Archiv der Kategorie: Gongfu Cha (Kungfu Cha) 工夫茶

Vögel im Käfig

Als ich ein Kind war, sass ich oft vor dem Fernsehen und erklärte meinen Grosseltern, was ich sah und hörte. Sie waren nicht Analphabeten, sie verstanden bloss kein Chinesisch.
Grossvater seufzte oft, dass sein Dasein wie ein Vögel in einem Käfig ist – weil er die Sprache auf der Strasse nicht verstand oder weil er nicht verstanden fühlte?
Ich erzählte so und so, was ich da im den Kasten sah und hörte. Manchmal übertriebener und manchmal gelangweilt. Mein Grossvater kontrollierte meine Geschichte am nächsten Tag, nachdem er die Zeitung gelesen hat und korrigierte mich mit so und so, von dem er lass und aus seiner alten Logik in der japanischen Zeit.
Meine Aufgabe war Geschichte zu erzählen und zu übersetzen.
Nun meine Aufgabe im Europa ist es nicht anders geworden.
Ich erzählte hier Geschichte oder übersetze sie. Manchmal übertreibe ich und manchmal tue ich es so wie gelangweilt.
Geschichte – Teegschichte, die ich alltäglich erlebe oder welche ich in meiner kulturellen Wurzel gehört und gelebt habe. Manchmal kann ich es nicht unterscheiden, ob ich das übersetzt bin oder der Tee. Manchmal verwechsele ich das Bild von den Vögeln – bin ich es oder derjenige, der die Geschichte hören.
Ist die Sprache ein Käfig? Oder das Gefühl vom Unverständnis oder das, was wir überhaupt als Zugehörig sein meinen?
Am den Teetisch in Shui Tang, obwohl der Tisch eckig ist, er rundet die Menschen, fangen fremde Menschen an plötzlich miteinander zu reden. Tee verbindet. Was verbindet er?
Ein Getränk, das den Käfig zeitweise verschwunden lässt und wenn man es nicht aufpasst, einen gemeinsamen Köfig kreiert – das vermeintliche Wir-Gefühl. Ich passe immer dabei auf, dass dieser Tee-Käfig keine Tür hat – damit meine Vögel immer ausfliegen können. Selbst ich – von Tee besessen – lerne, zu fliegen. Eben manchmal fremd gehen – zum Kaffee oder manchmal Whisky…
Gedanke – Notitz bei einer Tasse lieblichen und zugleich herben Phönix Shuixian aus Chao An, Guangdong!

Das Gesicht einer Nacht 夕顏

Das Gesicht einer Nacht 夕顏

松樹千年終是朽,槿花一日自為榮。
Auch wenn Kieferbäume Tausendjahre alt werden, werden sie irgendwann zerfallen.
Auch wenn Hibiscus nur ein Tag lang blüht, strahlt sie in voller Schönheit.
Bai Ju Yi (772–846), Tang-Dynastie China

Wenn ich in mir Unruhe spüre, mache ich unbewusst mir eine Schale Tee. Je nach meiner eigenen Auffassung wähle ich einen – selten einen grünen.
Grüner Tee geniesst im Europa wegen der angesagten Wirkung gegen Krebs einen Kultplatz. Die meisten Menschen hier haben selten einen Zugang zu ihrem eigenen Körper und glauben gerne an PR-Texte. Sie kaufen das, was empfohlen wurde und wo gepriesen wird mit einem Daumen nach oben oder nach unten. In jedem Frühling zerbreche ich meinen Kopf, um das Verhältnis von Preis und Qualität vom grünen Tee stabil zu halten. Zu viel eingekaufter güner Tee bedeutet für Shui Tang ein Verlust, weil die Schönheit des grünen Tees in meinen Augen eben nur von kurzer Dauer ist. In Japan gibt man sogar den Genusszeitraum von drei Monaten. Aber wenn ich alte Texte von 千利休, Sen no Rikyū lese, dann werde ich richtig verwirrt, dass er den alten Tee bevorzugt und den neuen Shincha als zu unreif bezeichnete.
Ich bin noch tiefer in Pu Er Tee verliebt, seit ich aus Yunnan von den alten Bäumen zurück komme. Der einfache Geschmack gleicht die Schönheit aus der einfachen Erde. Etwas, was reifen muss, um Facetten und Tiefe zu gewinnen – das spricht mir wohl wegen meinem Alter immer mehr an. Das grasige Grün verliert immer mehr mein Gunst.
Seit paar Wochen reisen immer mehr frische grüne Tees in Shui Tang an. Wir sind ganz fleissig beim packen. Die frische grasige Note und federleichte Blätter strahlen eine unglaubliche Leichtigkeit aus. In dieser Hitze Zürichs greife ich ihn sogar freiwillig zu. Während Natascha nach dem Feierabend noch für mich den Computer reparierte, machte ich mir eine Schale Matcha… Plötzlich sass ich im Garten von Sanzenin in Ohara. Der alte Kiefer und Moos scheinen greifbar zu sein. Der alte Kiefer kann lang leben, während mein Leben ein Provisorium ist…
Sara fragte mich auf der Reise, weshalb ich viele Leute aus Europa nach Yunnan mitnehmen wollte. Ich antwortete, weil mein Leben ein Provisorium ist, während der Tee weiter geht. Irgendwann bin ich weg und Tee muss im Europa tiefe Wurzel einschlagen.
Mein Leben ist so kurz wie der grüne Tee. Kurz von Lebensdauer. Wie der Hibiscus in Bai Juyis Gedicht.
Nicht nur Hibiscus ist ein Ein-Tagsblume. Prunkwinde auch. Es gibt zwei verschiedene Sorte: eine Sorte blüht nur am Tag – auf Chinesisch heisst er Morgengesicht, Zhao Yan, eine andere Sorte blüht nur in der Nacht – auf Chinesisch heisst er Gesicht einer Nacht, Xi Yan. Xi-Yan ist gerne erwähnt und oft mit einer Seufz in der chinesischen Literatur – weil er in einer Nacht blüht. Etwas, was nie zu Tage treten soll. Wir haben meistens Angst davor, wo das Licht nicht ankommt… Eigentlich liegt dieser Ort wo Licht keine Chance hat in unserem eigenen Herzen. Deshalb fühle ich mich immer angezogen von den Xi-Yan. Diese Blume erzählt mir das, was ich nicht zu Tage treten lassen will und das Leben nur von kurzer Dauer ist.
Beim Besuch von Hannes Garten entdeckte ich diese blaue Blumen in der abendlichen Stimmung – fast genau wie unser alten Garten in meiner Kindheit, als ich noch mit meiner Schwester durch unsere verschiedene Höfe Versteckspiele machten und vor Erwachsenwerden flohen. Unser Garten ist hin nach Hundertjahren. Ich bin nun hier in Zürich. Manchmal gehe ich zu Vrenis Garten an der Spiegelgasse – die Mauer ist rauh und alt, während die Blumen in voller Schönheit bloss paar Tage blühen.

Eine Wette

Alexander brachte einen Boss (einen prächtigen Kravattenträger). Er behauptet, dass er alles trinkt, was seine Assistentin ihm zubereitet – ein scheinbar zugänglicher Boss.
Aber er behauptet, dass es keinen Unterschied bei dem Geschmack gibt zwischen den Oolong von Teebeutel und von Gongfu Cha.
Also, ich bin auf die Wetter eingestiegen. Auf eine Flasche Champagner! Ich habe eine Flasche ausgesucht. Aber der Boss behauptet, dass er es gewinnen könnte. Es wurde gewettet, ein Lishan Holzkohle 2012 sollte in zwei Arte zubereitet werden: einmal in Gongfu Cha und einmal mit PapierFilter. Es wird ein Blindtest sein und ich werde getestet! Mit herzlichen Lachen akzeptierte ich die Bedingungen.
Ich bin sehr gepannt.
Denn ich erlebte heute eine Ueberraschung.
Ich dachte, ich kenne fast allen meinen Tees. Tim stellte es auf Probe.
Er kam ohne angekündigt. Während ich sein Essen aufwärmte, sollte er selbst einen Tee aussuchen. Er suchte einen aus und bereitet ihn in dem Tonkanne zu, die Atong mir schenkte. Ich dachte es sei ein Dongding Guifei, weil der Tee schöne mineralische Note auffächerte… Nein… er war ein Muzha Tie Guanyin!
Ich war sprachlos in dem Moment. Muzha Tie Guanyin – kenne ich mehr als genug! Aber immer in Porzellan! Nun offenbart er mir in einer Tonkanne andere Facetten, die mir zuvor unbekannt war!
Anfängergeit ist der Teegeist! Ich habe Respekt vor Tee und vor dem, was Tee mir offenbart.
Und diese Wette – gewinnt nun auch Respekt von mir.

Tee und Teekanne in Basel

Die lange Nacht von Museum war richtig anstrengend. Ich hatte schlimme Kopfschmerzen, kratzenden Hals und müden Geist. Aber der Tee hinter dem Bambushain, dem Weg entlang mit Teelichter ausgewiesen bezauberten die schöne „Tee-Atmosphäre“. Im Organgerie waren immer mehr als zu voll besucht. Das Publikum war super. Interessiert, zuhörend und zu begeisternd! Über 100 Leute kamen zu Tee. Die Helfer waren tapfer. Bis 3 Uhr war ich wach… Danach zwei Tagen wie ein toter Fisch im Bett…

O.K. so wie zu dem vergangenen Tee. Jetzt kommt die Frage wegen dem Besuch von Teekanne Meisterin in Basel. Ich werde nicht in Basel sein. Aber die Ausstellung ist am 16.09 um 18 Uhr in Anna Schmid Galerie eröffnet.

Anna Schmid,
Schneidergasse 14
CH 4001 Basel

Zur gleichen Zeit ist eine Teezeremonie im sehr freundlichen und netten Teehaus Teeodor in Basel Am Andresplatz geplant.

Teeodor
Andreasplatz 17
4051 Basel
061 261 5724

Eine lange Nacht mit Tee

Am 4.09 findet die traditionelle „Die Lange Nacht der Museen“ in Zürich.
Am 20.00, 22.00 und 24.00 werde ich Tee offerieren. Gleichzeitig läuft eine interessante Ausstellung von chinesischer Porzellan-Herstellung in Jingdezhen! Für Tee und Teatoys-Liebhaber ist der Besuch ein „Muss“!

Programm hier.

Diese interessante Austellung wird am kommenden Donnerstag am 15.07 eröffnet!

Ohne Grund zum Tee 無由

山泉煎茶有懷, 白居易 (772-846)

坐酌冷冷水,看煎瑟瑟塵。
無由持一碗,寄與愛茶人。

„Lass uns gemütlich hinsetzen. Mit dem klaren Quellwasser kochen wir eine Schale Tee. Neben dem wärmenden Feuer vergessen wir die Vergangenheit und die Zukunft. Ich möchte Dir eine Schale Tee offerieren ohne weltliches Kalkül. Denn Du bist auch ein Teeliebhaber.“

Tang-Dichter Bai Juyi verdeutlicht uns das Wesentliche, was Tee im Leben der chinesischen Kultur ausmacht. Eine Schale Tee zuzubereiten, eine Schale Tee miteinander zu teilen ist ein Ausdruck der Absichtslosigkeit. Weil es absichtslos ist, weil kein Nutzen dabei sein muss, können Teeliebhaber die einfache Schönheit des Lebens zelebrieren und so an ihr teilhaben.

In der chinesischen Tradition ist eine Teezusammenkunft ein integrativer Teil des gesellschaftlichen Lebens. Man trifft sich zum Tee und Tee verbindet. In dieser Zusammenkunft steht nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern die Freude des Teilens. Häufig gibt es einen Gastgeber, der eine Teezusammenkunft veranlasst und dazu Gäste einlädt. Das Wichtigste bei einer solchen Zusammenkunft ist die Harmonie. In dem Moment, wenn der Gastgeber seinen Ehrgeiz aufgibt und kein Ziel verfolgt, entsteht eine Offenheit, die die Atmosphäre entspannt und harmonisiert. In dieser Offenheit und starken Konzentration kann der Gastgeber die Bedürfnisse der Gäste subtil wahrnehmen und kann entsprechend darauf eingehen. Als Gast nimmt man alles dankend an, was ihm entgegengebracht wird. Und in dieser Dankbarkeit und Respekt ist man in Mitten der Schönheit des Lebens.

Diese Art der Teezusammenkunft, die heute noch praktiziert wird, ist Gongfu Cha. Gongfu Cha bedeutet Teezubereitungsart voller Konzentration und Aufwendigkeit. Es ist aufwendig, Tee in seiner Vielfalt zur Sprache zu bringen. Grosser Konzentration ist erforderlich, Menschen mit Tee zu dienen.

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Am 4.09 Samstag ab 20 Uhr werde ich für Völkerkundemusem ihren Besucher drei Sessionen Gongfu Cha zelebrieren.
Ich wurde gefragt, einen Text darüber zu schreiben. Anstatt einen gewöhnlichen Text über diese mehrfach zitierten Zubereitungsart zu schreiben, möchte ich auf das Essenzielle konzentrieren.
Was ist der Anfang oder der Grund, der uns zum Tee brachte?
War es wegen Gesundheit? War es wegen Wellness? War es wegen „weil mein Freund oder Familie immer Tee getrunken hat?“
Was passiert danach? Was ist das, was uns nun an Tee bindet? Unser eigener Zugang, der mit der Zeit langsam entstanden ist, der nicht spektakulär ist, sondern einfach im Alltag und im Leben intergriert ist. Einfach so, ohne Grund. Eine grossartige Freiheit, kein Nutz und keinen Grund zu haben.

Ziehzeit, ach!

Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?

Teefreundin Winnie möchte sehr gerne wissen über die Ziehzeit. Eigentlich habe ich diese Frage bereits mehrmals beantwortet und beantworte diese Frage täglich in Shui Tang.

Liebe Winnie, möchtest Du ein standarisiertes Wissen hier hören oder etwas anders, was Deine Vorstellung von Tee vielleicht „revolutionieren“ kann?

Standardmässig und energiesparend würde ich sagen:

alle Tees MUSS in kleiner Menge zubereitet werden! Also nicht mehr als 150 ml.

Grüntee mit leicht abgekühltem Wasser, Oolong und roter Tee mit ganz heißem Wasser; Pu Er nur mit ganz heißem Wasser aufgiessen. Nur in Porzellan für Grüntee und nur in Yi-Xing-Kanne für Oolong und Pu Er! Alle Tees nicht länger als 1 Minuten ziehen lassen!

Bist Du mit dieser Aussage nun zufrieden?

Diese Antwort ist eine Antwort für Menschen, die Tee trinken als eine biologische Akt verstehen.

Bist Du so einer, der nicht viel denken will? Oder Bist Du, wie die meisten Menschen im Europa behaupten, ein INDIVIDUALIST?

Die größte Ironie, die ich im Europa erlebe, ist der Witz mit dem Individualismus! Wo sind die Individualisten? Ich sehe die ähnliche Mode auf der Strasse, die ähnliche Telefons am Ohr, die ähnliche Argumenten bei Tee trinken – gesund, fett brennen und wellness!

Wo sind die Individualisten im Europa? Im Twitter oder in Xing? Wo findet man einen Individualist? Ist er vielleicht nicht im Facebook?

Meine Vorgehensweise ist so:

Verstehst Du Dich selbst? Trinkst Du gerne voll aromatisch oder eher mild? Ist Dein Tee-Spielfreund neben Dir eine junge Damen, die gerne leicht florale Note bevorzugt oder ein Hardcore-Typ, der kräftige Nuance will?

Dann was für ein Teegefäss hast Du? Groß oder klein? Porzellan oder Glas?

Alles spielen zusammen eine Rolle. Porzellan ist generall gut für jeden Tee, während Glas in meinem Auge nur für den weißen Tee geeignet ist. Ton-Kanne ist für einen Teeliebhaber, der gerne pflegt, nicht geeignet für Menschen wie mich, der schlampig ist.

Bei dem Pu Er Tee würde ich die gerpessten Teile leicht auseinander lösen, so vorsichtig, dass die Blätter noch vollständig bleiben – dies garantiert die Qualität und Stabilität des Aufgusses. Ich benötige beim Genuss des Tees nie eine Waage, während eine Briefwaage für eine Profi-Degustation notwendig ist! Allgemein nehme ich so viel Teeblätter, die den Boden des Teegefäss leicht bedecken – diese Menge gilt für 4-6 Aufgusses.

Den Unterschied bei Zieh-Zeit macht man nicht bei verschiedenen Jahrgang des Tees, sondern für den richtigen Geschmack zu treffen. Ich trinke gerne einen Tee in seiner vollaromatischen Form, darum lass ich je nach dem bis zum 1 Minuten ziehen – wenn ich mit Teegefäss arbeite, die nicht größer ist als 150 ml. Wenn der Geschmack des Tees richtig zum Ausdruck gebracht wird, freut es mich unglaublich. Es gibt Tees, wie z. B. Buddhas Hand, den ich nicht gut zubereiten kann. Und jedesmal, wenn es mir gelingt, bereitet mir große Freude!

Du siehst, auch ich, kann Dir keine Garantie liefern, eine gute Tasse zu machen. Ich probiere, experimentiere und spreche noch ständig mit dem Tee! 

Das heißt nicht, everything goes. Es würde so gehen, wenn man Tee und Teatoys tatsächlich versteht. Man kann es nur verstehen, wenn man wirklich „spielt“. Und bevor man etwas weiß, weiß man den Mund zu halten – dies ist das schwerigste für mich und für Menschen im Europa!

Letztes Mal, als ich meine Tee-Eltern in Bodman wieder besuchte, war es mir bewußt wie stark wir an Form anhaften. Es war der ersten Maitag und der Frühling ist schon längst im Garten. Meine Tee-Eltern sind nun im fortgeschrittenen Alter, der Körper ist hinfällig und die Kraft dem Umstände entsprechend. Aber wir wollten noch zusammen spielen und freuten uns sehr darauf. Im Teeraum war noch Ro im Einsatz. Normalerweise wäre nun Fu-Ro für die Sommerstellung bereit. Wir spielten die Temae für Ro miteinander. Glücklich und erfüllt. Detlef sagte mir, „Weiß Du, der Rikyu (DER TEEMEISTER des Chados) guckt nicht nach Bodman.“ Wem müssen wir denn überhaupt rechtfertigen? Die versteckte Zeigefinger, der auf uns selbst richtet, der uns selbst ständig mit dem Dualismus plagt und uns von unserem wahren Selbst trennt, kann wirklich aufhören – vor allem beim Tee! Wenn wir aufhören können, dualistisch zu denken, dann kann das wahre Mitgefühl entstehen. Unsere Welt wird einfacher mit Tee.

Danke für Deine Aufmerksamkeit.

Frage von Ziehdauer

Liebe Menglin, die Tees, die Verena mitgebracht hat aus Zürich, sind alle wirklich wundervoll. Wir hatten schon viele gemeinsame Verkostungen. Es ist wie im Schlaraffenland! Langsam finde ich auch heraus, wie jeder Tee behandelt werden will, wieviel Teeblätter, wielange ziehen lassen, um eine schöne runde Tasse herauszubekommen. Natürlich habe ich noch viele Fragen…

Also der Pu Er fasziniert mich fast am meisten, dieser honigsüsse Duft, der in der Tasse zurückbleibt, ist etwas ganz besonderes. Es stimmt, dass der 1990iger mit seiner erdigen, waldgeladenen Note etwas zutiefst ausgleichendes hat, auch mir hat er sehr gut getan in stressigen Momenten letzte Woche.
Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?

Woher kommt bei dem Dianhong und bei dem Longjing der feine gelbe Staub, der an den Blättern haftet? Von der zarten Behaarung?

Auch für die anderen Tees – Jasmin, Longjing, Fancy Oolong Nostalgie, Dianghong, Hongyu Hongcha – hätte ich gern eine Empfehlung für die Ziehdauer, obwohl ich natürlich weiss, dass das auch Geschmackssache ist.
Der Jasmintee ist wirlich traumhaft, ganz duftig und leicht. Sieht auch soooo schön aus, wie die Blätter behandelt sind. Inzwischen verstehe ich den Longjing auch viel besser, er kommt mir nicht mehr hart vor. Der einzige Tee, den ich noch nicht gut hinbekommen habe, obwohl ich mich damit am besten auskennen sollte, ist der Fancy Oolong. Entweder er wird mir zu schwach, oder gleich bitter. da wäre ich für eine Dosierungsempfehlung sehr dankbar…

Vielen Dank schon mal im voraus für Ihre Zeit und Mühe und ganz viele Grüsse aus Valencia
w.

 

Ich werde diese Frage wohl erst heute Nacht beantworten können. Bis zum nächsten Blogbeitrag!

Tee, Teewasser

Das Thema mit dem Wasser ist stets die Herzensangelgenheit für Teeliebhaber. Nicht nur für Teeliebhaber, sondern auch für Kaffee-Liebhaber.

Obwohl ich als Teefrau verstanden werde, bekenne ich persönlich zum Kaffeeliebhaber. Meine Kaffee-Maschine futtere ich gerne mit dem Wasser aus Umkehr-Osmose. Der Kaffee wird dadurch sanfter, runder und lieblicher. Das Interessante an einer Kaffeemaschine ist, dass nicht alle Kaffeesorten durch Knopfdruck gleich gut zum Ausdruck kommen. Gewisse Kaffeebohne liebt meine Maschine, gewisse nicht – als ob sie selbst eine Seele verfügen würde.

Für Kaffee erlaube ich mir selbst die Spielerei, aber für meinen Tee habe ich wenig Toleranz. Ich nehme immer nur Leitungswasser. Gewiss habe ich bis jetzt Glück mit der Wasserversorgung meiner Wohnorten. Zürich und Konstanz haben gutes Wasser, obwohl ich überzeugt bin, das Limat die Wasserqualität der Stadt Zürich trennt! Wo ich mich befinde, gibt es schlechtest Wasser! Trotzdem möchte ich das „schlechte“ Wasser nehmen, weil es mir hilft, anderen Teetrinker zu verstehen, wie der Tee bei ihm zu Hause schmecken kann.

Oolong mit dem energetisierten Wasser aus Umkehr Osmose oder Bestwater zuzubereiten ist meine Meinung nach zu Schade! Der Dongding 1981 schmeckte im Bestwater wie kastriert oder wie die alte chinesische Dame, dessen Füssen gebunden waren. Dieser Tee in diesem Wasser hat keine Lebendigkeit! Weiß Du, Lebendigkeit braucht einen gewissen Abgrund und einen spielerischen (verbrecherische) Geist. Das Leben immer in geordneter Bahn zu führen, macht eine Seele zu einem langweiligen Geist. Das Bestwater ist zu rein, für einen gelagerten erfahrenen Oolong!

Mit Carola und Edith besuchte ich Rapperwil, als die Sonne über Zürichsee schien. Einen offenen Teegeist, der ein gut sortiertes Teeschäft mitten in der Altstadt führt, lernten wir kennen. Er gab mir zwei Gläser von Wasser und ich sollte es herausfinden, welcher mit Grander Methode behandelt wurde. Er kannte mich nicht. Ich schmeckte den Unterschied zwischen zwei Gläser ohne Mühe. Trotzdem fragte ich mich, ob das belebte Wasser tatsächlich für Oolong besser wäre… Besser ist eine Kategorie, die nicht umstritten ist.

Von Till erfuhr ich etwas wertvolles über seine Erfahrungen mit Wasser. Wir haben ähnliche Meinung, dass Oolong nicht besonders weiches Wasser verträgt:

 Über Weihenachten hatte ich Gelegenheit die Tees aus der ersten Sendung
bei meinen Eltern in Solingen im Bergischen Land (in der Nähe von Köln)
auszuprobieren. Für Solingen wird das Trinkwasser in großen
Waldgebieten an der Oberfläche gesammelt und in einer Talsperre
geleitet. Das so gewonnene Wasser ist extrem weich und von exzellenter
Qualtität. Und auch die meisten damit zubereiteten Tees, insbesondere
der Shuixiang, … wunderbar!

Wie entäuscht war ich dann wieder hier in München. Das Trinkwasser hier
ist zwar ohne Zweifel auch sehr gut, aber extrem hart und für Tee so
ziemlich ungeeignet. Ohne Wasserfilter gelingt in München kaum ein Tee.
Und im Laufe der Zeit habe ich mir folgenden Umgang mit dem Wasserfilter
angewöhnt. Bevor ich einen neuen Filter benutze lasse ich zunächst eine
halbe Stunde lang Wasser durch den Filter laufen, denn mit sehr hartem
Wasser und einem neuen Filter würde das Wasser leicht sauer schmecken
und wäre für die Teezubereitung völlig ungeeignet. Danach hat der Filter
eine Lebensdauer von zwei Wochen. In der ersten Woche ist das Wasser
recht weich und japanische Grüntees gelingen recht gut mit diesem
Wasser. Zwischen der ersten und der zweiten Woche bereite ich gerne
leichte Schwarztees (z.B. Darjeeling). In der zweiten Woche, wenn das
Wasser aus dem Filter wieder etwas härter ist, benutze ich es für
Oolongtees. Die brauchen in der Regel ein etwas härteres Wasser (der
Shuixiang ist da aber eine Außnahme, der braucht’s recht weich).

Für Oolongs ist die Wasserhärte wie ein Rahmen. Ist der Rahmen zu eng
(das Wasser zu hart) wird der Teegeschmack eingeengt und kann sich nicht
recht entfalten. Der Tee schmeckt wie unter einem Deckel. Ist der Rahmen
dagegen zu weit (das Wasser zu weich) bekommt der Geschmack nicht die
rechte Form und verflüchtigt sich so zusagen „im freien Raum“. Nur das
rechte Maß des Rahmens bringt den Teegeschmack richtig zur Geltung.

Aber all diese Mühe kommt nicht an ein wirklich gutes Wasser (wie in
Solingen) heran, auch wenn es möglicherweise nicht die „rechte Härte“
hat. Und so werde ich den Shuixiang verwahren, bis ich zu Ostern wieder
meine Eltern besuchen kann.

Schon in den ganz alten Tee-Texten wie z.B. Lu Yu’s Cha Ching wird sehr
großer Wert auf die richtige Wasserqualität gelegt. Es wird genau
beschrieben wie und wo man das beste Wasser bekommt. Und es ranken sich
viele Legenden um das beste Teewasser. Aber ich habe bis heute keine
Beschreibung gefunden, was genau ein wirklich gutes Wasser ausmacht und
wie man in unserer modernen Welt ein wirklich gutes Wasser bekommt. Die
Wasserhärte ist sicher ein wichtiger Faktor aber eben so sicher ist sie
nicht das einzige Qualitätsmerkmal für gutes Teewasser.

(……)

Jetzt ist diese Mail doch etwas länger geraten, als gedacht. Ich habe
Dich hoffentlich nicht zu lange von Deiner Arbeit am Teehaus abgehalten.
  Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit dem Teehaus. Ganz sicher
werde ich Dich dort besuchen kommen.

Ich freue mich jetzt schon, das Teehaus zum Treffpunkt aller Teeliebhaber zu entwickeln. Der Name dieses Teehaus steht nun fast fest. Es sollte Shui Tang heissen.

Shui Tang, der Ort des schönen Wassers!