Archiv des Autors: Menglin

Tee und die Mystik des Wassers

Tee und die Mystik des Wassers

„Die Teezubereitung ist eine Kunst,
die nach der innersten Seele des Wassers sucht“.

Dieses Zitat von Soho Kitami soll uns als roter Faden durch diesen Lichtbildervortrag führen.
Wir betrachten die unterschiedlichsten Aspekte des Wassers – von der taoistischen Mystik
bis in die tägliche praktische Übung einer Teezeremonie.

Vortrag von Ulrich Haas, Teemeister in der Urasenke-Tradition des japanischen Teewewgs
und Priester der Rinzai-Tradition des Tenryu-ji.

Ort: Shui Tang an der Speiegelgasse 26, 8001 Zürich
Zeit: Samstag, den 25.01.2014
Um 18.30 Uhr
Umkostenbeitrag 20 Sfr. (Ermässigung bitte per Anfrage)
Anschliessend nach dem Vortrag gibt es einen Tee (selbstverständlich mit Wasser)

Der Rest von Asche

Der Rest von Asche

(Fortsetzung von gestrigem Beitrag)
Natürlich weiss ich wie man mit dem Slogen „Der gute alte Geschmack“ sich profilieren kann. Was ist denn schon der alte Geschmack?
Mein Lehrer Atong, Chen Huang Tang, hat ein kleines Geschäft versteckt zwischen den Gassen Taipeis. Das kleine Geschäft ist in Japan recht bekannt, auch wenn er auf eine sehr taiwanesische Art von Japanisch spricht. Sein Hobby ist gutes Essen zu spionieren.
Das kleine an der Dan-An-Distrikt sitzende Geschäft ist nicht nur der Ort, wo berühmte Weinhändler aus Nappa oder Europa um Rat suchen, sondern auch das Mensa, wo sich an jeden Mittag uneingeladene Freunde und Kollegen versammeln. Das, was mein Lehrer täglich kocht ist der so genannte alte Geschmack. Mit reifen Sojasosse geschmorte traditionellen Gerichten, von besten Fleischteile zubereitetn Einstöpfe oder fast verschwundenen eingelegten Gemüsen…
Der Tee, den wir machen, ist genau der alte Geschmack und aus der traditionellen Herstellungsmethode. Aber, das, was er macht, stiesst keine grosse Resonanz auf dem grossen kommerzielen Markt Taiwans. Er ist zwar berühmt, aber hat mit dem Geld nicht sehr viel Erfolg. Was hat er eigentlich verdient mit dieser aufrichtigen Haltung?
In „Zone pro Site“ hat der Kochlegende der jungen Xiao-Wan gesagt: „

Ein Wanderkoch bekommt Freundschaft und Wärme von seinen Essern. Das ist nicht nur das, was er verdient – das wichtigst ist, der Freude voller Herzen!

Du kannst nicht etwas kochen, um allen zu gefallen. Aber etwas zubereiten, was Dir Freude macht. Das, was Dir Freude macht, schmeckt am meisten!

Atong hat immer Freude an Tee und sein Tee macht uns Freude.
Bei meinem jetzigen Rückflug gab er mir eine Tüte voller riechenden gestrockneten alten Rettich… was angeblich eine unglaublich gute Suppe verfeinert und paar Flaschen sehr reifen traditionellen Sojasosse. Ich stand dort orientierungslos. Ich habe die geistige Haltung nicht, um einen alten guten Geschmack wieder auf den Tisch zu bringen. Wie komme ich denn zu diesem alten Geist?
Er sagte, den Tee abzuwarten und so zu verarbeiten – mit viel Zeit und Aufwand wie unser Vorfahren – ist der alte Geist.

Der alte Geist… ich suchte in meinem Gedächtnisspeicher im Flugzeug.
Ist das, was meine Grossmutter in meiner Kindheit an jeden Morgen ein Topf voller Paochung zubereitete? Mein Vater musste den Tee zwei Male am Tag an die Strasse bringen. Ein Topf voller Paochung mit zwei Tassen war wahrscheinlich ein Freude von durstigen Passanten und eine Herzensangelegenheit meiner Grossmutter.
Oder ist der alte Geist in dem Geschenk, was Adrian mir gestern aus Kyoto brachte – Ein Rest Asche von Jack.
Bei jedem Tee, bei jedem Treffen und bei jedem Jahr wird Asche immer wieder mit Tee und Sake besträubt und mit neuen Kohle durch und durch neu vermengt und vermischt. Jahr zu Jahr entsteht immer mehr Asche, Mal zu Mal immer wieder neu verteilt. Asche ist praktisch das Wichtigste, was ein Teemensch bei Hausbrand mitnimmt und das, was als Rest der Erinnerung an Tee bleibt.
Jack sagte, diese Asche sei auch gemischt mit der Aschen seiner zwei Meister.
„War es nicht schwer?“ das ist ein Pack von fast 2 Kilos!
Adrian zuckte sein Schulter. Ein Auftrag des Meisters – „Ich sollte Dir diese Asche bringen.“

Zone Pro Site

Das wieder aufgeweckte Geschmackserlebnis kehrte plötzlich auf meine Zunge, begleitet von der sehr taiwanesische Musik und Gesang – bitter, sauer, salzig, süss und unbeschreibbar!
https://www.youtube.com/watch?v=7cLFV1Nzv2o
https://www.youtube.com/watch?v=qj9yjzOjvS0&list=PLBi7XfVlh86lIrVzWF_8JXDsnByZ0u5WS&index=6
Die kurze Beschreibung von Zone Pro Site lautet:

Vor 20 Jahren gab es in Taiwan drei Legende bei dem Strassen-Catering. Die drei Köche bereicherte kulinarische Landschaft von Taiwan.
Mit der Veränderung der Gesellschaft, die Strassen-Catering verschwindet sich immer mehr aus den Augen und die Meister lassen sich selten hören. Einer von diesen drei Legende wollte sein Können seiner Tocher weiter geben, aber sie, Xiao-Wan wollte nur Model werden. Sie wollte nur schön vor dem Publikum glänzend anstatt schmutzig auf der Strasse beim Kochen gesehen zu werden.
Xiao-Wan konnte ihr Geschicksal jedoch nicht ganz entfliehen…

Xiao-Wan ist ein dummes Mädchen… sie fragte, was bringt einem, wenn man einen Tisch voller Teller kochen kann?
Ein Koch von Strassen-Catering wandert von Ort zum Ort, von Strasse zur Strassen. Ihr Vater hinterlässt ihr gar nichts ausser einem per Handgeschriebenen Kochbuch, was ihr egal sei. Was hat er bekommen von seinem Leben ausser einem Kochbuch, was seine Tochter nicht einmal wollte? Was ist eigentlich der gute alte Geschmack, was er konnte und was sie nicht mehr schaffte?

Der Ziehvater meiner Grossmutter war auch ein Wander-Koch. In der Teisho-Periode wanderte er mit einem Lehrling auf den Landstrassen Taiwans von Dor zu Dorf und von Familie zur Familie. Irgendwann gab er meiner Grossmutter an meine Familie. Das Schicksal meiner Grossmutter war eins von vielen in der damaligen Zeit. Meine Grossmutter kochte hervorragend. Exact gesagt, sie kann sehr gut bewirten und Bankett zaubern. Wenn sie sich auf Kochen konzentriert, gleichte sie ein Samurai. Meine Tante erbten ihre KOchkunst, während ich mir sagte, „was bringt mir, wenn ich einen Tisch voller Teller bezaubern kann!“
Heute macht man immer den Begriff „den alten guten Geschmack“ zu einem Werbeslogen. Ich bin eine Verkäuferin und weiss natürlich sehr gut, wie man Geschäft mit diesen Dinge macht. (Fortsetzung kommt…)

Die Letzte Rest-Suppe

Die Letzte Rest-Suppe

Bein Essenszeiten tauchen immer plätzlich Esser bei Atongs Geschäft auf. Uneingeladen und unangeldet. Zwischen den Teller gibt es immer eine Suppe, die von den Rest von Gestern und von Vorgestern.
In Bodman, wenn wir uns zum Tee in der anderen Hälfte des Jahres treffen, mischte Detlef auch immer ein Ursucha von dem Rest des Tees. Alle Tees, die wir zur Uebung gesiebt haben, mischte er zu einem Blend, nennte ihn als der Jahresrückblickende Tee!
Jahresrückblickend.
Manchmal Lebensrückblickend, nicht wahr?
In meiner Kindheit, packten wir immer nach einem Bankett essen unser Geschirr aus und holte den Essensrest auf den Tisch mit nach Hause. Die Strassen wurden gesperrt und Chef-Koch, der so genannte Zong Pu Shi wurde abholt, Küchehilfe arbeiteten und das Essen wurden gerade an Strassenecke zubereitet.
Die Suppe, die meine Grossmutter mitnahm, wurde immer wieder erwärmt und geschmorrt. Diese dicke Flüssigkeit auf den Reis schmeckte unglaublich Appetit-Treibend, als ob diese Suppe das Beste von Bankett wäre!
Später fand meine Mutter so eine Rest-Suppe unhygenisch und das immer Auferwärmtes ungesund. So eine Suppe verschwindet aus unserem Esstisch und auch aus den Szene von Kindheit meisten Menschen.
Auf meinen Rücklfug kehrte plötzlich dieser Geschmack der Rest-Suppe wieder auf meine Zunge als ich den Film Zone Pro Site (Zong Pu Shi) anschaute.

Bilder: Das letzte Essen vor meinem Abflug bei Atong. Der Fisch machte er extra für mich, weil es so selten ist im Europa gute Fische zu essen.

Teemensch beim Nudel-Stand in Nantou

Teemensch beim Nudel-Stand in Nantou

Nantou, ein Städtchen. Nur bekannt fuer Menschen die guten Tee lieben.
Abseits von Mainstream sucht mein Lehrer immer nach dem richtig guten Essen!
In dunklen Gassen und über feuchten Flur gelanten wir endlich unser Ziel. Einfach eine gute Nudelsuppe wie sie sein muss, zu essen!

Auf dem wand haengen immer noch Fotos von den bekannten Gesichter meiner Teefreunde! Die letzten Reisen hinterlassen deutlich Spuren bei einem Nudelstand in Nantou!

Bangwei Gushu in Schnee

Bangwei Gushu in Schnee

In diesen stressigen kalten Tagen vor den so genannten Festtage ist der Bangwei Gushu Dan Cong meine Rettung!
Uralter Baum ( Gushu), allein in der Langschaft ( Dan Cong), steht in Schnee!
In Yunnan schneit es. Hier in Zürich sind wir in Einkauffieber und lichtfieber!
Ich vermisse eine stile dunkle Nacht bei einer Schale Bangwei in Schnee!

Ein Herz aus Glas- zerbrechlich

Ich fliege ganz gerne. Im Flugzeug ist man nie gezwungen zu sprechen, zu essen oder zu lesen, sofern wenn man Denken ausschalten kann ist es ein Raum für Ruhe. Wenn es gute Filme dabei sind, ist der Flug nicht langweilig.
Ich schaute den Film „Bodyguards And Assassins“ von Chen Kexin bei meinem letzten Flug nach Taipei an. Es handelte sich um den fiktiven Attentat an Sun, der Republikgründer Chinas in Hongkong. Der reiche Kaufmann Li unterstützte heimlich die ausbrechende Revolution mit Geld, als er erfuhr, dass sein einziger Sohn für Revolution sterben wollte, war er entsetzt. Geld geben in Ordnung, aber das Feuer bis in das eigene Haus brenen, nein. Sterben sollen die Kinder des anderen. Der alte Kaufmann versuchte seinen Sohne zu retten und sein Sohn das Land. Viele zusammenhanglose Menschen die zufällig auf diesem historischen Schauplatz sich befanden, wurden ohne Ausweg verwickelt. Menschen sterben für Idealismus, für die Glaube an Liebe und Freundschaft und für die Haltung von Geben und Nehmen.
Dieser Film erinnert mich an meine eigene Geschichte. Aber die Geschichte hat sich nicht wiederholt. Es war ein herbrtlicher Abend in Taiwan als die politische Freiheit noch ein Fremdwort war. Ich war Schülerin und habe meine Eltern gelogen. Ich wollte in eine politische Veranstaltung zu gehen, was nur geduldet war. Mein Vater hat angeblich auch etwas zu tun und meine Mutter war alleine mit Geschwister daheim. Es regnete leicht. Der Platz war noch nicht gefüllt. Es war noch zu früh und die meisten kommen erst, wenn es richtig dunkel wurde. Die Stimmung war gefüllt von Melancholie, ähnlich wie das Schicksal unseres Landes. Plötzlich sah ich meinen Biologielehrer und er sah mich. Wir lächelten uns an und wussten, dass wir niemanden in der Schüle erzählen würden. Aufeinmal sah ich einen Mann, dessen Kopf leicht abgesenkt war und dessen Hand trug ein dickes Kuvert. Er kam zu dem Kandidat und übergab das Kuvert ohne Worter. Es war mein Vater.
Mein Vater sei so geizig, sagen viele Menschen unserer Familie. Ich weiss, dass er nicht so ist. Aber er bestreitet es nie.
Viele Menschen sprechen Liebe in unserer Zeit. Was ist Liebe? Manche verwechseln es mit Kerzen-Dinner, mit Geschirrabwaschen oder Müllsacke aus dem Haus zu bringen oder das vergessene Geburtstaggeschenk. In unserer Zeit ist die Liebe etwas einfaches auszusprechen. In anderer Zeit ist die Liebe manchmal das eigene Leben zu ofpern, opfern für das, was man liebt.
Gestern kam S. zu Besuch. Wir unterhielten uns am Teetisch, zweimale im Jahr besuchte er mich immer und schrie nach Durst. Ich erzählte ihm, was neulich in meiner Umgebung passiert. Vor paar Tagen kam ein junger Herr, der gerade plant Teehändler zu werden, selbst Tee aus Taiwan und Asien importieren will, nach Taiwan zu gehen. „Ich meine Ernst mit Tee.“sagte er. Er wollte meine Kontakte in Taiwan, damit er lernen kann, Tee selbst zu beurteilen. Ich war in jenem Moment recht sprachlos. Was für Selbstverständlichkeit! Was für Gespürlosigkeit! Dreht die Welt nur um ihn selbst? Ich sagte ganz kurz und klar, „ich bin nicht verpflichtet Dir zu helfen.“ Das hat nichts damit zu tun ob ich hilfsbereit bin oder nicht. Es hat damit zu tun, ob man andere Menschen respektiert und das spürt, was passt und was nicht. Vielleicht ist es bei vielen Menschen heutiger Zeit, die Ethtik und die Logik etwas ganz anders zu verstehen. Er war recht beleidigt und erzählte mir, dass ich ihm vor einem Jahr mit meiner destrunktiven Art sein Lust zu bestimmten Dinge verdorben habe. Wegen mir hat er nun keine Lust mehr etwas in diese Richtung zu unternehmen.
Das ist wirklich der Grund, weshalb ich keinen Gongfu Cha Kurs geben wollte. Ich will nicht Zeit verschwenden, mit diesem Herzen aus Glas auseinandersetzen. Jede Kritik wird mit Emotion aufgenommen und als Lehrer sollte man lächeln die Schüler zu motivieren.
Ich habe es anders bei meinen Lehrer erlebt.
S. erzählte mir, was man heute von einer Führungsperson erwartet, einfühlsam, kommunikativ und freundlich. Wobei das Wichtigste von einem Chef ist nicht sich um das seelische Wohl von anderen zu kümmern, sondern fair und visionär. Das seelische Wohl sollte jeder für sich tun!
Ich bin nicht Dein Vater, der sich um Dein Wohl kümmert. Ich bin nicht Dein Therapeut, der Dich aufbauen sollte. Ich bin auch nicht Deine Krankenschwester, die sich um Deine Schmerzen aufpasst. Diese Sätze lagen auf meiner Zunge, aber ich habe es nicht ausgesprochen. Es war nicht die richtige Zeit für ihn. Zu diesem jungen Herrn, sagte ich blos, „es ist richtig für Dich, so zu denken wie Du es für richtig hälst. Das ist Dein Leben und Deine Freiheit.“ Dann murmelte er im Mund „Dann muss ich wohl auf Deine Kontakte verzichten.“ Ich schenkte ihm ein verständnisvolles Lächeln.
Seine Enttäuschung ist verständlich, nicht wahr.
Man bekommt nicht immer alles, was man will, im Leben. Es muss gelernt werden, vor allem wenn man jung ist.
S. sagte, dass er sich schon Sorgen macht, wenn er in seiner Organisation die jungen Menschen betrachtet. Ich lachte, ob er Angst um seine Rente hat. „Wir brauchen ein anders Bewusstsein hier.“ „Aber hier werden keine Menschen geben für die Revolution. Die Herzen von vielen jungen Menschen unserer Zeit sind aus Glas -zerbrechlich. Für etwas zu opfern (auch Teehändler werden muss vieles geopfert werden) muss ein Herz aus Fleisch und Blut sein, damit es Schmerzen von anderen Menschen versteht und selbst wenn es blutet, selbst heilen und Narben wachsen kann.“
Jeder ist wirklich für das eigene Leben verantwortlich, nicht der Lehrer, der Chef oder der andere.