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Fasten des Herzen 心齋 II

Sie kehrte zurück ins Tal und schrieb mir, dass ihr Herz ruhig und angekommen sei.

Zum ersten Mal des Lebens hatte ich das Gefühl angekommen zu sein, als ich in Brüssel zum ersten Mal Chanoyu praktizierte. Auch wenn meine Lehrerin Michiko Sensei streng und hart war, war ich zutiefst berührt. Zu jener Zeit beschloss ich mit zwei Koffern zu leben. Diese Idee verfolgte ich paar Jahren, leider ist es mit dem Tee nicht ganz zu vereinbaren. Die Teatoys häufen sich und diese Anhäufung bringt mir sogar viel Freude!

Meine junge Freundin stand unter dem Druck der Familie, eine Familie gründen zu müssen und ein Haus wie Wurzel in der Schweiz erwerben zu müssen. Die Verwechselung von Immobilien und Wurzeln ist verständlich. Aber wo kann ich mein Herz abstellen, wo ich mich wie Zuhause fühle?

In Diamant Sutra 金剛經 konnte 須菩提 Subhuti aufstehen und seinem Lehrer Frage stellen, „wie kann ich mein eigener Herr des Herzen sein? 云何降伏其心 Wo ist sein Zuhause 云何應住?“ Buddhas Antwort ist weise, aber wie kann ich in den Alltag praktizieren? Das Fasten des Herzen ist gut, wie sollte ich es behalten? Jean-Sebastien sagte am Samstag, dass die längste Reise zwischen dem Herzen und dem Kopf ist.

Es schneite. 落了片 白茫茫 大地真乾淨 Der Himmel malte die Erde zu einem weißen Flecken und es wurde rein. Menschen kommen und gehen. Was ändert sich hier? Ich komme, um wieder weiter zu gehen? Oder um wieder zurückzukehren? Mit großen Mühe stiegen meine Füsse durch die Nässe in die Landschaft. Nass und Rutschig. Nicht der Jammern zuhören, nicht der Kälte ausgeliefert werden, nicht dem dunklen Himmel beeinflusst werden. Einfach Schritt für Schritt. Wenn der Weg zu Ende führt, steigt der Wolken. Der Mensch wird immer kleiner und einfacher, und bekommt wie ein Strich in der Natur – so lehrte meine Mutter mich die alte Landschaft Malerei zu lesen. Sie sagte mir, „Das Ende ist sehr wichtig zu lesen. Die alten Maler versuchten das Echo seines Lesers mitzugeben. Das Echo ist wie ein Ruf. Kehrst Du zurück wo Du bist, oder gehe weiter?“ So verstehe ich das Ende von Gongfu Cha 功夫茶 genau so. Das Ende ist wie ein großes Final in einer Sinfonie. 走與不走 Bleiben oder weiter gehen? 捨或不捨 Loslassen oder nicht.

In Kyoto steht eine einzige Buddhasstatue, die ihren Kopf nach links dreht und nach Hinten schaut. Es wurde erzählt, dass der Amida Buddha dem Mönch Eikan 永觀和尚 im Zazen warnte, „Hey, Du bist zu langsam.“ Du bist zu langsam, Eikan. Ich bin vielleicht auch zu langsam? Warum drehst Du denn um, Buddha? Du wartest auf uns, nicht wahr? Es gibt auch etwas, was wir nicht gänzlich loslassen wollen, oder?

Zurück ins Tal. Das, was ich in der Landschaft erfuhr, nahm ich mit. In der Fläche „Weiß“ liegt eine Antwort. Reagiere nicht auf das Gewirr. Lass die Farbe Farbe sein. Du gehst auf Deinen Weg und ich meinen. Aber warte auf mich bitte, wenn ich zu langsam bin.