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Fasten des Herzen (Seele) 心齋 I

Zhuangzi (莊子 Chuang-Tzu, 3. Jh. vor Ch.) beschreibt den Weg, um die Welt zu verändern durch das Fast von Herzen 心齋 – im Deutsch wird es anstatt Herzen mit Geist übersetzt, was das Verständnis zwischen Kulturen sehr gut widerspiegelt.

Ich faste nicht, außer wenn mein Körper streikt. Mein Geist/Herz ist meiner Meinung nach eher unter Umwelt-Gift umgebend als mein Körper, so pflege ich das Fasten vom Herzen regelmäßig seit Jahren. Durch meinen Beruf schätze ich Stille und Verständnis im Schweigen ins besonders.

Dank Shui Tang und Tee bin ich mit facettenreichen Menschen begegnet. Dank Shui Tang ist das Fasten erforderlich. So lerne ich paar Mönche aus Einsiedeln kennen. Sie lieben den Tee namens Buddhas Hand. Durch die Freundschaft erhalte ich Möglichkeit, kurzen Aufenthalt vom Kloster als Gast zu erstatten. Diesmal nahm ich eine junge Freundin mit, die sich als wurzellos und auf Suche bezeichnet.

Meine junge Freundin ist erst 30. Mit ihren Augen versuchte ich mich erinnern, wie ich das Kloster erlebte. Mit Staunen und Begeisterung schaute sie die Räumigkeit und fühlte sich unglaublich geehrt, den Schlüssel vom Kloster zu erhalten. Einen Zugang ins von Anderen unzugänglichen Welt der Spiritualität. Auf einmal überwältigte mich die Dankbarkeit. Ihre Begeisterung schlug um. Als die Dunkelheit uns umhüllte und die Stille endlos breit wurde, wurde sie immer kleiner. Ich gab ihr ein Schutzpatrone aus Taiwan – als Trost. Wer weiß, ob die buddhistischen Symbole von christlichen Schatten anerkannt werden?

Jean-Sebastien, mein Teefreund nahm sich Zeit für meine Freunde, eine Führung durchs Gelände zu machen. Anton kam mit seiner Familie und sie sassen vor der Pforte und sahen im Sonnenbad ausgesprochen glücklich aus. Jean-Sebastien zeigte uns sein Atelier, wo er das Projekt mit Sprache starten will.

Im Anfang (ἀρχή) war das Wort (λόγοςund das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden

und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

Alles, was wir sehen, kann die Offenbarung des Gottes sein. In der Schrift, wo sich die Menschheit ihr Bewusstsein entwickelt, verbirgt eine große Chance Brücke zu Anderen zu schlagen und Fundamente miteinander aufzubauen. Ich sollte dort Kalligraphie geben und Vorträge halten. Ich sagte, ob meine Ansicht nicht zu wild und zu revolutionär wäre. Wenn mein Verständnis von Orakel-schrift als das Parallele zu dem Johannes Evangelium verdeutlicht wird, wird es klar, dass Orakelschrift aus dem alten China ein Zauber-schrift ist und möglicherweise eine Offenbarung der Kommunikation zwischen den sterblichen Menschen und der übernatürlichen Kraft. Sie können sehr archaisch sein, möglicherweise brutal ertönen. Wir unterhielten später über den Begriff „Herz-Geist“ und das Steuern von Hirn. Jean-Sebastien erzählte uns von einer wissenschaftlichen Untersuchung, dass unser Herz eigentlich unser Hirn steuert und sich viele Zellen in Darm befinden. Entscheidung aus dem Bauch ist vielleicht gar nicht so irrational wie wir glauben.

Als wir in der Stift-Bibliothek waren, fragte Jean-Sebastien die 10jährige Jana, was sie bei den Säule sah. Sie sah, Oellämpchen, Feder, Wasser.. „Was ist das?“ „Es sind Darstellung von vier Elemente und Symbole von Raum.“ Und die anderen vier Säule der rechten Seite? Sie sah, Blumen, Getreide, Weintrauben und Fell. „Achso die vier Jahreszeiten.“ „Ja, diese Säulen erzählen uns über den Sinn einer Bibliothek. Alles was wir über die Zeit und Raum wissen wollen, finden wir in den Bücher!“ Er lief zum Fenster, wo die Kaiser und Päpste abgebildet sind, „Und auch das Wissen über die weltliche und spirituelle Mächten.“ Ich liebe solche Erzählung durch Darstellung anstatt Worte!

Meine junge Freundin war zutiefst berührt von der Führung, „Ich habe das Gefühl, ich bin tief in das Schatzkammer Europas eingetaucht! Wenn ich Kinder bekomme, will ich, dass sie in diese Stiftsschule Einsiedeln kommen!“

Ich schaute in den noch blauen Himmel. Die Zukunft ist unvorhersehbar. Das Jetzt ist sehr präsent. Ihre Augen funkelten. Sie waren schön. Es dunkelte schnell wieder. Sie verlangten nach Gespräch, als ob die Worte die Leere füllen könnten. Das Abendessen war vorüber, aber wir redeten immer noch. Sogar ein Glas Rotwein sollte dazugehören. Ich verstehe die Macht der Stille und die Präsenz der Dunkelheit. Viele konnten die Stille von Einsiedeln nicht aushalten und musste ihre Reise ins Inneren abbrechen. Fasten als Ritual ist einfacher, Fasten für die Seele braucht sehr viel Mitgefühl, Distanz und Mut. Mein Herz meldete sich zum dritten Mal. Ich stand auf und sagte, „Nun will mein Körper Zazen. Kommst Du mit?“

ps. ich möchte hier das Wort Seele verwenden anstatt „Geist“. „Geist“ ist in unserem Denken zu „vernünftig“ konnotiert. Der Begriff „Seele“ wird heute zu wenig beachtet. Entweder ist es esoterisch dargestellt, oder unbeachtet. Seele – anders als Vernunft ist ausgesprochen wichtig in unserer materialistischen Gesellschaft.