
Wuyi Oolong aus Taiwan? Ja! Hier ist ein spezieller Oolongbaum namens Wuyi gemeint, nicht dem Gebirge Wuyishan!
Wie schmeckt ein Wuyi denn? Was ist das für einen Oolong?

Wuyi Oolong aus Taiwan? Ja! Hier ist ein spezieller Oolongbaum namens Wuyi gemeint, nicht dem Gebirge Wuyishan!
Wie schmeckt ein Wuyi denn? Was ist das für einen Oolong?
Ein fast vergessener und verlorener Daye Oolong wächst zum Glück noch beim Teebauer Gao in Shiding. Er wollte mir nie verkaufen. Seit mehr als fünf Jahren wolte ich diesen nur in Bücher dokumentierten Tee live probieren. Er hat mir immer verweigert. Die kleine Qauntität und sein langjähriges Versprechen bei einem Kunde, der jedes Jahr die ganze Ernte „wegräumt“, macht meinen Wünsch so unmöglich.
Dieses Jahr rief er mich an und sagte, „Menglin, ich habe für Dich welche beiseite gelegt. Es sind nur 3 Kgs. Aber immerhin…“
Seit mehr als fünf Jahren kann ich diesen Tee endlich in einer kleinen Quantität zu erhalten. Gestern kam er an und ich schnitt ganz vorsichtig die Tüte auf. Kurz liess ich die Teeblätter frische Luft in Zürich einatmen und giesse ich den Tee auf.
Der Duft war so erfrischend, anmutig und blumig. M. kam ins Haus und nahm die Tasse ohne zu fragen. Sofort wurde der Tee weg. Ich schrie fast dabei. Nur den Duft konnte ich einatmen, aber der erste Aufguss meines Traumtees konnte ich gar nicht kosten…
Daye Oolong stammt ursprünglich aus Anxi, wurde 1731 bereits entdeckt. Sein Name bekommt er wegen seinem grossen und dicken Blatt. Da der Baum nicht viel Blattgut dem Menschen gibt, wird dieser Baum immer mehr von dem Teegarten verbannt. Obwohl er flexibel und immunstark ist und braucht kaum Gift, um zu überleben, wurde er immer mehr von dem Markt aussortiert. Dieser Baum ist geeignet für Grüntee und Oolongtee. Bei der Herstellung zum Oolongtee wurde er stärker welken lassen, so dass die Feuchtigkeit der Blätter stark ausgedünstet wird und eine interessante anstatt grasige Aroma entstehen kann.
Herr Gaos Familie rollte die Blätter vom Daye Oolong wie von einem Baozhong. Der Geschmackt ist trotz dem langen starken Welken unter niedrigen Temperatur sehr frisch, mild und aromatisch. Er hat die frische Leichtigkeit eines Hochlandoolong, aber die Anmut eines lebendigen Mädchen. Heller eleganter Aufguss, frischer Duft und blumige Aroma würde ich ihm beschreiben.

Daye Oolong in einem Teegarten Taidong.

Teebaum im Frühling
Man spricht im Qigong stets von Qi. Ich spreche auch stets in meinem Blog von Qi. Was ist Qi? In Haungdi Neijing – ein chinesisches Bibel von Heilkunde spricht ca. 15000 Male von Qi und Qi wurde von mehr als 1400 verschiedenen Deutungsweise interpretiert.
Qi ist ein Vermittler und Stimulator zwischen Menschen und Kosmos, zwischen Lebensmittel und unserem Körper, zwischen Tee und uns. Alle Lebensmittel beinhaltet Qi. Alle Teesorte enthalten Qi. Qi transportiert Blut. Das Blut fliesst in dem ganzen Körper. Ohne Blut und Qi wäre der Mensch leblos.
Das Qi des Tees ist der Duft des Tees. Es kann nur aufgenommen werden, wenn das Dampf des Aufgusses noch in der Luft „rauscht“. Darum sollten wir den warmen dampfenden Tee geniessen, wenn wir das Qi des Tees aufnehmen möchten. Dieses Erkenntnis spricht leider gegen alle Regeln, die wir im Westen kennen – beim grünen Tee Temperatur senken, beim japanischen Tee lautwarm trinken…
In den letzten drei Wochen besuchte Qigong Meister Chen die Schweiz und erklärt stets den Fluss des Qis – im Wohnraum, im Körper und im Tee. Ich werde in nächster Zeit umgehend darüber berichten.

Teefreund Florian und seine Frau Daiyu besuchte Taiwan in April. Wir trafen uns zum Tee und hatte einige schöne Tee-Stunde. Er brachte aus Taiwan Steine Mai Fan Shi, was ein hervorragendes Wasser versprechen sollte. Nun berichtet er uns, was er herausgefunden hat:
Hallo Meng-lin,
heute bin ich endlich zu meinem Experiment gekommen.
Folgenden Versuchsaufbau hatte ich: (Bild Kannen)Die linke kann für Wasser ohne den Stein, die rechte Kanne für Wasser mit Stein gekocht. In beide
Kannen habe ich 4g TieGuanYin aus Shiding. Für beide Kannen habe ich mit Britta-Filter behandeltes
Münchner Wasser genommen.Den ersten Aufguss habe ich in beiden Kannen 40 Sekunden ziehen lassen (siehe Bild 1). Der rechte
Aufguss wirkt etwas dunkler.
Das Ergebnis: Der linke Aufguss (ohne Stein) schmeckt kräftiger und intensiver als der Aufguss mit
Stein. Das Aroma breitet sich stärker im ganzen Mund aus.Das war auch bei Aufguss zwei und drei so (Bild 2, jeweils 30 Sekunden). Hier wurde das noch
deutlicher. Der mit Steinwasser gebrühte Aufguss entfaltet seinen intensiven Geschmack nicht. Es ist
als würde der Tee zugedeckt. Die Unterschiede sind nicht riesig, aber sogar für meinen unerprobten
Gaumen spürbar, für dich wären sie vielleicht riesig.Jetzt bin ich gespannt, ob das nur beim TieGuanYin so ist oder auch bei anderen Teesorten. Das werde
ich ebenfalls nochmals ausprobieren.Viele Grüße,
Florian
Vielen Dank, Florian, dass wir an Deine wertvolle Erfahrungen teilnehmen könnten!

Ich kenne Herrn Gao seit 10 Jahren. Zuerst war er bekannt in einem kleinen Kreis, in dem man gerne Tofu isst.
Tofu, ist nicht nur eine Trendkost, was gesund ist. Tofu ist eine Köstlichkeit, die unsere Lebenskraft erweckt und sinnliche Erlebnisse verleiht. Natürlich kann man hier im Reformhaus nicht solche Tofu erhalten, was für mich noch nach Tofu schmeckt, außer es aus Soja-Bohne produziert ist. When man Herrn Gaos Tofu beisst, schmelzt Tofu in seinem Mund. Eine Welle von dem Duft des Soja-Bohne zergeht langsam in unserem Gaumen. Meine Eltern nennen ihn Herr Schwarz-Tofu, weil er Tofu mit Schwarzbohne produziert – ein Mittel für Nieren-Ernergie.
Warum Tofu aus Schwarzbohne? Familie Gao sind glaubige Buddhisten und sind strenge Vegetarier. Wenn man nur vegetarische Kost isst, leidet man oft unter Nieren-Energie-Mangel. Schwarzbohne ist ein Heilmittel dagegen.
Herr Gao bietet hier in Bergen noch viele andere wilde Gemüse als unverwechselbare Gaumen-Erlebnisse! Hast Du schon Mal wilde Ingwer-artige Blüte gegessen? Hier kannst Du! Wo kannst Du heute noch das Karamel aus Weizen kaufe`n anstatt Industrie-Produkt? Hier kannst Du! Solche Produktion spricht nicht nur für seine Liebhaberei, sondern auch für seiner Ambition – etwas aufzubewahren, was andere nicht mehr schätzt oder kennt -etwas was bereits verloren geht.
Bei ihm Tee einzukaufen fange ich erst an, als Gerhard Lange mir beauftragte, guten Tee zu importieren. Herr Gao produziert den Tee nicht, sondern sein Bruder. Er macht die letzte Verfahren – Hongpei (den Tee stilisieren und stabilisieren durch Rösten). In seinem Bauchladen gibt es nicht nur klassische Paochung oder Tie Guanyin, sondern auch viele verloren gegangene Teesorte, z. B. Buddha Hand, Da Ye Oolong und Bai Maohou. Eine seiner Spezialität ist mit Holzkohle gerösteter Oriental Beauty und Paochung. Dieser Holzkohle Oriental Beauty nennt er „Poison“ – Gift. Warum? Weil man süchtig wird. Vor drei Jahren hatte ich einen Oriental Beauty von ihn, er machte richtig süchtig. Leider kriegte er seitdem seinen Oriental Beauty nicht mehrso „giftig“ hin. Jedes Mal seufte er, dass er keine Zeit mehr hat, um einen guten „Gift“ herzustellen…
Keine Zeit? Herr Gao ist inzwischen ein Yi-Jing (I-Ching) Spezialist geworden. Er ist oft unterwegs, um Seminare zu geben und Prodbleme des anderen zu lösen. Vielleicht könnte er die Orakel fragen, wann wir wieder einen guten „Gift“ von ihm erhalten könnten!

Teerunde in Shiding

Florian hat mir endlich die Fotos geschickt. Here ein Foto von unserem Besuch in Shiding bei Teebauer Gao. Er bereitet seinem Tee immer auf einem alten Mühle. In diesem Moment goss er gerade einen Tie Guanyin auf.

Ich kannte Suzanne aus dem Blog. Obwohl wir uns nur einmal getroffen haben, war sie mir nah. Obwohl wir uns monaten nicht gesehen haben, befand keine Zeitverschiebung zwischen uns. Wir brauchten small Talk nicht.
Den Thomas kannte ich gar nicht. Als er am jenen Samstagabend verspätet in den Lotus Garden hinein spazierte, sah ich zum ersten den großen Gestalt aus dem Emmental. Sein Teeladen – der schwer auszusprechende „Teegärtli“ war mir ein Fremdwort.
Anjte ist meine Schicksalsschwester. Sie ist blond und sportlich – ich bin dunkel und ein Stubenhocker. Wir sind auf irgendeine Art verbunden – wegen Tee?
Es gibt keinen Zufall, weshalb Menschen zueinander finden. Woher sollte der Thomas wissen, dass er sein Auto ausgerechnet in der Nähe meiner Wohnung parkte? Wie konnte er wissen, als er seinen Zug verpasste und sein Auto nahm, was auf ihm zukommt?
Meine kleine Wohnung beschenkte die vier Tee-Menschen eine geruhsame Nacht. Zum Frühstück wurde bereits diskutiert, was für Degustationsrunde aufgegossen wurde. Suzanne war gut vorbereitet und brachte mir verschiedene Teeproben. Wir fingen mit Tie Guanyin an.
Tie Guanyin aus Fujian – geneue Ortangabe fehlt; Tie Guanyin aus Anxi, Fujian; Tie Guanyin Hochland aus Taizhong (Taiwan).
Der Fujian Tie Guanyin ist sehr grün. Er duftete sofort. Bezaubernd und belebend! Der Anxi-Tie Guanyin ist im Vergleich wie brauner. Er hat goldene Farbe im Aufguss. Seine Duft war dezent, aromatisch und anhaltend. Der Hochland Tie Guanyin hat eine ganz spezielle Note – Hochlandsqi. Die aufgegossenen Blätter von Suzanne aus Strassbourg mitgebrachten Tie Guanyin waren klumpig. Warum? Ich versuchte es zu verdeutlichen: das ist ein Fehler aus dem Prozess von Formen. Wenn man bereits erhitzten Oolongblätter formt, muss man ständig die Blätter zu einem Kugel zubinden und wieder öffnen und lockern. Wenn dieser Prozess fehlerhaft und unaufmerksam durchgezogen wird, entsteht solche Klumpen, die im Aufguss erst langsam aufgeht und den Geschmack beeinflüssen könnten.
Obwohl dieser grüne Fujian Tie Guanyin sehr grün ist, war der grasige Geschmack erst bei zweitem Aufguss zu merken. Sein Duft ist wirklich hervorragend. Leider nicht anhaltend. Trotzdem findet dieser Tee bestimmt viele Teeliebhaber. Der Anxi-Tie Guanyin ist dagegen sehr solide. Ein feiner Oolong, aromatisch, stabil und beglückend.
Wir sprachen nicht nur von Tee, auch vom Geist des Tees. Wir philosophierten und klatschten. Autorität? Brauchen wir im Tee auch Autorität, die uns sagte, was ein guter Tee ist? Thomas seufzte, „Nein. Die wirkliche Autorität steht vor uns.“ Er deutet auf die degustierten Teeaufgussen. Die Sprache des Tees zu verstehen, zu erlernen und zu erleben kann man nicht mit Intellekt, sondern mit Körper. Den Geschmack, den Duft werden in unserem Körper und im Großhirn gespeichert – anstatt im Denken…
Nach vier Degustationsrunde – inzwischen waren Jadeoolong, Dongding Original, Paochung, Buddha Hand, Fenghuang Dancong, Sencha Unsui etc. aufgegossen. “Mir kommt es vor, als ob ich Anfänger wäre…“ sagte Thomas friedlich. Er führte seinen Teegärtli seit zehn Jahren. „Ich habe das Gefühl, dass ich eigentlich gar nichts wisse.“ Vor 4 Jahren hat mir ein angesehender Teeexpert in der Schweiz das gleiche gesagt. Diese Äußerung erweckte in mir ein großes Respekt vor diesen Menschen. Menschen, die sich wirklich mit Tee beschäftigen, ehrlich und offen, sind in der Lage, die Welt des Tees - so wie sie ist, zu erfahren. Das erfordert eine mentale Größe. Thomas war glücklich, als er diese Äußerung gab. Er spürte keinen Mangel, sondern eine Entdeckung einer neuen unbekannten Welt!
„Und Du?“ ich fragte mich selbst, wie oft bis Du ins Reinfall gefallen? Wie oft hast Du Dich geirrt? Ich liebe Tee zuzubereiten, sei es japanische Art in Urasenke-Stil oder Kungfu-Art. Jedesmal, wenn ich den Tee aufgiesse, weiß ich, was für Fehler ich wieder gemacht habe. Der Lernprozeß geht nie zu Ende und es gibt keine Freeway dort hin…

Am den Tag, als das Mondfinsternis stattfand, war die Feier des Latenenfestes vom Teeclub Suisse. Ursprünglich waren nur 35 Teilnehmer zulässig, es wurde allerdings 45 Anwesend.
Der Impuls kam vom Dr. Wang Shi-Rong, der taiwanesische Botschafter aus Taiwan für die Schweiz. Er möchte die Teekultur in der Schweiz fördern. Er möchte den Freude des Tees aus der taiwanesischen Tradition in der Schweiz verbreiten und die Teekultur in ihrer Vielfalt zum Ausdruck kommen lassen. Dieser Abend war nur die Eröffnung dieser Vision. Wir freuen uns auf die weiteren Veranstaltungen und Programmen!
Die schweizer Pünktlichkeit funktionierte. Vor 19 Uhr stand eine ganze Menge Damen und Herrn vor der Tür. Mehr als angemeldete Gäste trafen ein. Der taiwanesisch gastfreundliche Wirt vom Lotus Garden an der Waffenplatz-Strasse beschenkte uns chinesische Samosa – Jiali Jiao! Alle standen und warten, wann fängt es eigentlich an?
Ich würde eingeladen einen Vortrag über die Entwicklung des Formosa Oolongs zu halten – siehe den Beitrag von gestern. Die Geschichte des Formosa Oolongs widerspiegelt zugleich der kolonialen Geschichte Formosas. Ohne politische Färbung und sentimentale Nuance bemühte ich mich, die Etappe der Entwicklung dieses weltberühmten Tees darzustellen, wie eng die Weltgeschichte, der Tee und die Menschen miteinander verknüpft sind! Die Rolle des Tee als das Medium, Menschen miteinander zu verbinden war der Zauber dieses Abends! Nach dem Vortrag war es stil. Das hat mich ein wenig irritiert. Keine Frage tauchte auf. Alle waren wie in Trance. Eine seltene und aufregende Atmosphäre…
Eine Quiz-Show wurde veranstaltet. Jürg, der amtierte Präsident des Clubs moderierte und war in bester Stimmung. Er und Herr Botschafter waren bereits von den rötlichen spanischen Edeltropfen in den siebten Himmel verführt. Herr Botschafter zog seine Krawatte aus, während Jürg mit seinem goldenen Drachen-Anzug zwischen allen Tischen tanzten! Auf dem irdischen Boden schwankte er fröhlich und vergaß, wie er aus dem Paradies verbannt wurde. Alle lachten, genossen den Lishan-Hochland und Oriental Beauty aus Xinzhu, bekamen Geschenke, wenn sie richtige Antwort tippten!
Der so genannte Papst der internationalen Glücksforschung Mihaly Csikszentmihalyi, hat als das Wesen des Glücks so definiert:
ein herrliches Gefühl des Fließens und Strömens, das sich einstellt, wenn der Mensch konzentriert, im Einklang mit sich selbst und in Harmonie mit anderen und der Umwelt erfolgreich eine Aufgabe bewältigt und völlig in dieser Tätigkeit aufgeht.
Das Glück strömte im Raum auf dem Lotus Garden. Ein herrliches Gefühl, das durch das einfache harmonischen Zusammenseins entstand. Keine Kalkulation, keine inszenierte Selbstdarstellung und keine Profit-Denken. Alle arbeiteten für die paar schönen Stunden des Zusammenseins, damit alle Teilnehmer etwas von Tee nach Hause mitnehmen könnten!
Es war so schön, dass der Wirt uns nicht rausschmeißen wollte und mir eine gute Tasse KAFFEE anbot. Jürg und andere Teefreunden tranken Bier und diskutierten über die Welt um den Tee. Es wurde so spät und wir waren so glücklich.

Das Foto: der Festabend am 3.3.2007 auf dem Lotus Garden. Fotografiert von Claudia Meier.
Das andere Foto vom Mond ist von Suzanne. Sie reiste extra aus Strassbourg nach Zürich. Eine Offebarung von „Tee verbindet Menschen!“