Archiv für den Tag 26/06/2011

Verschiedene Lesarten des Tees

http://www.teataolife.com/t003-01.htm
Patrick postet mir das Link aus Taiwan. Ein Teeinstitut in der Nähe von Miaoli Gongguan, von Teeexperten geführt – zumindest behauptet der Verantworlichen dieser Seite.
Wenn ich diese Seite anschaue, erinnert mich immer an die Warnung meines eigenen Lehrers, „Du tust nichts geheimnisvolles und göttliches mit dem Tee!“
Geheimnisvoll und göttlich ist der Tee gerne vermarktet, im Europa und in Taiwan. Diese Seite von Teataolife beschreibt und benennt ihren Tee mit „Romantik“, „Liebe“, „Kosmos“ und „Erleuchtung“ etc. Mit reizvollen Kalligraphie vermittelt diese Seite dem Leser ein Hauch von Kultur und Klasse. Aber wenn man die Texte genauer unter die Lupe nimmt, dann merkt man, dass es leere Worte sind.
Was heißt leere Worte?
Weil der Leser keine genaue Informationen über diesen oder jenen Tee bekommt und über die Hintergrund erfährt, sondern nur über die Gefühle, die bei dem Trinken angeblich erhalten kann!
Teefreunde kommen damit nicht weiter. Aber wozu solche leere Worte? Möchte dort jemand eine Gefälle erzeugen, um sich zu positiionieren?

Das Problem unserer Teeexperten im Netz oder im realen Leben liegt daran, dass zu viel geredet und geschrieben wird, aber zu wenig Verständnis vermittelt wird. Das ist, weshalb Atong mir warnt, nichts geheimnisvolles aus dem Tee daraus zu machen! Tee spricht eine klare Sprache. Ich muss nur lernen, diese Sprache für sich sprechen zu lassen! Und nichts mehr!
Experten hin, Experten her. Ich bin überzeugt, dass die Dinge sich überprüfen lassen.
Wenn wir verstehen, dass Tee etwas Handfestes ist, anstatt etwas Abgehobenes sein sollte, werden wir mehr und mehr in unserem Leben auch unterscheiden, was zwischen dem Sein und Schein liegt!

In Shui Tang möchte ich gerne eine Möglichkeit erarbeiten, dass Menschen sich treffen, um „Sprache des Tees“ auszutauschen. Viele Menschen sagen zu mir, dass sie nicht wissen, wie sie Tee beschreiben bzw. Tee zur Sprache zu bringen.
Hanspeter zeigte mir in vergangenen Woche auf, dass ich tendiere Tee zu schnell philosophisch auszudrücken. Ich könne doch Tee erstmal handfest auf dem Boden bleiben lassen, so wie es ist. Das stimmt. Ich kann es auch lernen und möchte es auch.
Ja, ich habe einen Traum. Wenn die Zeit reif ist und die Energie beflügelnd wird, möchte ich ein Institut des Tees stiften. Ein Ort zwischen den Kulturen und Sprachen, das einzige Bindenglied ist der Tee.
Es wird ein Ort sein, eine Erweitung von Shui Tang – nicht eine glänzende Filiale aufzumachen, sondern ein konkretes Utopie, wo Tee und das Rund um den Tee vermittelt wird.