Archiv der Kategorie: Pu Er und gelagerter Tee

Xiao Huang Yin 小黃印

Ich hoffe, dass ich nach Europa zurueck fliegen koennte. Die Unruhe in Bangkok verursacht Einstellung von vielen Flieger und ich weiss nicht, ob mein Flug nicht gestrichen wird.

Als You mich abholte war es bereits 4 Uhr. Ich erzaehlte ihm, was alle in Fuzhou geschah und wir lachten ueber die Verruecktheit des Teemarktes in China und ebenfalls ueber die so genannte Finanzkrise. Ich wollte noch Teekanne kaufen. Nachdem ich das Fotos im Blog gepostet habe, habe ich viele Nachfrage bekommen, um solche wertvolle Kanne zu kaufen. Natuerlich moechte ich gelagerten guten Pu Er von ihm kaufen, wenn er welchen hat. Sein Gesicht wurde steinig. Ich spuerte etwas Sondeerbares.

Auf seinem Teetisch stand bereits ein Buch, eine Katalog von dieser Sammlung, von denen ich gluecklicherweise einen Teil ergattert habe. „Fuer Dich.“ Wie? Ein Buch aus dem 80er Jahren? Einfach so? Keine Information habe ich erhalten, wie das Buch gefunden wurde. Das ist irgendwie seine Art. er spricht nicht viel, spricht nichts ueber sich selbst und noch weniger, wie er etwas emfindet. Ich nahm das Buch einfach unverschaemt an und bedankt mich einfach. Ich wollte einfach noch 10 Teekanne kaufen. Er liess mich welche aussuchen und sagte mir nur nebenbei, dass jede Kanne den Marktwert im chinesischen Kulturkreis zwischen 300-400 Euros liegt. Als ich es erfuhr, fiel eine Kanne fast aus meiner Hand. Der Preis, den ich dafuer bezahle, ist einfach nicht fair fuer ihn! Also, ich schaute ihn an und erhielt keine Antwort. Also, das ist wohl nicht mein Problem. Ich suchte die Teekanne aus und dachte an die gluecklichen Schweine in Europa!

Seine Geschaeftspartnerin war heute da und auch noch ein Kundin. You brachte paar uralte Pu Er Falden aus dem Geheimzimmer. 5 Falden aus 80er Jahren, drei vollstaendig und zwei bruechig. „Koennte ich probieren?“ fragte ich wieder unverschaemt. Seine Geschaeftspartnerin schaute ihn an und er waermte seine Teekanne aus Zhuni.

Xiao Haungyin aus den 80er Jahren, in gelb gedrucktem Papier, aus Menghai. Er zeigte mir eine Pu Er Lexikon, wo dieser Tee datiert wurde. Der Aufguss erinnerte mich an jenem Abend mit Hanspeter in Wistaria Haus, als wir einen Red Label aus dem 80er Jahren trank. Gleiche Auspraegung und gleiche Haerte – nicht agressiv, aber so hart wie der gerade Ruecken des Bambus. Geschmeidig, intensiv und vielfaeltig. Der Duft schmeckt nach Sandelholz und Harz im Wald des Herbsts. Im Herbst, wenn der Wind nach dem Regen weht, wenn Du im wald spazierst, dann schmeckst Du den frischen warmen Harz zwischen den Baeumen und Erde…

Dann bereitete er uns noch einen Liu Bao aus den 50er Jahren zu. Mit einer winzigen kleinen Zhuni-Kanne. „Ach! Was fuer einen Genuss!“ reif ich. Sandelholz und Adlerholz wachsen zusammen in einem praechtigen tropischen Wald! Dann Suessholz und leichte Kamper-Note! He, so etwas… You lachte wie herzig. Es gab natuerlich nichts von diesem Genuss zu kaufen, das war mir sicher. Er packte mir einfach eine kleine Tuete, „Fuer Dich.“ Meine Hand stand in der Luft und wusste nicht, in welche Richung sie sich bewegen sollte. 

„Hast Du Geburtstag?“ fragte die Kundin zu seinem Geschaeftspartnerin. Sie schmunzelte.

Als You Abendessen einkaufte, erzaehlte sie mir, dass er ein seltsamer Typ ist. Das ahnte ich schon. Er liebt Parfuem, ging nach Vietnam, nur um Adlerholz zu sammeln. Er schreibt Kalligraphie und malt chinesische Malerei, besucht regelmaessig Unterricht. Er lebt nur fuer Tee, wohnt im Laden und arbeitet wie verrueckt. Normalerweise spricht er nicht gerne mit Kunde und wenn Kunde ihn nervt, geht er einfach weg. Solche gelagerte Tees betrachtet er wie ein Stueck Fleisch von ihm. Er wird mir nicht verkaufen wollen, meinte sie. Ich verstehe es nur zu gut, solche Typen kenne ich bereits ein paar…

Er fuhr mich zum Bahnhof. Ich lud ihn ein, mich zu besuchen. Er schuettelte seinen Kopf. Er wuerde mir die Tees aus den 80er Jahren geben, meinte er im dunkelen Auto. „Fuer Deinen Laden.“

Ich haette geweint, aber hatte keine Traenen. Teefreundschaft ist etwas Sonderbares. Die gluecklichen Schweine in Deutschland, dachte ich, wie haetten sie diesen Tee verdient? Wie so habe ich ihn denn verdient? „wann kommst Du wieder?“ „Bald, im April.“ „Take care.“ Ich winkte meine Hand in der Luft.

Tee pressen

Die Pu Er Fladen, die von You gemacht wurden, waren alle von Fuessen auf Steinplatten gepresst. Obwohl sein Tee recht jung ist, schmeckt er bereits sanft, vielfealtig und frisch. Sanft, vielfealtig und frisch wie diese Person, die diese Seite allerdings fuer sich behaelt und nur durch Tee mit anderen kommuniziert.

Ein Tee Beduiner

Ein Tee Beduiner

Ich lernte diesen Tee-Beduiner kennen ueber Azhong. You, ein Jaegger und Sammler des Tees, Teekanne und Porzellan. Unterwegs in Yixing, Jingdezhen oder in Yiwu zwischen den Pu er Baeumen. Nur weil er zu oft betrogen wurde und zu oft Maerchen erzaehlt bekommt hat, moechte er selbst der Augenzeuger des Geschehen. Wenn Pu Er geerntet wird, belaestigt er einfach beim Teebauer zwei Monaten, wenn er Teekanne beauftragt, bleibt er bei dem Kuenstler ein Monat. Wenn er gemalene Porzellan-Cups kauft, lebt er bei dem Maler…
Meine Augen wurden so gross wie Longgan, als er mir seine Abenteur erzaehlte…

Pu Er Degustation von Teeclub Suisse

Am 11. Dezember Donnerstag 19-21 Uhr findet eine Degustation von Pu Er Tee statt.

Die Bedürfnisse, Pu Er näher kennen zu lernen, ist nicht nur wegen der wachsenden Interesse der Öffentlichkeit an disem Tee zurückzuführen, sondern auch wegen der Entdeckungslust von dem Balance zwischen Tee und Zeit.

Wie manifestiert die Zeit durch Tee? Wie lässt ein Tee sich beeinflussen über die Zeit? Ist die Zeit eine beflügelnde Kraft für Teegenuss oder eher eine vernichtende Quelle des Teefreude?

In Berlin erfreute die Kristine über ihre große Entdeckung durch die Zeit. Zwischen den unterschiedlichen Tassen könnte man tatsächlich feststellen, dass dieser Tee tatsächlich jünger ist als der andere. Einmal schickte mir ein Teehändler aus China einen Pu Er und behauptete, dass er von Jahrgang 2001 stammte. Nach meiner Degustation rief ich ihn an und sagte, dass dieser Tee wohl nicht älter sein kann als von 2005.

Tee spricht für sich und lügt nicht – wenn dann der Verkäufer. Aber der Verkäufer weiss auch gar nicht, dass er „lügt“. Denn die Sprache des Tees möchte gerne gelernt und verstanden werden, nicht nur einfach interpretiert.

Auf meiner Reise werde ich unterschiedliche Materialien sammeln, um das Wesentliche dieses „Trend“-Tee aufzuzeigen. Die wichtigsten bei Pu Er sind für mich vier Aspekte:

1. Jahrgangsunterschied

2. Regionale Unterschiede

3. Herstellungsunterschiede – künstlich oder natürlich nachgereift. Ich spreche nicht für andere, nur für mich. Ich würde nie freiwillig künstlich nachfermentierten Pu Er trinken.

4. Unterschiede von Bäumenarten.

Diese vier Aspekte könnten unmöglich in diesen drei Stunden aufgezeigt werden. Wir werden auf zwei bis drei Aspekte konzentrieren. Zuverlässige Quelle als Referenzen sind meine Aufgabe, die erst eine aussagekräftige Degustation ermöglichen kann! Also, ich bemühe mich.

Solche interessante und inspirierenden Runde möchte ich ab nächstem Frühling im Teehaus an der Spiegelgasse öfters veranstalten!

Tee und seine Aufbewahrung

Sehr geehrte Frau Menglin Chou,

aufgrund eines akuten Mottenbefalls habe ich mich heute aufgemacht und

mich im Netz nach diversen Aufbewahrungsdosen sowie Tips zur richtigen

Lagerung umgesehen.

Da habe ich mich besonnen das ich vor einiger Zeit einen Blog entdeckt

hatte der qualitativ bestach und mit Wissen und Hingabe gepflegt wird.

Nach kurzer Suche bin ich wieder zu Ihrem Blog gelangt. An dieser Stelle

auch ein Lob für Ihre Arbeit, machen Sie weiter so.

Vielleicht können Sie mir ein paar Ratschläge geben oder bestimmte

Teedosen empfehlen.

Leider ist der Vorratsschrank in dem mein Teesortiment aufbewahrt wird

für Motten leicht zugänglich, da sich an der Unterseite ein Spalt befindet.

Sichtbar befallen waren nur die Teeverpackungen aus Papier (Falz).

Die hochwertigen japanischen Tees waren dank der Aluminiumverpackungen

nicht betroffen.

Teedosen aus Metall (davon besitze ich 2 mit Glasdeckel und

Gummidichtung) hatte ich als Ideal angesehen, Grüntee soll man aber

angeblich darin nicht lose aufbewahren (Oxidation)!?

Die klassischen (günstigen) Blechdosen sagen mir generell wenig zu da

der Verschluss nicht gerade luftdicht ist und sich am Bodenfalz Reste

einlagern.

Ich habe gelesen das japanische Kirschholzdosen optimal sein sollten,

Angebote hierzu konnte ich allerdings nicht finden.

Letztendlich würde ich gerne die Schwarz-/Grünteesorten welche in

Papierverpackung (von meinem Stammlieferanten Hamburger Teespeicher

zb.)geliefert werden besser lagern ohne dass das Aroma schnell verloren

geht oder sich evtl Motten am Tee vergehen.

Sofern der Tee im Schrank aufbewahrt wird – sind Glasgefäße

(Geruchsneutral und leicht auswaschbar) geeignet?

Über Ratschläge Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen aus Baden-Würrtemberg

Frank

Neben dem Teetrinken ist die Sache mit dem Aufbewahren wohl ziemlich essential für einen Teeliebhaber.

Eigentlich bin ich keine gute Adresse für solche Frage. Jeder, der mich kennt, würde Kopf schütteln, wie ich meinen Tee aufbewahre. Ich trinke ihn einfach schnell weg, oder ich verschenke ihn weiter. Natürlich besetzen die Teedosen meine Wohnung. Blechdosen, Ikea Blechdosen – sehr gut für Pu Er Tee aufzubewahren, Papierdose aus Taiwan etc.

Blechdosen: Wenn Sie Ihren Grüntee schnell verbrauchen, wäre es nicht problematisch, ihn direkt im Blechdosen aufzubewahren. Ich fände es allerdings besser, samt der Papier in der Dose aufzubewahren. Ähnliche Teesorten könnte man zusammen aufbewahren, aber nicht zu unterschiedliche Teesorten.

Blechdosen aus Ikea: ideal für Pu Er. Pu Er aufzubewahren sollte nicht in einer lusftdichten Dose sein. Nur um „unerwünschte“ Mittrinker zu vermeiden schafft die Blechdose in Ikea jedenfalls, außerdem hat diese Dose einfach die richtige Grüsse für eine Fladen.

Glas: auch ein ideales Medium, sofern das Licht nicht direkt auf das Glas wirft.

Um Geruch zu neutralisieren könnte man alte Teeblätter (unverbraucht) in die Dose oder Glas paar Stunde oder einen Tag füllen und liegen lassen. Teeblätter beseitigen fremden Geruch hervorragend – darum sind sie auch sehr empfindlich gegenüber „unerwünschtem“ Fremdgeruch.

Die japanischen Teesorten würde ich generell im Kühlschrank aufbewahren. Ungeöffnete Tüte im Tiefkühl.

Die Kirschholz-Dosen könnten Sie vielleicht bei

limited-stock.com (+41-43-2685260) anfragen. Der Laden, die Jägger und Sammler an der Spiegelgasse Zürichs, führen hervorragende Teedose-Sortiment aus Japan (natürlich auch Sortiment von ML)!

 

Tai He 2006 und etc.

Ein Bericht über Tai He zu schreiben, fällt nicht schwer. Es ist insofern schwer, wenn man das Unsichtbare von Chou Yus Text und Vorstellung wörtlich materialisieren möchte. Es ist oft so, dass viele Beschreibung sehr esoterisch klingt, wie „die Bewegung des Qis“ und „Ganzheit mit dem Kosmos“. Man könnte alles behaupten, was einer glaubt, es bei sich zu spüren. Andererseits ist man keiner Rechenschaft schuldig, was man bei einem Tee empfindet. Jeder Duft, jeder Tee und jeder Geschmack ruft unterschiedliche Reaktionen und Assoziationen bei Menschen hervor. Was gäbe es denn da zu diskutieren?

Manchmal bin ich mit der Frage konfrontiert, warum der beschriebene Geschmack bei dem Fragenden nicht zutrifft, wie könnte er denn überhaupt etwas unternehmen, um ihn zu schmecken. Manchmal frage ich zurück, „Wenn Du/Sie Dich/Sich nicht begeistern lässt, wie so der Tee Dich/Sie begeistern?“

Wenn Du Dich nicht berühren lässt, wie möchtest Du andere berühren?

Mein junger Schauspieler-Freund Dirk, fast ein Ersatzbruder für mich, verlor gerade seine Freundin. Sie ist nach Europa gekommen, um eine Geschichte zu vergessen. Nach ihrem Heimat zurückgekehrt, um eine andere Geschichte zu vergessen. Er sagte, dass er nicht wirklich traurig sei, weil die Distanz zu groß sei, um überwunden zu werden. Es ist nicht die Distanz der Liebe, sondern die Distanz zum eigenen Selbstvertrauen. Er kämpft um seine Karriere und wurde gesagt, dass er stets eine Schleie trägt, seine Schauspielkunst die Menschen nicht erreicht. Er fragte mich bedrückt, was das bedeuten sollte.

Wenn Du Dich nicht berühren lassen könntest, wie könntest Du andere Herzen berühren? Wenn Du Deine Trauer nicht kennst, wie möchtest Du  anderen mit Freude anstecken?

Unsere Erziehung zeigt uns, wie wir einen guten und besseren Menschen sein können, um Anerkennung und Akzeptanz zu erhalten. Immer fit, in Topform und leistungsfähig. Verpflichtungen, Schuldgefühle und das Gefühl des Opfers hängen mit der Erwartung zusammen, anerkannt und akzeptiert werden zu wollen. In diesem Mechanismus hat ein wahres Ich kaum einen Raum. Darum könnten viele Menschen nicht riechen, nicht schmecken und nicht fühlen. Ihr Sehen und Denken fixieren nur auf sich selbst, nur ihre eigene Probleme zählen zu wichtigsten Ereignisse der Welt – wie oft muss ich Frage und Emails beantworten, die nach Hilfe schreien, aber erhalte selten nach dem Antwort einen Dank. Zum Glück mache ich diese Arbeit für mich selbst, nicht für die anderen oder für einen Dank.

Mit Vero konnte ich den Tai Ho zusammen „erforschen“. Sie hat eine gute Nase, eine geschulte Wahrnehmung und beherrschte hervorragende Präzision des Benennens. Der trockene Tee duftet in seiner trockenen Form leicht nach getrockneten Zwetschgen, leicht nach Teer und nach dem Holz. Sie sagte, dass die holzige Note eine Art von Lebenskraft in ihr erweckte. Im Aufguss schmeckte er anders. Ich sagte wieder – wie Blumenwiese. Eine Blumenwiese nach dem ersten Frühlingsregen auf einer subtropischen Insel. Es ist feucht, duftend, leicht nach Moor nach Waldboden. Leicht nach Algen, fügte sie hinzu, aber nicht nach dem Meer, sondern nach den feuchten glitschigen Urpflanzen der Erde. Der Aufguss war ergiebig. Die aufgegossenen Blätter sahen wunderschön. Keine Verletzungsstelle, sorgfältig verarbeitet. Das Gefühl des Paradieses – das Gefühl voller Dankbarkeit. Kein Verlangen und keine Erwartung. 

Einen Dank an Chou, Yu, einen Dank an alle Wesen, die es ermöglichte, dieses Moment zu erleben.

Tai He 太和 2006

Tai He 太和 2006

Tai He 太和 2006 – kosmische Harmonie, eine Pu Er Kreation von Chou, Yu

Ein loser Pu Er ist nicht eine Rarität. Diesen losen Tai He würde ich als eine Rarität bezeichnen. Wie stellt Chou, Yu seine eigene Kreation selbst dar? Was möchte er mit den Teeliebhaber austauschen – durch diese Kreation?

Tai He, ein Tee aus tausendjährigen alten Teebäume im Hochland Yünans.

Die uralte Teebaum-Gruppe beheimatet im Gebirge von ca. 2000 Meter ü. M. Die Ernte fand im frühen Frühling statt – vor dem 4. April (Ming Qian). Seine Tee-Tipps sind zart, anmutig und lang. Sein Wesen ist voller Reinheit der Frühlingskraft.

Man könnte mit Teekanne oder mit einer Schale zubereiten. Die Menge wäre nur von der Hälfe des normalen Gebrauchs. Normalerweise spürt man nach drei oder fünf Tasse einen sanften Fluß der Energie (Qi), die unseren Körper belebt. In diesem Moment versüßt unseren Mund das Speicher aus unserem Zungewurzel. Der Duft des Tees bleibt an unsere Zähne haftend. Unser Gaumen wird balsamiert und der Abgang hinterlässt Spuren im ganzen Tag… Dann verschließen Deine Augen, (wo gehst Du noch hin?) Du bist schon im Paradies!

Ein Degustationsbericht wird in nächsten Tagen folgen.

Eine Tasse Pu Er

Pu Er Tee ist fuer meine Familie nichts. Nichts halten sie von diesem Tee, weil sie ihn nicht verstehen und nicht verstehen wollen.

Ich verstehe Pu Er auch zu wenig, aber nicht abgeneigt, sondern sehr neugierig. Mein Teelehrer hat nicht gerne meine breite Interesse fuer unterschiedliche Dinge, vor allem Interesse fuer Pu Er. Er sagte immer zu mir, Kuemmere Dich nur um eine Dinge. Ich will allerdings nicht immer das machen, was er sagt. Ich folge gerne meinem Trieb.

Als Gerhard und Kasper hier waren, waren wir bei Zhi Teng Lu, ein Ort, wo sie vor vier Jahren dort waren, als sie ihre erste Asienreise machten. Menschen sind Gewoehnheitstier und wir gingen wieder dorthin. Ein Ort der Erinnerung. Ein gelagerter Tee ist auch ein Ort der Erinnerung. Sehr muehsam fangen wir das neue Haus von Zhi Teng Lu, das inzwischen in verwinkelter Gasse versteckt ist. Wir tranken eine Kanne Liu An, ein Tee aus Anhui 1950. Ein fremder Tee, der uns voll begeistert. Ein Tee, der 150 Euros kostet pro 50g.

Was ist denn bei einer guten Tasse Pu Er oder Liu An so besonders? Wir disskutierten. Er ist smooth, aromatisch und schwer zu fassen. Das stimmt. Fuer mich hat der Genuss solcher Tees eine erotische Nuance. Sie lachten uerber meine ehrliche Aussage. Das ist aehnlich wie bei Sashimi Essen – rohen Fisch. Man geniesst, das knackige, zarte und kuehle Fleisch auf der Zunge, es schmeckt ueberhaupt nicht fischig, sondern ein purer Genuss vom Frische, vom Lebendige und vom Suesse des Lebens. Ein Genuss von dem Fleischigen. Eine gute Tasse Pu Er und Liu An – alt, gut gelagert und vorher nicht kuenstlich fermentiert war, fliesst wie Seide, wie Tautrofpen und wie das lebendige bewegende Quelle in die Gaumen. Der Mund wird geschmeidig, gestreichert und belebt. Solche Genuesse koennte man mit Geld gar nicht kaufen. Was ist denn schon der Preis? Fuer mich ist es preislos bzw. „wertlos“.

Mir ist es bewusst, dass ich diesen Tee zu wenig verstehe und bat um ein Gespraech mit dem Hausherrn Jou Yu. Er kam gestern aus Yunan zurueck. Heute traf ich ihn, waehrend er ein Ei und ein Glas Milch als Mittagsessen ass. Eigentlich hatte er keine Zeit. Ich wartete. Inzwischen lerne ich auf die Zeit zu warten, die wert ist, zu warten. Es ist meine Veraenderung.

Er sah, wie ich wartete und lud mich ein, eine Verkostung von seinen neuen ausgesuchten Pu Ers. In der Welt des Pu Ers ist er eine Autoritaet, nicht weil er Buecher schrieb, sondern weil er ehrlich ist. Er sagte, was er vertritt. Seine Artikeln findet man oft beim Magazin „The Art of Tea“.

Seine Assistentin Wling trank mit. Wir tranken drei unterschiedliche Kategorien, einen, den er als vielschichtig bezeichnet; einen, er nach einem Vorbild von 50er Jahren machen liess – aus 6 verschiedenen Materialen; einen, den er als eine Harmonie zwischen Menschen und der Natur ausdruecken moechte – ein bisschen abstrakt? Den ersten Tee war voll, vielschichtig. Ich schwizte gleich. Eine Lebenskraft aus dem Wildness koennte man gleich spueren. Den zweiten – für mich, wie eine Frau, die schweigt, weil die Zeit noch nicht reif ist von sich Preis zu geben. Aber seine Tiefe war zu spueren.

Als er den dritten Tee machte. Er war sehr gespannt auf unsere Komemntare. Dieser Tee schien ihm sehr wichtig zu sein. Wling meinte, diesen Tee zu trinken erinnerte sie an das Verliebsein. Das Herz ist warm, suess und lebendig. Er freute sich sehr. Ich schwieg. Nach dem zweiten Aufguss wiederholte Wling ihre Empfindung. Ich erzaehlte ihnen langsam, wie ich es wahrnahm. Fuer mich ist das Verliebsein, eine Ansammlung voller Erwartungen. Das Erwarten von dem Erwarteten. Das Abwarten von dem Unerwarteten. Zheng Chouyu schrieb einmal in einem Gedicht über die Ambivalenz dieser Situation, seine letzte zweite Saetze sind:

„Meine laufende Schritte vor deinem Fenster ist ein schoener Fehler.

Ich bin kein Heimkehrer, sondern ein fremder Wanderer.“ 

Fuer mich war dieser Pu Er keine Ansammlung der Erwartungen. Ich erwartete nichts und will nichts, als ich den Tee trank. Eine Zufriedenheit und Gelassenheit umhuellte mich. An nichts dachte ich.

Er wurde nachdenklich, als ich von dem Gedicht erwaehnte. „Weiss Du, ich wurde in einer Zeit geboren, eine Zeit voller Unterdrueckung!“ Ich kenne ein bisschen seine Geschichte als ich eine Studentin war. Eine Zeit der Unterdrueckung, wenn Liebende sich nicht lieben können und voneinander trennen muessen, weil die Welt daraussen unterdrueckt ist.

Er schenkte mir ein kleines Stueck von diesem hoch erwarteten Tee, den gar nicht zu kaufen war. „Du hast ihn gerne.“ er sagte mir, „Aber weiss Du, Du muss Dich entscheiden, was Du willst. Du kannst Dich nur um eine Sache kuemmern.“ Meinte er, dass ich mich zwischen Pu Er und Oolong entscheiden muss? „Ich entschied mich fuer Pu Er.“ das war sein Abschiedsatz.

Eigentlich hatte ich vor in diesem Monat meine Kalligraphie zu verbessern. Meister Sun besuchte ich gleich nach meiner Ankunft und fragte ihn, ob ich jeden Tag eine Stunde vorbei kommen koennte. Er wies mir ab und sagte laut, dass er keine Zeit habe, fuer meine Freizeitsbeschaeftigung.

Jou Yu wird eingeladen nach Prag eine intensive Diskussion ueber Pu Er zu fuehren. Es wird wohl irgendwann im Sommer oder Herbst sein. Jeder, der Pu Er naeher kennenlernen und verstehen will, waere es die beste Gelegenheit, sich zu vertiefen. Wer Pu Er liebt und es nicht kann, hat Pech. Ich versprach ihm, ihm zu assistieren, auch wenn ich keine Zeit haette.

Zhutong cha – Operation Arnos

Zhutong cha - Operation Arnos

Liebe Meng-Lin,

heute ging es dem Zhutong Cha an den Kragen… Du meintest, ich solle
berichten, wie ich den »Pu Er aus dem Bambusrohr erfolgreich operiere«.
Also:
Mit einer kleinen Säge zwei Ritze oben in den Bambus gesägt, danach mit
Hammer und Meißel ein paar Mal eingeschlagen, und schon war der Tee
befreit. Daher gibt es auch nur 3 Photos, da die Sache sehr schnell und
unspektakulär ging 😉
Freue mich schon sehr, den Tee zu probieren; hast du noch eine
Empfehlung für die Ziehzeit?

Schönen Gruß

Arno

Gratulation zur gelungenen Operation! Vielen herzlichen Dank, lieber Arno!

Darf ich jetzt nun auf deinen Degustationsbericht warten?

ps. die Ziehzeit… In diesem Fall würde ich 3 g in 150 ml Wasser, 95 Grad, 3 – 5 Minuten warten.