Archiv für den Monat März 2010

Teeseminar am Sonntag – ausgebucht

Das Seminar am Sonntag ist bereits ausgebucht.

Vielen Dank für so viele Anfragen und ich freue mich auf einen sehr intensiven Arbeitstag!

Eine dringende Bitte an allen Teilnehmer:

Bitte kein Parfüm, keinen Lippenstift – Deo ist erlaubt. Sonst nichts.

Für das Mittagsessen wird Take-Away von Lotus-Garten organisiert. Oder man kann selbst etwas mitbringen. In der Nähe von Shui Tang gibt es genügend Restaurant und Mac….

Essen in Berlin auf Taiwanesisch

Hallo Meng-Lin,

Über google bin ich auf deinen Blog gestoßen und habe mir gedacht ich schreibe Dich einfach mal an.

Ich bin gerade gestern von einem 4-wochen aufenthalt in taiwan zurückgekommen. da habe ich eine freundin besucht, die erst hingezogen ist (sie studiert chinesisch). mir hat es sehr, sehr gut gefallen nicht nur alleine wegen dem unglaublich guten essen! Nun bin ich auf der Suche  nach gerade diesem in Berlin, vor allem die spicey beef noodle soup/niu rou mien, tang bao/xiao long bao und die sesam nudeln (ma jiang mian??) oder auch jiaozi. In einem deiner Posts schreibst Du über das Asia Deli im Wedding, weißt Du denn vielleicht ob ich da eines der Gerichte bekommen kann? Ich befürchte wenn ich als deutsche hingehe, leider auch nur die deutsche Karte zu bekommen… Fällt Dir vielleicht noch ein anderes gutes Restaurant in Berlin ein, die evtl. taiwanische gerichte führen, oder überhaupt gute chinesische küche hat?

Ich hoffe Du findest meine Fragen nicht zu direkt und unhöflich, es ist nur so schwer gute authentische asiatische Küche in Europa zu finden, dass ich über jede Hilfe dankbar bin.

Vielen Dank, mit den besten Grüßen aus Berlin,

Katrin

PS: In den 4 wochen habe ich mit meiner Freundin und ihren taiwanischen Freunden einige Teezeremonien beigewohnt. ich war so begeistert, dass ich mir ein kleines set mit dem nötigen zubehör und jegliche teesorten mitgenommen habe. natürlich werde ich das nie so gut hinbekommen, aber es wird mich jetzt immer an taiwan erinnern!.. 🙂

Ich kenne mich in Berlin gar nicht aus. Hoffentlich kann ein Blogfreund der Karin weiter helfen.

Hongyu und der Fremde

Ich dachte, dass ich Talent hätte für Fremdsprache.
Meine Mutter fühlte sich immer gestört, weil ich mich als kleines Mädchen mit sympathischen Fremden gerne unterhielt. Sie warnte mir immer vor Gefahr.
Mich interessiert das Fremde. Ich höre gerne zu und spreche gerne mit dem Fremden.
Als ich dann mit dem Deutsch aufhöre, eine weitere Fremdsprache zu lernen, klagte mein Vater über seine Fehlinvestition.
Irgendwie habe ich meine Leidenschaft verloren. Mit Deutsch verstand ich, wie schwer es ist, einen Fremden zu verstehen.

Mein Großvater war für mich der Taiwanese, der einmal Japaner war. Chinese war er nie. Seit ich mich erinnern kann, saß er immer in der Dunkelheit, trank seinen dunklen Tie Guanyin und ließ sich von Fernsehen begleiten. Das Fernsehen sprach eine Sprache, die er nicht verstand. Er war ein Fremder in seinem Land.
Ich kam nach Europa, lerne die Sprache der Fremden. Manchmal bin ich besser integriert, manchmal nicht. Häufig fühle ich mich wie eine Spinne, die aus ihrem Netz für immer gefallen ist. Manchmal weiß ich, dass ich mit dem Menschen hier mehr verbunden bin als mit meinen Landesleuten in der Schweiz. Aber wenn Osten oder Weihnachten sich nähren, sehe ich, wie die anderen rennen, wie die anderen backen und wie die anderen Festen planen. Dann wird es mir so klar, dass ich anders bin. Ich sitze in einem Ecke und beobachte, wie fremd ich bin.

Mit dem Älterwerden glaubte ich, den Stein meines Großvater zu verstehen. Ihn wirklich zu verstehen, ist es bereits zu spät. Seine Sprachen waren verboten und sein Gefühl war verlassen. Vielleicht begegne ich den einstigen Großvater mit seiner Geschichte im irgendeinem Museum und in irgendeinem Dokument. Sein vergängliches Leben in der wechselhaften Zeit ist begraben im Vergessen.  Mit dem Erwachsenwerden fange ich an, die Geschichte meiner Eltern zu interessieren. Ihre Geschichte und ihre Sprache erzählen mir eine fremde Geschichte in meiner imaginären Nähe. Und das passiert so ähnlich wie mit dem Tee. Ich dachte, Tee ist einfach nur aus Blätter. Ich wusste nicht, dass Tee auch Geschichte über ihre Menschen erzählen.

Hongyu Hongcha ist mein Liebling im Schwarztee. Einmal besuchte eine Obasan (Großmutter) Atongs Büro. Ihr Gesicht war voller Winkeln und ich las die Spuren der stichigen Sonne auf eine Insel der exotischen Wärme. Ihr Rücken war krumm, aber Atong (mein Teelehrer) erwiderte ihr seinen großen Respekt. Sie redete mit ihm in vollem Humor von drei Sprachen. Welche ist ihr fremd? Sie redete fließend Japanisch, ausgezeichnetes Taiwanesisch und solches Chinesisch wie mein Vaters. Atong erzählte mir später von ihrer Geschichten, die exemplarisch für diese Zeit ist. Sie pflückte Kaffeebohne, als die Japaner da waren. Sie pflückten Tee, seit es Jinxuan populär wurde. Sie wurde verheiratet an einen chinesischen Soldat als…. Sie lebt in Yuchi und macht heute Hongyu…

Ihre Stimme klingt immer noch am meine Ohr wie der Wind, der Kiefernadel streichelte… „Mädchen, ich muss immer schaffen, anders als Du. Wenn ich nicht schaffe, werde ich krank.“

Hongyu heißt rotes Jade auf Chinesisch. Eigentlich nannten ihn die Teebauer als eine Erinnerung an die schönen fremden japanischen Apfel Hongyu. Der Geschmack vom Apfel war für meine Generation auf dieser warmen Insel ein Hauch des Luxus! Hongyu war Synonym von absoluter Exklusivität!

Hongyu hat einen offiziellen Name auf der Insel. Er heisst, Formosa Teebaum No. 18.

Ich möchte lernen, endlich lernen, meine Eltern zu verstehen. Ich möchte auch weiterhin lernen, meine Menschen in der vermeintlichen Nähe und in der so genannten Fremdheit zu verstehen. Vielleicht fange ich an mit Zuhören. Ich bewundere Menschen, die an das Seminar Sprache des Tees im März teilnehmen möchten. Sie müssen sehr viel lernen. Sehr viel, vor allem das Zuhören.

Kiefernadel sind für immer grün 松樹千年翠

Häufig wurde ich gefragt, was heißt ein richtiger erzeugter Tee? Ist es nicht so, dass Geschmäcke sich verschieben und alles relativ ist? Ist es nicht so, dass Meinungsverschiedenheiten nebeneinander existieren – vor allem in einer multikulturellen Gesellschaft?

Am vergangenen Sonntag trafen viele Landesleute aus Taiwan zur Erinnerung des Massakers am 二二八事件 28.02. 1947. Shui Tang 水美堂 war ein Oase eines kleinen Diaspora Taiwans in einer kleinen Stadt zwischen den Bergen Schweiz. Der Botschafter war anwesend, Angehörige des Opfers waren da und die Schriftstellerin des Berichtes über das Massaker war ebenfalls anwesend. Es war ein Tag der historischen „Zufall“, der nie mehr passieren sollte. Wenn es Zufall sein sollte, wäre es nicht zu vermeiden. Wenn es eben nicht Zufall war, dann könnten wir etwas dagegen tun – durch unsere Reflexion.

Jedes Schicksal ist so verstrickt in seinem Denken und Fühlen mit seiner Leute und mit seinem Boden. Jedes Schicksal ist verwickelt mit dem anderen, sei es Freund oder Feind nur wegen dem Zufall einer Epoche. Wegen dem Zufall einer Epoche ist man gezwungen eine Rolle einzunehmen, die einen zu Tod oder am Leben führt. Wegen Zufall einer Epoche ist Handlungsfreiraum so bestimmt, dass man Opfer oder Täter werden kann.

Eine Insel im Pazifik erregte zuerst kaum Aufmerksamkeit von dem mächtigen Nachbar Chinas. Diese Insel fand nur Interesse bei den kolonialen Mächte wie Spanien, Holland, Frankreich, England und Japan. Diese Insel wechselte von diesem Herrscher zu jenem, die Menschen auf dieser Insel wird von dieser zu jener geschoben. Bei jedem Machwechsel wird neue Sprache gelernt, neue Identität gestiftet. Menschen können sehr lernfähig sein und die Taiwanese sind so zäh…

„Wer sind wir denn?“ war eine Frage nicht zu beantworten. Mit dieser Frage ging ich ins Ausland. Als ich 18 in London zum ersten mit dem wahren „Chinese“ konfrontiert war, wurde ich zutiefst erschüttelt. „Wer bin ich und wer sind wir?“ Mein Großvater schüttelte seinen Kopf und mein Vater schwieg.

Später hörte diese Frage auf, denn ich bereits für mich eine Antwort gefunden habe. Ich weiß nicht nur, wer wir sind, sondern auch wer ich bin. Aber, was kann ich dafür tun, so dass diese Insel nicht mehr wie eine Schachfigur hin und her geschoben wird? Oder zumindest, es ist keine einfache Verschiebung und es kann die Hände, die das Spiel beherrschen, wehe tun!

Im Neujahr wird immer in Teezusammenkunft gerne eine Schriftrolle aufgehängt:

Songshu Qiannian cui 松樹千年翠

Bu Ru Shiren Yi           不入時人意

Die Kiefernadel ist für immer grün;

während es den zeitgenössischen Menschen nicht immer gefallen.

„Was ist denn das, was die Zeit überdauert? Was ist das, was die Grenze überschreitet?“ das frage ich gerne zurück, wenn man mir die erste Frage stellt. Geschmäcke verschieben sich und die Trends wechseln sich schnellsten. Was machst Du in so einer Zeit und wie pflegst Du Deinen Geist in diesem Wechsel? Wie die Farbe von Kiefernadel? Oder wie das Cover einer Magazin?

Was ist das, was uns in Höhe und Tiefe des Lebens hält? Ist es, was wir haben? Oder ist es, was wir als „sein“ verstanden haben?

Wie schafft denn ein Volk, das immer zwischen fremden Interessen überleben muss und auf der Suche ist, nach dem „sein“?