
Ein gepresster Oolong. Ein Shuixian aus Fujian, leicht fermentiert und ungeröstet. Der Geschmack des Frühlings sollte es sein.

Ein gepresster Oolong. Ein Shuixian aus Fujian, leicht fermentiert und ungeröstet. Der Geschmack des Frühlings sollte es sein.
Eigentlich ist es kein Geheimnis, dass Menschen gerne Sensation oder Exotik konsumieren. Das Problem ist, wenn man selbst plötzlich zu einem Stoff der Sensation wird.
Als die Anfrage von St Gallen kam, mich interviewen zu wollen, war ich recht unsicher. Erstens weiss ich, dass die Zeitungen sich für Merkwürdigkeiten und Gesprächstoffe interessieren und die gestressten Schreibenen selbstverständlich wenig Zeit haben, um ein Geschehen tatsächlich zu veranschaulichen. Andererseits waren die letzte zwei Interviews von dem Schweizer Radio ganz gut gelaufen, warum sollte ich diese Anfrage ablehnen?
Nun bin ich konfrontiert mit vielen Zeilen, die anders als ich ursprünglich meinte.
http://www.tagblatt.ch/lokales/stgallen/tb-st/Tee-trinken-nach-strengen-Regeln;art186,1262457
Nur wer eine Lizenz hat, darf die Zeremonie durchführen. «Ich habe eine, aber ich bin noch keine Meisterin», sagt Meng-Lin Chou.
Das stimmt, dass es eine Lizenz gefragt wird, wenn man bei der Urasenke Tee lernen möchte. Aber nicht um etwas durchzuführen, sondern um zu LERNEN! Dass man sich für das „Dürfen“ bewerben muss, ist vielleicht ungewöhnlich fremd für eine Gesellschaft, wo Unterricht als Dienstleistung verstanden wird!
Ich betonnte immer wieder, dass es nicht um eine Meisterschaft geht, sondern um einen Weg! Ich bin ein Anfänger, absolut! Je mehr man sich mit Tee beschäftigt, weiss er, dass er gar nichts weiss!
Hoffentlich wird dieser Artikel morgen vergessen und meine Aufregung war lächerlich umsonst. Über das schlimme Foto habe ich mich furchtbar aufgeregt. Schlamppige Kleidung und unfrisierte Haare! Rosi war zum Glück bei mir und wollte mich zum Arzt begleiten. Sie sagte, Ich sei zu eitel.
„Es kommt nicht auf Dein Aussehen an, sondern auf Deine Ausstrahlung. Für unsere Ausstrahlung müssen wir jeden Tag arbeiten…“ Ich war baff.
Das Thema mit dem Wasser ist stets die Herzensangelgenheit für Teeliebhaber. Nicht nur für Teeliebhaber, sondern auch für Kaffee-Liebhaber.
Obwohl ich als Teefrau verstanden werde, bekenne ich persönlich zum Kaffeeliebhaber. Meine Kaffee-Maschine futtere ich gerne mit dem Wasser aus Umkehr-Osmose. Der Kaffee wird dadurch sanfter, runder und lieblicher. Das Interessante an einer Kaffeemaschine ist, dass nicht alle Kaffeesorten durch Knopfdruck gleich gut zum Ausdruck kommen. Gewisse Kaffeebohne liebt meine Maschine, gewisse nicht – als ob sie selbst eine Seele verfügen würde.
Für Kaffee erlaube ich mir selbst die Spielerei, aber für meinen Tee habe ich wenig Toleranz. Ich nehme immer nur Leitungswasser. Gewiss habe ich bis jetzt Glück mit der Wasserversorgung meiner Wohnorten. Zürich und Konstanz haben gutes Wasser, obwohl ich überzeugt bin, das Limat die Wasserqualität der Stadt Zürich trennt! Wo ich mich befinde, gibt es schlechtest Wasser! Trotzdem möchte ich das „schlechte“ Wasser nehmen, weil es mir hilft, anderen Teetrinker zu verstehen, wie der Tee bei ihm zu Hause schmecken kann.
Oolong mit dem energetisierten Wasser aus Umkehr Osmose oder Bestwater zuzubereiten ist meine Meinung nach zu Schade! Der Dongding 1981 schmeckte im Bestwater wie kastriert oder wie die alte chinesische Dame, dessen Füssen gebunden waren. Dieser Tee in diesem Wasser hat keine Lebendigkeit! Weiß Du, Lebendigkeit braucht einen gewissen Abgrund und einen spielerischen (verbrecherische) Geist. Das Leben immer in geordneter Bahn zu führen, macht eine Seele zu einem langweiligen Geist. Das Bestwater ist zu rein, für einen gelagerten erfahrenen Oolong!
Mit Carola und Edith besuchte ich Rapperwil, als die Sonne über Zürichsee schien. Einen offenen Teegeist, der ein gut sortiertes Teeschäft mitten in der Altstadt führt, lernten wir kennen. Er gab mir zwei Gläser von Wasser und ich sollte es herausfinden, welcher mit Grander Methode behandelt wurde. Er kannte mich nicht. Ich schmeckte den Unterschied zwischen zwei Gläser ohne Mühe. Trotzdem fragte ich mich, ob das belebte Wasser tatsächlich für Oolong besser wäre… Besser ist eine Kategorie, die nicht umstritten ist.
Von Till erfuhr ich etwas wertvolles über seine Erfahrungen mit Wasser. Wir haben ähnliche Meinung, dass Oolong nicht besonders weiches Wasser verträgt:
Über Weihenachten hatte ich Gelegenheit die Tees aus der ersten Sendung
bei meinen Eltern in Solingen im Bergischen Land (in der Nähe von Köln)
auszuprobieren. Für Solingen wird das Trinkwasser in großen
Waldgebieten an der Oberfläche gesammelt und in einer Talsperre
geleitet. Das so gewonnene Wasser ist extrem weich und von exzellenter
Qualtität. Und auch die meisten damit zubereiteten Tees, insbesondere
der Shuixiang, … wunderbar!Wie entäuscht war ich dann wieder hier in München. Das Trinkwasser hier
ist zwar ohne Zweifel auch sehr gut, aber extrem hart und für Tee so
ziemlich ungeeignet. Ohne Wasserfilter gelingt in München kaum ein Tee.
Und im Laufe der Zeit habe ich mir folgenden Umgang mit dem Wasserfilter
angewöhnt. Bevor ich einen neuen Filter benutze lasse ich zunächst eine
halbe Stunde lang Wasser durch den Filter laufen, denn mit sehr hartem
Wasser und einem neuen Filter würde das Wasser leicht sauer schmecken
und wäre für die Teezubereitung völlig ungeeignet. Danach hat der Filter
eine Lebensdauer von zwei Wochen. In der ersten Woche ist das Wasser
recht weich und japanische Grüntees gelingen recht gut mit diesem
Wasser. Zwischen der ersten und der zweiten Woche bereite ich gerne
leichte Schwarztees (z.B. Darjeeling). In der zweiten Woche, wenn das
Wasser aus dem Filter wieder etwas härter ist, benutze ich es für
Oolongtees. Die brauchen in der Regel ein etwas härteres Wasser (der
Shuixiang ist da aber eine Außnahme, der braucht’s recht weich).Für Oolongs ist die Wasserhärte wie ein Rahmen. Ist der Rahmen zu eng
(das Wasser zu hart) wird der Teegeschmack eingeengt und kann sich nicht
recht entfalten. Der Tee schmeckt wie unter einem Deckel. Ist der Rahmen
dagegen zu weit (das Wasser zu weich) bekommt der Geschmack nicht die
rechte Form und verflüchtigt sich so zusagen „im freien Raum“. Nur das
rechte Maß des Rahmens bringt den Teegeschmack richtig zur Geltung.Aber all diese Mühe kommt nicht an ein wirklich gutes Wasser (wie in
Solingen) heran, auch wenn es möglicherweise nicht die „rechte Härte“
hat. Und so werde ich den Shuixiang verwahren, bis ich zu Ostern wieder
meine Eltern besuchen kann.Schon in den ganz alten Tee-Texten wie z.B. Lu Yu’s Cha Ching wird sehr
großer Wert auf die richtige Wasserqualität gelegt. Es wird genau
beschrieben wie und wo man das beste Wasser bekommt. Und es ranken sich
viele Legenden um das beste Teewasser. Aber ich habe bis heute keine
Beschreibung gefunden, was genau ein wirklich gutes Wasser ausmacht und
wie man in unserer modernen Welt ein wirklich gutes Wasser bekommt. Die
Wasserhärte ist sicher ein wichtiger Faktor aber eben so sicher ist sie
nicht das einzige Qualitätsmerkmal für gutes Teewasser.(……)
Jetzt ist diese Mail doch etwas länger geraten, als gedacht. Ich habe
Dich hoffentlich nicht zu lange von Deiner Arbeit am Teehaus abgehalten.
Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit dem Teehaus. Ganz sicher
werde ich Dich dort besuchen kommen.
Ich freue mich jetzt schon, das Teehaus zum Treffpunkt aller Teeliebhaber zu entwickeln. Der Name dieses Teehaus steht nun fast fest. Es sollte Shui Tang heissen.
Shui Tang, der Ort des schönen Wassers!
Wo ich zuhause bin
Leise, aber duftend entspringt
Ein Schleier meiner Tasse Tee
Bringt langsam die Waagschale
Wieder ins GleichgewichtDer Herzschlag des Bodhrams
Mein Herz tanzt zu Harfenklängen
Fühlt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Erwacht im AllSitze zu deinen Füssen
Rieche deine Rinde, fühle sie
Beobachte das Spielen deiner Blätter
Du bist ich, ich bin duVerlasse das künstliche Licht
Tauche ein in den Schutz und
Die Geborgenheit der Nacht
Werde ruhig, bin zuhauseEin Zwiegespräch im Dunkeln
Die Möndin mein Gegenüber
Eine tiefe Liebe und
Zugehörigkeit mich erfüllendWo Freunde zusammen
Ein Feuer entfachen, ein Mahl bereiten
Da lodert Vertrauen
Warm ist das HerzEin Siebtes kenne ich
Schriftzeichen meiner Ahnen raunen
Am Fjord unter blühenden Obstbäumen
Bin ich zuhauseDie Kunst, mit Worten zu zaubern
Wenn du siehst, hörst, riechst und fühlst
Was mit einer Dimension begann
Würze, Herausforderung, VerwöhnungDie Zuggleise – Blutadern
durch mein Zuhause, zu meinem Zuhause
Transport und Reise,
Freiheit, Entdeckungen und ein DankVanja S.
Beim gemeinsamen Pu Er trinken erzählte Vanja mir, dass dieser Tee sie zu diesem Gedicht inspirierte. Sie liebt Pu Er und versteht nicht, was andere Menschen unter diesem Tee als muffigen Speicher-Geruch bezeichnen. Ein schöner Tee aus dem Wald in tiefen China, warm, würzig und lichtvoll. Ein Gefühl von Zuhause, das jedem gut tut.
Ich danke ihrer Großzügigkeit, ihr Gedicht mit uns allen zu teilen. Ein Geschenk für einen nassen Sonntag.
Freundin Jin schickte mir ein schönes File. Schöne Bilder von Formosa Teefelder und mit einem schönen Taiwan-Lied. Wer Freude dran hat, könnte gerne ein wenig Zeit nehmen und rein hören.
Hier.
In diesen Tagen hält mich nur der Pu Er 1982 übers Wasser. Zu viel um die Ohren und zu viel am Hals. Eine Enttäuschung? Eine Illusion? Der Körper streikt, wenn der Kopf dem Körper nicht gehorcht.
Interessanterweise bekommt man immer ein Wink. Man weiß plötzlich wieder, auf was man sich konzentrieren sollte. Ich bekam eine Einladung in eine Forum von Cigar. Eine Diskussion über Tee und Cigar.
Wie wäre es ein Davidoff mit einer Tasse Gunpowder? Was für ein Cigar würde zum Pu er passen?
Mehr kann ich zu Cigar nicht sagen. Am 14.2. treffe ich meinen Cigar Mentor Hanspeter in St. Gallen und vielleicht komme ich wieder ein bisschen weiter mit Cigar – eigentlich ist ein Teeseminar dort angekündigt.
Mehr zur Diskussion:
Das Provinz Fujian ist das Heimat von hochwertigen roten Tee bzw. Schwarztee. Hochwertiger Roter Tee wird als Gongfu Hongcha bezeichnet: per Hand verarbeitet und in einem aufwendigen Verfahren. Bailin Gongfu war zwar ein Begriff, wirklich interessiert war ich nicht.
Ich bin ein Dianhong Fan und Hongyu Süchtige. Ich liebe kräftige Schwarztee mit Milch – das darf ich vielleicht nicht ganz laut sagen. Aber es ist wahr.
Bailin-Gongfu hieß früher, immerhin hat dieser Tee breits mehr als 100 Jahre alte Tradition: „Elegante Kaiserin“ (Xiu Li Huang Hou). Dieser Name reizte mich nicht besonders, ihn kennen zu lernen.
Bailin Gongfu
Aber man täuschte sich – bzw. ich täuschte mich.
Der Name ist oft nur eine Projektion.
Einmal scherzte Carola, dass unsere erste Begegnung sie sehr enttäuschte. Das war 2006 Sommer, ich war unter dem Stress von dem Qigongmeister Chens Besuch und seinen Fans. Für sie war ich nicht nur hektisch, sondern gar nicht teeistisch. Eine Teefrau, oder eine so genannte Meister im Tee sollte doch stets in Ruhe und Eleganz verweilen. Meine Erscheinung bewies den Gegenteil. Zum Glück zog irgendetwas vom Tee sie so stark an, dass sie trotzdem bei mir paar Kurse mitmachte und wir wurden die besten Teams. Diese großzügige Löwinschwester ist unentbehrbar. Was uns verbindet ist nicht bloss die persönliche Zuneigung, die wieder wegen Zu- und Abneigung abgewendet werden kann, sondern die gemeinsame Liebe zu einem Material und der gemeinsame Weg.
Das Blog ist inzwischen so weit, dass viele Teefreunde mir darüber direkt ansprechen. Sicher freue ich mich darauf und möchte allerdings immer relativieren, dass es auch nur eine Erscheinung ist.
Glaube mir nicht zu viel, sondern sei kritisch, was hier alles steht. Tee ist nicht nur das, was hier geschrieben wird – ich ebenfalls nicht. Eine Person hat verschiedene Facetten. Was eine tatsächlich ist, kann man nicht über seine geschriebene oder gesprochene Worte lesen. Eine Person kennen zu lernen, lernt man am besten, in dem wie sie in einer Interaktion steht. In einem Monolog lernt man nur die geschriebene oft nicht gelebte Wünschvorstellung kennen, nicht die Person. Man lernt mich eigentlich erst richtig kennen, wenn es eine Interaktion stattfindet. Z. B. wie ich die Kommentare attakiere oder antworte – nicht was die Buchstaben sich darstellen.
Ebenfalls kann man Tee nicht kennen lernen, wenn man die geschriebenen Worte oder gesprochene Erzählung ernt nimmt. Tee spricht für sich. Die Art, wie ein Tee sich in verschiedenen Materialien, verschiedenen Zubereitungsmethode und Ziehzeit manifestieren, verrät er, was er ist – nicht in seiner Form, seine Ettikette.
Der Bailin Gongfu hat mich überrascht. Ich bekam von zwei Klienten aus zwei Länder den Auftrag einen guten Bailin zu suchen. Wie muss ein Balin schmecken? Ein Tee, der im Frühling einen schönen Yinzhen Baihao ist, und im Sommer zu einer eleganten „pfiffigen“ Kaiserin verwandelt wird?
Man lobte ihn einst: langhaltige zurückhaltende aber präsente Duftnote, leicht fruchtig. Der Aufguss geschmeidig und sanft. Der Abgang fein und lang.
Ich schmeckte in ihm einen ausgeprägten Mandelduft, der in Hongyu ebenfalls vorkommt. Bei Hongyu war noch eine leichte Nuance von Pfefferminz, während bei diesem Bailin reine fruchtige Aromen leicht nach Apfel, Aprikose-Kern und frisch gemalenen Mandel sich zum Ausdruck kommen.
Irgendein alter Chinese (Zenmönch Nanqian) sagte einmal: „Wissen ist eine Verblendung. Nichtwissen ist ein Mangel an Unterscheidung.“ Dieser Satz berührt mich zu tiefst im Herzen.
Liebe Teefreunde, das Seminar I am 28.02 sind noch Plätze frei.
Das Seminar II Oolong am 1.03. in Zürich ist mehr als ausgebucht. Es wird schwierig noch mehr Anmeldungen anzunehmen.
Vielleicht ist das Seminar II Oolong am 15.03.09 in Berlin eine Alternative?
Bitte Melden Sie Sich bei Frau Kristine Mager.
Tel. 030 28 04 06 60 • Mail: teeimport@aol.com
Am 01.03 kommt der Insektforscher ebenfalls zum Teeseminar Oolong. Es wird bestimmt lustig, mehr über den Werdegang von Oriental Beauty zu erfahren.

Eine Zikade, gefunden in Muzha, Taiwan
Formosana!
Ich komme aus einer Sub-Tropischen Insel, wo ein Oase bedeutet für Ungezifer! Katalaken sind die schlimmsten, was es auf der Erde überhaupt gibt! Mein Vater war immer der Feuerwehrmann und später wurde mein Bruder. Einen Insekten-Forscher zu werden war sicher nicht mein Traum!
Einen insektenforscher lernte ich in meinem Teeseminar kennen. Er erzählte von den Insekten, die den Zauber von Oriental Beauty ermöglicht. Ich bat ihm für unsere Teefreunde einen kurzen Text zu schreiben, um die Geheimnisse zu lüften.
Ich bewundere Menschen, die im Hintergrund für Ihre Leidenschaft arbeiten, die Menschen, die ihren Weg gehen. Vor allem wenn sie sich mit Dinge beschäftigen, was „nutzlosen“ Ungezifer heisst.
Ich danke Berhard Merz, ein Teeliebhaber und ein hervorragender Insektenforscher. Ein Mann, ein Wunder – seine Liebe zu einem geheimnisvollen Getränk und zu einem mysteriösen Welt der Ungezifer pflegt.
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Nun zu den Insekten: Nach meinem Wissen heisst der „Oriental Beauty“ so, weil die Blätter der Tee-Pflanze von Insekten befallen werden. Es handelt sich dabei um sogenannte Kleinzikaden, das heisst Insekten, die wie die echten Singzikaden aussehen (und im Mittelmeerraum vor allem sehr häufig sind), aber eben sehr klein sind, so um 2-3 mm lang. Sie sind überall auf der Welt sehr häufig, auch in der Schweiz kennen wir über 400 verschiedene Arten! Zikaden ernähren sich ausschliesslich von Pflanzen (wir haben also nichts zu befürchten) und haben einen kleinen Stechrüssel. Damit stechen sie die Pflanzenzellen an und saugen den Inhalt aus den Zellen heraus. Das hat zur Folge, dass die Blätter mit einem Befall von solchen Kleinzikaden nachher „gesprenkelt“ sind, d.h. sie haben kleine braune Flecken auf der grünen Fläche (und es verbreitete sich vor etwa 20 Jahren einmal die Nachricht in den Medien, dass das Ozon die Pflanzenblätter kaputt macht, bis man sah, dass die kleinen braunen Flecken von Zikaden-Stichen stammten, also war dies eine Fehlmeldung!). Nun, damit die Zikaden die Zellen auch aussaugen können, müssen sie zuerst ein wenig Speichel in die Pflanze spritzen, der den Pflanzensaft ganz flüssig macht und verhindert, dass diese Zuckerlösung (Pflanzen-Zell-Saft enthält viel Zucker) den Rüssel verstopft. Offenbar geht dieser Speichelsaft mit dem Zellsaft eine spezielle Verbindung ein, welche dem Tee-Blatt neue Duftnoten vermittelt und so zur Berühmtheit des Oriental Beauty beiträgt. Ein weiterer Punkt ist, dass die kleinen Löcher in den Zellen natürlich den Zugang von Sauerstoff zu den Zellen erleichtern. Das führt dazu, dass der Oriental Beauty stärker oxydiert ist als zum Beispiel ein Pouchong oder Tien Guan Yin, nicht nur am Rand, sondern auch auf der ganzen Fläche kann er oxydieren. Eine Internet-Seite mit Fotos der Zikade, die fälschlicherweise also „Paoli“ bezeichnet wird, gibt es auf der folgenden Internet-Seite:
http://freebsd.tspes.tpc.edu.tw/~afu/6401.htm
Der Name „Paoli“ bezieht sich auf die Person, welche die Zikade zum ersten Mal beschrieben hat und ihr den Namen „formosana“ gegeben hat. Heute heisst diese Zikade wissenschaftlich Jacobiasca formosana. Sie hat natürlich keinen deutschen oder englischen Namen, da sie in Ländern, in denen Deutsch oder Englisch gesprochen wird, gar nicht vorkommt.
Es gibt noch einen ganz ähnlichen Fall, nämlich denjenigen des sogenannten „Muscatel“ Darjeelings. Es handelt sich dabei um einen Sommer-Darjeeling, der in einigen Gärten in der Darjeeling Provinz vorkommt und dort ebenfalls von Kleinzikaden gestochen wird. Damit bekommt der Tee auch hier eine neue Duftnote, eben dem Muskat-Duft. Dabei handelt es sich aber um eine andere Zikade, die den Namen „Empoacsa flavescens“ heisst (oder auch Empoasca vitis, je nach Forscher, das Problem der Namensgebung bei Insekten!). Diese Zikade kommt übrigens auch in der Schweiz vor und ist hier ein gefürchteter Schädling auf Weinpflanzen. Zu dieser Art habe ich gerade keine Fotos auf dem Web gefunden, aber sie sieht sehr ähnlich aus wie die Jacobiasca formosana.
Übrigens: Tee-Gärten, die von diesen Zikaden befallen sind, dürfen natürlich nicht gespritzt werden, das heisst, sie sind mehr oder weniger „biologisch“, auch wenn sie kein solches Zertifikat tragen. Auch sind diese Tees erst im Sommer erhältlich, da ja die Zikaden zuerst die Zellen stechen müssen. Das ist normalerweise erst ab etwa Mitte Mai der Fall (vorher sind diese Tiere noch im Ei-Stadium, sie müssen zuerst schlüpfen und können erst dann saugen). Deshalb gibt es z.B. keinen Frühlings-Darjeeling mit dem Muskat-Duft, sondern erst der 2nd flush hat diese Eigenschaft.
Ist Dir diese Antwort schon genügend ausführlich. Sonst helfe ich gerne weiter und suche Informationen. Das dürfte für mich doch einfacher sein, da ich den ganzen Tag mit Insekten arbeite. Selber beschäftige ich mich mit Fliegen und kenne Zikaden nicht gut. Aber im Nachbar-Büro arbeitet ein sehr netter Forscher, der sich fast ausschliesslich mit Zikaden beschäftigt und mir gerne hilft!
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Wer hätte noch mehr Frage zu disen Zikaden? Unser Insektenforscher in Genf steht uns exklusiv zur Verfügung!