Archiv für den Tag 03/10/2022

Die Geschichte von Du, Zichun – der gute Mann -II 杜子春的前半生: 從浪子到大善人

Wir kennen solche Figur „der ewige Jüngling“ in unserem Leben. In uns und in dem anderen. Wer von uns würde nicht gerne die kreative und schöpferisch, individuelle, ungebunden und freie Seite im Alltag leben? Wieviele von uns können stets die unangepasste Seiten zur Schauzustellen oder leben? Solche Figur sind Empörung auslösend, wenn sie negativ auffallen, zum Beispiel als Schmarotzen, als „Revoluzzer“ oder als „Verlierer“. Manche rufen allerdings Verehrung hervor, wenn sie als „Kreativer Schöpfer“, „Künstler“ und „Vorreiter“.
In einer durch konfuzianischen Moral geprägten Gesellschaft führte Du zuerst ein unsittliches Leben und ist selbst verschuldet. Bis er eine Figur wie ein Lehrer und Meister begegnete.
Du ist für viele Menschen ein Glücksfall. Er kann die Person begegnen, die ihn bedingungslos behandelt. Er bekam sogar drei Chance! Er hat die dritte Chance nicht verpasst! Er hat jemanden, der sein Wesen ganz tief in ihm gesehen und an das Mögliche in Ihm glaubte.
Treffen wir in unserem Leben solche Menschen, die unser zartes nach Entwicklung schreiendes Wesen durch unsere Probleme und unsere falsche Verhalten durchschauen können?
Sie sind solche Menschen, die auch durch das „falsche“ Verhalten des Anderen immer noch an ihm glauben und ihm drei Male Chance geben, bevor wir ihm abservieren?
Ein guter Lehrer ist wie ein Spiegel. Wir können durch diesen Spiegel uns selbst sehen.
Aber wir wollen meistens nicht und verteufeln diesen Spiegel als „Tadeln“.
Du 杜 hatte Glück. Und das Glück hatte er nicht verpasst.
Er griff die Chance und machte mit seiner Gesellschaft wieder gut. Er wurde zu einem sittlichen Mann aus seinem tiefen Verständnis und verstand das Geben und Nehmen.
Er ist somit „Erwachsen“.
Trotzdem lebt er immer noch auf der Ebene von dem kollektiven. In dem Wirkungsbereich des Kollektiven. Er tut das, was er erwartet wird – als ein guter Mensch. Auch wenn das Gute im ihm nicht durch Konvention und Klatsch gezwungen wurde, bleibt er ein Mensch, der eine Versöhnung oder Übereinstimmung nach Außen sucht. Er tat später vieles für die Anderen und bestand die Prüfung in der außen Welt. Aber für ihn selbst? Was tut er für seine Seele? Ist er ein wahres Individuum?
Und ein ewiger Jüngling muss auch nach einem Ausweg suchen, neben dem Erwachsen werden, seine Kreativität und Glaube unbeirrt zu leben, in einer gespaltenen und orientierungslosen Gesellschaft die erneuernde Kraft zu sein!

Ist er nun der angespannte gute Mann? Genießt er seinen Ruf als ein freundlicher hilfsbereiter Wohltäter?
Seine Reise geht jetzt weiter. Nach Innen. Und er hat einen Lehrer.

Die Geschichte von Du, Zichun – der gute Mann -1杜子春的前半生: 從浪子到大善人

Du 杜 ist eine Figur aus einer Erzählung von 唐Tang Dynastie (https://en.wikipedia.org/wiki/Du_Zichun)
Diese Geschichte wurde zum ersten Mal im 9. Jh. erzählte. Später unzählige Male neu geschrieben und zirkuliert. Anfang des 20. Jahrhunderts hat der japanischer Schriftsteller Akutagawa Ryūnosuke (bekannt durch sein Buch Rashomon das Motiv erneut aufgegriffen, seine Version erzählte, „Toshishun“.
Seine Version unterscheidet sich wesentlich von der chinesischen an der Interpretation von Dus Scheitern auf seinen Weg zum Heilligen.
Ich erzähle diese Geschichte, weil sie mir viel Verständnis über meine Probleme auf meinen Weg spiegelt und auch Verständnis über die gezwungenen (aufgesetzte) sittlichen Verhalten unserer Gesellschaft vermittelt. Auch über das Schweigen, die Liebe und Lehren nachzudenken.
Zuerst die Geschichte der ersten Hälfte seines Lebens:

Du Zichun lebte in der Zeit im 6. Jahrhundert. Als junger Mann war er kühn und unerschrocken. Er nahm nichts ernst und lebte einen aufsässigen und extravaganten Lebensstil, frönte den Vergnügungen und dem Trinken.
Ein typischer „ewiger Jungling“.
Er achtete nicht aufs Geld, und es dauerte nicht lange, bis er sein gesamtes Familienglück verlor und in Armut und Ruin versank. Also fand er keine Zuflucht bei seinen Verwandten und Freunden. Weil sie ihn für einen Idioten hielten.
Der Winter kam, und er hatte nichts. Er konnte nicht anders, als zu seufzen. Ein alter Mann mit einem Spazierstock kam auf ihn zu und fragte ihn, warum er seufzte.
Du schüttete all seine Klagen über seine Situation aus und beklagte sich über die Herzlosigkeit der Menschen.
Der alte Mann fragte Du, wie viel Geld er brauche.
„Dreißig- oder fünfzigtausend Münzen würden mir reichen“, antwortete Du.
Der alte Mann sagte, es würde nicht ausreichen. Du erhöhte die Summe dann auf hunderttausend. Aber der alte Mann sagte immer noch, es würde nicht ausreichen, und bat Du, ihm einen anderen Betrag zu nennen.
„Wie wäre es mit einer Million?“, fragte Du. Der alte Mann sagte ihm immer noch, dass es nicht genug sein würde. Also bat Du um drei Millionen Münzen.
„Okay, das reicht“, sagte der alte Mann. Dann nahm er eine Schnur mit 1000 Geldstücken heraus und gab sie Du. „Das ist alles, was ich heute habe. Warte morgen Mittag in der Perser-Villa in der westlichen Straße auf mich, und ich werde dir den Rest des Geldes geben. Komm` aber nicht zu spät.“
Du ging am nächsten Tag zum Treffpunkt. Der alte Mann gab ihm getreu seinem Wort drei Millionen Münzen und ging, ohne seinen Namen zu hinterlassen.
Mit so viel Geld in der Hand konnte Du nicht anders, als sich überglücklich zu fühlen. „Ich werde nie wieder arm sein“, dachte er bei sich.
Fast sofort begann er, erstklassige Pferde zu reiten und luxuriöse Pelze zu tragen. Er trank den ganzen Tag mit Freunden und heuerte Musikkapellen an, die für sie spielten. Er trieb sich in Bordellen herum und kümmerte sich nie um morgen.
In nur ein paar Jahren wurde er genauso arm und hilflos, wie er es nicht allzu lange zuvor gewesen war. Er blickte zum Himmel auf und seufzte tief.
Gerade dann erschien der alte Mann wieder vor ihm. Er ergriff Dus Hand und fragte: „Wie bist du wieder an diesen Punkt gekommen? Macht nichts, ich kann dir helfen. Wie viel willst du diesmal?“
Du schämte sich wirklich, und es war ihm zu peinlich zu fragen. Der alte Mann fragte ihn wiederholt, aber Du konnte sich nur vor Scham entschuldigen. Am Ende sagte der alte Mann zu Du, er solle am nächsten Tag zur gleichen Zeit an dieselbe Stelle kommen. Diesmal werde er ihm zehn Millionen Münzen geben.
Am nächsten Tag ging Du an den gleichen Ort, und der alte Mann gab ihm zehn Millionen Geldstücke, wie er es versprochen hatte. Bevor er ging, beschloss Du, dass er diesmal seine früheren Fehler korrigieren und ein Familienunternehmen erwerben wolle, mit dem er viel Geld verdienen werde. Er sagte sich, dass er dieses Mal reicher werden würde als die reichsten Menschen, die er kannte.
Sobald er jedoch das Geld bekam, vergaß er seine Idee völlig und begann, sich wieder wie früher zu leben. In weniger als drei oder vier Jahren wurde er mittellos und befand sich in einer noch schrecklicheren Situation als zuvor.
Eines Tages traf er den alten Mann an der gleichen Stelle wieder und versuchte, ihm auszuweichen, indem er sein Gesicht verdeckte. Aber der alte Mann griff nach Dus Kleidung und sagte ihm, es sei dumm, ausweichen zu wollen.
Dann gab er Du 30 Millionen Münzen und sagte zu ihm: „Wenn du diesmal nichts Gutes aus dir machst, kann dir nicht mehr geholfen werden und du wirst für immer mittellos sein.“
Du dachte sich: „Ich habe einen rücksichtslosen und ausschweifenden Lebensstil geführt, der meine Mittel übersteigt, und ich habe alles Geld verschwendet, das ich hatte. Keiner meiner wohlhabenden Verwandten, Freunde oder sonst jemand hat mir irgendeine Hilfe angeboten, mit Ausnahme dieses alten Mannes, der mir dreimal riesige Geldsummen angeboten hat. Wie soll ich seine Freundlichkeit zurückzahlen?“

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf sagte Du zu dem alten Mann: „Ich habe drei Lektionen aus Ihrer Freundlichkeit gelernt und werde jetzt etwas aus mir machen. Auch werde ich Waisen und Witwen helfen und ihnen zu einer ethischen Erziehung verhelfen. Ich bin sehr dankbar für Ihre Freundlichkeit und werde zurückkommen, um Ihnen zu dienen, sobald ich meine Ziele erreicht habe.“
Der alte Mann sagte: „Das ist genau das, was ich mir erhofft habe. Wenn du das, was du dir vorgenommen hast, erreicht hast, dann komm im nächsten Jahr auf das Festival der hungrigen Geister und warte unter den zwei Zypressen vor dem Laojun-Tempel auf mich.“
Er kaufte 100 Hektar fruchtbares Land, baute eine Residenz in der Stadt und über 100 Häuser an Kreuzungen und anderen wichtigen Orten. Dann rief er Waisen und Witwen auf, in diese Häuser zu kommen und dort zu leben. Er half Neffen und Nichten in diesen Familienclans bei ihren Eheschließungen und sorgte dafür, dass die Paare nach ihrem Tod gemeinsam begraben wurden. Diejenigen, die anderswo gestorben waren, wurden wieder in ihrem Heimatland begraben. Dank seiner Bemühungen konnte alte Missgunst unter den Menschen beseitigt werden, und diejenigen, die tugendhafte Dinge getan hatten, wurden für ihre Güte großzügig belohnt.
Nachdem er seinen Wunsch erfüllt hatte, ging Du wie versprochen zum Laojun-Tempel und hielt Ausschau nach dem alten Mann.
( Meine Kommentar kommt in nächsten Beitrag. Und die andere Hälfte der Geschichte folgt danach.)