Archiv der Kategorie: Formosa Tee 台灣茶

Bi Luochun 三峽碧羅春

Bi Luochun 三峽碧羅春

Sanxia, ein Ort in der Nähe von Teipei. Ein Ort, eines der ältesten Teeanbaugebeiten Taiwans. Zuerst wurde grüner Tee dort angebaut. Später wurde dort Assam angepflanzt, als die japanischen kolonialen Herrschaft, auf den Tee-Weltmarkt behaupten wollte. Die Herrschaft auf dieser Insel wechselte sich, aber Teebauer bleiben als Teebauer. Familie Huang war bereits Teebauer. Bis heute 5. Generation. Herr Huang lachte und sagte mir, „Weiss Du, mein Sohn und ich sind neben Tee aufgewachsen. Als ein sieben jähriger Knabe konnte ich und kann er beim Tee-Welken entscheiden, wann der Tee bereit ist. Unsere Nase kann nichts tauschen.“

Der Oolong Teebaum, der hier dominiert, ist Qingxin Ganzhong. Sein Tee ist lieblich, duftet allerdings nicht überzeugend als ein Oolong. Aber als ein Tee für Formosa Bi Luochun, der als Ersatz von chinesischen Bi Luochun für die vor Kommunisten geflohenen chinesischen Einwanderer, ist ausgezeichnet. Der chinesische Bi Luochun zeigt seine unverwechselbare weiße Tipps, während der Formosa Bi Luochun uns von seinem süssen und frischen Aroma überzeugt.
Wie jeder Teebauer auf Formosa seufzte auch Herr Huang 黃. Er war letztes Jahr der exzellente Teebauer in Sanxia, denn er den absoluten ersten Preis gewann, obwohl er mir nichts davon erzählte. Er ist nicht stolz auf seinen Können im Wettbewerb. „Ja, Wettbewerb… Wenn die Jury so kompetente wäre…“ In Sanxia herrschte ein Trend, chinesischen grünen Tee in die Formosa Bi Luochun zu mischen. Somit kann man den Produktionspreis reduzieren und mehr Geld verdienen. „Das kann man schon verstehen, wenn man als normale Teebauer mit Tricks arbeitet, um die Familie zu ernähren und paar Rappen mehr zu verdienen. Aber es geht dann zu weit, wenn die Jurys solche „Blend“ nicht Mal merken! Wie könnten Sie wirklich beurteilen, wer den besten Tee erzeugen kann?“ Trotzdem muss er an die Wettbewerb teilnehmen. Um hier zu überleben geht es nicht anders. Eine Art von Ohmacht und Wut zeigte er nur sehr dezent in seinem Gesicht. „Früher konnte der Jury Ran Yimin alles erkennen. Er erkennt sogar, dass manche Bi Luochun zu weit gewelkt wurde, so dass er fast wie Oolong schmeckte.“ Heute lebt er leider in China und Direktor von einem privaten Teemuseum geworden. Die jetzigen jungen Jurys können nicht einmal Formosa Bi Luochun von dem Blend mit China Tea verifizieren…
Trotzdem duftete der Bi Luochun und tanzte in unserer Tassen. Um besser zu überleben, produziert Herr Huang auch Mixian Hong Cha. Ein Schwarztee, der aus den von Insekten befallenen Teeblätter hergestellt wurde. Er duftet nach Honig und schmeckt rund im Mund. Man braucht sogar keinen Zucker für diesen Tee! Der Honig-Geschmack kommt noch besser zur Geltung, wenn der Tee kalt wird.

Gegen Abend verließ ich Sanxia. Herr Huang versprach mir, weiter an seine Tradition zu denken und sie zu bewahren. Schliesslich ist Tee nicht nur ein Lebensmittel oder ein Ware. Tee ist eine Kultur, die gepflegt und aufbewahrt werden muss, auch wenn sie keinen kommerziellen Wert besitzt…

Familie Huang

Frau Huang, Großmutter Huang und Herr Huang, drei Teebauer in einer Familie in Sanxia.

Erinnerung an meine Großmutter

In einem ersehnten regnerischen Tag saß ich allein vor verregnetem Garten. Nichts zu tun oder nichts tun zu wollen? Eine Tasse Paochung (Qing Cha – klarer Tee) aus Pinglin 2006 begleite mich in diesen ruhigen Stunden.

Leuchtende helle Farbe und leicht bitter aber süßer vollmundiger Geschmack. Ist das nicht ebenfalls wie das Leben, das bitter und süß parallel schmeckt? Ich erinnere mich plötzlich an meine Großmutter, die in ihrem Leben den Zugang zum Tee verpasste, das Süße des Lebens nicht genießen konnte und bitter starb.

 

Meine Großmutter war „verschenkt“ an die Familie meines Großvaters. Das war das gewöhnte Schicksal eines Mädchens einer kinderreichen Familie in Taiwan anfangs des 20. Jahrhunderts. Sie wurde zuerst an einem Wanderkoch (heute nennt man Cateringservice) als Tochter „verschenkt“. Sie lernte ihre Kochkunst von ihrem Stiefvater, der sie später an seiner Schwester gab. Das Mädchen hieß „Xing Xiang“ – klarer Duft und wusste ab dem ersten Tag, dass sie meinem Großvater gehörte.

Ich kannte meine Großmutter immer in einem launischen Gemüt. Ich sah, wie sie meine Mutter „mobbte“. Ich wusste, dass sie Angst hatte vor Hölle. Sie kochte sehr gut, aber altmodisch für meinen modernen Geschmack. Diese alte traditionelle Art des Kochens war mir zu wider. Wenn wir Feste oder Zeremonie hatten, kochte die Großmutter drei Tage lang und der Tisch war voll von essen, obwohl sie nie mit ass. Wenn wir Gäste hatten, brachte sie alles, was sie im Schrank und im Kühlschrank aufbewahrte. Sie war freundlich und herzlich zu anderen, während ich als ihr Enkelkind unter dem gleichen Dach nur ihre Seufz und Härte erlebte.

 

Sie kochte gut und wiederholte nie einen Geschmack in einem 20 gängigen Menü. Aber sie trank Tee nicht. Tee – ein Geschmack der Muße, der Ruhe und der Frieden. Sie war wie viele andere Menschen in Taiwan, die den Geschmack des Tee nie kannten, obwohl sie auf einer Tee-Insel lebten. Sie trank nur den „weißen“ Tee – das abgekochte Wasser – so bescheiden und bewusst, wie sie ihr Schicksal sah. Nach dem Bankrott meines in Depression gefallenen Opas, verkaufte sie rote Bohne Suppe (Azuki-Bohne) und Tee auf der Strasse, um ihre Kinder und Familie zu ernähern. Tee war ein Mittel, um den Bauch ihrer 11-Köpfigen Familie zu wärmen. Als sie später alt und hinfällig wurde, als sie nicht mehr von Teeausschank leben musste, bereite sie jeden Morgen ein riesiges Fass voller Tee – Paochung Tee, der damals ein Volkstee war. Mein Vater brachte das Fass an die Strasse, so dass jeder durstiger Passagier den Tee selbst bedienen und weiter auf seinen Weg gehen konnte… Der Paochung schmeckt erfrischend, klar und duftend – wie ihr Name. Ihr selbst, genügte der „weißen“ Tee.

Seit ich mich richtig erinnern kann, bereite meine Großmutter schon für ihren Tod vor. Sie kaufte seit Jahren verschiedene Unterwäche, Bluse und Schuhe und sagte meiner Mutter, die 30 Jahren mit ihr zusammenlebte, wie sie gerne angezogen wurde. Sie starb von Nierenversagen. Das Wasser kam nicht mehr aus ihrem Körper. Sie sah wirklich friedlich aus, selten so friedlich. Sie wünschte sich zur Beerdigung in einem weißen Seidebluse und gestrickten blauen Schuhen.

Bis jetzt kann ich den letzten Wünsch, den sie zu mir flüsterte, als sie bereits in Koma lag, nicht vergessen. „Lin“, lächelte sie mir sanft an – so selten sanftmütig, „ komm früher nach Hause“. (Ich war politisch aktiv und „spazierte“ gerne für politische Zwecke auf der Strasse. In dieser Zeit empfing mein Vater mich zu Hause immer mit dem Satz „ Welcom to Chou Hotel“.)

 

Nun bin ich wirklich weit weg von zu Hause. Ihr Wünsch bleibt immer schwieriger zu erfüllen. Nur der Paochung, den Schwester mir jedes Jahr zuschickt, erinnerte mich immer wieder an sie und ihren letzen Wünsch…

Formosa Bi Luo Chun 碧螺春 und das Dorf Sanxia 三峡

Das Scheitern der chinesischen Nationalisten gegen die Kommunisten in China verursachte 1949 eine große Fluchtwelle nach Taiwan. Diese Welle brachte nicht nur vielseitige chinesische Bevölkerungsgruppe nach Taiwan, sondern auch ihre Eß- und Trinkgewohnheiten. Viele diese Chinesen kannten die subtropische Insel Taiwan gar nicht, noch weniger den formosa Oolong… Sie hatten gerne ihren Tee – Lungjing und Bi Luochun, die eigentlich in Südchina angebaut werden.
Sanxia, ein Bergdorf im Hinterland Taipeis, war ein Dorf, wo Tee, Kampfer und Farbestoffe produziert. Vor 50 Jahren nahmen Teebauer den Auftrag der neuen regierenden Schicht an, ihren Grüntee auf dem Boden der Insel zu produzieren. Natürlich mit Oolongteebäumen.

Ende März, wenn das Wetter bewölkt, angenehm warm und frühlingshaft ist, wird die Teeblätter geerntet. Natürlich nur mit Hand gepflückt, gelesen und verarbeitet. Dieser Oolongbaum heisst: „Qingxin Gana 青心柑仔“, hat schöne weiße Behaarung. Gepflückt werden nur ein Tipp und ein Blatt. Da das Wetter noch nicht sehr warm ist, gibt es auch nicht viele Schädlinge.

Oolongsorte
Blätter vom Oolongteebaum können zu verschiedener Teesorten verarbeitet werden: Grüner Oolong, Grüntee und Oriental Beauty (von rechts nach links).

Dieser Lungjing und Bi Luochun schmecken fruchtiger, lieblicher und dezenter – anders als die chinesischen Originale. Der getrübte Geschmack tröstet jedoch die Einwanderer aus fernem China und hilft ihnen, ihren Fuß auf der Insel zu fassen. Die Einheimische – wie meine Familie, die vor Generationen von Anxi auf die Insel geflüchtet oder angesiedelt ist, halten sich fern von diesem fremden grasigen Geschmack.
Der Lungjing- und Bi Luochun Trinker verloren im Lauf der Zeit immer mehr politische Macht, nachdem sie Jahrelang die Insel regierten. Mit der Wahl der Präsidentschaft im Jahr 2000 beendeten Taiwanese die Fünfzigjahren alten Herrschaft der KMT Partei. Viele Menschen wandern aus, wohin? In die neue Welt – USA, Kanada und Australia! Wo die Gefahr der chinesischen Angriffe nicht erreicht! Lundjing und Bi Luochun aus Sanxia verlieren ebenfalls immer mehr Teeliebhaber in dieser Entwicklung.
Die hohen Kosten der Handpflückung und Verarbeitung machen das Leben dieses Tees noch schwerer. Der letzte Schlag dieses Tees wird wohl wieder aus China oder Vietnam kommen, wo die Arbeitskraft billig ist und Ware sich billig produzieren lassen. Teebauer Herr Huang sagte mir oft, dass sein Sohn vielleicht eine andere Lehre lernen sollte. Die Familietradition wird nun wohl bei ihm beendet. Fünf Generationen überleben verschiedene Kriege und Herrschaften, aber vielleicht nicht die Globalisierung…
Genieß diesen Formosa Bi Luochun, so lang er noch mit Hand und Handwerk produziert wird. Wer weiß, wie lange es noch dauert, bis er Museum reif wird….