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Neues Leben, Dongpian

Shanzhu musste 2018 ins Gefängnis gehen. Bevor er ging, machte er einen wunderschönen Alishan Dongpian. Ein Tee zwischen zwei Saisons. Ein Tee, der heisst- der Tee, der nicht weiss, was ein Frühling ist.

Nun ist er wieder in der freien Welt. Noch lebt er in Alishan und pflegt Kontakt zu meinem Lehrer. Er weiss, was für Tee mein Lehrer sucht und wer sein Freund ist. Als ich den neuen Dongpian erhielt, roch ich die trockenen Blätter und zog meine Augenbrauen zusammen. So ein „warmer“ Dongpian! Ganz anders als ich kannte! Und der brilianten Xuepian – Schneeflocken – kühl, elegant, floral und nektarsüss! Was für eine „Grazie“! Neben ihm schien der Dongpian zu gewöhnlich.

Als ich mit Franco in Shui Tang die Alishan Oolongs degustierte, fand ich die röstlichen Blätterrand des Tees so auffällig anders. Und die Textur in meinem Mund zerfällt unter der Zunge… Ich bekam Zweifel an meine voreilige Meinung über ihn. Und immer mehr fällt mir die grüne Note von Xuepian auf, was mir von einem „Manko“ erzählt, während ich diesen eher rötlichen Aufguss von Dongpian immer mehr interessant fand. Nachdem ich mit Atong telefonierte, wurde es mir einmal klar, dass dieser Dongpian ein Tee von Geduldprobe ist. Und Shanzhu hat durch diesen Tee einen unglaublichen Fortschritt in seinem Handwerk gemacht!

Atong sagte, das Wetter hat mitgemacht. Shanzhu liess die Blätter länger unter der Wintersonne und kühlen Bergluft welken. Anschliessend brauchte er 2 Stunde, um die Teeblätter in Korb schütteln zu lassen – was man normalerweise nur 15-20 Minuten gebraucht hätte. Langsam liess er die lang geschüttelten Blätter ruhen und fermentieren. Der Aufguss bekam eine seidige Eleganz und dichte Textur. Mein Lehrer sagte, man musste solchen Tee fast lagern! Man weiss nicht, ob man wieder so ein Glück hat…

Da Lang – großes Schütteln. Hier hat Shanzhu zwei Stunde gebracht um Teeblätter zu beleben.

Paar Tage später degustierte ich mit Niklas. Der Schneeflocken war immer noch sehr schön. Aber ich bekam andere Augen den Dongpian anzuschauen. Auf einmal verstand ich die Distanz, die Shanzhu in seinem gefangenen Jahren hinterlegt hat. In diesen dichten Textur des Dongpians bildete ich mir ein, eine sanfte dichte Liebe, die über die Gitter hinausläuft, die sich nicht gefangen lässt, zu der Erde, zu dem Land und zu den Menschen und zum Tee fliesst. „Hast Du verstanden, was ich mit dichte Textur meine?“ „Der Aufguss von Xuepian ist dünner als von Dongpian, merkst Du?“ Er lernte und lernte. Auf einmal sagte er mir, „ja, ich glaube, ich habe ihn verstanden.“ Der Aufguss von Xuepian ist grandios, aber leicht zu verstehen, während der Aufguss von Dongpian wie eine Wolke im Mund langsam zergeht.

Ohne Zweifel liebe ich den Xuepian, der mich wunderbar beim Schreiben von meinem Pu Er Teebuch begleitet. Er schenkt mir geistige Funken, einen angenehmen Distanz und Freude zu arbeiten. Aber er sei wegen nicht sehr sonnigen Wetter nicht so gut geworden, wie er hätte sein können!

Atong erzählte mir, dass Shanzhu vom Garten zum Garten wanderte, und wie er ausgezeichnete Pflückgut finden konnte. Niemand würde so viel Mühe geben wie er um solchen schwierigen Pflückgut zu suchen und zu machen. Und das Wetter hat ihm Glück geschenkt. Bei der 2. Partie von Xuepian, den gerade geröstet wurde, wird uns noch mehr Überraschung bringen! „Der Mensch handelt, und das Universum beobachtet ihn. Der Mensch erntet das, was er säet.“ Sagte Atong. Shanzhu hat nach seiner Gefangenschaft endlich Glück bekommen. Und wir haben das Glück wunderbare Tees aus Alishan zu geniessen!