Teeweg und Poesie

Ich bin müde.
Mein müder Körper spürt zwar den Frühling, weiss aber nicht zu freuen.
Viel arbeit und viele Projekte. Ich wünsche, ich könnte noch mehr!

Ich wünsche ich hätte mehr Kapazität. Wenn ich sehe, wie schnell die Seminare ausgebucht werden und wie oft die Leute mich wegen Kurse und Seminare anfragen, weiss ich, dass es ein Bedarf unter den Menschen gibt, sich mit Tee auseinanderzusetzen!
Gestern fuhr ich morgens nach Aarau, um mit den Schüler aus einer Mittelschule sich mit Tee zu vertiefen. Ich hatte eine Stunde, den Schüler die Welt des chinesischen Tees zu vermitteln. An dem gleichen Abend traffen sich 30 Erwachsenen in Shui Tang, um Oolong zu widmen.
Es war 20 junge Menschen, die kaum Vorstellung von gutem Geschmack und von guten Tees haben. Ihre Gesichter waren schüchtern und ihre Augen leuchteten wie Sternen. Ich habe keine Kinder, aber weiß, dass diese Menschen vor mir unsere Zukunft sind. Sie probierten die Tees mit dem degustierlöffel. Ich fragte nach. „Was schmeckt Ihr?“ „Bitter…“ „Was gibt es neben der Bitterkeit?“ „Süss.“ „Holzig.“ Der Oolong wie Nektar.“ „Wie Rauch.“ „Wie Honig.“ Ich glaubte meine Augen fingen auch an zu leuchten. „Was noch?“ „Wie ein Spaziergang durch den Wald im Sommer!“ Wowwwww!
Ich freute mich riesig über die Antwort eines jungen Mädel, das so unbeschwert ihre Empfindung einfach rausruschte. „Warum ein Spaziergang?“ „Ja, es ist immer so entspannt im einen Wald zu spazieren. Im Sommer vor allem ist es besonders schön! Es riecht so frisch, nach Holz, nach Grass und nach Blumen – so wie der Tee!“
In jenem Moment wollte ich fast weinen! Dieses Mädchen verfügt bereits den Zugang zu einer großen Welt des Tees, zu ihrer eigenen Identität und zu ihrer Unabhängigkeit. Das, was sie schmeckt, ist ihres, ist ihre Freiheit, die niemand aus ihr berauben kann.
Das, was ich lernen musste, um Tee zuzuhören und um den Brücke zum Tee zu finden hat sie bereits. Das, was ich lernen musste, mich nicht von anderen beeindrucken zu lassen, einfach zu mir zu stehen, hat sie bereits. Sie „muss“ nur weiter gehen.
Als wir gemeinsam den Pu Er Runde machten, als wir den künstlich nachfermentierten Pu Er, den frischen Pu Er 2010 Mengla und den Pu Er Grenztee 1990 degustierten, meldete sich sofort ein Junge. Er sagte, „Ach, das ist der künstlich fermentierte!“ „woher weiß Du es?“ „Er schmeckt komisch! Er schmeckt nach Fisch!“ Ich staunte!

Ist es wirklich so, dass wir als Erwachsene unseren Geschmack bereits auf den Irrweg abgeleitet sind und wir neu lernen müssen, was einen guten Geschmack bedeutet? Und diese junge Menschen vor mir, sie haben den natürlichen Zugang zu einem natürlichen guten Geschmack noch und wenn sie so bleiben dürfen ohne von unserer Gesellschaft manipuliert zu werden, können sie ihren Weg natürlich finden. Aber wer kann denn dem Karrier-Zwänge und Konsum-Appel von Red Bull tatsächlich entgehen?

Als Erwachsene, merkte ich bei der späteren Degustation am gleichen Tag mit Teeclubs Leute, bedeutet häufig einen guten Geschmack zu haben ist derjenigen, der so souverän spricht „Vanille, schokoladig, holzig und und und…“ Aber was diese junge Menschen, auch wenn sie unsicher und schüchtern sind, weil sie die Ettiketten unserer Gesellschaft noch nicht beherrschen, ahnen den Weg des Tees. Dieser Weg führt durch die Intuition und die Poesie!

„Es hatte mir mit einem Schlag, wie die Liebe, die Wechselfällte des Lebens gleichgültig werden lassen, seine Katastrophen ungefährlich, seine Kürze imaginär, und es erfüllte mich mit einer köstlichen Essenz (Tee); oder vielmehr: diese Essenz war nicht in mir, ich war sie selbst.“ Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Ich danke Natalie. Diese liebvolle offene Lehrerin dieser Schülern hat diese wunderbare Stunde ermöglicht!

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