Archiv für den Tag 12/09/2011

Wegkreuzung

Ein Alptraum – es muss wohl alles eine Illusion gewesen sein;
Nicht einmal einen Teil dessen, was ich sah,
kann ich treffend erklären…
Ryokan, Japanischer Zen-Dichter 1758 – 1831

Ein Alptraum. Aber wahr.
Am vergangenen Donnerstag erzählte mir der Teeclub Präsident über einen kleinen Vorfall in der Organisation. Er sagte, dass die Gesellschaft Schweiz-China mit Teeclub eine gemeinsame Veranstaltung plant und einen Vortrag über den chinesischen Tee im Gespräch war. Mich habe er als den Referent zuerst vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde von dieser edelen Gesellschaft, dessen Schirmherr Thomas Wagner, der ehemalige Stadtspräsident von Zürich war, abgelehnt. Der Grund war, dass Menglin Chou aus Taiwan stamme.
Um die genau so edelen Gästen aus China nicht zu ärgern, darf die Taiwanerin Menglin Chou über Tee nicht vortragen.
Deswegen wurde eine andere kompetente Person, ein neutraler Schweizer vorgeschlagen. Eine neutrale Politik. Es geht um „lieb miteinander sein.“ Nicht um „TEE“.

Meine Hände zittern, während ich hier die Zeilen tippen.
In dem ersten Moment konnte ich nicht glauben, dass die Hände der Politik bereits in die Teelandschaft eindringt. Diese Selbstzensur der Schweizer bracht mich zur Spachlosigkeit und dann zum Nachdenken.
Ich erinnere mich noch Anfang Februar. Die weltweite aggierende Konzern Huawei beauftragte mich in einer wichtigen Veranstaltung, als die hohen politischen Persönlichkeiten und Wirtschaftseliten aus China und Schweiz anwesend waren.
Eine chinesische Firma hat kein Problem, eine kompetente Taiwanerin zu arrangieren. Aber eine schweizer Verein schon.
Und meine FREUNDE verstehen es und akzeptieren es.
Für meine FREUNDE ist es eine Kleinigkeit, für Menglin leider nicht.

Ich werfe hier niemandem vor. Jeder hat seine eigene Position. Ich kann die Position des anderen verstehen. Ich will aber meine vertreten – was denn sonst? Würdest Du meine Position vertreten?

Ich muss keinen Vortrag halten vor so einer Gesellschaft. Es ist mir egal. Politik gehört in der Welt des Tees einfach nicht – dies ist meine Auffassung und meine Vision. Tee hilft uns die Grenze der Kulturen und Nationen zu überschreiten! Was sonst?
Was macht Ihr als Deutschsprechende hier mit Tee? Könnte ein AUSLÄNDER jemals Tee verstehen?
Oh, doch. Sehr viel sogar! Weil Tee unser Herzen ohne Verstand anspricht!
Was kann ich tun, damit Tee als Tee bleibt?
Der alte Grossmeister Urasenkes hat einmal es gesagt, Tee ist Botschafter des Friedens.
Es kann auch so bleiben, wenn wir daran glauben und bewusst pflegen.

Nach tagelangen Nachdenken und Selbstreflexion wurde es mir sehr klar, dass ich Konsequenz ziehen möchte.
Ich, als ein gewöhnlicher Mensch, habe nur sehr begrenzte Energie und Inspirationen. Ich möchte diese Kraft dort einzusetzen, wo Tee für sich selbst spricht. Wenn Menschen glauben, dass Tee ein soziales Auftiegsmittel ist und so funktionieren sollte, sollen sie es so weiter pflegen. Ich habe an solchen Orten nichts zu suchen.

Liebe Teefreunde, Ihr lest meine Beiträge, nicht weil ich Menglin bin und aus Taiwan stamme, sondern weil der Tee hier einen zentralen Platz HAT. Ihr seid wegen Tee hier, nicht wegen meiner Person.
Ich möchte auch so, dass es weiter so bleibt. Darauf konzentriere ich mich.