Ein bisschen anders

Der Neumond begünstigt den neuen Anfang.
Sara und ich machen gemeinsam wöchentlich Zazen. Mit der gemeinsamen Praxis stellen wir fest, dass wir den Sorten der kreativen Chaoten gehören. Wir haben sehr Mühe mit der Regelmässigkeit. Ich hasse die Administration. Mich plagt das tägliche Ladenhüten. Das Pflegen von Ordnung war nie meine Stärke. Wenn der Mensch nicht Triebe hätte, wenn es nicht Hunger und Müdigkeit gäbe, hätte ich bestimmt auch Mühe mit dem wiederkehrenden Bedürfnis.
Sie erzählte mir, dass sie etwas verändern will, zum mindestens seit dem Sonntag. Sie sagte, dass sie seit einem Jahr immer dasselbe Arbeitszimmer verwendet, aber nie genau weiss, welche Nummer das Zimmer trägt. Am vergangenen Sonntag arbeitete sie wieder und stellte fest, dass sie allen Teilnehmern eine falsche Nummer mitgeteilt hat. Sie wurde erschrocken. „Menglin, wenn wir nicht vor 21.12. 2012 unser Leben verändern, wann denn sonst!“ Wo werde ich denn am 21.12. 2012 sein? Ich bin bestimmt in Shui Tang, wo denn sonst? Sie sagte mir, um die weiteren Herzangelegenheit ihres späten Lebens zu tätigen, muss sie das Problem anpacken. Ein bisschen anders zu machen, sagte sie. „Ein bisschen anders werden.“
Ein bisschen anders machen…

Das deutsche Reqium

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit einem katholischen Mönch anfreunden würde.
Aber er ist von sich allein gekommen.
Als Kind auf einer kolonialisierten Insel hat man ein zwiespältiges Verhältnis zum Christentum. Die missionarische Eifer auf der Strasse Taipeis und manche wertende dualistische Trennung von Gläubigen und Ungläubigen und daraus entstandenen Heilsanspruch trieben mich als Jugendlichen an die Seite der Atheist. Selbstverständlich bezeichne ich mich selbst als ein Kind der Aufklärung.
Als ich langsam den Weg zu meinem wahren Selbst durch Zazen und Tee gefunden habe und paar Schritte geschritten habe, verstand ich, dass diese emotionale Trennung, was ich von Christentum empfand ein Stück meiner Geschichte ist und nur ich selbst für mich auflösen muss. Je mehr der Weg weiter beschritten wird, desto mehr verschwand die Grenze.
Diese Grenze ist tatsächlich aber nicht gänzlich verschwunden nachdem mein Fuss in Rasa verletzt wurde. Etwas ist anders geworden. Ich begriff allmählich, dass das Leben ein Fluss ist und wir sind diejenigen, die Steine in diesem Fluss legen und um ihn selbst zu brechen. Wenn ich aber aufhöre es zu tun, dann fliesst das Leben grenzenlos. Ich bemerke auf einmal Menschen, die ich sonst übersehen hätte. Ich begreife Chance, die ich mir sonst nicht trauen würde. Ich lerne zu warten und mich zu binden.
Als ich „das deutsche Requiem“ von Brahms zum ersten Mal hörte, war ich im Flugzeug zu dem kranken Bett meiner Mutter. Ganz hatte ich nicht verstanden, worum es geht. Warum wo Tränen gesät werden, wird geerntet. Als ich das kranken Haus betrat und meine Familie beobachtete, wusste ich, das, was wir von Kosmos reichlich beschenkt wird, ist ein Trost für Lebenden und für die Lebenden, die Leid tragen. Auch ich fühle mich getröstet, wenn das Stück jetzt an mein Ohr lief. Klar, der Gott verlässt uns nie, auch mich nicht. Die Liebe ist bedingungslos.
Es schien unglaublich selbstverständlich, dass ich Sebastien kenne. Scheinbar ist es natürlich, dass ein katholischer Mönch über die Schönheit des Lebens mehr bewusst ist als ein Gewöhnlicher. Er entdeckt am Teetisch den Tee und steckt anderen hinter dem Mauer diese Schönheit an. Als ich zu seinem Geburtstag fuhr, stand Dechen vor der Klostertür. Obwohl wir uns nicht kannten, wusste ich, dass ich einfach ihr folgen musste. Ich wurde und werde geführt. Am diesen wunderbaren Abend lerne ich Menschen kennen, die die Grenze zwischen Westen und Osten, Musik und Poesie stets überschreiten. Wenn der Fluss nicht von selbst geworfenen Steinen behindert wird, wenn wir nicht immer von Zweifel oder Denken abgelenkt werden, dann kennt der Fluss keine Grenze.

La Stanza

Nebel, fallende Blätter und unangenehmer Druck im Kopf – es ist herbstlich.
In dem Kongresshaus war die Luft stickig und auch wenn das Thema spannend ist, muss ich ab und zu meine Augen zumachen. Mein Kaffeesucht meldet sich ganz laut und meine Hände fangen zu zittern. Es ist ein schlimmer Tag mit einer schlimmen Sucht!
Swiss Brother Alex wollte mir zu seinem Lieblingscafe bringen. Ich wollte Schritte sparen, fand leider keine Kaffeestände im Haus. Schliesslich liefen wir tatsächlich zu seinem Cafe.
Aber das Cafe gefällt mir sofort! Ich spüre wie Freude aufsteigen, Eine Tasse bracht mir der junge Kellner. Ich trank den ersten Schlucht…
Ja, es ist ein Kaffee, der meinen Tag retten kann! Es sind Tropfen, die mich so glücklich zum heulen bringen können.
La Stanza, kann ich wirklich nur empfehlen. Die besten Zutaten in diesem Cafe sind natürlich die hübschen und gut gekleideten Herren, die am Bar stehen.

La Stanza, Bleicherweg 10, 8002 Zürich.

Der herbtliche Vollmond, ein Fest

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Gestern war das traditionelle Vollmondfest in der chineischen Kultur. Eine Nacht, wo vertraute Menschen sich versammeln, um zu essen…
In Taiwan grillieren wir am Abend und essen Pamelos. Bei einer Tasse Tee teilen wir den Mondkuchen. Meine Schwester schickte mir vor 5 Tagen den frischen Mondkuchen, dafür hat das schweizer Zoll 47 Sfr. abkassiert.
Anstatt zu grillieren war ich bei Escholzmatt bei dem Alchemist Stefan. Wir haben zusammen eine Tasse Pu Er aus Bangwei (ein 1400jähriger Baum) geteilt. Zufrieden und verhext freuen wir uns auf die nächste Tasse Tee in Shui Tang.
Das süsse Vedeo erhielt ich von dem Produzent dieses Bangweis You Jinsong. Ich hoffe es versüsst auch Euren Abend!

So sanft wie die Erinnerung

Einmal im Monat treffen sich paar Teefreunde in Shui Tang, um Tee zu degustieren und Notiz zu schreiben. Heute wurde der Tie Guanyin das Thema.
Muzha Tie Guanyin – wie oft habe ich ihn schon getrunken? Seit meiner Kindheit kenne ich diesen Tee, den von meinem Grossvater in der Dunkelheit still getrunken wurde. Diesen Tee stellen wir gegenüber den herrlichen blumigen erfrischenden Anxi Tie Guanyin.
Der Muzha Tie Guanyin wirkte dagegen ruhig, zurückhaltend und erdig. Ein Geschmack, den mein Grossvater vor 30 Jahren gut fand und heute wenige Resonanz findet. Reonanz findet er nur bei den Menschen, die diese Zurückhaltung schätzen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass dieser Geschmack der Geschmack ist, der bleibt. Egal wie die Welt sich ändern. Denn er ruft in mir emotionale Bilder hervor, die für immer für mich etwas bedeuten.
Als mein Zenlehrer Michel noch lebte, erzählte er mir gerne von Schönheit seines Lebens. Er malte mir oft ein Bild von vollkommenem Glück. Er kam aus Bergen Wallis und als Kind sass er gerne neben seinem Grossvater beim Abendsonne. Den Sonneuntergang mit dem Grossvater zu erleben und den herrlichen Blick auf Genfer See zu geniessen. Wortlos und zufrieden war es. Gemeinsam trotzdem jeder für sich alleine. Es war diese Ruhe und Zufriedenheit, was er als das höchste Glück ausmalte. Es berührte mich sehr und lernte diese Ruhe und Frieden zwischen Menschen zu schätzen.
Dieser Muzha Tie Guanyin versetzte mich in die Zeit, als Michel es mit mir teilte. Ich spürte wie Ruhe und Frieden in mir ausdehnt und den wunderbaren Abendsonne, die auf mich schien.
Heute waren Stefan und Stefan zu Besuch. Er kennt zufällig auch Michel und praktizierte auch Zazen. Er hat Mühe mit meinem Ausdrück, wenn ich sage, dass die Einsamkeit eine sehr wichtige Erfahrung sei. Einsamkeit wird in unserer Gesellschaft als etwas Negatives ettiketiert. Aber es ist einfach so, dass man nicht alles mit anderen teilen kann und will. Es gibt viele Ecken in meinem inneren Garten, wo nur mir gehört. Je weiter man auf einem bestimmten Weg schreitet, desto schwierig wird es mit anderen Menschen zu teilen. Dann bleibt nur das Moment unter dem Abendsonne, ein Stück Soledad von Piazolla zu hören, einen Muzha Tie Guanyin zu trinken. Worte werden überflüssig. Die Leere mit anderen Menschen zu teilen, wenn man welche hat.

Spuren im Salon

Dank Martin, habe ich Spuren aus dem 17.09. gelesen.

http://wize.zehnder.ch/eweb/wize/2012/09/26/wize/13/8635/
Diese Zeilen gefallen mir besonders:

Trotzdem ist sie (Menglin) alles andere als eine Fanatikerin. Sie bekannte freimütig, auch gerne einmal ein Bier oder ein Glas Wein zu trinken …

Der Journalist hat mich verschont, eigentlich. Ich bekenne mich öffentlich als Kaffee-Liebhaberin! Gerne trinke ich hinten in Shui Tang meinen Kaffee! Natürlich auch von Schwarzenbach.

Kyosaku

Es ist das zweite Male in diesem Monat, dass man mich um Unterricht der chinesischen Kultur bat. Ich sollte durch solche Gespräche und Stunde entgelt werden. Ich fühle mich nicht qualifiziert genug für solche Angelegenheit und weise auf die Universität hin. Nein, dort kann man nur die Kultur für den Kopf lernen, aber nicht fürs Leben. Recht überrascht und ich sagte, dass man sich an diesem Teetisch freundschaftlich annähren kann und darüber so unterhalten kann. Mein Gegenüber hat gelacht und sagte, dass er mich nicht als Freundin haben will, sondern als Lehrerin.
Lehrerin.
Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit meinem Zen-Lehrer Michel. Jedesmal wenn ich das Dojo eintrat, drehte er sich gegen mich um. Drei Jahre lang. Er hat mich einfach nicht beachtet. Geht man wohin, weil man beachtet wird? Ich weiss es nicht und es war mir vollkommen egal. Ich erinnere mich an meinen ersten Schlag von Gyosaku, das man im Dojo von älteren Schüler erhält. Gyosaku wird in amerikanischen Zentradition vermieden, weil ein Schlag zu sehr an Strafe und Gewalt erinnert. Kann man besser mit Gewalt umgehen, weil man mit ihm nicht mehr konfrontieren muss? Ich weiss es nicht. Ich war ein Kind, das oft Schläger erhielt und ganz normale Schaden mit mir trägt wie meine europäischen Mitmenschen. Schläger sind mir nicht fremd und nicht zu fürchten. Ich melde mich oft für Gyosaku, lass mich gerne auf meinen Schulter schlagen. Manchmal ist ein Schlag bloss ein Schlag. Manchmal ist es ein Schlag ins Gesicht und ich werde wach!
Ich war bereit für den Schlag. Der Schlag auf meinen Schulter ist oft der einzige Klang in dem stillen Raum, eine einzige Ton zwischen den Wände, was sich Generation zu Generation nie unterscheidet. Manchmal fühle ich mich durch diesen Klang so verbunden mit all den Patriachen, die mir diese Lehre weiter geben.
Viele Leute kritisieren die harte Zen- und Teeschulung, dass man Schüler hart tadelt. Manche bezeichnen es als Psycho-Spiele. Gyosaku zu geben und zu empfangen erhalten in dieser Auslegung eine Färbung von Unterdrückung und Blockade.
Für mich bedeutet Gyosaku weder gut noch schlecht. Vielmehr beschäftigt mich mit der Frage: „Bist Du bereit?“ Was bedeutet Schüler, was ist ein Lehrer?
In Rasa bin ich Jack begegnet, ein brillianter Tee-Lehrer aus Kyoto. Von ihm hat die Mystik des Tees mir ein Tor geöffnet. Dafür bin ich sehr dankbar. Dass er sich bemüht, einen vereinfachten Teeweg für hiesigen Menschen zu experimentieren, hat mich jedoch sehr zum Nachdenken bewegt. Als ich daran war, Unterricht zu nehmen, bat ich ihm:

„Ich will kein Lob. Ich will Kritik. Hier bitte ich um Unterweisung.“

Eine Einladung von Kritik, ist für mich eine Bitte für Teeunterricht. Ich bin bereit, mit mir selbst auseinanderzusetzen und den Tee als Spiegel zu betrachten. Schone mich nicht, auch ich bin in der Lage etwas zu lernen. Der Weg muss nicht einfach und vereinfacht werden. Ich bin bereit.
Eine Tradition und eine Kultur kann nur aufgrund eine Einladung vermittelt werden. Niemanden können wir erzwingen, etwas aufzunehmen. Wenn der Gegenüber bereit ist, die Tür zu öffnen, kann das Reichtumg beschenkt werden. Der Geist des Tees geht über Generation zu Generation, von Menschen zu Menschen, die bereit sind, machmal für ihn das Leben aufzuopfern – wie Meisters es taten. Der Weg war und ist nie geradeaus.
Bist Du bereit?

Suche nach der verlorenen Zeit

http://www.tagesschau.de/inland/speed112.html
Die Zeit an sich fasziniert mich immer mehr. Jemand kam zu mir ins Shui Tang und wollte, dass seine Uhr langsamer laufen lässt. Er behauptet Tee könnte es.
Martin Suter glaubt, dass die Zeit Wunden nicht heilen kann. Kann man wirklich Fehler der Vergangenheit nicht reparieren?
Existiert überhaupt die Zeit? Begrenzt uns tatsächlich die Zeit als Handlungsraum?
Ich kenne paar Zeitlöcher auf dieser Erde.
No.1 Shui Tang 水美堂. Das ist ein grosses Zeitloch. Wer keine Zeit hat, wird dort mit der Zeit verschuldet.
No.2 Der Teich 曹源池 in Tenryuji 天龍寺. Dort zu verweilen gleicht eine Zeitreise.
No.3 Alishan 阿里山 in Taiwan. Man weiss nicht mehr, wo man tatsächlich ist, man hätte das Gefühl zwischen den Toren der Zeit zu sein.
Aber die wirklichen Erlebnisse in diesen Zeitlöcher kann man nicht immer mit anderen Menschen teilen, ausser mit dem Tee.

Führt der Tee uns nach Asien?

Es war ein spätsommerlicher Abend. Wir waren bei Martin, in seinem Salon. Wir sollen über Tee sprechen.
Martin fragte mich, ob der Tee uns den Zugang zur chinesischen Kultur führt.
Ich weiss es nicht.
Wenn es so ist, ist Tee ein sehr gutes Mittel zweck Propaganda nicht wahr?
Ich weiss es nicht.
Hat der Tee mich näher zu meiner kulturellen Wurzel geführt?
Was ist an Tee denn so chinesisch? Muss man ein Chinese sein, um Tee zu verstehen?
Ich erinner mich an die Momente als ich Cha No Yu begegnete. Sprachlos und zufrieden. Brauche ich Sprache um es zu verstehen? Brauche ich die kulturellen Codes um es zu tätigen? Ich fühlte mich vollkommen angekommen und so glücklich bei mir ZUHAUSE zu sein.
Es sind Dinge, die alles überschreiten und Grenze sprengen!
Wenn wir die Sprache des Tees lernen wollen, brauchen wir nur Nase und Gaumen, ein bisschen Offenheit, ein wenig Vertrauen. Den Kopf können wir zu Hause liegen lassen und das Ego beiseite schieben. Auch wenn Du ein Schweizer oder Deutscher bist, kannst Du einfach das riechen, was Du riechen kannst und willst, das wahrnehmen, was möglich ist. Der Duft, die Aroma des Tees sprechen die Sprache Deines Herzens, nicht die Sprache eines Fremden.
Für mich führt der Tee mich nicht nach Asien. Der Tee erleichtert meinen Weg über Europa nach Asien. Er führt hauptsächlich zu mir selbst.