit neuen Augen sehen.

Alishan BäumenBäumen in Alishan

Ein Baum kann in Alishan fast zwei tausend Jahren alt werden, aber Menschen nicht. Ein Tee, der verholzt, sei zerfallen. Unser Herz wird auch alt und verholzt, wenn es nicht mehr zur Sprache kommt. Selten erleben wir Menschen, die jünger „wirken“ (nicht aussehen – dies kann man mit künstlichen Angriff oder Kosmetik helfen) als sie wirklich sind. Selten erleben wir Menschen, dessen Herzen jünger bleiben als sie tatsächlich sind. Herzen können jung bleiben, wenn sie einmal verstehen, was zeitlos sein kann.

Nage Nage Cha… 那個那個 茶

CN kenne ich seit der Unizeit, einer der wenigen Freunde seit dieser Zeit, die ich im Moment noch treffe. Es liegt nicht an mir, denn ich zu ungeschickt bin im Beziehungspflegen. Es liegt an ihm, er pflegt nicht nur eine Freundschaft zu mir und vor allem zu meienr Familie. (Meine Familie nimmt gerne Anteil an meinen Freundschaften. Carola und Juerg sind im Moment mit meinen Eltern im heissen Quelle-Baden. Joerg wird erwartet bei mir Zuhause. Die gesamte Mannschaft von der Gruppe wird von meinem Vater herzlich zum Ente-Essen eingeladen. Ich glaube, mein Vater ist nervoeser als ich…)

Wir kannten uns auf der Strasse bei dem Demo. Seitdem wurde er Politiker, ein leidenschaftlicher Politiker, der leider keine Karriere damit macht. Zum Glueck hat er eine tolle Frau, die die Familie ernaehrt. Wir fuhren zusammen nach Sanxia und zeigten Carola und Juerg, den schoensten Tempel 三峽祖師廟 auf Formosa!

Er sagte, ich sei eine seltsame Person, immer noch so direkt und geradeaus wie ein Kind. Wie ein Kind… Ich staunte, waere es besser, dass man ein Navigator braucht, um mit mir zusammen zu sein? Ist es nicht besser, dass mein Gegenueber weiss, woran er ist? CN sagte recht traurig, die meisten Menschen vor allem in der Politik pflegen eine Stadt im Herzen, um diese Stadt zu erkuendigen, braucht man tatsaechlich einen Navogator-System – GPS…. Vielleicht haben sie selbst ein schlechtes GPS, denn sie verlieren so oft sich selbst und wissen nicht, was sie wirklich wollen…

Dinge im Leben sind in der Wirklichkeit einfach zu handhaben. Entweder leave it, or take it. Dazwischen – macht immer Verwicklungen oder verzerrt viel Energie – darunter leide ich immer wieder in meinem Leben. Weil man Angst hat oder blockiert ist, versucht man noetige Entscheidung oder Veraenderung hinauszuzoergern. Am Ende entfernt man sich immer mehr von eigenem Weg.

Andererseits gehoert Umweg auch zum Leben.

Das ist auch so im Tee. Tee ist geradeaus und direkt.

Mein Lehrer versteckt zu viele Tees, machmal vergisst er sie. Mein Job in Taiwan ist oft, solche Tees zu suchen, denn ich zu frech bin und er mag meine Direktheit. Oft werde ich genau so mit derselben Art konfrontiert. Das gefaellt mir ebenfalls am besten.

Ich brachte paar Tees zu degustieren. Bei der Degustation merkte ich, dass ich von dieser Sammlung recht enttaeuscht wurde. Er bemerkte meine Enttaeuschungen und seufzte, „Menglin, Sei nicht beeinflusst von Deiner Beeiehung zu Menschen, wenn Du einkaufst. Tee ist direkt. Entweder ist er gut, oder geht es nicht. Entweder nimmst Du ihn, oder lass es sein! Dazwischen gibt es nichts! Wenn Du so sentimental bist oder jemandem helfen zu wollen, kannst Du nie weiter kommen mit Tee!“ Ich schwieg. Ich kenne meine Probleme. Immer wieder moechte ich den Zustand „Dazwischen“ verlaengern, immer wieder lasse ich mich von dem Umgang mit dem Teebauer beeindruecken. Immer wieder laufe ich in die Falle der Sentimentalitaet.

Die zweiter Runde war Degustation von verschiedenen Oolongs, die von einem anderen Schueler mitbrachte. Mein Lehrer sah es und holte einen privaten Tee, wir nannten ihn „Nage Nage Cha“.

Nage – jener. Nage Cha, Jener Tee. Der Tee, den er versteckt. Nage Nage Cha meldete sich sofort in der Runde. Unglaublich schoener unvergesslicher Duft und Aromen! Wie Gerdania! Suess, elegant, erhebend ohne andere Spuren von Unreinheiten. Ein Tee, der uns einfach direkt sagte, „Ja, ich bin es.“

Nage Nage Cha, ein Buddha Hand aus Pinglin von einem alten leider nicht mehr so vernupftiger Teebauer. Seine Frau rief meinen Lehrer an und warnte ihn, sofort zu kommen, um den Tee zu sichern. Mein Lehrer diskutierte nie mit dem Bauer ueber Preis. Er sah diesen Tee und nahm ihn sofort mit. Der Preis war egal.

Neben dem Nage Nage Cha waren alle anderen Oolongs wie ein langweiliger Film. Die Schueler seufzten nebem dem Lehrer. „Du siehst, Tee erzaehlt Dir einfach, wie er ist. Nur die Menschen machen es nicht.“ Wir nickten den Kopf. Carola und Juerg waren nur gestaunt ueber diese klare Aussage und den eindeutigen Schluss.

Ich wollte unbedingt noch einen Nage Nage Cha trinken. Einen Guifei Cha. Er fragte mich welchen? Ich sagte – ich bin schlau und frech, „Nage 那個 !“ Er lachte. Sicher wusste ich nicht, welchen Guifei Cha er versteckt, aber „Nage“ wuerde jenen bedeuten, den er versteckt!

Ein „Nage“ Guifei Cha, Ein von Insekten befallener Alishan Hochlandstee! Honigsuess, duftend nach Blume auf meiner Grossmutters Garten von dem Longgan Baum. In jenen April stand ich unter dem Baum und schmeckte den suessen klaren Duft von Longgan 龍眼 -Blumen. Meine Grossmutter arbeitete gerade auf dem Pamelo Baeume und meine Kinderfreunde spielten (quaelten) mit dem Frosch. Nur ich war verwirrt von dem unvergesslichen Duft im Winde. Meine Eltern waren weit weg und meine Zukunft war so fern… Nage Nage 那個 Cha, versetzte mich in einer anderen Zeit! Wie ein Kind…

Blumenmarkt und Teetraining

Mit Carola und Juerg ging ich am letzten Sonntag auf dem Blumenmarkt, weil meine Schwester mir befahl, fuer sie Blumen einzukaufen.

Blumenmarkt voller Menschen und voller Blumen! Orchideen! Praechtig, anmutig und duftend! Hast Du jemals so viele duftende Orchideen gesehen? Ich nicht! Ich genoss die Duefte und die ganz neue Erfahrungen! An die duftenden Blueten erinnert mich sofot an die Tees, die wir vorhin trank! Der wunderbare Baxian!

Wir rochen Zhizi Hua, der Blume von Huang Zhi Xiang – nach diesem Blumen wurde der Dancong genannt. So duftet diese Blume – suess, warm und umarmend! Ich war so beruehrt von dieser Beruehrung des Duftes.

Wir gingen weiter und weiter. Die Blumen hoerten nicht auf, die Dueften dauerten an…

Ich habe eine Idee: ich werden mit unserer Reisegruppe direkt nach dem Emfang zum diesem Bluhmenmarkt gehen, der immer nur am Wochenende in Jianguo Nan Ro. 建國南路花市 stattfindet! Die Nase werden dort richtig geschult fuer die Tees!

Jetzt hoere ich auf zu schreiben, es ist die Zeit fuer meine japanische Serie 篤姬…

Qilan aus dem Fruehling von Mingjian

qilan

Kristine hatte den Wuensch, als wir in Berlin das Oolongseminar hatte, einen speziellen Seminar fuer Saison-Charakter des Tees zu lernen. Ich nehme diesen Wuensch ernst und moechte gerne dafuer vorbereiten.

Mein Lehrer roestete gerade heute den frisch fertiggestellten Qilan und zeigte mir, zwei Qilan von winter 2008 und Fruehling 2009.

In Qilan 2008 erkenne ich sofort die Person meines Lehrers. Aufguss oelig, faccettenreich, schmeidig. Die Suesse unaufdringlich und nachhaltig. Der Duft praesent und zurueckhaltend. Ein Meisterwerk! Ein gut und einfacher Tee unter seinen persoenlichen Einleitung. Schoen pfefferminz, floral, fruchtig gegen Ende. Eine Pflanzen, der aus der warme langsam zurueck zur Kaelte zurueckziehen muss. Sein Wesen, zurueckhaltend, distanziert und er laesst nur der Duft selbstbewusst fuer sich selbst darstellen.

„Weiss Du, die Pflanzen auf Formosa wissen sehr gut was Sommer und Winter bedeuten. Wenn der Nordwind weht, blaesst er die Feuchtigkeit des Wassers ab. Die Pflanzen muessen sich schutzen. Der Teebauer freut sicht, weil der Wind ein grosser Helfer ist fuer einen grossartigen Tee!“ Der Wind berueht dem Gesicht eine alternde Frau. Der Wind blaesst die Haut der zurueckziehenden Blaetter. Die Blaetter weden ledrig, rauh, wie die Gesichter der Pflueckerinnen im Nordwind.

Der Fruehlingstee ist von einem anderen Wesen. Der Fruehlingswind ist warm, startbereit – Start fuer einen neuen Anfang, fuer einen neuen Zyklus, fuer eine neue Unternehmung. Gut oder schlecht, spielt keine Rolle, Der Fruehling verlangt weitere Schritte in der Natur und auf der Erde. Nur der Mensch sit traege, denn er hat Gedaechtnis.. Er kann seine Schmerzen in der vergangenheit nciht vergessen und traut sich nicht vor einem Fruehling. Wie ein Wolken, der nicht weiss, wohin. Der Fruehling kommt, die Pflanzen waechst. Von der Kaelte zur Waerme wechselt die Erinnerung der Wurzel. Die Wurzel fangen an, Nahrung zu saugen. Er will wachsen! Die Wolken kommen, der Regen bleibt. Alles wird wechselhaft. Teepflanzen freuen sich, waehrend der Teebauer furchtet. Wie schafft ein Teemaker einen grossartigen Tee unter einer wechselhaften unklaren Bedingung?

„Menglin, Du sollst nun Buddha oder Jesus beten, wenn die Gruppe in zwei Wochen nach Mingjian gehen wollen, um Tee zu machen.‘ lachten die Leute im Teezimmer. Ein guter Fruehlingstee in einer unklaren Wetterlage muss tataechlich mit Hilfe der uebernaturlichen Kraft geschehen! Ja, ich bete sicher fleissig.

Der Fruehlingsqilan, schwer zu fassen, in Worte. Floral, lebendig und in Entwicklung. Der Fruehlingsbriss schmeckt im Aufguss wie ein Hauch der zarten Beruehrung. „Was fuer einen zarten sanften Tee?“ ich spuerte im Tiefen eine leise Seufz. Wie eine Hand, die Dein Haar auf Dein Hemd unauffaellig wegnimmt, Deine Haut mit einem Blick vorbei streift, Deine Schuhe mit dem leichten Rand eines Rockes unbeabsichtigt beruehrt. Scheinbar oder konkret. Tatsaechlich oder unwirklich. „Willst Du diesen Tee noch weiter roesten?“ „Nein, es ist gut so, oder?“ „Ja, es ist gut so.“

Foto:

links Qilan Winter 2008; Qilan 2009 Fruehling

Teatoys zu roesten

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So roestet mein Lehrer seinen hochwertigen Tee im Winter. So ein Furo (Wind-Ofen) dient gleichzeitig als Heizquelle.

Unten werden Holzkohle angefeuert und im gluehenden Zustand setzt man das Bambuskorb auf dem Feuer. Ich habe ihn gefragt, ist es nicht besser mit Computer zu steuern? Er sagte, Computer kann die Qualitaet des Tee leider nicht unterscheiden. Wenn die Substanz des Tees stimmt, dann ist die Roestung kein geheimnis mehr, behauptet er. Er liess den Tee uebers Feuer uebernachten und meinte, dass es so wie es ist gut ist. Computerprogramm ersetzt nicht seine Urteilsvermoegen und seine innere Uhr.

Natuerlich ist es alles anders als er sagte. Er lacht ueber meine Ernsthaftigkeit, diese Geheimnisse unbedingt zu erfahren. „Menglin, Du bsit nicht dafuer gemacht! Schaue doch Deine Haende an, Deine Haende kann nicht Mal Feuer anzuenden!“ Ich schaute meine Haende an. Er hat recht.

Teatoys zu roesten

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Es war sehr heiss, als ich in Bangkok ankam. Ueber 30 Grad und strahlende Sonne. Als das Flugzeug in Taipei landete, reiselte der Regen und es war grau. 13 Grad.

Ich hatte sehr wenig an, denn ich dachte, ich sei daheim. Der Winter sei sehr lang, wechselhaft und kalt. Weil es kalt war, hatte mein Lehrer viel Moeglichkeiten, Tee zu roesten.

Verschiedenene Tees, Hochlandoolong, Buddhas Hand und Lishan wurden unter seiner Hand geroestet! Niemand dufte diesen Tee probiert, weil er fuer mich und Teereise-Freunde reserviert hat, sagte Onkel Chong. Nicht einmal der Fondmanager Chen…

Ich ass Ananas, gluecklich und gierig. Es gab eine ganze Menge Dinge zum essen, weil sie wussten, ein Hungeriger kommt nach Hause. Eine Tochter der Formosa. Meine Mutter sagte, Toechter seien Raeuber.

Was fuer Tee trinken wir heute? Mein Lehrer ging ins Hinterzimmer.

Ein wunderschoener Bi Luochun aus dem Baum Bai Maohou in Pinglin. Geschmeidig, sanft und oelig. Ein Tee, der atmet, der lebt und spricht.

Ein herrlicher Buddhas Hand aus Pinglin. Ich schmeckte ein Cocktail der subtropischen Fruechte! Intensive vielschichtige fruchtige Duefte entfalteten sich unaufdringlich auf meine Zunge und in meine Kehle. Oelig und smooth like silk. Wie waere es dieser Tee zum Lagern? Ein glueckliches Seufz! Er schaute zu mir, „Menglin, Du bist zu sentimental.“ Das bin ich nicht, das ist Dein Tee. Das bist Du.

Ein auf Holzkohle geroesteter Lishan! Wie denn? Er hat alle seine Kapazitaet von  Lishan Winter 2008 geroestet. 18 Kgs, ausnahmenslos. Was fuer eine Kapitalbindung, seufzte ich wieder. Die Leichtigkeit des Formosa Berges schwingte im Aufguss. Tiefsinnig und zugleich federleicht. Ohne Schwermuth, aber voller Ernsthaftigkeit. Elegant und aufrichtig. Ich schmecke noch leichte schokoladige Roestnote. Dieser Tee braucht noch ein wenig Ruhe, bevor er richtig gejubelt wird. Was bedeutet eine Sucht? Sucht hat untershciedlichste Form, nicht wahr? Sucht ist jedenfalls eine Abhaengigkeit, die eigentlich aus Mangel des Innernen entsteht. Dann gestehe ich zu meinem Mangel. Ich bin gerne suechtig, suechtig nach diesem Tee, nein, eigentlich nach der Beruehrung dieses Tees!

Ich bin sicher, Teefreunde aus Deutschland und der Schweiz werden hier ihre Teeerlebnisse neu beschreiben.

Degustationsabend mit Formosa Oolong

Degustationsabend mit Formosa Oolong

Ein total verregneter Tag. Ausgerechnet an diesem Tag mussten so viele Dinge passieren. Selbstverständlich erwischte ich eine falsche Bus, in eine falsche Richtung und dann kam ich wie erwartet viel zu spät in die Veranstaltung. Das ist fast schon wie ein Regel, dass ich stets zu spät komme. Ich schäme mich richtig, aber fühle mich total ausgeliefert in dieser Situation.  Jürg rief mich schon unterwegs an, als ich mich in dem Rotlicht-Quatier Langstrasse irrte. Als ich ankam, fragte Carola, „Warst Du überhaupt in dem richtigen Bus?“

Alle warteten auf den Formosa Oolong. Die Mitreisenden und die Daheimbleibenden. 

Ich spreche gerne vorher mit Menschen ab, wie die Sache aussehen können bevor man eine falsche Vorstellung hat. Zusammen etwas zu unternehmen ist eine Abhängigkeit, die geklärt werden möchte. Wenn ich Teeseminar mache, gibt es Teilnehmer, die sich auf die Tees stark fixieren und vergessen, dass es noch einen Leiter gibt, der entscheidet, wann man den Tee probiert. Ich nehme dieses Verhalten nicht immer ernst. Aber mein Lehrer und die Taiwanese schon. Bei jeder Degustationsrunde mit meinem Lehrer wird zuerst von ihm probiert und wenn er O.K. gibt, kommen die Schüler ran. Im Europa gibt es bereits viele Teekenner, die ins Teeland reisen. Aber so eine Nummer wie meinen Lehrer sicher noch nie erlebt, eine schwierige Nummer, die sein wahres Wesen lebt. Manche Teilnehmer fragen mich, ob man mit ihm über Teepreis verhandeln kann. Ich musste fast tot lachen. Ich sagte, man muss froh sein, wenn er überhaupt seinen Tee an Dich verkaufen will.

Heute bekam ich zwei gute Aufträge, die sofort bestätigt werden wollen. Zwei wunderbare Tees aus dem Frühling auf Formosa! Gute Rohstoffe sind rar, sie werden gesucht, gejagt. Es ist manchmal sehr spannend zu sehen, welche Kundschaft welchen Tee bekommen kann. Manche Kundschaft fühlen sich unsicher und eigentlich zu wenig Kenntnis haben für Tee, sie entscheiden sich viel zu langsam und bekommen meistens nicht die besten Waren. Dagegen gibt es kompetente Kundschaft, die sofort den Auftrag geben, nur um gute Ware zu sichern. Das Phänomen nennen wir in Chinesisch Karma, wer findet wen und wer findet etwas. Zwei Dinge die zusammen nicht gehören, finden den Weg nicht zueinander. Weil der einen den anderen nicht sieht. Teebussiness ist wirklich wie ein Puzzlespiel.

Manchmal möchte mein Lehrer mir helfen, einen Auftrag zu erledigen und möchte seine Arbeit gratis geben. Ich nehme es nie an. Ich bezahle gerne etwas, etwas zu symbolisieren, dass seine Arbeit sehr wertvoll ist. Das Geld ist nur ein Mittel, manchmal unbedeutend und für die meisten zu bedeutend. Er freut sich über meine Geste und tut immer sein Beste für das Verständnis und Respekt zwischen uns. Das ist für mich das wahre Geschenk.

Heute degustieren wir drei Runde und ich versuche, einen kleinen Überblick von modernen Oolongsorten bis zu traditionellen Sorte zu vermitteln.

Moderne Oolongbaum:

Jadeoolong, Jinxuan, Sijichun – meistens aus Mingjian, meistens als Dongding Oolong verkauft.

Qingxin Oolong, der beliebste und eleganteste Oolongsorte. Meist angebaut und nachgefragt.

Traditionelle Sorte

Tie Guanyin: Muzha und Pinglin

Oriental Beauty – zwei wichtige Anbaugegend: Taoyuan / Xinzhu und Pinglin. 

Fancy Oolong – wird nun auch in Sanxia angebaut.

Seit 80er Jahren werden Hochlandsoolong immer beliebter:

Alishan und Lishan sind für mich zwei wichtigste Anbaugebiet, weil sie zwei markante Richtlinien von Hochlandoolong aufweisen. Zwei verschiedene Wesen und zwei verschiedene Temperatment.

Im Moment werden alle Tees als Hochlandoolong bezeichnet, wenn sie über 1000 ü. M. angebaut werden.

 

Oolongrunde für die Daheimgebliebenen.

Morgen Abend findet eine Oolongdegustationsrunde in Zürich statt. Ein „Trost für Daheimbeliebenden, die die Oolongs nicht vor Ort erleben. Ein „Muss“ auch für die Mitreisenden für unsere Teereise in April.

Ich hätte gerne dieses Post früher bekannt gemacht. Leider fand ich keine Zeit. Danke für viele Bloggfreunde, die mich nachfragen, wegen meiner Abwesenheit. Ich werde mich bemühen mehr Zeit für Teefreunde zu nehmen. Mich kann man nicht aus den Augen verlieren, da man mich hier immer findet.

Taiwan Trip Warm-Up – für Teilnehmer und Daheimbleibende

Datum:

Mi, 25. März 2009
Zeit: 19 – 21 Uhr
Ort:

Technopark Zürich, Turbinenplatz, 8005 Zürich (Zürich West), Raum Newton 1008, Flügel Newton, 1. Stock Lageplan

Kosten:

Mitglieder kostenlos, Nichtmitglieder Fr. 20.-