Grenzerfahrungen

Ich suche einen bequemen Ort an meinen schönen Sofa.
Und goss einen schönen Tee.
Dann geniesse ich die Liebe.
Die Liebe ohne Objekt.

Als Zhou Yu für unsere Leute in Wistariahaus kalligrahpiert, wollten paar Leute das Thema Liebe ansprechen. Er schrieb, 在茶醉中戀愛 im Teerausch sich zu verlieben. Liebe im Teerausch.
Vielleicht wollte er damit sagen, dass man sich im Tee begegnen kann, so wie man schon lange ersehnt hat. Oder besser gesagt, dass der Rausch im Tee die Liebe erst in eine andere Dimension öffenen kann. Vielleicht.
Am vergangen Dienstag bin ich jemanden begegnet. Obwohl ich diesen Menschen nicht kannte. Er wurde von einem Freund gebracht. Nur die paar Minuten am Teetisch dachte ich manchmal, ihn seit geraumter Zeit gekannt zu sein. Teetrinken an einem schönen Ort, auf einem Stuhl, ohne Worte die Schönheit des Tees zu lauschen. Das war Momente im Rausch. Im klaren stilen Rausch. Und als die Zeit kam, ging man wieder auf die getrennten Wege.
Nach der Reise gibt es vieles aufzuräumen. Ich meine nicht in materiellen Sinne. Ich meine in meinem Herzen.
Ich sahe viele Grenzerfahrungen. Es ist schmerzhaft zu erfahren, dass Weisheiten manchmal nicht dazu dient, andere Menschen fröhlich zu machen. Es ist weise, die Dinge so passieren zu lassen und die Dinge so zu sehen, wie sie sind – und zu akzeptieren. Es ist schmerzhaft zu erfahren, aber sehr befreiend, dass ich nur mich selbst trage und tragen kann. Da meine Gesundheit sehr geschwächt war, war ich nur in der Lage auf mich selbst aufzupassen. In dieser Situation bekam ich die Chance zu sehen, wie unterschiedlich Menschen von mir erwarten und wie verschieden sie auch reagieren. Wenn man nicht getragen wird, wird man auf sich selbst geworfen. Was passiert dann?
Ich möchte lernen, die beste Freundin von meinem selbst zu sein und nicht die beste Freundin des anderen zu funktionieren!

Meine Erfahrungen gehören mir und Deine Deins.
Steffi schrieb mir paar schönen Zeile über ihre Tage nach dem Rückkehr.

Der Kulturschock fand eher in mir drinnen statt. Ich war total
ausgeglichen und noch berauscht von den guten Tees und dem guten Essen
was wir genießen durften. Auch von so vielen Leuten umgeben zu sein, die
meine Freude teilten war ein sehr schönes Gefühl.

Als ich hier ankam (zuerst noch ein paar Tage in Köln), mit meinen
Gedanken noch in Taiwan, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich mich
wieder in Europa befinde, eine Heimat für viele
„Tee-Entwicklungsländer“. Die Menschen, die meine Liebe zum Tee teilen,
waren aufeinmal wieder überall verstreut und mein neues Teekanne, die
leicht für 4 Leute reicht wirkte aufeinmal so groß im Vergleich zu der
Anzahl der Menschen die den Tee mit mir teilen wollten.

…und die Geschmackspalette des Essens hat sich verändert!

Dann kam Gabi und wir hatten einiges miteinander zu reden. Sie sagte, dass sie mich auf einmal verstand. Sie kam in Zürich an, in Bellevue. Plötzlich kam die Stadt Zürich ihr so KLEIN vor. Plötzlich kam ihre Vierwände so winzig vor. Plötzlich macht nur das Brot ihren Bauch Blähungen. Die Menschen, die sie in Taiwan begegneten, waren solche Persönlichkeiten, die in ihrem Umfeld Zürichs selten zu treffen sind – breit und weit….

An diesen farbhaften Herbstag, der sogar eine Stunde länger dauert, fühle ich mich in einer Tasse Tee – glücklich.
Ich muss jetzt nicht mehr dort hin schauen, wo ich nicht war und nicht bin. Sondern hier wo ich jetzt sitze.

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