Corona oder nicht

Seit 5 Tagen bin ich krank. Zuerst Halsschmerz, Kopfschmerzen und schnupfen. Fieber hatte ich nicht. Es sah so aus, wie eine gewöhnliche Erkältung. Ich gab alle Verpflichtungen los und konzentrierte mich in das Isolier-Sein.

Nur Schmerzen, Schnupfen und Müdigkeit begleiteten mich. Das heißt nicht, dass ich nicht ab und zu denke, ob ich von Corona besucht war. Ausser, dass ich mich gegenüber meinen Mitmenschen schuldig fühlen würde, wenn ich tatsächlich ein Träger von Corona wäre, spürte ich irgendwie eine Gelassenheit in mir. Auch wenn es wäre, würde ich auch wieder aufstehen. Und wer weiß, ob es vielleicht von Vorteil wäre?

Aber mir geht es wieder recht okay. Also es war doch NUR eine Erkältung. Dank Tse-Lee ging es recht schnell wieder vorbei. Ich kann wieder mich ärgern.

Inzwischen ist eine Pandemie verkundet. Ueber eine Nacht wurde Italien von Italien abgeriegelt. Und von gestern auf heute wurde Europa von Trump vor der Tür gesetzt (NZZ schrieb, Amerika hat sich isoliert). Auf einmal ist Trump erwacht von einem Traum, während Italien im Alptraum von Wuhan abgestürzt ist! Und wie weit sind wir hier von diesem Italien-Alptraum?

Etwas habe ich verstanden, während ich krank war. Die Aktienindex ist ehrlicher und aussagekräftiger als die Zahlen von Corona. Sie haben uns letzte Woche schon von Katastrophe Italien erzählt. Und heute geschah ein historischer Tag für die Banker aller Welt: „Der Leitindex verlor insgesamt fast 20 Prozent und steuert auf den zweitgrößten Wochenverlust seiner Geschichte zu.“ Selbst Gold werde ausverkauft. Gestern las ich einen Kommentar von einem Taiwaner Ökonom, der sagte, dass Aktienkurs uns über die Realität von Corona Pandemie erzählte, während viele europäische Regierung von Panikmacher sprechen. Warum wundern sich europäische Regierungen über den Vorwurf von Trump, dass man hier zu wenig gegen Corona tut?

In Asien glaubt man, dass man gemeinsam gegen die Virus tun muss. Hier höre ich oft von Menschen, „ich bin gesund und jung. Das macht mir nicht viel aus, wenn ich infiziert bin.“ Selbstverständlich macht die Ansteckung bei einem jungen gesunden sportlichen Menschen nicht viel aus, wenn das System nicht überlastet ist, wenn er nicht bereits Virus-Träger ist – auch ohne Symptome zu haben, und wenn er nur an sich selbst denkt, anstatt an die Gesellschaft! Das kann sein, dass es für manche nur wie eine Grippe, aber für unser Gesundheitssystem ist es ein Stresstest!

Aus Wuhan erfuhr ich eine Geschichte von einem Regiesseur Chang Kai. Er ist 55 Jahre alt. Sein Sohn studiert in England – also er ist nicht arm. Er arbeitet für Hubei Film Produktion. Sein Vater wurde infiziert am chinesischen Neujahr und bekam kein Bett für die Behandlung. Weil das Gesundheitssystem war bereits zusammengebrochen. Und in Wuhan wurden offiziell 1100 medizinische Personal infiziert im Januar, während die Wahrheit dreifach oder mehr liegt. Weil er nur zu Hause bleiben konnte, musste die Familie zusammen die Wohnung teilen. (Heute muss auch ein Infizierter in Deutschland und in der Schweiz zu Hause bleiben anstatt ins Krankenhaus behandelt zu werden.) Seine Mutter wurde infiziert, weil sie sich um den Vater kümmerte. Dann ist er infiziert, weil er sich um seine Mutter kümmerte. Dann ist seine Frau infiziert und danach seine Schwester. Innerhalb 17 Tagen sind vier Personen in dieser Familie gestorben. Ob seine Frau noch lebt, weiß ich nicht. Aber sein Sohn in England überlebt. Wuhan ist eine Industrie-Stadt (dort gibt es P4 Labor) und hat gutes Gesundheitssystem. Weshalb solche Tragödie, die im Moment auch in Italien passieren?

In Shui Tang offeriere ich Desinfektionsmittel, was für manche sehr provokativ ist. Ich tue es für Zürich. Nicht nur für mich. Ich möchte auch etwas tun, damit die Ansteckungswege abgebrochen werden. In letzten Tagen habe ich per Text mit vielen Menschen über das Thema diskutiert. Viele asiatische Freunde von mir verstehen nicht, weshalb der Maßnahme in der Schweiz so „sanft“ ist. In Taiwan wird jeden Tag eine Corona-Pressekonferenz gemacht, es wird über die Fälle informiert, über das Geschehen berichtet und auch über neue Politik verkundet. Panik gibt es in Taiwan nicht, sondern Solidarität. Jedes Kind weiß, dass sein Körpertemperatur jeden Tag vor Schule-Beginn gemessen werden muss, seinen Atemschutzmaske tragen muss, um andere Menschen zu schützen, weil es die Ansteckungswege erschwert. Wenn jeder es macht, haben wir eine entschlossene Gesellschaft gegen Virus, die keine Augen haben.

Es wird vieles kritisiert in Taiwan. Solche Maßnahme, bei jedem Fall Kontakte zu suchen, sie in Quarantäne zu stellen und die Ansteckungskette zu klären, kosten zu viel. Es schadet die Wirtschaft. Ja, es ist sehr aufwendig. Aber das Volk fühlt sich geschützt. Die Menschen sind einig, weil sie wissen, auf ihre Gesundheit wird es geschaut, nicht aufs Geld. Menschen sind keine Kostenfaktoren!

Wenn eine Gremium von Experten und Administratoren besetzt sind, dann entscheiden sie nicht nach Menschen-Würde, sondern nach gelernten erforschten alten Modell. Bei einem neuartigen Virus müssen sie abwarten, schauen und befürchten, dass sie Fehler machen, um die Wirtschaft zu schaden!

Aber was schadet die Wirtschaft mehr?

Von Spanischen Grippe entstand eine Statistik. Zwei verschiedene Strategien von Philadelphia und St Louis. Philadelphia entschied sich für verzögerte Maßnahme, während St Louis für eine stricke Politik. Die Sterberate spiegelt den Unterschied wider.

Es geht nicht um Dich oder mich, ob wir infiziert werden. Es geht auch nicht um Dich oder mich, ob es uns mehr oder weniger ausmacht. Es geht um unsere Gesellschaft, um unsere Erde, auf der viele Länder schwache Gesundheitssystem haben und viele Menschen die dann auf das System angewiesen sind. Wir müssen gemeinsam etwas unternehmen um die Ansteckung einzudämmern!

Panik haben wir nicht. Pandemie haben wir hier.

 

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