Archiv der Kategorie: Klatsch am Teetisch

Umzug

Umzug

Ich werde diesen Tag nicht vergessen. Mein Teevater Detlef mit seinem stolzen 70 Jahren mir noch beim Umzug zu helfen! Sein Volvo schwer beladen, er – puritanisch erzogen, packte die Kartons zusammen und fuhr mich zu dem neuen „Ufer“.

Er erschien als der Erste vor meiner Haustür. Allen anderen jüngeren Menschen kamen später. Manche kamen gar nicht! „Die Jugend taugen gar nichts!“

Mit einwenig Melancholie nahm ich Abschied von meiner alten Wohnung und die bisherige Heimat. Es tut richtig weh…

Ab ans neuen Ufer… nach Zürich, in die Schweiz. Mit einwenig Angst, einwenig Unsicherheit und einwenig Mut begehe ich auf dem Weg.

Taiwans Interesse für den Westen?

Vielen Dank für die rege Diskussion von meinem gestrigen Beitrag. Es ging eigentlich um die Zusammenhänge zwischen Tee und chinesischer 5 Elemente Lehre. Die Diskussion ging allerdings um die Interesse Taiwans für den Westen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich mit diesem Beitrag anfangen sollte. Ich fragte mich auch zuerst, „weshalb bist Du nach Westen gekommen?“ Bevor ich die Frage auf Thomas eingehe, möchte ich gerne diese Selbst-Frage beantworten.

Alle taiwanesischen Intellektuellen wissen, wenn sie die akademische Laufbahn einschlagen möchten, müssen sie nach Westen pilgern. Die meisten gehen nach USA! Ich komme aus National Taiwan Universität, die Elite-Universität Taiwans, wo selten Professoren nur in Taiwan ihre Promotion abgeschlossen haben. Das Studium in den USA ist der schnellste Weg in dem Elfenbeinturm. Ich entschied mich mit einer Freundin zusammen nach Deutschland zu studieren, weil ich gerne meinen eigenen Weg gehe und selbst als „linke“ Studentin verstand. Wir lernen und eifern fleißig dem Westen nach, nicht nur in Life-Style, sondern auch im Bewusstsein! Wir lernen antike Kultur, abendländische Zivilisation, Aufklärung und die Moderne in der Schule. Wir setzen fleißig damit auseinander in der Öffentlichkeit und verstehen uns als Mitglied der Moderne. Taiwanesische Intellektuellen möchten ihr Land modernisieren und bemühen sich es zu verstehen, weshalb der Westen die Hegemonie innehat. Die Unabhängigkeit der Schweiz, ein Bergland mitten in Alpen, verkörpert ein verklärtes Vorbild für Taiwan, wo immer Schlachtfeld verschiedener kolonialen Mächte war und ist und Sehnsucht nach Frieden und Unabhängigkeit hat.

Mit dieser Begeisterung für Westen bin ich als 18 Jährige hier angekommen. Viele angenehme und unangenehme Fremderfahrungen führen mich zum Glück zu meiner kulturellen Wurzel, die mir bewusst macht, wer ich bin. Nicht mehr ganz taiwanesisch, nicht ganz chinesisch, ein bisschen deutsch und ein bisschen menglin selbst. Ich fange wie viele andere taiwanesische Intellektuelle an, über meine frühere Begeisterung und Verklärung zu reflektieren.

Der Westen – einfacher ausgedruckt, steckt in eine Krise, die aufgrund ihrer Ignoranz, fehlende Selbstreflexion und der Naturgesetz (alles ist vergänglich, auch Wachstum) zwangsläufig stattfindet. Viele meine Freunde, die in Frankreich, Deutschland und USA studierten, teile die Meinung, dass wir auf unseren eigenen Weg gehen müssen, um viele Probleme der Postmodernität zu vermeiden und selbst neu zu verorten. Die Frage ist, können wir uns wirklich von dieser Entwicklung entziehen?

Ich weiss nicht, ob ich die Frage von Thomas beantwortet habe. Natürlich gibt es immer Menschen, die sich nur oberflächlich für andere Kultur interessieren. Das ist ja Life-Style. Immer etwas Neues, Fremdartiges und Hübsches. Das hat nichts mit Mentalität eines Volkes zu tun. Das ist die Mentalität oder Zeitgeist unserer postmodernen Gesellschaft.

Menschen, die sich an der Grenze bewegen

Ich bin wieder da in Europa. Es ist nicht die Kälte, der Nebel und die Sprache, was diese Grenze bemerkbar macht, sondern die Atmosphäre, die Menschen umhüllt.

Kulturschock, egal wie man es nennen wollte, findet in jedem Moment statt. Die Ignoranz und Vorstellung über Asiaten (vor allem Asiatinnen), das ernste Gesicht der entgegenkommenden Menschen und die bestimmende mitteleuropäische Art der Dienstleistenden (die schlechte Bedingung im Laden und Restaurant) brachten mich immer wieder zum Aufregen. Phänomenen, wenn ein Fremder wieder „zurückkehrt“…

Jahrelang habe ich beklagt über oberflächliche Art der Schweizer Freundlichkeit und Selbstverherrlichung der Schweizer Denkweise. Ich wusste nicht, dass es um einen Prozess der Verarbeitung als ein Fremder unter den Fremden geht. Fremd, sind ich oder die Schweizer? Probleme von mir oder von den Schweizern?

Marisa kam mich heute besuchen. Sie ist in Argentinien aufgewachsen und von deutscher Abstammung. Eine akzentlose Sprache spricht sie, aber fühlt sich hier fremd. „Ich bin eine Argentinierin.“ Wir tranken einen Huang Jin Gui, ein Oolong der sich über die Meeresgrenze aus China nach Taiwan ansiedelt. Beim Tee ist es alles einfacher, er gewöhnt sich an das Klima und schlägt seine Wurzel ein oder auch nicht. Bei seiner schlechten wirtschaftlichen Aussicht wird er ausgerottet oder im Leben gelassen. Aber Marisa erzählte mir von dem Leiden ihrer Mutter als ein deutscher-argentinischer Einwanderer, der einst hier zu Hause war. Sie schafft nicht, sich von der Umgebung zu distanzieren und fühlt sich von den neugierigen und fremden Blicken und Denkweise betroffen. Verloren unter den Fremden. Sie kapselt sich ein und lebt wie auf einer Insel in Hamburg. „Menglin, nehmt Probleme des anderen nicht auf Dich. Es sind Probleme des Anderen, die nur aus ihrem Auge die Welt so anschauen zu wollen. Sie waren noch nie an der Grenze, auch wenn sie in Hilton in Bangkok oder Delhi hocken…“ Ich weinte in diesem Erkenntnis, dass das Schicksal eines Menschen, der sich an der Grenze bewegt, eben ein Fremder ist. Er überschreitet seine Grenze, die einem Geborgenheit, Sicherheit und Selbstverständnis bietet. Er verliert alles, was ihm einst Halt gab. Seine Kohärenz wurde inkohärent, seine Geschichte wurde brüchig, sein Verständnis wurde zum Unverständnis. Er kommt mit seiner Emotion nicht klar, die von Missverständnisse und Unverständnisse hervorbringen. Er muss es verstehen wollen – sich selbst und Anderen -, so dass er zur Ruhe kommt. “ Was ist mit unserer multikulturellen Gesellschaft und interkulturelle Kommunikation?“ „Eine Chance von Anderen zu lernen, sich anzuschauen. So wie der Tee, wie Du Tee zubereitest! Wir haben die Chance von Dir zu lernen, was Tee ist und was für eine faszinierende Welt im Tee sich versteckt.“ „Von Anderen lernen? Wie denn? Wenn man sich nie an das eigene Weltbild zweifelt und das Eigene für das Beste und selbstverständlich hält?“

Zur Ruhe kam ich durch den Tee. Tee sagt uns nicht viel. Man kann ihn so oder so sehen und trinken. Es ist Aufgabe des Menschen, der das Beste aus dem Tee ausschöpft oder nicht.

Es ist mein Problem, wenn Schweizer oder Deutsche anders sind als ich. Sie sind anders und es ist so in Ordnung. Ich behalte gerne diese Distanz als ein Fremder in der Gesellschaft. Es ist ein Privileg.

Fremder, ich bin gerne ein Fremder. Nicht im Aussehen und auch nicht in der Aussprache. Ich bin gerne und bleibe gerne ein Fremder im Anders-Denken.

Zeit fuer eine Schale Tee

Nach Japan bin ich mit einer grossen Bestellung angereist. Freunde auf Teeweg beauftragten mich „Teatoys“ einzukaufen.

Bei Mitsukoshi (ein beruehmtes Kaufhaus) bin ich gelandet. Eigentlich kann ich kein Japanisch und die Verkaeufer im Kaufhaus kein Chinesisch und Englisch. Mit Hand und chinesischen Zeichen sprachen wir muehsam miteinander. Die japanischen Verkaeufer waren ruhig. Sie versuchten mich zu bedienen, ohne Panik und Druck und ich musste nicht warten. Mich bedienten drei Personal. Sie laechelten freundlich und waren begeistert, dass ich als Taiwanesin Teezeremonie praktiziere. Ihre Verstaendnis und Freundlichkeit als Dientleistende haben mich sehr beeindruckt.

Als sie meine Einkaeufe einpackte, lud uns ein Personal ein, eine Schale Tee zu trinken. Er sagte mir, dass er ebenfalls Schueler von Urasenke sei. Uns wurde eine Okashi – Suessigkeit offeriert – ganz nach der Tradition. Anschliessend eine Schale wunderbarer Matcha in kostbarer Chawan!

Diese Gastfreundlichkeit und das Teilen eine Schale Tee werden in meiner Erinnerung bleiben. Wann wuerden wir in Europa auch diese Gastfreundschaft erleben anstatt in der Schlange bei der Kasse zu stehen oder auf Bedienen ewig warten zu muessen? Haengt dieser Geist der Gastfreundlichkeit von Offerieren einer Schale Tee ab?  

Teeschale Eine Chawan Ausstellung in Mitsukoshi Chiba, Tokyo

古希記念・寺垣土窯 杉本貞光茶陶展
10月10日(火)~16日(月) 千葉三越7階 特選画廊
1979年、大徳寺での個展以来、長次郎の黒、光悦の赤・白茶碗、また高麗の井戸、熊川、粉引茶碗などを完成、発表してこられました。いずれの作品も崇高で味わい深く、陶芸界にて高い評価をいただいております。
今回、古希を迎え、従来に桃山陶を加えた志野、渋紙手、織部などの作品も合わせて発表いたします。
(左写真:「黒茶碗」径11.5×高さ8.3cm)

Dorf Orang Asli

Dorf Orang Asli

Das Dorf Orang Asli in Cameron Highlands.
Das Dorfbild ist gespraegt von Solarzellen, hoch stehende Bambushaeuser und frei laufende Huehner. Das Haus von Dorfvorsteher ist gleich beim Dorfeingang. Um ins Aufenthaltsraum einzutreten sollte man Schuhen ausziehen und man sitzt auf dem luftigen Boden. Obwohl man sich im Haus befindet, kann man durch Ritzen zwischen Bambus die Aussenwelt beobachten. Inen und Aussen ist nicht volltaendig getrennt. 

Cameron Highlands

Orang Asli Orang Aslis sassen vor ihrem Haus.

Cameron Highlands, es hoert sich sehr britisch an. Ja. Es waren die Briten, die auf die Idee kamen, hier aus urwald zur Teeplantage zu verwandeln.

Es war allerdings Heimat von unbekannten Tieren, Voegel und Orang Asli – bis William Cameron 1885 ihn „entdeckte“ und dort stationierte.

Als John Russell am 23. 4. 1923 die Teeplantage Boh hier im Highland aufbaute, war hier virgin jungel. Die Orang Asli waren ihm ein unbekannter Begriff. Fuer seinen Teegarten holte er Unterstuetzung von seiner Kollegen in Ceylon und Arbeitskraft ebenfalls aus diesem Subkontigent. Hier fanden die indischen Arbeiter ein Zuhause, waehrend die Eingeborene Orang Asli noch weiter tiefer ins Jungel ziehen mussten.

Boh ist der groesste Teegarten im cameron Highland. Ihr Teegarten ist so schoen kultiviert und verwaltet, so dass man mit Maschine die Tee muehlos pfluecken kann. Seine Kapazitaet ist beeindrueckend.

With a production capacity approaching 3000 kilogrammes per hectare, Boh produces 4,000,000 kilogrammes of tea a year, or approximately 5.5 million cups of tea per day! This constitutes around 70% of all tea produced in Malaysia and meets almost 50% of the consumption requirements of the country.

Ueberall im Higland kann man Teebags von Boh kaufen, genau so gut wie Lipton. Natuerlich produziert Boh auch so genannten Gartentee, dessen Qualitaet schwer mit Darjeeling oder Keemun vergleichbar sein kann – obwohl ich kein Fan von den beiden Tees bin. Ich fragte mich, warum baut man hier Teeplantage, um Teabags zu produzieren, statt Jungle und Orang Asli in Ruhe zu lassen? Nur damit Malaysia nationale Teeplantage hat?

Heute extiert hier nicht nur Teeplantage, sondern auch Beefarms, Orchideen-Farm, Gemuesefarms und Rose Vally! Es sind kein Englaender mehr, sondern andere Einwanderer Chinese und Inder. Die Orang Asli lebten ganz abseits von diesem Wirtschaftboom und Laufkundschaft aus ganzer Welt. 

Orang Asli hat versucht, den Anpassungsprozess zu verweigern. Sie tauchen noch weiter tiefer in die Jungel unter. Aber im Name der Zivilisation und Heimatsschutz wurden von staatlicher Gewalt gesucht und sie wurden indentifiziert und registriert. Ihre Kinder muessen in die Schule, sie bekommen Solarzellen, Troilette und neuen Dorfeingang. Touristen werden dorthin gefuehrt – wie wir. Wir wollen Malaysia authetisch erleben! Wir wollen alle die „Eingeborenen“ „erleben“, was vielleicht nicht mehr erlebt werden wird. Wir brachten Schoggikekse und Bonbons, weil unser Fuehrer uns so geraten hat. Als unser Jeep durchs Dorf abfuhr und zwei Junge (vielleicht nur 7 jaehrig) bei ihrem Flussbad durch Staub stoerte, schenkte mir ein Junge einen ungeduldigen Blick “ He, beeil‘ Euch… lass uns doch in Ruhe!“  

Lake House Eine beliebte Unterkunft von Hiighland. Britisch, persoenlich und elegant. Man vergiss, dass man in einem asiatischen Land zu gast ist und im 21th Jahrhundert lebt. Fuer Martin war es wie ein Gefaengnis, fuer mich war es ein Genuss.