Mond in Dur und Moll

人有悲歡離合,月有陰晴圓缺,此事古難全。

Das Leben ist voller Abschied und Zusammenkunft, voller Trauer und Freude – ähnlich wie der Mond, mal hell, mal dunkel, mal voll und mal abnehmend. Diese Dinge sind nie perfekt seit es Menschheit gibt.

Werden Menschen besser? Werden wir bessere Menschen, wenn wir dies oder das tun? Wird das Leben besser schöner? Werden wir jemals vollkommend? Warum sollen wir?

Wenn ich die Musik von Bach höre – auch wenn ich sehr jung und ungeübt war, war ich beeindruckt von der Endlosigkeit und dem Gefühl nahem an ein immer weitergehenden Linie zu stehen. Menschen, die durch die Glaube an Gott besser werden, durch sein Tun sich bessern, glauben an eine Entwicklung, die sich besser vorwärts entwickelt. Dieses abendländischen Bild von geschichtlichen Entwicklung ist gebrochen durch die Ansichten von Herder. Herder, ein Hitstoriker, der anders denkte, die geschichtliche Entwicklung wie ein Spiral vorstellte. Ein Spiral wie ein Kreis, der sich dreht und teilweise wiederholt. Aber auch ein Spiral entwickelt sich weiter – irgendwohin. Die Vorstellung von Entwicklung im Abendland entwicklt sich zum Vollendung durch Darwin. Menschen entwickelte sich aus Affen und entwickeln sich weiter – also, es gibt Entwickeltes, Entwickelndes und Unterentwickeltes…

Ich komme aus ein „entwickelndes“ Land – Schwellenländer, Taiwan. Dank dieser Theorie wusste ich bescheiden zu sein, dass es noch „entwickeltes Land“ wie Europa gibt.

Für Menschen aus dem chinesischen Kulturkreis sieht der Lauf der Dinge anders aus. Die Geschichte und den Menschen gleicht der Mond.

Der Mond und seine phänomenale Veränderung brachten Chinese zum Nachdenken über sich selbst und seine Beziehung zur Umwelt. Die Natur zeigt uns konkrete Veränderung der Dinge anstatt ein Konzept oder Modell. Wie entwickeln sich eigentlich der Lauf der Dinge? Werden Menschen besser?

Mein verstorbener Lehrer Michel machte mir das Wichtigste für das Leben klar: Wahrhaftig sein, das wahre Selbst zu leben ist wichtiger als besser werden. Wir werden durch Reflexion nicht besser – was ist denn schon besser? Aber bewußt werden über unsere Handlung, die Verantwortung über eigene Handlung bewusst zu übernehmen macht das Leben einfacher und wahrhaftig. Wahrhaftig, weil wir freie Willen haben, einfach etwas zu geben oder nicht – ganz unabhängig von dem, was wir bekommen.

Die Geschichte wiederholen sich. Die Menschen kommen zusammen und trennen sich wieder. Ein Mensch wird geboren, erwachsen, krank, genesen, wieder lachen, und weinen. Irgendwann hinfällig und sterben, dann wird wieder ein Mensch geboren. Täglich werden Menschen sterben und geboren. Täglich werden Kriege geführt und Vertrag unterschrieben. Wo ist eine liniale Entwicklung? Es sind Kreislauf, wie der Mond.

Der Mond ist dem Zyklus unterordnet. Der Mensch auch, vor allem Frauen. Das Zyklus bedeutet einen unendlichen Kreis, der sich kreiselt. Es gibt Krise so wie Wachstum. Es gibt Wachstum so wie Krise. Das Leben wird nicht besser, weil die Natur so ist, nicht weil der Mensch schlechter oder besser wird. Weil die Natur so ist.

Wenn Chinese tatsächlich nur so schicksalhaft denken würde, würde die chinesische Poesie die kulturelle Grenze nicht überschreiten.

一年明月今宵多,人生由命非由他。
有酒不飲奈明何!

韓愈:八月十五夜贈張功曹

Der heutige Mond ist der schönste von dem ganzen Jahr. Weiss Du, unser Leben ist gesteuert von dem Univsersum anstatt von unserem bescheidenen Dasein. Wenn Du jetzt nicht einfach mit trinkst, bist Du wirklich selbst schuld und zu Schade unter dem schönen Mondschein!

Das Leben verläuft tatsächlich wie der Mond und die menschliche Begegnungen sind meistens in Dur oder Moll. Wir sind oft gefangen zwischen dem freudigen und traurigen Phänomenen und leiden. Das Leiden erzeugen wiederum Phänomenen. Ein Kreislauf, der nie aufhört, solange wir unbewußt bleiben. Der Mond nimmt zu und wieder ab. Es geschieht von sich allein. Wozu anhaften? Lebe im Hier und Jetzt. Lebe – so lange wir es können. Lachen – so laut, wie es geht.

Der Mond ist selbst die Trennung und die Zusammenführung des menschlichen Lebens. Der Mond ist auch das Verbindende zwischen Menschen. In einer Vollmondnacht erinnert der schöne Mond Chinese immer an geliebten Menschen. Menschen, die sich zwar weit entfernt voneinander befinden, können trotz der Entfernung den gleichen Mond bewundern. Was trennt uns denn eigentlich? Außer der Hautfarbe, ausser der Sprache und ausser der sichtbaren Kilometer, unser Herzen treffen sich doch bei dem Mond – wir teilen den gleichen Mond und schlagen den gleichen Herzen!

Auch das Westen und das Osten vereinen sich bei dem Mond. Was trennt uns ausser Denken und ausser Angst? Dur und Moll werden sich vereinen in Mond.

Mond in Dur und Moll ist ein Experiment von Pi-Chin und mir in Literaturhaus Zürich am 28.11. Cellos Klänge, die das Westen zur Sprache bringt, wird begleitet mit der chinesischen Poesie. Ein Versuch zwei extremen Weltbilder in seinem Parallelen und Paradoxien zum Ausdruck zu bringen.

Das Westen und das Osten können gar nicht so weit vonander getrennt sein, wenn der gleiche Mond den gleichen Himmel beleuchten!

但願人長久,千里共嬋娟。

水調歌頭 蘇軾

Mein lieber Freund, lebe wohl! Trotz der leiblichen Trennung werden wir uns in dem gleichen Mondschein begegnen!

„Mond in Dur und Moll“

Ein Konzert von Konzertreihe „abendsfrüh“.

Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62

«abendsfrüh» ist eine Kammerkonzertreihe, die jeweils am letzen Samstag des Monats von 17-18 Uhr stattfindet.

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