Ein Waldspaziergang im Vollmond

Spazieren im Wald – wenn der Geist ruhig und offen ist, besonders tiefen in dem grünen Wald in einer frühlingshaften Vollmondnacht, ist man umgebend von einer Sphäre der Klänge. Diese Sphäre ist keineswegs beschränkt auf die Wahrnehmung des Gehörs, sondern auch die Lichtung des Mondes und die klaren Schatten des Kiefernadels, wenn der Mond besonders hell scheint.
Wenn man irgendwann auf den Geschmack eines gelagerten Tee kommt, vor allem Pu Er 普洱茶, dann ist der Genuss nicht mehr eingeschränkt auf die Wahrnehmung von flüchtigen Früchten oder Blütchen, sondern vom Geruch der Kindheit bei Omas Speicher und Kartoffelkeller oder die Unruhe unter dem von fallenden Laub bedeckten Waldboden.
Wenn Gödel behautet, dass die Zeitreise nicht unmöglich ist. Wenn er hinterfragt, dass was die Zeit überhaupt sein soll – wenn wir zurück zur Vergangenheit kehren können. Die Zeit ist ein Raum, ein Konzept und ein Begriff. Woran haften wir denn, an heute und sofort?
Michi und ich sind ähnlich. Wenn es uns etwas begeistert, tun wir es sofort. Während die anderen noch davon sprechen und träumen, unternehmen wir bereits die Schritte, wenn die Dingen für uns stimmen. Wir sprachen erst am vergangenen Dienstag von einem Konzert, das er mir gerne zeigt. Sofort erhielt ich bereits eine Einladung. Das gefällt mir.
Ein besonderes Konzert konnte ich erleben. Zufall und man kann es einfach nicht wollen. Es war ein Vollmondabend. Es war der 333. Montag, als Nik Bärtsch bei Exil spielte. Es war ein Montag, wo ich tatsächlich frei war.
Der Vollmond findet man auf der Bühne in Form einer Klangschale. Der Anfang des Rythmen brachte mich in meiner Kindheit, als mein Großvater seine komische japanische Klänge spielte. Es erinnerte mich buchstäblich an die eigentlich fremden zugleich vertrauten Rythmen in unserem dunklen Esszimmer die Musik meines Großvaters. Es erinnert mich auch an den Film 里見八犬傳 in 80er Jahren. Ein Raum voller Mystik und Ungewissheit.
Verschiedene scheinbar zusammenhanglosen Töne und Klänge treffen sich zu einem Storm. Scheinbar wiederholende Tasten bereichern den gleitenden Storm, das scheinbar in die weite Ozean fliessen könnte – wir wissen es nicht.

Eine Musik, die keine Geschichte erzählt, keine Linialität besitzt und kein Ziel verfolgt. Ein Gewerbe von organischen Austausches von Klänge und Stile, von Wiederholung und Ausbrüche, und von Trennung und Einklang.

Nik sagte, dass seine Musik aus dem urbanen Raum sei. Mich versetzt sie in einem Wald einer Volldmondnacht. Er sagte, er sei ein „richtiger“ Senchaliebhaber. Ein Sencha sollte in dem Saison getrunken werden. Er überdauert nur die Zeit im Kühlschrank. Ich roch an seine Musik den Ruf eines alt gelagerten Pu Er, der die Zeit überdauert. Ich hörte die Insekten summen, lauschte die Berührungen der aufeinanderfächernden Lauben und schnupprte die Lichtung des klaren Mondes. Es läuft vieles Im Wald, vor allem auf dem Boden. Manche suchen nach Nahrung, manche suchen nach einem Versteck und ich suche nach meiner Vergangenheit, die bis zum meinen Großvater führt. Mein einsamer Großvater, der die Sprache des neuen Machthaber seines Landes nicht sprach und kein Gefallen bei seinen Enkelkinder fand, lauschte seine Existenz durch die Melodie und Motiven einer bestimmten Musik.

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