Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Dongding Oolong 1977

In dem meisten Geschaeft wirbt der Kaeufer ihre potentiale Kundschaft und oft mit aggressiven Methoden. Im Tee scheint diese Beziehung nicht immer zu funktionieren. Als ich vergeblich auf den Da Hongpao wartete, bekam ich Angst, diesen Tee nicht mehr zu erhalten, weil irgendein Kaeufer den Tee vor mir wegschnappt. Er versicherte mir im Telefon, dass dieser Tee bereits versteckt wurde.

Als ich wieder in seine Tuer eintrat, wurde ich warm empfangen. Natuerlich wurde ich eingescannt und kommentiert, ob ich aelter oder dicker wurde. Gleichzeitig kam ein junger Mann in einem seidigen Anzug und es gab einen Lachanfall durch seine Erscheinung. Er kam ganz schnell in die inneren Raemen und zog seine glaenzende Krawatte aus. Er oeffenete einen Umschlag und zaehlte die frischen neuen Scheinen aus der Bank. Insgesamt 40000 Taiwan Dollars (ca. 1000 Euros) und gabe dem Lehrer Chen. Er lachte wie ein Kind. „Die erste Zahlung ist da und Du sagst mir, wann das Stop ist.“ Alle lachten und ich verstand nicht. „Kennst Du ML?“ “ Ja, klar. Zwei Male gesehen!“ Ja, das stimmt, aber nie im Seidenanzug. „Du hast richtig Glueck. Sie ist so selten hier.“sagte unser Lehrer. Ich fragte ihn direkt, was er mit dem Geld bezweckte. Ich roch etwas Gefaehrliches. „Weiss Du, das ist eine Salami-Taktik. Ich will den besten gelagerten Tee von unserem Meister abkaufen. Wenn ich das Geld auf einmal bringe und wenn er mir den Tee auf einmal geben muss, wuerde er es nie tun. Also ich bringe nun jedesmal 40000 Taiwan Dollars und irgendwann habe ich alles.“ Ich war erschrocken.

Ich war stutzig ueber seine Methode, aber konnte nichts dagegen kontern. Gleichzeitig spuerte ich mein Neid! Ich sagte mir, nicht in einen Potlatsch einzusteigen! Tee wurde ausgeschenkt, natuerlich eine Raritaet! Ein gelagerter Tie Guanyin, der auf Holzkohle geroestet wurde, der seine vergessliche Aroma in der Luft und im Tasse verstroemte. „Die meisten Menschen lieben den frischen gruenen Oolong, weil sie von dem Duft geblendet werden.“ sagte Chen zu ihm, in einer klaren und langsamen Stimme, “ das ist aber ein Spiegel unserer Gesellschaft. Tee spiegelt unserer Seele in dieser Zeit. Es wurde philosophisch. Er war eigentlich selten so. „Menschen haben keine Zeit, mit wichtigen Dinge des Lebens auseinanderzusetzen. Sie glauben mit Geld etwas erreichen zu koennen. Tee ist anders. Tee braucht Zeit.“ Er drehte zu mir, „viele Tees muessen langsam in der Ruhe genossen und verstanden werden.“ Der gelagerte Tie Guanyin ist so ein Tee, der in der Ruhe langsam und richtig genossen werden soll. Er sagte, wie in einem Dialog mit Tee.

Der Mann im Seidenanzug packte seinen Koffer aus und zeigte uns ein paar mit Computer geschriebenen Tabelle. Wow! Er habe fast alle Buecher gekaut und vergeglichen, wie sie ueber die Teeherstellung dokumentieren. ‚Es gibt so viele Wiedersprueche! Koenntest Du mir nicht korrigieren, wie es in der Tat sein sollte?“ fragte ein fleissiger Schueler, der seinen Lehrer mit guten Hausaufgabe beeindruecken wollte! Ich lachte, aber nicht zu laut. Der Lehrer sagte nichts. Er holte wieder einen Tee. Ein Phoenix 1995. „Ein Tee zum Nachdenken.“ meinte er. Ein schwer zu verstehender Tee, dessen Duft sehr dezent war, nur eine leise von pflaumigen und honigsuessen Note. Sehr leise, nachhaltig und jedoch praesent. „Die meisten Tees sind standarisiert. Auf dem Markt koennte man nur bestimmte standarisierten Richtungen und Gescnmaecke beobachten. Das breite Spektrum des Oolongs verschwinden.“ Er schaute zu diesem jungen Mann auf der steilen Karrierer-Leiter, „Wir wollen in wenigsten Zeit, etwas verstehen. Aber die Oberflaechlichkeit und das Highway des Lebens sind kein Schluessel, um Tee zu verstehen.

„Ich wollte die Essenz des Tees verstehen und nur das Wesentliche.“ sagte er zu mir, “ Du weiss ja, wie ein Fondmanager arbeitet. Wir suchen die wichtigen Literatur aus, analysieren sie und fassen sie zusammen. Die Informationen sind die Stutze unseren Berufs.“ “ Was ist mit Deiner Intuition?“ fragte ich ihn. Er war sprachlos, „was glaubst Du denn?“ Der Lehrer kam wieder zurueck, wieder mit einem raren Tee, „ein Tee, den ich eigentlich fuer mich geroestet habe.“ Der Duft stieg und die Tasse war in einem Smok. Die beiden Maenner sprachen weiter ueber die theoretischen Herstellungsprozesse und Probleme. Ich roch einen starken Holzkohle-Duft, kein Speck, kein Schwarzwaelderschinken, sondern Duft des Harzes. Nach diesen intensiven eindeutigen Momente folgte eine unverkennbaren kalten beruhigenden blumigen Duftnote. Langsam und langhaltig. Ich unterbrach ihre Disskussion, „Meinst Du,“ ich schaute meinen Lehrer hoffnungsvoll „das ist der Qrchideenduft von Qingxin oolong und gemischt mit Hochlandscharakter?“ „Ja! Du hast es.“ strahlten seine Augen. Sie sprachen weiter.

Der Mann im Seidenanzug musste wieder gehen, als sein Handy klingelte. Er sagte, dass er bald wieder kaeme. Wir lachten. Ich wollte unbedingt wissen, welchen Tee unbedingt abkaufen wollte. Es war ein Dongding Original 1977!

Sijichun 四季春, ein Beispiel

Der Tee, der meine Geschmacklosigkeit ein Ende setzte, war ausgerechnet der einfache Sijichun. Sijichun, ein gewöhnlicher einfacher Formosa Oolong, der wegen seinem Duft eine Popularität erreicht. Eigentlich ein Blendwerk, das Konsumenten mit Düfte betört, aber uninteressant bleibt. Wie kann man aus so einem Baum, dessen Natur ein Blendwerk ist, zu einem interessanten Tee verwandeln? Eine Schönheit allein reicht nicht, um eine Persönlichkeit zu sein. Ich trank den Tee, der seit einer Woche bei mir lag und auf Degustation wartet, um weiter verschickt zu werden. Der Duft ist typisch, aber dezent und langhaltig. Der Aufguss lieblich, zurückhaltend aber voll präsent. Kein Wunder, ein Tee von dem alten Chen aus Mingjian. Einfach und perfekt zugleich. Er sagte mir einmal, die Leute haben gerne den Sijichun. Er ist schön, aber zu zentriert auf das Äußere. Man muss ihn in der niedrigeren Temperatur länger und stärker fermentieren lassen, so dass der Duft im Hintergrund zurückgesetzt wird und der Geschmack reichlicher wird. Der gewöhnliche Sijichun auf dem Markt, ist kurzer fermentiert, um dem Marktgeschmack gerecht zu werden, während sein Geschmack zusammenziehend und grob bleibt – was man allerdings mit Gongfu Methode korrigieren könnte. Aber ein Teebauer, wie er, verweigert dem Trend zu folgen. Er hat ein einfaches Bild, ein unspektakuläres Ideal, wie er mit seiner Arbeit umgeht. Die Art, wie wir mit unserer Arbeit umgehen, ist oft die Art, wie wir mit uns selbst umgehen.

An jenem Frühlingsnachmittag in seinem Hof hockten wir zusammen unter einem Mandarinen-Baum. „Lin San“ er bevorzugte die altmodische japanische Anrede „ ich war noch nie im Ausland wie Du. Ich habe mein Leben dem Teegarten gewidmet. Du hast ein schönes Leben, während meins nur mit dem Teepflanzen und Erde zu tun hat.“ Er lächelte mit seinen goldenen Zähnen und leicht schüchtern vor einem Stadtmädchen. Ich weiß nicht, ob andere Leute sich auch von seinen einfach Sätze so berührend lassen. Ich weinte innerlich in diesem Moment. Natürlich habe ich eine andere Lebensführung und wäre nie glücklich nur in einem Teegarten zu leben. Ich hätte mein Leben „nie“ nur für eine Sache wie Tee verschwendet und geopfert. Seine Zweifellosigkeit, Insistieren und Naivität machten mir jedoch deutlich, was in unserer Welt immer mehr verloren geht.

Ich schickte den Tee gestern gleich in die Innerschweiz. Heute noch vor neun bekam ich einen guten Auftrag. Der Käufer versteht, was er bekommt, ohne ich etwas dazu sagen musste. Das ist das schönste Moment in Business. Der Käufer und der Verkäufer treffen sich zu einer Wahl, die für sich spricht, ohne Wörter. Dieses Vertrauen und der Vorgang sind unauffällig, sind allerdings konstruiert auf einer Basis von einem tiefen Urteilsvermögen und Vertrauen in das Handwerk. Das Handwerk, was der alte Mann in Südtaiwan insistiert und pflegt, geht über die kulturelle Grenze hinweg und wird wortlos von fremden Menschen bewundert, die ihre Arbeit ebenfalls als ein Kunstwerk insistieren und verklären. Ein guter Handwerker braucht gute Käufer, die ihn schätzen und vor dem marktwirtschaftlichen Untergang bewahrt. Und das hat mit dem sprachlichen und kulturellen Selbstständnis nichts zu tun.

Den besten Tee zu produzieren, braucht der Teebauer dreifache oder vierfache Mühe, die möglicherweise nur 5% Ergebnis befruchtet. Wie würde ein Teebauer seufzen, wenn seine Ernte zwangsläufig an einem regnerischen Tag geerntet wird und seine Mühe vergeblich bleibt? Und um diesen 5% Unterschied zu anerkennen und zu bewundern, braucht ein Teeliebhaber eine Reife und ein empfindsames Einfühlungsvermögen. Wer würde gegen Geld und den Markt arbeiten, wenn man nicht an einem Ideal beharrt? Die Kunst eines Handwerks ist hinfällig, vergänglich und zerbrechlich. Sie zu bewahren ist nur heute lediglich auf die Naivität, Kompromisslosigkeit oder Sturheit eines einfachen Teebauers zu stützen. Die Lage ist prikär.

Mingjian

Mingjian 名間, 400 M. ü. M. Foto aus http://nantou.mmmtravel.com.tw/i

Er zeigte mir auch den Baum, den er gerne nach seinem Tod noch begleiten würde. Ein Shuixian-Baum, den sein Bruder aus China schmuggelte. Seine Frau sagte mir, dass er in ersten zehn Jahre nur geweint hat, als er versuchte, den Shuixian zu produzieren. Er weinte und kippte alles weg. Sie sagte, er sei ein Egoist, weil sein Leben sich nur um Tee dreht. „Er geht mit Dir bestimmt auch so um wie mit Tee, oder?“ Er lächelte ruhig und schaute zu seiner Frau. Sie verstand zuerst nicht, was ich meinte. Ich verstand ihn sehr gut. Wenn man für die innere Stimme lebt, die in der Außenwelt immer mehr fremd wird, wird man automatisch schräg und einsam, sogar für manche aggressiv. Es ist ein Widerstand gegen das, was alles egal und gleichgültig macht.

Diesen Shuixian Dan Cong degustierte ich im Januar im Münchener Seminar, Jahrgang 2005. Der Tee hat viele Aufrufzeichen in Augen der Anwesenden ausgelöst. Das Mantra, was Alibaba einst zu der unerwarteten Schatzwelt sagte, „ Sesam öffnet Dich“ ist nichts anders als das Verständnis für das, was eine Tradition hinter einem Handwerk versteckt; was den alte Chen in Mingjian zu einem Egoist macht; und was uns ermöglicht, über die kulturellen Grenze hinweg den gemeinsamen Geschmack treffen zu können!

Gangkou Cha 港口茶 2002

Teebauer ZhuTeebauer Zhu in Manzhou

Der Meeroolong Gangkou Cha war eigentlich nicht so mein Geschmack, wenn Gerhard von ihm nicht immer schwärmt und kaufen wollte. Dieser Tee hat für mich etwas wie das Wilde, Unangepasst und Schwierige wie das, was man von Südländer auf Formosa denkt.

Ich bin im Süden aufgewachsen – auf dem Rücken meiner lieben Tante, während meine Mutter in der Schule andere Kinder erzog und der liebe Vater ständig auf Auslandsreise war. Meine Tante erzählte mir immer wieder, dass ich auf ihrem Rücken andere Kinder provozierte und sie sich ständig für meine Frechheit entschuldigen musste. Das Südtaiwan war und ist politisch und wirtschaftlich von der zentralen „chinesischen“ Regierung vernachlässigt. Das bracht Vor- und Nachteile. In diesem Milieu habe ich mitbekommen, was das Taiwanesisch heißt: ein bisschen verbrecherisch – das kommt von der Piraten-Zeit; ein bisschen unangepasst – die Unabhängigkeit bewusst; und richtig einfach unkompliziert. In Südtaiwan regiert noch das alte Taiwan, das selbstbewusst mit ihrer Vergangenheit umgehen kann und unangepasst gegenüber den arroganten gestylten Globalplayern in Taipei stehen kann.

Der Geschmack dieses Gangkou Cha ist für mich ein unangepasster Oolong, salzig, direkt und nachhaltig. Heute ist es schwierig geworden, wieder so einen schwierigen Oolong zu finden. Der häufig vorkommende Meeroolong ist wie alle andere Oolong geworden: duftend, fein und kurzlebig. Gerhard beschwerte sich bei mir über dieses Trend und ich beschwerte mich weiter bei Bäuerin Zhu. Sie sagte bedauernd und irgendwie machtlos zu mir, wie schwer es ist, als ein Teebauer in Taiwan zu überleben. Teetrinker in Taiwan haben eben gerne die moderne leichte, duftende Variante – anders als die japanischen Teeliebhaber, die diese Urtümlichkeit schätzen. Ich bat sie, mir in der Zukunft nur diesen altmodischen Gangkou Cha zu schicken, denn es in Europa auch paar sture Köpfe wie Gerhard Lange gibt, die diesen Tee in ihrer Einzigartigkeit schätzen.

Vor einer Woche schickte sie mir einen Gangkou Cha 2002. Überraschend öffnete ich die Tüte und goss ihn auf. Sein „Meer“-Duft war richtig präsent und ich konnte mich wieder an meine Kindheit erinnern – am Meer, unter den Palmen und auf den Korallen. Ich bin ein Kind des Formosas! Der Meerduft begleitet mit einer reifen pflaumen Nunace präsentiert mir einen wunderschönen authentischen gelagerten Meeroolong! Ich schicke ihn sofort nach Bern, erhielt allerdings sehr skeptische Meldungen: weshalb ist er so dunkel, weshalb ist er wirklich gelagert?

Er ist dunkel, weil dieser Oolong durch einen langen Röstungsprozess auf niedriger Temperatur erzeugt wird. Er ist wirklich gelagert, aber nicht sehr lang, weil sein Geschmack uns diese Information bestätigt! Wir könnten nicht über das Paradies sprechen, wenn wir das Paradies nicht erleben! Was könnte ich beitragen, diesen Prozess der Kommunikation und Austausch des Tees zu beschleunigen? Gerhard konnte ich überzeugen, diesen Gangkou Cha 2002 zu würdigen. Aber es ist noch ein langer Weg vor mir, das Wissen verständlicher und zugänglicher zu machen!

Die Geschmäcke salzig, süss und sauer

wie der Geschmack von Heimweh

Tränen sind salzig

Erinnerungen werden süss

Sauer wird der Magen…

山井1号 Goldener Drachen Meishan Oolong

Du sihst / wohin du sihst, nur eitelkeit auff erden.
Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein,
Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden

(…)

Andreas Gryphius

Es regnet leise und kontinuiertlich. Ich kam gerade von Besuch meines Lehrers zurück. Er leidet unter der Nebenwirkung der Chemotherapie, depressiv und quavoll. Nachts muss er in seiner bescheidenen Wohnung hin und her laufen, weil eine Nervösität ihn nicht loslässt.

Früher war er stark, schön und klar. Jedesmal fühle ich mich klar nach einem Gespräch mit ihm. Mir hat er ein Fenster geöffnet – zum Kosmos und zum Leben. Diese Klarheit stärkt mir und ermutigt mich auf meinen eigenen Weg zu gehen. Nun ist er hinfällig und schwach. Ach, Vanitas!  Ja, ich bin durch seine Krankheit mit der Brutalität des Lebens konfrontiert: auch ein Meister kann schwach und hinfällig sein. Desillusioniert dachte ich, der wahre Buddhismus fängt erst an, wenn der Mensch mit seiner Vergänglichkeit konfrontiert ist. Das Schatten des Lebens und der Abgrund des Menschen prüfen uns, ob und wie viel wir tatsächlich loslassen könnten!

Bedrückt und geistig abwesend kam ich nach Hause. Allein sass ich hoffnungslos am Tisch. Die Dunkelheit umhüllte mich und auch ich kenne meinen Abgrund. Intuitiv greifte ich den Wasserkocher. Was mache ich nachdem, wenn das Wasser kocht? Intuitiv greifte ich den Goldenes Drachen – eine neue Errungenschaft meiner Heimreise. Eine Experiment eines Teebauers in Meishan, der Jinxuan und Qingxin Oolongbaum kreuzte.

Mein Teelehrer Chen sagte mir, dass dieser Tee zufällig an einem goldenen Tag gepflückt und hergestellt wurde. Es war sonnig und Teeblätter waren reif. Guijing – der Teebauer (Brunnengeist heisst er) hatte Zeit. Er folgte der Anweisung einer traditionellen Oolong-Herstellung. Dann ist der Goldenes Drachen entstanden. Natürlich ohne die erfolgreiche Röstung eines „Önologe“ Chen wäre dieser Tee nicht perfekt.

Ich nahm die Teekanne von Stefan, den ich seit fast zwei Jahren nicht mehr traf. Er ist wohl noch wütend auf meine unanständige Art des Abschieds. In der Kanne bedecke ich leicht mit Teeblätter und giesse mit fast kochenem Wasser auf. Nach 80 Sekunde giesse ich den Tee ab. Ach! Was für einen herrlichen sonnigen Tee? Mein Geist wurde wach und mein Gemüt wurde heller! Der Duft gemischt von Orchiden, süssen Zitrus und leichte Milch-Note. Aufguss geschmeidig, elegant und aromatisch. Das Beste, was ich für mich tun könnte!

Im leise rieselnden Schnee

In so einem grauen Tag, in dem leise rieselnden Schnee weiss ich nicht mehr von der Tageszeit und Tagesgefühl. In so einem kalten Land, am so einem lauten Fenster fühle ich mich besonders wie eine Spinne, die aus dem Netz runter gefallen ist.

Heute oder morgen. Hier oder Dort. Muss oder Musse.

In so einer Stimmung gefallt mir insbesonders Wörter von Teefreunde, die mir von ihrem Teereise erzählen.

Dein Paket habe ich erhalten. Das Kannenset ist wunderbar. Es gefällt mir in seiner Schlichtheit und auch die Farbe ist schön zurückhaltend. Die Tees sind unglaublich – so weit ich das im momentanen Zustand beurteilen kann. Ich entdecke mehr und mehr, dass einer der schönsten Momente für mich der Duft der warmen Blätter vor dem Aufguss ist. Hier ist so unglaublich viel zu entdecken und es ergeht einem wie dem Protagonisten von Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“, der bei dem Geruch von Madeleines schlagartig in seine Vergangenheit versetzt wird. In dem Geruch von Deinem Dongding verbirgt sich für meine Nase ein bestimmender Hauch von Bienenwachs – wie überraschend als ich las, dass Du diesen Oolong geschmacklich mit Honig vergleichst. Der Buddha Hand hatte für mich einen sehr vertrauten Geruch. Er hat mich schlagartig an meine Kindheit erinnert – ich bin aber noch nicht sicher, was sich genau dahinter verbirgt und möchte ihn vor einer Beschreibung noch öfter probieren. Was mich überrascht hat, waren die riesigen Blätter der Infusion – sehr schön.
Im Gegensatz dazu der Junshan Maojian mit seinen perfekten Blättern von wunderbarer Farbe und Verarbeitung. 

Was erwartet man vom Leben?

Was heißt heute?

Was heißt morgen?

Ich meine, das muss man verwischen.

Was heißt Sehnsucht, was heißt Sorgen?

Das Leben liegt gerade dazwischen.              ——————Rainer Maria Rilke

rauho

Jeden Tag lief ich an diese Strasse vorbei. Jeden Abend sah ich Menschen tranken, assen und feilschten.

In dieser Nacht werde ich davon träumen, von den Gerüchen dieser Strasse erweckt zu werden.

Schneeflocken Sijichun 2005 雪片四季春

Ein Schneeflocken Oolong kann auch nur entstanden wie der Dongpian. Wenn der Winter warm genug ist, wenn die Sonne tagsüber scheint und es ist in der Nacht eiskalt! Wenn es Frost kommt in der Nacht, wird die Teepflanzen leicht gefroren. Die Teeblätter sind zwar nicht richtig geschädigt, aber werden härter – es erschwert die Teeproduktion. Man könnte es vielleicht mit dem Eiswein-Produktion vergleichen.

In den meisten Jahren gibt es keinen Schneeflocken Oolong. Meistens werden diese harten Blätter nicht gepflückt. Meistens missgelingt die Produktion wegen der kalten Nächten.

Ein Schneeflocken Oolong ist eine richtige Rarität! 

Im Jahr 2005 hatten wir das Glück, so einen Oolong zu haben. 2006 entdeckte ich erst diese Tüte bei meinem Lehrer, die er hinter viele andere Tees versteckte. Nun ist diese Ernte 2005 fast verkauft. Wir könnten es heimlich beten, dass der Winter 2007 wieder so kalt wird wie 2005 und wir hätte mehr Chance so einen kostbaren Oolong zu kaufen!

Der Schneeflocken Sijichun, lieber Roger, hättest Du unbedingt probieren sollen! Die Düfte von Sijichun empfinde ich eigentlich zu vulgär. Aber Schneeflocken Sijichun, Mmmmm, schön, herrlich nach wilden Ingwer Blume (Yejiang Hua, diese Blume heisst in Taiwan wilde Ingwer Blume, die eigentlich mit Ingwer nichts zu tun hat), lieblich, elegant und erhebend…  

Sijichun

Überall erhältlicher Sijichun vor der Röstung

Sijichunpflanzen

Sijichung Teebaum

Dongpian 冬片 Huang Ji Gui 黄金桂

Roger wollte mehr von Schneeflocken Oolong erfahren. Am jenen Samstag haben wir zusammen einen schönen Oolong getrunken, den ich als Schneeflocken bezeichnete. Aber mein Gedächtnis war falsch. Es war eigentlich kein Schneeflocken, sondern ein Dongpian – Winterblatt, der Tee nach dem Winterernte.

Der Winterblatt Dongpian und Schneeflocken Oolong haben eine Affinität: die beiden entstehen nur unter einer bestimmten klimatischen Bedingung: der Winter ist warm genug. Am Tag scheint die Sonne und es ist in der Nacht kalt. Unter dieser Bedingung schläft die Teepflanzen nicht (bei Sijichun Evergreen so wie so nicht), sie wachsen und geniessen die winterliche milde Sonne! Diese spezielle Ernte hat eine besondere Aroma wegen der nächstlichen Kälte. Er schmeckt im Vergleich mit anderen Ernte kühler, eleganter und lieblicher. Eine interessante Naturerscheinung. Dongpian wird nicht häufig angeboten. Teebauer wollte auch Winterruhe haben und pflückt ungerne diese spezielle Ernte. Ein anderer Grund einen guten Dongpian zu erhalten liegt auch an der klimatischen Bedingung: die Kälte ist interessant für einen ausergewöhnlichen Tee, aber sehr schwer, einen aussergewöhnlichen guten Tee zu produzieren. Es ist zu kalt, um eine ideale Fermentation zu ermöglichen. Meiste Dongpian sind nicht genügend fermentiert und schmeckt häufig grasig und zusammenziehend. Um einen lieblichen eleganten Dongpian zu erhalten ist ein Glück, wenn ein fleissiger und erfahrener Teebauer hinter diesem Tee steht!

Huang Ji Gui

Huang Jin Gui

Der Dongpian, den wir zusammentrank, war eine seltene Rarität: ein Huang Jin Gui Dongpian. Dieser Dongpian hat eine typische milchige blumige Note von Huang Jin Gui, aber eine Spur heller, eleganter und kühler!

Die Erntezeit von Dongpian: Lidong 7/8. 11 bis Dongzhi 22/23. 12. Die beste Qualität von Dongpian ist erst bei Xiaoxue (chinesische klimatische Bezeichnung) gegen 22. 11.

紅玉台茶18號 Formosa Black Tee Hongyu!

Seit Urzeit leben wilde Teebäume auf Formosa. Seit Holländer diese Insel besitzt, wussten sie diese Bäume zu nützen. Es wurde erzählt, dass Ureinwohner von Holländer und Chinese beauftragt wurde, die wilden Bäume auf Formosa zu pflücken und Tee herzustellen. Es wurde ebenfalls erzählt, dass dieser Formosa wilde Tee nach Europa ankam.

Als Japaner diese Insel besass, wussten sie ebenfalls den Tee in Formosa zu schätzen. Sie lassen den Tee allerdings zum Schwarztee zu produzieren, so dass Formosa nie ein richtiger Konkurrent werden konnte. Formosa Black Tea wurde von Japaner in die ganze Welt vertrieben und genoss den Weltruhm.

Heute forschten taiwanesische Tee-Forscher auf der Insel und probieren ihre Experimente, um der Entwicklung des Formosa Teas beizutragen. Einen richtig guten Schwarztee auf der Formosa zu bringen ist es sehr schwer. Erstens trinken die Inselbewohner den Tee nicht gern, sie bevorzugen Oolong. Zweitens der Formosa Tee ist zu teuer, um Konkurrenten von Indien, China oder Ceylon zu sein. Drittens mit der Schwartee-Forschung hatten sie vorher noch selten Erfolg.

Aber nun, mit dem Hongyu – rotes Jade, ist ein Star aufgegangen! Eine Kreuzung von dem wilden Formosa Teebaum und burmanesischen Bergteebaum. Elegant, fruchtig und voll. Mit dem leichte Pfefferminz und Zimt-Duft bezaubert uns dieser wunderschöne Insel-Neuling.

Hier in Europa zu vertreiben ist es eine schwierige Sache. Wer bezahlt denn 40 Sfr. bzw. 24 Euros für 100g Schwarztee aus Formosa?

Für die europäischen Teelibehaber habe ich nur ganz kleine Menge zu verfügen. Man kann sich bei mir wenden, wenn man unbedingt den Schatz probieren möchte.

Hongyu – die so gennante Formosa Tee No. 18 wächst in Yuchi am Sonne-Mond-See im Zentral Formosa. Ein Schatz von der Sonne und dem Mond. Eine Erinnerung von der Formosa kolonialen Geschichte.

Gankou Cha

Gankou Cha

Ich kenne Meeroolong, der in Manzhou wächst und eine Ausnahme und zugleich ein Augenzeuge der taiwanesischen Teegeschichte.

Er ist ein Ausnahme, weil er nicht aus manipulierten Teesetzlingen hergestellt werden, sondern aus dem einzelnen Unikat - jeder Teebaum ist anders als der andere. Trotzdem ist seine Qualität ziemlich gleichgeblieben – die Kunst des Teebauers.

Er ist ein Augenzeuge der taiwanesischen Teegeschichte, weil er ursprünglich von dem chinesischen Beamte mitgebracht wurde, aber auf Formosa Wurzel eingeschlagen hat. Der chinesische Beamte, der diesen Tee in seiner Amtszeit auf der barbarischen Insel nicht entbehren konnte, kam wieder nach China zurück, aber der Tee und der Teepflanzer sind hier in Taiwan geblieben. Dieser Tee aus Manzhou am Gankou Fluss überlebt verschiedene Dynastie und Massaker, ist in seiner Einzigartigkeit geblieben. Obwohl Formosa Oolong immer grüner wird und weniger als braunes Drachen lebt, ist er mit seinem unverwechselbaren „Meer“-Geschmack ein Unikat!

Ich dachte, dass dieser Tee in dem Zeitwandel stehengeblieben ist. Diese Illusion wurde gebrochen, als mein Lehrer mir dieser „echten“ Meeroolong zeigte. Er kennt natürlich den Teebauer Zhu so gut, dass er das Originale bekommen konnte. Dieser Meeroolong ist gar kein OOlong, sondern ein grüner Tee wie in Südchina. Er schimmert ganz weiss – ein langer und langsamer Röstungsprozess verleiht dem Tee den weissen Mantel. Er ist bitter und das typische Meergeschmack war fast nicht zu erkennen!

Wie kann das sein! Das ist der Originale? Was ist der, den ich kaufte? Ein angepasster Meeroolong, der heutige Insel-Konsumenten ansprechen sollte!

Tee verändert sich, wenn der Geschmack der Menschen sich verändern. Eine logische Sache. Nur der Dumme - wie ich, traurt nach meiner Enttäuschung. Das Orginale ist nicht immer der bessere…

Wuyi Oolong 武夷烏龍

Wuyi Oolong in Formosa ist eine bestimmte Oolongsorte gemeint. Ich bin sicher, dass dieser Teebaum ursprünglich auch aus Wuyi-Gebirge in Fujian stammte und sehr früher schon nach Taiwan eingeführt wurde. Es wurde erzählte, dass dieser Baum als „der weisse Blatt-Baum“ von den früheren Einsiedler im Norden Taiwans bezeichnet wurde.

Heute findet man in Wuyi-Gerbirge allerdings nirgendwo diese sepzielle Sorte!

Wuyi Oolong wird normalerweise schwer verwelkt, schwer fermentiert und stark geröstet. Dieser Tee gewinnt in diesem Verfahren starke Aroma und Süsse, der spezielle Geschmack dieses Baums – was man in Taiwan oft als dominant und nicht besonders elegant empfindet, könnte korigiert werden. Oft werden sie wie Paochung hergestellt oder einfach als Paochung verkauft. In Muzha wird er zu Tie Guanyin verarbeitet und als Tie Guanyin verkauft.

Aber der Wuyi Oolong aus Nantou ist überrascht frisch, elegant und aromatisch. Nur eine Spur von „Heu“ erinnert mich noch an den Wuyi. Eine Überraschung, die der Teebauer Chen in Südtaiwan uns beschenkt, zeigt uns, was dieser Oolong auch sein kann und erfahrende Teeliebhaber aus dem Konzept bringen könnte!