Archiv der Kategorie: Gongfu Cha (Kungfu Cha) 工夫茶

Eine lange Nacht mit Tee

Am 4.09 findet die traditionelle „Die Lange Nacht der Museen“ in Zürich.
Am 20.00, 22.00 und 24.00 werde ich Tee offerieren. Gleichzeitig läuft eine interessante Ausstellung von chinesischer Porzellan-Herstellung in Jingdezhen! Für Tee und Teatoys-Liebhaber ist der Besuch ein „Muss“!

Programm hier.

Diese interessante Austellung wird am kommenden Donnerstag am 15.07 eröffnet!

Ohne Grund zum Tee 無由

山泉煎茶有懷, 白居易 (772-846)

坐酌冷冷水,看煎瑟瑟塵。
無由持一碗,寄與愛茶人。

„Lass uns gemütlich hinsetzen. Mit dem klaren Quellwasser kochen wir eine Schale Tee. Neben dem wärmenden Feuer vergessen wir die Vergangenheit und die Zukunft. Ich möchte Dir eine Schale Tee offerieren ohne weltliches Kalkül. Denn Du bist auch ein Teeliebhaber.“

Tang-Dichter Bai Juyi verdeutlicht uns das Wesentliche, was Tee im Leben der chinesischen Kultur ausmacht. Eine Schale Tee zuzubereiten, eine Schale Tee miteinander zu teilen ist ein Ausdruck der Absichtslosigkeit. Weil es absichtslos ist, weil kein Nutzen dabei sein muss, können Teeliebhaber die einfache Schönheit des Lebens zelebrieren und so an ihr teilhaben.

In der chinesischen Tradition ist eine Teezusammenkunft ein integrativer Teil des gesellschaftlichen Lebens. Man trifft sich zum Tee und Tee verbindet. In dieser Zusammenkunft steht nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern die Freude des Teilens. Häufig gibt es einen Gastgeber, der eine Teezusammenkunft veranlasst und dazu Gäste einlädt. Das Wichtigste bei einer solchen Zusammenkunft ist die Harmonie. In dem Moment, wenn der Gastgeber seinen Ehrgeiz aufgibt und kein Ziel verfolgt, entsteht eine Offenheit, die die Atmosphäre entspannt und harmonisiert. In dieser Offenheit und starken Konzentration kann der Gastgeber die Bedürfnisse der Gäste subtil wahrnehmen und kann entsprechend darauf eingehen. Als Gast nimmt man alles dankend an, was ihm entgegengebracht wird. Und in dieser Dankbarkeit und Respekt ist man in Mitten der Schönheit des Lebens.

Diese Art der Teezusammenkunft, die heute noch praktiziert wird, ist Gongfu Cha. Gongfu Cha bedeutet Teezubereitungsart voller Konzentration und Aufwendigkeit. Es ist aufwendig, Tee in seiner Vielfalt zur Sprache zu bringen. Grosser Konzentration ist erforderlich, Menschen mit Tee zu dienen.

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Am 4.09 Samstag ab 20 Uhr werde ich für Völkerkundemusem ihren Besucher drei Sessionen Gongfu Cha zelebrieren.
Ich wurde gefragt, einen Text darüber zu schreiben. Anstatt einen gewöhnlichen Text über diese mehrfach zitierten Zubereitungsart zu schreiben, möchte ich auf das Essenzielle konzentrieren.
Was ist der Anfang oder der Grund, der uns zum Tee brachte?
War es wegen Gesundheit? War es wegen Wellness? War es wegen „weil mein Freund oder Familie immer Tee getrunken hat?“
Was passiert danach? Was ist das, was uns nun an Tee bindet? Unser eigener Zugang, der mit der Zeit langsam entstanden ist, der nicht spektakulär ist, sondern einfach im Alltag und im Leben intergriert ist. Einfach so, ohne Grund. Eine grossartige Freiheit, kein Nutz und keinen Grund zu haben.

Ziehzeit, ach!

Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?

Teefreundin Winnie möchte sehr gerne wissen über die Ziehzeit. Eigentlich habe ich diese Frage bereits mehrmals beantwortet und beantworte diese Frage täglich in Shui Tang.

Liebe Winnie, möchtest Du ein standarisiertes Wissen hier hören oder etwas anders, was Deine Vorstellung von Tee vielleicht „revolutionieren“ kann?

Standardmässig und energiesparend würde ich sagen:

alle Tees MUSS in kleiner Menge zubereitet werden! Also nicht mehr als 150 ml.

Grüntee mit leicht abgekühltem Wasser, Oolong und roter Tee mit ganz heißem Wasser; Pu Er nur mit ganz heißem Wasser aufgiessen. Nur in Porzellan für Grüntee und nur in Yi-Xing-Kanne für Oolong und Pu Er! Alle Tees nicht länger als 1 Minuten ziehen lassen!

Bist Du mit dieser Aussage nun zufrieden?

Diese Antwort ist eine Antwort für Menschen, die Tee trinken als eine biologische Akt verstehen.

Bist Du so einer, der nicht viel denken will? Oder Bist Du, wie die meisten Menschen im Europa behaupten, ein INDIVIDUALIST?

Die größte Ironie, die ich im Europa erlebe, ist der Witz mit dem Individualismus! Wo sind die Individualisten? Ich sehe die ähnliche Mode auf der Strasse, die ähnliche Telefons am Ohr, die ähnliche Argumenten bei Tee trinken – gesund, fett brennen und wellness!

Wo sind die Individualisten im Europa? Im Twitter oder in Xing? Wo findet man einen Individualist? Ist er vielleicht nicht im Facebook?

Meine Vorgehensweise ist so:

Verstehst Du Dich selbst? Trinkst Du gerne voll aromatisch oder eher mild? Ist Dein Tee-Spielfreund neben Dir eine junge Damen, die gerne leicht florale Note bevorzugt oder ein Hardcore-Typ, der kräftige Nuance will?

Dann was für ein Teegefäss hast Du? Groß oder klein? Porzellan oder Glas?

Alles spielen zusammen eine Rolle. Porzellan ist generall gut für jeden Tee, während Glas in meinem Auge nur für den weißen Tee geeignet ist. Ton-Kanne ist für einen Teeliebhaber, der gerne pflegt, nicht geeignet für Menschen wie mich, der schlampig ist.

Bei dem Pu Er Tee würde ich die gerpessten Teile leicht auseinander lösen, so vorsichtig, dass die Blätter noch vollständig bleiben – dies garantiert die Qualität und Stabilität des Aufgusses. Ich benötige beim Genuss des Tees nie eine Waage, während eine Briefwaage für eine Profi-Degustation notwendig ist! Allgemein nehme ich so viel Teeblätter, die den Boden des Teegefäss leicht bedecken – diese Menge gilt für 4-6 Aufgusses.

Den Unterschied bei Zieh-Zeit macht man nicht bei verschiedenen Jahrgang des Tees, sondern für den richtigen Geschmack zu treffen. Ich trinke gerne einen Tee in seiner vollaromatischen Form, darum lass ich je nach dem bis zum 1 Minuten ziehen – wenn ich mit Teegefäss arbeite, die nicht größer ist als 150 ml. Wenn der Geschmack des Tees richtig zum Ausdruck gebracht wird, freut es mich unglaublich. Es gibt Tees, wie z. B. Buddhas Hand, den ich nicht gut zubereiten kann. Und jedesmal, wenn es mir gelingt, bereitet mir große Freude!

Du siehst, auch ich, kann Dir keine Garantie liefern, eine gute Tasse zu machen. Ich probiere, experimentiere und spreche noch ständig mit dem Tee! 

Das heißt nicht, everything goes. Es würde so gehen, wenn man Tee und Teatoys tatsächlich versteht. Man kann es nur verstehen, wenn man wirklich „spielt“. Und bevor man etwas weiß, weiß man den Mund zu halten – dies ist das schwerigste für mich und für Menschen im Europa!

Letztes Mal, als ich meine Tee-Eltern in Bodman wieder besuchte, war es mir bewußt wie stark wir an Form anhaften. Es war der ersten Maitag und der Frühling ist schon längst im Garten. Meine Tee-Eltern sind nun im fortgeschrittenen Alter, der Körper ist hinfällig und die Kraft dem Umstände entsprechend. Aber wir wollten noch zusammen spielen und freuten uns sehr darauf. Im Teeraum war noch Ro im Einsatz. Normalerweise wäre nun Fu-Ro für die Sommerstellung bereit. Wir spielten die Temae für Ro miteinander. Glücklich und erfüllt. Detlef sagte mir, „Weiß Du, der Rikyu (DER TEEMEISTER des Chados) guckt nicht nach Bodman.“ Wem müssen wir denn überhaupt rechtfertigen? Die versteckte Zeigefinger, der auf uns selbst richtet, der uns selbst ständig mit dem Dualismus plagt und uns von unserem wahren Selbst trennt, kann wirklich aufhören – vor allem beim Tee! Wenn wir aufhören können, dualistisch zu denken, dann kann das wahre Mitgefühl entstehen. Unsere Welt wird einfacher mit Tee.

Danke für Deine Aufmerksamkeit.

Frage von Ziehdauer

Liebe Menglin, die Tees, die Verena mitgebracht hat aus Zürich, sind alle wirklich wundervoll. Wir hatten schon viele gemeinsame Verkostungen. Es ist wie im Schlaraffenland! Langsam finde ich auch heraus, wie jeder Tee behandelt werden will, wieviel Teeblätter, wielange ziehen lassen, um eine schöne runde Tasse herauszubekommen. Natürlich habe ich noch viele Fragen…

Also der Pu Er fasziniert mich fast am meisten, dieser honigsüsse Duft, der in der Tasse zurückbleibt, ist etwas ganz besonderes. Es stimmt, dass der 1990iger mit seiner erdigen, waldgeladenen Note etwas zutiefst ausgleichendes hat, auch mir hat er sehr gut getan in stressigen Momenten letzte Woche.
Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?

Woher kommt bei dem Dianhong und bei dem Longjing der feine gelbe Staub, der an den Blättern haftet? Von der zarten Behaarung?

Auch für die anderen Tees – Jasmin, Longjing, Fancy Oolong Nostalgie, Dianghong, Hongyu Hongcha – hätte ich gern eine Empfehlung für die Ziehdauer, obwohl ich natürlich weiss, dass das auch Geschmackssache ist.
Der Jasmintee ist wirlich traumhaft, ganz duftig und leicht. Sieht auch soooo schön aus, wie die Blätter behandelt sind. Inzwischen verstehe ich den Longjing auch viel besser, er kommt mir nicht mehr hart vor. Der einzige Tee, den ich noch nicht gut hinbekommen habe, obwohl ich mich damit am besten auskennen sollte, ist der Fancy Oolong. Entweder er wird mir zu schwach, oder gleich bitter. da wäre ich für eine Dosierungsempfehlung sehr dankbar…

Vielen Dank schon mal im voraus für Ihre Zeit und Mühe und ganz viele Grüsse aus Valencia
w.

 

Ich werde diese Frage wohl erst heute Nacht beantworten können. Bis zum nächsten Blogbeitrag!

Tee, Teewasser

Das Thema mit dem Wasser ist stets die Herzensangelgenheit für Teeliebhaber. Nicht nur für Teeliebhaber, sondern auch für Kaffee-Liebhaber.

Obwohl ich als Teefrau verstanden werde, bekenne ich persönlich zum Kaffeeliebhaber. Meine Kaffee-Maschine futtere ich gerne mit dem Wasser aus Umkehr-Osmose. Der Kaffee wird dadurch sanfter, runder und lieblicher. Das Interessante an einer Kaffeemaschine ist, dass nicht alle Kaffeesorten durch Knopfdruck gleich gut zum Ausdruck kommen. Gewisse Kaffeebohne liebt meine Maschine, gewisse nicht – als ob sie selbst eine Seele verfügen würde.

Für Kaffee erlaube ich mir selbst die Spielerei, aber für meinen Tee habe ich wenig Toleranz. Ich nehme immer nur Leitungswasser. Gewiss habe ich bis jetzt Glück mit der Wasserversorgung meiner Wohnorten. Zürich und Konstanz haben gutes Wasser, obwohl ich überzeugt bin, das Limat die Wasserqualität der Stadt Zürich trennt! Wo ich mich befinde, gibt es schlechtest Wasser! Trotzdem möchte ich das „schlechte“ Wasser nehmen, weil es mir hilft, anderen Teetrinker zu verstehen, wie der Tee bei ihm zu Hause schmecken kann.

Oolong mit dem energetisierten Wasser aus Umkehr Osmose oder Bestwater zuzubereiten ist meine Meinung nach zu Schade! Der Dongding 1981 schmeckte im Bestwater wie kastriert oder wie die alte chinesische Dame, dessen Füssen gebunden waren. Dieser Tee in diesem Wasser hat keine Lebendigkeit! Weiß Du, Lebendigkeit braucht einen gewissen Abgrund und einen spielerischen (verbrecherische) Geist. Das Leben immer in geordneter Bahn zu führen, macht eine Seele zu einem langweiligen Geist. Das Bestwater ist zu rein, für einen gelagerten erfahrenen Oolong!

Mit Carola und Edith besuchte ich Rapperwil, als die Sonne über Zürichsee schien. Einen offenen Teegeist, der ein gut sortiertes Teeschäft mitten in der Altstadt führt, lernten wir kennen. Er gab mir zwei Gläser von Wasser und ich sollte es herausfinden, welcher mit Grander Methode behandelt wurde. Er kannte mich nicht. Ich schmeckte den Unterschied zwischen zwei Gläser ohne Mühe. Trotzdem fragte ich mich, ob das belebte Wasser tatsächlich für Oolong besser wäre… Besser ist eine Kategorie, die nicht umstritten ist.

Von Till erfuhr ich etwas wertvolles über seine Erfahrungen mit Wasser. Wir haben ähnliche Meinung, dass Oolong nicht besonders weiches Wasser verträgt:

 Über Weihenachten hatte ich Gelegenheit die Tees aus der ersten Sendung
bei meinen Eltern in Solingen im Bergischen Land (in der Nähe von Köln)
auszuprobieren. Für Solingen wird das Trinkwasser in großen
Waldgebieten an der Oberfläche gesammelt und in einer Talsperre
geleitet. Das so gewonnene Wasser ist extrem weich und von exzellenter
Qualtität. Und auch die meisten damit zubereiteten Tees, insbesondere
der Shuixiang, … wunderbar!

Wie entäuscht war ich dann wieder hier in München. Das Trinkwasser hier
ist zwar ohne Zweifel auch sehr gut, aber extrem hart und für Tee so
ziemlich ungeeignet. Ohne Wasserfilter gelingt in München kaum ein Tee.
Und im Laufe der Zeit habe ich mir folgenden Umgang mit dem Wasserfilter
angewöhnt. Bevor ich einen neuen Filter benutze lasse ich zunächst eine
halbe Stunde lang Wasser durch den Filter laufen, denn mit sehr hartem
Wasser und einem neuen Filter würde das Wasser leicht sauer schmecken
und wäre für die Teezubereitung völlig ungeeignet. Danach hat der Filter
eine Lebensdauer von zwei Wochen. In der ersten Woche ist das Wasser
recht weich und japanische Grüntees gelingen recht gut mit diesem
Wasser. Zwischen der ersten und der zweiten Woche bereite ich gerne
leichte Schwarztees (z.B. Darjeeling). In der zweiten Woche, wenn das
Wasser aus dem Filter wieder etwas härter ist, benutze ich es für
Oolongtees. Die brauchen in der Regel ein etwas härteres Wasser (der
Shuixiang ist da aber eine Außnahme, der braucht’s recht weich).

Für Oolongs ist die Wasserhärte wie ein Rahmen. Ist der Rahmen zu eng
(das Wasser zu hart) wird der Teegeschmack eingeengt und kann sich nicht
recht entfalten. Der Tee schmeckt wie unter einem Deckel. Ist der Rahmen
dagegen zu weit (das Wasser zu weich) bekommt der Geschmack nicht die
rechte Form und verflüchtigt sich so zusagen „im freien Raum“. Nur das
rechte Maß des Rahmens bringt den Teegeschmack richtig zur Geltung.

Aber all diese Mühe kommt nicht an ein wirklich gutes Wasser (wie in
Solingen) heran, auch wenn es möglicherweise nicht die „rechte Härte“
hat. Und so werde ich den Shuixiang verwahren, bis ich zu Ostern wieder
meine Eltern besuchen kann.

Schon in den ganz alten Tee-Texten wie z.B. Lu Yu’s Cha Ching wird sehr
großer Wert auf die richtige Wasserqualität gelegt. Es wird genau
beschrieben wie und wo man das beste Wasser bekommt. Und es ranken sich
viele Legenden um das beste Teewasser. Aber ich habe bis heute keine
Beschreibung gefunden, was genau ein wirklich gutes Wasser ausmacht und
wie man in unserer modernen Welt ein wirklich gutes Wasser bekommt. Die
Wasserhärte ist sicher ein wichtiger Faktor aber eben so sicher ist sie
nicht das einzige Qualitätsmerkmal für gutes Teewasser.

(……)

Jetzt ist diese Mail doch etwas länger geraten, als gedacht. Ich habe
Dich hoffentlich nicht zu lange von Deiner Arbeit am Teehaus abgehalten.
  Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit dem Teehaus. Ganz sicher
werde ich Dich dort besuchen kommen.

Ich freue mich jetzt schon, das Teehaus zum Treffpunkt aller Teeliebhaber zu entwickeln. Der Name dieses Teehaus steht nun fast fest. Es sollte Shui Tang heissen.

Shui Tang, der Ort des schönen Wassers!

 

Fragen zur Gongfu Cha II

Ich bin sehr beeindrückt von den ernsthaften Fragen des Teefreunds aus dem hohen Norden.

1. Die traditionelle Gongfu Cha wurde in dem Gegend von Fujian und Chaozhou praktiziert. Insofern ist es ein Kult des Oolongs. 

Heute praktiziert man diese Zubereitungsart ebenfalls mit Grüntee (in Glaskanne oder Gaiwan) und mit Pu Er (Zisha).

2. Dass das hohe schmale Duftglas nur für Tie Guanyin verwendet wird und nur beim 1. Aufguss, ist mir unbekannt. Aber mein Wissen ist auch spärlich.

3. Sollte man tatsächlich eine Kanne nur für eine Sorte Tee reservieren?

Wenn man sich das leisten kann, warum nicht?

Ich mache fast alle Oolongs in einer gleichen Yixing-Kannen. Den Pu Er nehme ich allerdings eine andere. Mit mener Jadekanne bin ich bestens zufrieden. Pu Er, Oolong kommen gut miteinander klar in dieser Kanne.

Sorry, ich mache daraus kein Geheimnis. Ich sehe keinen Grund, warum man sooo viele verschiedene Teekanne braucht, außer man sei süchtig – wie ich. Ich sammele gerne Teekanne, aber nicht wegen Tee, sondern wegen meiner „Sucht“.

4. Man kann Tie Guanyin in allen Kanne zubereiten, vorausgesetzt: der Tee ist gut. Tee passt situativ in unserem Alltag wunderbar an. Man kann Tie Guanyin in der Schale, in der Glaskanne oder in Tonkanne zubereiten. Wer sollte mir denn vorschreiben, was richtig sein sollte?

Auf anderer Ebene passt eine Yixing-Kanne gut zum einem guten Tie Guanyin, der hohen Temperatur verträgt. Andererseits schmeckt ein schöner Tie Guanyin in Porzellan ausgesprochen elegant und duftend. Die Unterschiede festzustellen gehört der Kunst des Tees. Entdeckung, Freude und Genuss spielen dabei die wesentliche Rolle anstatt dem Gedanke von richtig oder falsch.

Der heutige grüne Tie Guanyin verträgt nicht mehr den hohen Temperatur. Insofern ist es fraglich, ob eine Yixing-kanne empfehlenswert ist.

Ich bereite Tie Guanyin sowohl in Ton, in Porzellan als auch in der Jadekanne.

5. Tie Guanyin braucht viel Platz in der Kanne. Nicht nur Tie Guanyin, sondern auch die gerollten Oolongsorten.

Mein Faustregel ist: den Boden der Teekanne mit Tee leicht bedecken. Je nach Sorte 1-3 Minuten ziehen lassen. Diese Menge reicht für 4-5 Aufgüsse.

Wenn Sie die Hälfte der Kanne füllen, dann freuen sich ihr Teehändler sehr.

Wenn die Teeblätter gar nicht entfalten, dann wissen Sie, wo Sie nicht mehr einkaufen sollen. Verkohlte Blätter entfalten sich nie. Solche Blätter werden von manchen europäischen Teehändler als Spezialität verstanden.

6. So original wie möglich Tie Guanyin zuzubreiten – das möchte ich auch können!

Ich bin kein Teemeister oder irgendein Guru. Ich könnte mit Ihnen nur meine Erfahrungen austauschen.

Als Romeo zu Besuch war, erzählte er mir von You Tube, wo er vieles über Gongfu Cha gesehen hat. You Tube ist kein Bildungsstätte!! Aber es liegt nicht an meinem Interesse hier zu verkunden, was richtig oder falsch ist, was original oder Fälschung sei sollte.

Tie Guanyin bereite ich so zu. Das Wichtigste ist dass mein Tie Guanyin selten der moderne grüne ungeröstet ist. Ich trinke überwiegend geröstete, gelagerte Tees. Gern habe ich den Aufguss intensiv und aromatisch. Nicht leicht oder mild.

Ich nehme eine Teekanne, sei es Porzellan oder Ton oder Jade – in unterschiedlicher Phase habe ich unterschiedliche Tick…  Den Boden der Teekanne leicht bedeckt. Wasser gleich nach dem Siedpunkt giesse ich die Kanne auf und gleich ab. Wenn die Teekanne warm ist, fülle ich den Tee. Dann geniesse ich den Duft, der aus der Kanne steigt. Anschliessend mit dem heißen Wasser aufgiessen. 1.10 Minuten ziehen lassen. (1 Minuten bei Muzha Tie Guanyin, Sie könnten ihn gerne um 10 Sekunde verlängern, wenn Sie noch kräftiger haben möchten). Je stärker der geröstet ist, desto kürzer.

Traditionell trank mein Großvater diesen Tee aus einem Porzellan-Becher mit Deckel…

Ich hoffe, meine Antwort war hilfsreich…

Fragen zur Gungfu Cha I

Liebe Frau Menglin-Chou

ich wenden mich heute an Sie mit ein paar Fragen zur Kung Fu-Teezeremonie. Ich selbst bin seit Jahren Tee-Enthusiast und erfreue mich immer wieder an dem wohltuenenden, reichen und komplexen Teegeschmack der Oolong-Tees. Damit sich der Tee voll und ganz entfalten kann, möchte ich in der Zubereitung alles richtig machen und gerne die traditionelle chinesische Vorgehensweise einhalten.

Hier meine Fragen hierzu:

  • Ist es richtig, dass zur traditionellen Kung Fu-Teezeremonie nur Oolong verwendet wird?

  • Ist es richtig, dass das hohe schmale Duftglas nur für Tie Guan Yin verwendet wird (und nur beim 1. Aufguss)?

  • Ich verwende eine echte Yixing-Kanne. Ich habe gehört, dass man nur den gleichen Tee in einer Kanne zubereiten soll, weil mit der Zeit die besondere Teeeigenschaften vom Ton aufgenommen werden. Wie ist das zu verstehen? Soll ich beispielsweise nur immer einen Dong Ding darin zubereiten, nicht aber mal einen Tie Guan Yin oder Da Hongpao (für diese Sorten ich dann zwei weitere Kannen benötigte)? Oder kann ich innerhalb der Oolongs mal den einen, mal den anderen darin zubereiten?

  • Kann man Tie Guan Yin auch in einer Yixing-Kanne zubereiten? Ist das (traditionell) üblich oder verwendet man dafür lieber einen Gaiwan (oder gar etwas ganz anderes)?

  • Tie Guan Yin benötigt beim Aufbrühen sehr viel Platz, um sich zu entfalten. Es heißt, dass bei der traditionellen Zubereitung mit einer Yixing-Kanne ziemlich viel Tee hinzugegeben werden soll (Kanne bis zur Hälfte gefüllt). Die Ziehzeit ist dann entsprechend kürzer. Meine Frage:

  • Wie mache ich das nun mit dem Tie Guan Yin? Ein Beispiel: Meine Kanne hat ein Fassungsvermögen von 150ml. Rechnerisch müssten 2 Gramm reichen, um einen schmackhaften Tee zu bekommen. Der Tee schmeckt so aber ziemlich schwach. Fülle ich die Kanne nun bis zur Hälfte (in diesem Falle ca 8 Gramm, können sich die Blätter garnicht entfalten und der Tee schmeckt auch nicht richtig…

  • Können Sie mir einen Tipp geben, wie ich Tie Guan Yin am besten nach der traditionellen chinesischen Weise zubereiten kann (Kanne/Menge/Wassertemperatur/Ziehzeit)? Ich möchte sehr gerne auf die traditionellen Aspekte Rücksicht nehmen, um es so “original” wie möglich zu machen


Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir bei meinen Fragen helfen könnten und bedanke mich schon jetzt für Ihre Zeit und Mühe! Ich bin immer wieder fasziniert von den vielen spannenden Antworten, die Sie auf Ihrem Blog geben. Vielleicht wären diese Fragen auch für die übrigen Besucher lesenswert?

Mit besten Grüßen

Ch.

Frage zu Gongfu Cha

In dem letzten Seminar gab es immer wieder paar interessante Fragen.

Dirk fragte, mich, ob man den Tee Bi Luochun beim 1. Aufguss mit heißem Wasser spülen sollte. Denn dieser Tee wächst zwischen Obstbäume. Um den Geruch von anderen Bäumen zu vermeiden, sollte man diesen Tee bei der Zubereitung zuerst spülen. Ich war sehr erstaunt über diese Frage und konnte nur sagen, dass man selber ausprobieren sollte. Warum sollte der Duft von Obstbäume diesen Tee nach der Herstellung noch beeinflussen? Warum sollte das Spülen über diesen „schlechten“ Einfluss – wenn er tatsächlich gäbe, noch helfen können?

Wie sollte man denn das Wasser überhaupt in die Kanne eingiessen? Manche haben bereits in Bücher gelesen, dass man drei Male mit dem heißen Wasser in die Teekanne eingiessen – auf Chinesisch heißt es Fenghuang San Dian Tou (Phönix verbeugt sich drei Male, um Respekt vor Gäste zu zeigen.) Wasser in die Kanne einzugiessen sieht eigentlich einfach aus, aber um es elegant und präzise zu tätigen, ist eine Körper-Beherrschung erforderlich. Das Wasser sollte nciht aufspritzen, das Wasser sollte langsam fließen und das Geräusch des Wasser ist die Musik des Tees. Wie muss das Wasser denn klingen? Japaner sagte, das Wassergeräusch im japanischen Tee sollte wie Flüstern des Baches. In Japan gibt es ja eigentlich im chinesischen Auge nur Bächer. Auf Chinesisch würde ich behaupten, dass das Wasser könnte beim Tee wie ein kleiner Fluß, langsam oder kontinuiertlich fließen – wie die menschliche Beziehung. Wie man das Wasser eingiesst, wird der innere Zustand widerspiegelt. Unter Uhruhe tropft oft das Wasser aus dem Bambuslöffel beim Tee. In diesem Moment wird mir jedes Mal bewußt, dass ich mein Zentrum verliere, aber versuche jedoch den Tee weiter zu machen möglichst nicht von dieser Tatsache berührt werden. Man könnte sagen, dass der Tee und die Zubereitung des Tees stets ein Spiegel des Ichs zur Verfügung stehen. Rein anschauen oder nicht, ist eine individuelle Sache.

Mit tanzenden Finger. Wie im Bild sieht man wie ein hübsches Mädchen Gongfu Cha mit „aufgespritzten“ Finger zubereitet. Mario machte mir im Seminar auf diese Details aufmerksam. Meine Einstellung ist eine andere als die Finger in der Luft tanzen zu lassen. Als ich versuchte, Peking-Oper zu lernen (leider war ich zu faul, zu unbegabt und zu dumm), lernte ich verschiedene Frauenrolle im diesen Theater kenne. Die Frauenrolle werden so verstanden: aufrichtige Ehefrau – Qingyi, lebendige unkonventionelle – Hua Dan (oft Konkubine) und sportliche Frauen Dao Ma Dan, die Gongfu können und für Vaterland selbst aufopfern. Ich lernte Qing Yi – keiner hat damals verstanden, ich selbst auch nicht. Nach einem Semester gab ich auf, eine kluge Entscheidung. Der Unterschied zwischen Qing Yi und Hua Dan auf der Bühne war durch das Make-Up und Kleidung zu unterscheidung, vor allem die Gestik – wie man die Finger verwendet. Qing Yi, eine aufrichtige Frau zu ihrem Mann, zu ihrem Vaterland und zu ihrem Ideal steht, hält ihre Finger stets ruhig und zueinander geschlossen. Dagegen hält Huan Dan, eine Rolle von Aufmerksamkeitsträger, hält ihre Finger „aufgespritzt“.

Gong Chaoshan Cha

Nun kommen wir zurück zum Tee. Sollte der Tee im Vordergrund der Zubereitung stehen, oder der Mensch – Ego? Beruhige ich meine Gäste, wenn ich im Vordergrund stehe oder der Tee? Warum möchte ich die Aufmerksamkit erregen? Meine Antwort ist klar, den Blick senken, das Herz meiner Gäste spüren, eine ruhige entspannte Atmosphäre zu schaffen. Die Finger halte ich stets beisammen und möchte nur den Tee zubereiten, eine Stunde mit Gäste mit oder ohne Wörter geniessen. Eigentlich schätze ich die schönen Stunde am liebsten ohne viel Wörter im Zusammensein.

Notiz zum Gonfu Cha Seminar

Viele Menschen lernen Gongfu Cha um Teegeräte zu bedienen, um eine ritualisierte Teezubereitung einzueignen oder um stilvoll den Teegenuss zu gestalten. Ich verstehe Gongfu Cha eigentlich anders. Je mehr ich es verstehe, desto freier fühle ich mich von Teegeräte oder von den ritualisierten Handlungen.

Das war eigentlich mein Herzenswunsch, diesen Gedanken mit anderen im Seminar zu teilen. Wenn wir anhand verschiedenen Material die Vielfalt des Tees zum Ausdruck bringen könnten, wenn wir die feinen Nuance einzelnen Tee durch unterschiedenen Teegeräte zur Geltung bringen könnten, wenn wir durch Manipulation von Ziehzeit, Menge und Wasser das Gesicht des Tees unterschiedlich verfeinern könnten, verstehen wir dass es illusorisch ist, fest an einer bestimmten Vorstellung zu klammern.

Ein Jade Oolong aus einer Glaskanne hinterließ bei Dirk einen interessanten Abgang, während er von dem duftenden Aufguss einer Porzellan Kanne fasziniert war. Nico, unser 17järiger anwesender Teenachwuchs war fest überzeugt von dem Süße des Jade Oolong aus dem Glas, während Mario und Bettina von dem facettenreichen Aufguss aus der Steinkanne gefesselt waren. Was für Material wäre besser für welchen Tee? Muss man unbedingt einen bestimmten Tee in einer bestimmten Teekanne zubereiten?

Eine Vision braucht Geld und Zeit und eine Entdeckung ebenfalls. Meine Steinkanne aus dem schwarzen Jade gefiel allen Anwesenden. Fast allen, die sie erlebten. Marion äußerte mit seinem „Macho-Ausdrucksweise, dass diese Steinkanne den männlichen Geschmack entspricht, während das Porzellan eher dem weiblichen. Es ist eigentlich wieder eine Vorstellung. Diese Kanne ist schön, rar, einzigartig und kostbar. Aber muss man sie unbedingt haben, um einen bestimmten Tee und bestimmten Geschmack zu befriedigen? Meine Antwort ist Nein. Bist Du ein wirklicher Teekenner, wenn Du einen bestimmten nur in einer bestimmten Teekanne zubereiten musst und nur so kannst?

Ich möchte gerne alle Tees in einer einfachen Schale zubereiten können. In der Einfachheit den Tee zum Sprechen bringen zu können ist für mich die höchste Kunst des Tees. Natürlich kommt man erst dahin, wenn man das Labyrinth verstanden hat, was für Material für welchen Tee welche Einflüsse erzeugt. Genussvoll oder nicht, ist eine individuelle Sache.

In den ersten zwei Stunden versuchte ich den Teilnehmern die Haltung sowohl körperlich als auch geistig zu erklären. Solche Haltung wird in Taiwan eigentlich innerhalb der Familie bereits vermittelt, die Art wie man sich bewegt, läuft, Gäste empfängt und Respekt erbringt. In Deutschland beobachte ich ein anderes Verständnis von Erziehung in Bezug auf die Körperhaltung und menschliche Beziehung. Diese Differenz wird oft durch den Tee widerspiegelt. In diesem Sinne ist Tee wohl auch eine kulturelle Brücke.

Nachmittags experimentieren wir, wie das Material, Ziehzeit und Temperatur auf die Zubereitung des Tees beeinflusst. Die Gruppe wird zu drei Unterguppe geteilt: eine Gruppe für Glaskanne, eine Gruppefür Porzellan und eine Gruppe für Steinkanne.

Romeo und Mario „verschwendeten“ meinen Jadeoolong, um ihre Experimente zu machen. Sie versuchen die Menge zu manipulieren, um mögliche „Geschmack“ zu finden. Zwei Spielfreunde.

Romeo und Mario 1

Nun schreibe ich paar Notizen auf, vielleicht ist es aufschlussreich für andere abwesenden Teefreunde

Teemenge 1/3 von der Teekanne bedeckt

Ziehzeit gleich

Teesorte bei allen  bei jedem Vergleich identisch

 

Phönix Dancong 2005 Nantou: in Steinkanne – ölig, Duft nach frischer Bäckerei, rund, wohltuend; in Porzellan – Duft elegant, sauber, heiter, erhebend, fröhlich, in Glas – nicht nennenswert.

Zhenshan Xiaozhong Tongmuguan 2008: Ein sogar schmeckender Rauchtee! Glas – fein, nicht so rauchig, lieblich; in Porzellan – starker Marzipan-Duft, Süß! In Stein – charaktervoller Abgang. Beim 2. Aufguss: in Steinkanne – leicht nach Pfefferminz duftend, frisch, rund; in Porzellan – rauchig; in Glas – der Duft sehr deutlich, aber nicht nachhaltig.

Fotos von 22.06.08

Foto von Seminar am 22.06.2008 in Berlin. Es war eine kleine aber harmonische Gruppe.

Ich hoffe, ich finde heute noch Zeit nach dem Tee im Knien, (lieber Cenk, versuche es Mal?) noch paar Notizen von dem Seminar zu schreiben.

Heute ist es warm, feucht und drückend in Zürich. In Berlin war es windig, frisch und bewegend.