Meine vergangene Reise wegen Tee

Ich schreibe hier sehr bewusst von meiner Reise anstatt von unserer Reise. Ich reiste zwar mit 24 anderen gemeinsam unterwegs, aber die wirkliche Reise reise ich mit mir selbst allein.
Vor Abreise sagte Alex zu mir, als er von den 24 Teilnehmern Zahl erfuhr: „was! 24 Personen! Das ist ja Tui-Nievau!“
Wie kommen überhaupt 24 Leute zusammen? Es ist mir bis heute ein Rätsel! Ich erzählte es kaum im Shui Tang. Es gab kein Flyer, keine Werbung und keine Veröffentlichung im Internet. Aber scheinbar ist es ganz dringend im Europa, an solche Veranstaltung teilzunehmen. Ich war so überrascht von der Ressonanz. Nach dem Abschluss der Anmeldungen kamen noch viele Anfragen. Wie viele Reisegruppe hätte ich denn mitnehmen sollen?
Ich dachte es sei ganz einfach. Aber mein Körper spiegelte meiner unbewussten Nervösität. Ich konnte mich nicht erholen und schlief paar Tage nicht. Mein Herz war so schwach, dass ich Angst bekam, dass ich diese Reise nicht mehr überlebe. „Mama, ich überlebe es nicht. “ weinend sagte ich zu meiner Mutter. Meine Mutter streichelte mein Gesicht und versuchte mich zu beruhigen „Gehe Zazen sitzen.“ Ich konnte nicht Zazen üben, aber versuchte mit meinem Unterbewusstsein Kontakt zu schaffen. Ich sah, dass ich plötzlich in einem dunklen Raum befand. Ach, ist es der Zwischenort, wenn man stirbt? Bin ich bereits tot? Ich habe Angst vor Tod und was mache ich jetzt? Gehe ich weiter oder werde ich abgeholt? Ich schaute voller Zweifel um mich herum. Plötzlich kam eine Stimme zu mir: „Hey! Was machst Du hier!“ „Ich bin tot.“ „Nein, Du bist an einem falschen Ort. Gehe weg!Deine Zeit ist noch nicht gekommen!“ „Aber ich bin tot.“ „Gehe weg! Du hast noch viele Dinge zu erledigen. Du kannst gar nicht tot sein!! Gehe weg!“ Achso! Ich kann noch gar nicht sterben! Ich habe noch so viele vor mir… Dann kehrte ich zurück. Dieser Rückkehr gab mir plötzlich so viel Kraft, dass es mir bewusst wurde – alls das, was passiert ist das, was passieren soll. Und es ist gut so.
In dieser Klarheit ging ich auf die Reise.
Die Gruppe war witzig und aufheiternd. Das einzige Problem für mich war der richtige Umgang mit den Vegetariar. Für mich sind Fleischfresser und Pflanzenessen gleich. Aber für viele leider nicht. Manche fühlen sich besser als die anderen und bestehen auf eine Vorstellung von Reinheit, was manchmal sehr militant ausgedrückt wird. Nach paar Tagen Anstrengungen sagte Atong zu mir: „Du muss nächstes Mal klar abmachen. Es ist eine Reise von Tee und gutem Essen. Für die militanten Vegetariar ist diese Reise nicht geeignet.“ Diese Klarheit war bitter zu erfahren.
Mich haben diese Dinge recht viel Energie gekostet. Manche Teilnehmer standen mir sehr nah, aber sie hatten Kulturschocks – auch wenn sie es nicht zugeben. Sie übten Ansprüche aus und hatten Missverständnis. Ich habe mich oft gefragt, für was gehen wir nach Taiwan? Für Tee oder für eine komfortable unterhaltsame Reise? Ja, sie sollen eigentlich zu Tui gehen sollen.
Unsere deutsche Teilnehmer haben sehr viel Sympathie geerntet. Atong und Akuan fragten sich, warum die Schweizer so leise sind. Wir hörten immer nur von Deutschen reden und lachen. Ich ging sehr gerne mit den „Deutschen“ Bier trinken. Das heiterte mich unglaublich auf. Die Bierstunde würde ich nie vergessen! Werner hat meinen Rücken immer gestärkt. Ich danke ihm für seine moralische Unterstützung!
Eigentlich ist es nicht, dass Schweizer weniger lustig sind. Sie brauchen einfach mehr Zeit. Diese direkte Art von Deutschen kann manchmal unangenehm ankommen – es ist immer je nachdem wie und wann.
Die deutsche Gruppe schenkte mir am Ende ein Schachtel von taiwanesicher Köstlichkeit. Es war ein grosser Trost für mich.
Wir haben unglaublich viel gelernt, aber auch viel gelacht. Eine unvergessliche Reise.
Unsere deutsche Gruppe schlug mir vor, wenn ich wieder so eine Reise organisieren möchte, sollte es unbedingt eine Vortest geben. Was soll dabei getestet sein? Esstest – man sollte in der Lager sein, Dinge zu essen, ohne nachzufragen. Atongs Witztest – seine Witze könnten einen Eurozentristen kränken. Schlafmangel-test – überall schlafen zu können oder gar nicht schlafen müssen.
Wenn ich jemals wieder so eine Reise mache, dann sage ich von Anfang an: eine sehr unbequeme und anstrengende Reise begleitet von einer temperatmentvollen Reiseleiterin plus einen Lehrer der europäischen Konzepte durcheinander bringt. Ob jemand mitkommen wird?

6 Gedanken zu „Meine vergangene Reise wegen Tee

  1. petra

    So eine Reise zu leiten ist mit das Schwierigste, was man leisten kann im Leben 😉
    Du hast meine ganze Hochachtung, wirklich. Niemand, der es nicht schon selbst versucht hat, wird begreifen, wie anstrengend es ist und wieviel Herzblut man dabei vergießt.
    Deinen Blog zu lesen ist für mich immer wieder eine Wohltat.

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