Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

De Ja-vu und Gangkou Cha

Mein Großvater machte in seinem Leben mit 48 einen Strich. Nachdem seine Vertraute das Vermögen veruntreute, zog er zurück und lebt in nächsten vierzig Jahren in einem Turm. Manchmal ging er aus diesem Turm und fragte die Kinder, ob wir große Schiffe anschauen wollten. Schiffe anschauen! Das bedeutete für uns eine Reise zum Fenster der Welt! Auf einer Insel waren wir ausgeschlossen in der internationalen Politik, abgegrenzt in unserem Bewusstsein und auch verschlossen in unserem Leben. – auf einer Insel eben. Wir gingen zum Meer, eine weite Reise für Kinder. Wir gingen zum Hafen und bewunderten die großen Schiffe, die andere anerkannte Welt erreichten und unseren Traum mitnahmen. Anschließend gingen wir auf eine kleine Insel – St. Salvador. Auf St. Salvador gab es eine spanische Burg namens St. Salvador und war das Augenzeug der Formosa Kolonialgeschichte. Die Burg wurde in einem Krieg zwischen Spanien und Holländer zerstört und die kleine Insel blieb und ist heute eine Insel der Frieden – auf Chinesisch.

Inselbewohner wie wir, waren Nachkommen von Piraten, Sträflinge oder Ureinwohner. Auch wenn in meinem Familiebuch stand, dass wir aus Anxi – Heimat des Tie Guanyin kamen, bin ich überzeugt, dass meine Vorfahren Piraten waren. Eine Insel hat immer einen Anfang und ein Ende. Eine Insel hat immer Ränder und Grenze – anders als Festland. Sie ist offen und zugleich isoliert in einem Ozean. Sie hat Zugang zur Welt, jedoch einsam in einem blauen Teppich, ausgegrenzt von allen Geschehen. Die Menschen auf eine Insel müssen miteinander zu Recht kommen, weil sie nicht aneinander vorbei kommen könnten. Die Menschen auf eine Insel sind stets mit Eindringlinge zu rechnen, die aus einem etablierten Welt ausbrechen wollen und das Ausgeschlossen auf einer Insel als Chance betrachten. Es ist eng, gewaltig und ereignisreich.  Eine Insel ist zugleich ein Vermittler zwischen zwei Ozeans oder zwei Kulturen oder zwischen zwei Menschen. Kein Wunder, dass Japaner im 17. Jh. Für die fremden Eindringlinge aus Europa De-Shima (Insel) baute und die einzigen zugelassenen Japaner außer Händler auf die Insel waren Kurtisane. Kein Wunder, dass man gerne auf Honeymoon auf eine Insel geht. Kein Wunder, dass die Insel Formosa stets der Vermittler zwischen Japan und China war.

Für jemanden aus Prag war die Honeymoon Insel Hawaii – das erzählte mir heute J. Voll begeistert schwärmte er mir von dieser Insel voller Gegensätze und Vulkan. Seine Erzählung riss mich aus dem Gegenwart ab und die Welle des Ozean schwamm vor meinen Augen. Eine Insel im Südsee… Dann erzählte er mir weiter von seiner Insel-Touren: Indonesische Inseln, Bali und Hongkong. Ich liebe Insel, weil ich selbst aus einer Insel komme. Ich liebe Hongkong, Okinawa, Penang, England und Puhket. Nun lebe ich auf einer Insel Europas – die Schweiz, das Traumland von Insel Formosa! Was sollte ich ihm denn von den Sehnsüchten und Lebensgefühl auf eine von der Welt ausgeschlossenen Insel erzählen? Ich kochte Wasser und bereite einen neuen angekommenen Gangkou Cha 2008 (Meeroolong auf südlichsten Rand des Formosas!) zu. Ich fragte ihn, ob er den Meeresrausch hörte und die Korallen sah. Auf die südlichsten Rand des Formosa schien so oft Sonne, ein Taucherparadies, Palementrände und unzähligen Korallen Kliff. Es schien alles paradiesisch bis die Regierung vor 20 Jahren dort ein Atomkraftwerk baute. Warum wurden überall am schönsten Strände auf Formosa nur Atomkraftwerke gebaut? Manche von uns waren wütend und zugleich eingeschüchtert sprachlos, manche von uns wanderten aus und ich bin hier gelandet. Machtlos schauten wir zu, wie die Insel Formosa Stück für Stück verraten wurde. Eigentlich schmeckte dieser Tee für mich wie die Tränen. Der Gangkou Cha ist immer noch derselbe geblieben und die Familie lebt an dem gleichen Ort seit Hundertenjahren. Aber die Insel ist bereits nicht mehr dieselbe.
Leicht salzig und der Geschmack voller Korallen. Wenn die feuchte Luft aus Philippins kommt, gewinnt der Baum ein jodhaltiges Aroma. Die Frühlingsernte ist von dieser Note nicht ausgeprägt, aber umso mehr von dem schwierigen zugänglichen Korallen-Kliff. Er fragte mich ob ich Britannien kenne? Ich schüttelte meinen Kopf. Er erkannt in diesem Tee das Gefühl von De ja- vu. Viel Felsen, das gewaltige Atlantik und die ab und zu scheinende Sonne! Das Gefühl von De ja-vu… ich verstehe, warum Insel so bedeutend sein könnte. Eine Insel ist wie ein Fremdkörper für das Festland und ein Fremder ein Eindringling in einer etablierten Welt. Wenn das Festland in Chaos stürzt, ist die Sehnsucht nach einer Insel der Traum des neuen Lebens. Wenn eine etablierte Welt auseinander fällt, betrachtet man plötzlich den Fremde nebenan als Möglichkeit der Erneurung. Für Menschen aus zwei verschiedenen Welten konnten sich wohl nur auf eine Insel begegnen, temporär und vergänglich wie auf die kleiner japanischer Insel Deshima.

Ich hatte immer Mühe mit Festland, denn mein Lebensgefühl mit Insel verbunden ist. Darum muss ich wohl immer am Wasser leben, am Bodensee oder am Zürichsee. Auf einer Insel wie die Schweiz sollte ich mich doch wie zu Hause fühlen können!

Der Gangkou Cha trieb uns von Pazifik zurück zur Berginsel-Schweiz. Die Sonne schien in Zürich und auch im Meeroolong schien die unverwechselbare Sonne aus Formosa.

Kann ein befallener Oolong gut sein?

Hallo, Menglin,

….

In der Regel trinke ich jedoch grünen Tee. Für die meisten Oolongs
und roten Tees habe ich nicht den passenden Mund, wie’s ausschaut.
Schöne grüne Tees in China zu finden, ist jedoch auch eine
schwierige Aufgabe, ich würde mich freuen, wenn sie davon mehr
anbieten würden.

In einigen Ihrer Beschreibungen von Oolong Tee sprechen Sie positiv
von „Insektenbefall“. Mich für klingt das auf den ersten Blick
ersteinmal gar nicht gut. Was hat es damit auf sich?

vielen Dank

Tom

Ein neuer Teefreund aus Norden fragte nach dem „Bild“ des von Insekten befallenen Tees. Dass man zuerst eine seltsame Vorstellung von einem befallenen Tee hat, ist nur verständlich. Vielleicht liegt tatsächlich eine Welt zwischen Orient und Okzident.
Normalerweise werden die Teeblätter regelrecht von Insekten heimgesucht, wenn das Milieu neutral und relativ natürlich „gepflegt“ wird. Die so genannte Schädlingsbekämpfung  kann die Teepflanzen nicht vollständig vor den intelligenten und lebenshungrigen Insekten abschirmen. Was passiert dann, wenn die Blätter „abgebissen“ werden? Meistens werden sie aussortiert – als Fehler. Oft wird die Ernte verzichtet, wenn die Ernte zu stark „beschädigt“ wird.
Warum? Denn solche geschädigte Blätter sind anders zu behandeln als das „normale“ Pflückgut. Sie brauchen einen erfahrenen Umgang des Teebauers, der Vertrauen in Ihr Handwerk haben, je nach der Schädigung unterschiedlich die Blätter zu verarbeiten. Denn sie sind gelblicher, trockener, zerbrechlicher, aber enthalten ein außergewöhnliches Aroma! Das ähnliche gilt auch für die Zwischenernte zwischen Winterernte und Frühlingsernte – die so genannte Dongpian (Winterblatt) im Dezember und Januar. Das Wetter ist nicht geeignet für die Herstellung des Oolongs, aber dieses Pflückgut unter dieser besonderen klimatischen Bedingung könnte Teeliebhaber ein außergewöhnliches Erlebnis schenken. Das Erleben des zarten feinen Aromas hängt allerdings vom Handwerk des Teemakers ab. Solche Vorrausetzungen machen eine Rarität aus: klimatische Bedingung, natürliche Gegebenheit und Handwerk eines Teemakers.

Manche Teemaker betrachten solche „Biss“ als Horror und Mangel. Manche jagen gierig danach. Mein Teelehrer und ich gehören zu dem Jäger, der gerne „kuriosen“ Exemplare sammeln. Hindernisse und Schwierigkeiten machen „Spaß“ in einer Sache aus, nicht ein „glatter Ablauf“. Wenn mein Lehrer mich wieder anruft, erzählt, was er wieder findet und wie er diese Dinge fand, fühle ich mich jedes Mal beteiligt – an seiner Jagd. Im Frühling sprachen wir von Suche nach „Qilan“ – ein selten gewordener Oolong. Vor drei Wochen rief er mich an und sagte, „He, ich habe ihn in einem Garten gefunden, nur 6 Kg!“ Oder warnte er mir vor einem Kauf von Phönix Dancong, den ich so sehnsüchtig suchte.
Tee suchen ist nicht gleich wie Kleider kaufen. Es ist oft schwieriger als die Partner-Suche…

Ich bin leider kein Chemiker und kann den Leser nicht aufklären, was für einen chemischen Prozess hinter diesen „Biss“ und „Fermentation“ stattfindet. Es ist jedenfalls ein unvergesslicher Genuss, wenn ich solchen „Makelhaften“ Oolong trinke. Ein Makel ist nicht einfach ein Makel, sondern ein Charakter, der ein “Erdgeschoß“ zu einem Märchenschloss“ verwandelt. Für manche ist es ein Makel, für manche ein Traum. Jeder bekommt das, was er mit seinem Suche-Einsatz „verdient“.
Für mich ist ein Oolong mit solchen Makel ein Traum – ich bin „leider“ kein Maßstab. Für Sie, lieber Tom, probiere es doch einmal aus, ob solcher Oolong ein Erlebnis sein könnte, ohne einen tatsächlichen Versuch bleibt es für immer ein Rätsel auf Chinesisch. Auch der erste Eindruck und das erste Erlebnis sind nicht entscheidend, sondern ihre Mut und Abenteuergeist machen tatsächlich bei der Auseinandersetzung mit dem Tee aus.

Ich wünsche allen viel Freude, viel Spaß und viel Mut!

Lishan 2007 梨山碳培 – Duft der Holzkohle

Stephan rief mich morgens an und fragte, ob ich mich gerade von Pfingsten erholen musste. Erholen von Feiertagen? Nein, ich arbeitete über die Feiertage. Freizeit? Ich habe keine Freizeit. Ich mache das gerne, was ich mache. Eigentlich habe ich nur Freizeit.

Das Leben meines Lehrers in Taipei bestehe nur aus Freizeit, behauptete seine Frau auf der gemeinsamen Reise nach Mingjian. Ich war nicht sicher, ob sie sich über ihn beklagte.

Auf der Reise hatten wir einen wunderschönen Tee, der mir unbekannt war und deswegen noch spannender schmeckte. Sein Name wurde nicht verraten. Ich weiß immer mehr, dass es viele versteckte Geheimnisse des Tees in diesem Menschen gibt. Er erzählte es nicht und ich musste es auch nicht ansprechen. Ich sagte ihn, „Oh, ich schmeckte Honig, Blumenwiese und Hochlandsluft! Aber die Holznote ist so dominant, war es ein Fehler!“ „Nein, nein. Das ist Holzkohle-Geschmack!“ er schmunzelte. „Eigentlich ist er mein privater Tee! Unverkäuflich!“ Selten findet man solch Material aus Lishan – Qingxin Oolong von Insekten befallen! Das ganze wurde noch an einem sonnigen Tag gepfückt und verarbeitet! „Solche Dinge darf man im Leben nicht verpassen.“ sagte er am Steuer, „Irgendwann muss Du so weit sein, wenn Du einen Tee trifft, weiss Du, was aus ihm werden kann. Dann behandelst Du ihn entsprechend.“ Er behandelt ihn entsprechend dirket über glühende Holzkohle über 120 Grade! Er bat mir, ihn aufzubewahren, seine Reife zu erleben.

„Mein Mann hat nur Freizeit,“ erzählte seine Frau mir, „er ist ansonsten so lahm. Nur wenn er mit Tee und Photographieren zu tun hat, ist er wieder ein Mensch.“ Er brauche keine Freizeit, weil er immer frei sei. Sein Ruhm und Bekanntheit bringe ihr nichts, weil er diese Welt spielend durchquere. Sie verdient ihr Geld, zog den Sohn auf und sah zu, wie er in der Teewelt sich frei spielend bewegt, wie ein Narr.

Ich hörte plötzlich den Ryokan (ein japanischer Dichter) leise singend:

„Spielend, ja spielend,

Durchquere ich diese fließende Welt…

Ist es da nicht gut, die bösen Träume anderer Menschen zu zerstreuen?“

Er und ich hörten ihr zu und schwiegen. Den Tee wurde immer wieder serviert – von ihr. Sie interessiert sich nicht für die Namen des Tees, nur für diesen Tee, den er für sie macht. „Einen guten Tee.“ sagte sie. Süss wie honig, elegant wie die Höhe des Berges und holzig wie der Duft des feuchten Tannenwalds. Diese Kombination ist einzigartig. Ich hätte nie gedacht, so etwas zu begegnen.

Als ich zum ersten Mal seine Frau sah, konnte ich nicht fassen, wieso eine so schöne Stadtdame mit einem „Bauersohn“ verheiratet sein kann! Diese Kombination war mir geheimnisvoll. „Er dachte, dass ich in ihn verliebt sei, weil ich ihm gegenüber immer sehr freundlich war – dabei war es meine Erziehung.“ Als sie zum ersten Mal mit seiner Schwester Mingjian besuchte, war sie verliebt in diesem Ort, sagte sie. Er war ein guter Fremdenführer. „Ich sehe ihn so gerne hier. In Taipei bleibt er wegen mir und unserem Kind. Aber er ist hier sich selbst.“ Sie lächelte wieder und zeigte mir das alte Haus, wo sie ihre Hochzeit verbrachten. Ein typisches Formosa-Haus, wie das von meiner Großmutter auf dem Pamelo-Garten aus roten Backstein und roten Ziegel. Die Sonne schien.

Das alte Haus in Mingjian

Während wir in Mingjian unterwegs waren und beschäftigt hin und her rannten, sass sie geduldig im Wohnzimmer von Aming und wartete. „Langweilst Du Dich nicht?“ fragte ich mit einem schlechten Gewissen. „Nein, ich bin glücklich.“ das erzählte eine wartende Frau? Sie wartete, weil er das tat, was er gerne machte. Sie strahlte Ruhe und Zufriedenheit aus bei einem Tassen von Insekten befallenden Lishan 2007, der auf Holzkohle behandelt war. Ein Tee, eigentlich schwer zu verstehen ist. Süss, elegant aber holzig. Nach Karamel, nach Blüte, nach Kardamon und nach Waldholderbeeren (die leichte anfängliche Duftnote von Waldholder) oder nach Muskat. Zugänglich und abweisend zugleich. Wer will schon so eine komische Kombination probieren, wenn man einen richtigen Hochlandsoolong Lishan hat? Ich verstand ihn nicht wirklich, wollte unbedingt welchen mitnehmen. Weil ich dachte, dass ich auf ihn warten kann und ihn auch verstehen könnte. Vielleicht erst in paar Jahren.

Als Jörg aus Frankfurt kam, als Jürg und Carola zum Essen waren, als Romeo vor seiner Abreise mich besuchte, waren sie alle entzückt von dieser Kombination. Eigentlich habe ich nur für mich gekauft um auf ihn zu warten und für die Besucher aus der Ferne aufgegossen ohne ein Gedanke zu haben. Sie wollten unbedingt ein bisschen von ihm. Ein bisschen von meinem seltsamen Lehrer, der spielend in dieser Welt mit Tee durchquert. Oder ein bisschen von dieser liebvolle sonderbaren Kombination…

Nachtrag: dieser Tee hat vier „Extreme (Raritäten)“: die höchte Lage des Teeanbaus auf Formosa – 2600 M.ü.M.; von Fruchtfliege befallenen Blätter, die sonst aussortiert werden. Denn es erschwert die Herstellung, diese Art von Blätter zu verarbeiten; einen sonnigen Tag im Hochlandgebirge im Oktober 2007; Übers Holzkohle geröstet von einem von den „besten“ Tee-Önologen auf Formosa.

Der eiskalte Oriental Beauty – Tee im heissen Tag II

Im Sommer 1904 erlebte man auf dem Expo in St. Louis die unerträgliche Hitze einnes Rekordsommer. Der Teestand, dessen Aufgabe Amerikaner vom Grüntee zum Schwarztee verführen sollte, konnte kaum Publikum zum heissen Schwarztee überzeugen. Richard Blechynden musste dringend eine Idee finden, um seine Mission zu retten. Er schüttelte Eis in den heissen Tee, der sekundeschnell gekühlt wurde und sofort rege Zulauf fand. Das war der Anfang des Eistee.

1980 war der Verbrauch vom Eistee mind. dreifach höher als der heisse Tee. Lu Yu hätte wohl nie gedacht, als er Cha Jing schrieb. Er hätte nie gedacht, dass man aus dem heissen Zaubertrank zum kalten Durstlöscher revolutionieren würde. Er hätte nie gedacht, dass diese Verwandlung ein riesen Bussiness versprechen könnte!

Für einen Fossil-Chinese ist der Genuss mit eiskalten Dingen immer mit Vorsicht geboten. Aber in der modernen Zeit ist der eiskalte Genuss ein Versprechen von Frischen und Fortschritte.

In Taiwan wird Tee im heissen feuchten Sommer auch gerne kalt getrunken. Unser Rezept wäre: 2 Liter Wasser im Zimmertemperatur und 30g Oolongtee mischen. Direkt in den Kühlschrank 6 Stunde ziehen lassen. Die Teeblätter werden danach gefiltert. Der fertige Tee könnte man für 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Mein Lehrer in Taipei hat am liebsten den eiskalten Oriental Beauty im unerträglichen Taipei-Sommer. Die honig Note und feine fruchtige Nuance vertreiben die nervigen Hitze und Plage sofort aus dem Kopf. Was bleibt, ist der königliche Genuss wie die einstige Viktoria!

Wenn man gerne das Volkssport im Mitteleuropa treibt, könnte man den Eistee im Eisfach kühlen lassen. Vor der Abreise zum Wandern wickelt man ein Tuch um die Plastik-Flasche. Bei der Wanderung taucht der langsam auf und das inzwischen eiskalte Tuch gleicht den Genuss von Osibori (ein Tuch für Kunde um sich zu erfrischen, meistens eiskalt oder heiss) in einem richtigen japanischen Restaurant!

Natürlich könnte man den königlichen Genuss bis ins Details nachmachen. Zucker im Tee war die Machtdemonstration der einstigen Zeit. Das goldwerte Zucker und der rare Tee aus China präsentierte eine Mischung von dem außerirdischen Genuss und der Sehnsucht nach Paradies. Heute ist jeder der König in eigenem Schloss und der königliche Genuss ist heute richtig volksnah!

Formosa Dongding 1977

Das Flug war nicht ohne Turbelenz. Ich bin angekommen, aber mein Kopf ist irgendwo noch hängen geblieben. Vielleicht weiss er, dass er wo anders mehr Spass hat als im kalten Europa.

Da mein Kopf nicht mitkommen wollte, vergass ich in Zürich-Flughafen meinen zweiten Koffer. Wie könnte es so etwas passieren? Ich war nur fixiert auf einen schweren Koffer, der mehr als 30kgs wog und dachte nur an die Person, die seit zwei Stunde vergeblich auf die Landung wartete. Das Flugzeug hatte eine Panne beim Starten und es verursachte eine brutale Verspätung. Ich bekam ziemlich schnell den schweren Koffer, schnappte meinen Suntorys und versuchte so schnell wie möglich und so harmlos zu erscheinen, um das Zoll zu passieren. Erst am nächsten Morgen beim Aufwachen merkte ich, dass ein Kofferchen vergessen wurde! In diesem Koffer sind viele Sehnsüchte eingepackt! Sehnsüchte von Jörg, von Hans und Madleine etc. Den Dongding 1977 wurde liegen gelassen! Was würde dann passieren, wenn der Koffer einfach in den Menschenmenge verschwinden würde? Ich stellte mir es vor, wie Jörg seufzte.

Aber der Dongding 1977 will unbedingt zu mir mitkommen, bzw. auch zu Jörg nach Frankfurt. Ich fand ihn wieder in Lost and Found. Der Mann lachte mich aus, dass ich wohl meinen Kopf nicht nach Zürich mitnahm. „Sie haben vollkommend recht. Mein Kopf hat mich verlassen. Er mag Zürich nicht. Einen schönen Tag!“ wünschte ich ihm. Die Dinge suchen uns aus, nicht umgekehrt – das bin ich überzeugt.

Heute fand ich endlich Zeit, diesen zu uns gefundenen Dongding 1977 aufzugiessen – mein letzter Tee war ein Hongyu in Taiwan bei meinem Lehrer. Er testete mich mit drei verschiedenen Hongyu, der Preise 2007 gewannen. Ich wurde aufgefordert, die drei Tees zu plazieren. NATÜRLICH bestand ich den Test. Ich liebe diesen Hongyu (ein Schwarztee), der leicht nach Zitrus und Pfefferminz duftet und eine Mandelmilch-Note hinterlässt.

Dongding 1977 ist hervorragend gelagert – sehr sauer, kein Fremdgeruch, so dass man die Verwandlung eines 30 jährigen Tees sehr gut beobachten und erleben kann! Die salzige pflaumige Noten präsentieren uns die typischen Dongding-Note und sind markanter als der Dongding 1981. Der Aufguss fließt seidig in den Mund und bildet eine starke Oberfläche-Spannung. Fast wie Liquor. Nach 20 Minuten verflog das Pflaumige (wie Umeboschi), bleibt nur das leicht nach Biscuit ohne Vanilin duftende Nuance (vielleicht würde ein Deutsche es als brotig behaupten?) Der Aufguss ist sehr dezent, sanft und wirkt wie Balsam im Gaumen. Schmecken tut er nicht mehr auf der Ebene wie ein frischer Oolong, der aktiv und aromatisch ist. Er schmeckt sehr zurückhaltend und noch leicht fein pflaumig. Mit der Wortschatz von Zhou, Yu, er würde sagen, dass das Qi von diesem Oolong uns beruhigt und Frieden bereitet. Mein Lehrer mag solche Kommentare nicht. Er sagte mir lediglich, dass dieser Tee uns einen feinen eleganten Dongding präsentiert, der einen Höhepunkt des Tee-Erleben ermöglicht. Wenn man das Mögliche an einem Oolong erleben und erfahren möchte, würde man an diesem Tee nicht vorbei kommen.

Auch der Fondmanager will ihn nicht verpassen, aber er will diese rare Chance für sich behalten. Er sagte vor einer Woche zu mir, dass die geliebten Tees seine Konkubine seien. Konkubine hebt man eben auf, um sich zu vergnügen und seine eigene Machtstellung vor anderen zu präsentieren anstatt sie zu verehren.

Dongding 1977 wartet auf seinen Kenner. Ich habe nicht viel vor dem Fondmanager retten können.

7. 4. 2008 in Mingjian II

 

FormenTee erhitzen, um Blatter weich zu machen. Dann koennen weiche Blatter geformt werden.

7.15 am 7.4.2008

Ich wurde geweckt. Eigentlich war ich frueher wach. Die Voegel waren so laut. Aber sie verstand, dass ich ein Fremde war und besuchte mich nicht.

Als ich unten vor dem Hof war, fragte mein Lehrer mich sofort, bevor er mich gruesste: „was riechst Du?“ Ich fuehlte mich ueberfahren! Was sollte ich denn riechen. Ich hatte Hunger und war nicht wach. Also was sollte ich denn riechen? „Honig?“ Er freute sich, „was noch?“ „Ich weiss nicht!“ „Pfirsich!“ Ach! Der Phoenix! „Ist er schon fertig? Warum habt ihr mich nicht geweckt?“ „Das riecht man doch, wenn man aufmerksam ist!“

Der alter Chen pflueckte gestern den allein stehenden Phoenix Baum und erhitzte ihn heute morgen um 6 Uhr in seinem Wok in der Kueche. Dann rollte er mit seinem Fuessen die erhitzten Teeblaetter, wie seine Vorfahren. All das habe ich verpasst! „Du haettest mich wecken sollen!“ ich war sauer. Die zwei alten Maenner fanden es lustig.

PhoenixDer alte Chen pruefte seinen Phoenix, wie weit das Welken schon fortgeschriten war. 6.4.2008 16.50

Der Phoenix lag bereits im Ofen. Wir fuhren weiter zu Aming.

8.00

Aming schlief, waehrend seine Frau arbeitete. Ein junger Mann war dabei, ihr zu helfen. Ein Formenmeister. Mein Lehrer liess unseren Tee nicht formen. Er vertritt der Meinung, dass das Formen eine Kosmetik beim Tee ist. Nutzlos. Ausserdem teuer.

Formen 3 

Formen 2

Die heissen Teeblaetter werden in einem Sack gefuellt und dann stabilisiert. Anschliessend in der Maschine gedreht. So, koennte der Tee eine Kugelform bekommen. Dieser Vorgang wird wiederholt bis die Form stabil bleibt. 6 Stunde beansprucht es. Danach wird der fertig geformte Tee getrocknet und an Teelaeden verschickt. Heute wird der Tee einfach weiter verpackt und verkauft. Mein Lehrer verarbeitet nach der Tradition weiter mit Roestung.

Jianzhi

Wenn alles fertig wurde, bevor der Tee verpackt und verschickt wurde, wurde Jianzhi – das Trennen von Stange und Blatt getaetigt. Furher machten die Haende und Augen der Frauen, die sich treffen und quatschen. Heute benoetigt man nur eine junge Frau, die schweigend ihre Arbeit macht, wenn der Computer uebersieht. Das ist Fortschritt.

14.00

Der Phoenix von dem alten Chen wurde fertig getrocknet. Wir packten ihn fuer die Rueckkehr mit. Der erste Aufguss dieses Tees tranken wir im Auto! Obwohl er noch nciht geroestet ist, schmeckte er bereits hervorragend! 

16.50

Ich kam endlich nach Hause.

16.00 am 8. 4. 2008

Die Leute packten fuer mich die neusten Ernte von Biluochun. Ich half sofort mit. „Du bist da! Ich schimpfe gerade ueber Dich.“ „Warum denn?“ „Sie hatte keine Kraft und konnte nichts Anstaendiges machen.“ sagte mein Lehrer zu anderen. „Im Europa muss Du zum Fitness-Zentrum gehen. Im November schicke ich Dich eine Woche nach Lishan. Dann muss Du richtig arbeiten.“ „Aber“ ich meinte es wirklich ernst, „was machst Du dann mit dem Tee, den ich mache? Diesen Tee kann man doch nicht trinken!“

7. 4. 2008 in Mingjian I

23.30 am 6.4.2008

Ich schlief im Xiangxiangs Zimmer. Er war bereits mit seinen Eltern nach Taichung gefahren. Es gab sehr viele Geraeusch in dieser Nacht, die ich laengst vergass und nun alles sehr praesent wurden. Auch ich war ein Kind unter den Pamelo-Baeumen und spielten mit der Erde und Frosch. Die Erinnerung wurde hell: das verfluchte Grundstueck meiner Grossmutter, mein verstorbener Onkel und seine Mangos und meine Mutter, die ihren Vater nie erlebte und allein in Taipei unter den Fremden lebt. Irgendwann schlief ich ein.

Fermentierte BlattgutFermentierte Blattgut. Wenn die Fermentation genuegend war, sollten die blaetter nun nach Honig und Fruechte duften.

00.00 am 7.4.2008

Ich wurde geweckt und sprang aus dem Bett. Die Nacht war leicht kuehl, sehr angenehm. „Bist Du muede?“ fragte ich. “ Nein, wenn ich weiss, dass der Tee gemacht wird, bin ich immer fit.“ antwortete mein Lehrer. Er fuhr zu Aming, unser Teemaker. Er schlief wohl noch, das Licht war noch aus. Dann fuhren wir weiter zu anderen. Die Teemaker in Mingjian schliefen in naechsten Tagen nicht mehr. Wir gingen zu einer Powerfrau, meinte er. Diese Powerfrau ist juenger als ich, kraeftiger und flink! In dieser Nacht musste sie 800 Kg Tee erhitzen und verdiente dabei 150 Sfr. Und in naechsten paar Wochen wird sie wohl nachts nicht zum schlafen kommen.

Erhitzen

00.30 Erhitzen (Shaqing)

In einer heissen Dampf-Maschine werden die gewelkten fermentierten Teeblaetter erhitzt, um den Fermentationsprozess zu stoppen.

Aehnlich wie bei Kaffeebohne in der Kaeffeeroesterei werden die Teeblaetter unterschiedlich erhitzt – bei der Industrieproduktion, wie die Powerfrau machte, war die Temperatur ueber 200 Grad und nur 10-15 Minuten. Viel zu heiss und zu kurz, meinte mein Lehrer. Bei Aming, ist es nur ca. 150 Grad, aber dafuer laenger.

Diese Powerfrau zu fotographieren war unmoeglich. Sie vermied mein Blitz und meinte, dass sie nicht schoen sei. Ich lachte und vertsand es, weil ich auch so ueber mich denke. Aber ihre Arbeit machte sie schoen, speziell, einzigartig. Ich haette sie gerne portraitiert, wie sie in dieser Maennerwelt einen Platz behauptet – DIE Frau fuer die groesste Teeproduktion in diesem bekanntesten Teedorf. Sie schaffte mit vier anderen maennlichen Kollegen in dieser Nacht zusammen und sie spielte die erste Geiger.

00.45 waren wir bei Aming. Er war mit einem Kollegen bei der arbeit. In seiner kleinen Teeproduktionsstaette schafft er mit seiner Frau und zwei Soehnen, die nur beim Welken helfen. Seine Frau machte mit einer anderen Frau bei Xiaolang und Dalang. Dann ging sie schlafen. Er wurde dann geweckt, um die weitere Schritte zu leiten.

In dieser Nacht musste er die fermentierten Teeblaetter erhitzen, rollen und die 1. Trockenung feritgstellen. Morgen um 6 Uhr kommt der teuer bezahlten Formen-Meister, der alles zum Rohmaterial zu Ende verarbeitet.

Powerfrau

Rollen – um den Saft der erhitzten Teeblaetter zur Oberflaeche zu bringen. 1. Trockenen dient dazu, um die Teeblaetter so zu stabilisieren, dass man in paar Stunde weiter verarbeitet. Erhitzten, Rollen und 1. Trockenung finden gleichzeitig hinter einander statt. Darum werden mindestens zwei Arbeitskraefte benoetigt.

Rollen Rollen

Unser Tee wurde erst gegen 3 Uhr ehitzt. Die Fermentation war mindestens 3 Stunde laenger. Den Tee kaufte mein Lehrer von dem Teebauer ab, der seinen Tee gleichzeitig machen liess. Er wollte mir aufzeigen, was Dalang und Fermentation bei der Produktion entscheiden koennte. Unser Tee war 15 Minuten laenger unter Dalang (grosses Schuetteln) gelaufen, waehrend der Teebauer nur 15 Minuten haben wollte. Er wollte nicht einen ungewoehnlichen Tee. Amings Frau sagte mir, dass mein Lehrer immer eine andere Vorstellung hat. Die meisten Leute wollten nicht warten, nur er wollte warten. Das Warten bedeutet Geld ausgeben in Mingjian.

1. TockennungTrocknen

Warten auf die Zeit, die sich lohnt, zu warten.

Als ich gestern morgens in das Dorf ankam, sagte mein Lehrer bereits zu mir, was ich lernen werde. Er sagte, Warten und Vertrauen.

Warten, auf die Zeit, die wert ist, zu warten. Warten bis die Teeblaetter Dir sagen, „ich bin so weit.“

Vertrauen auf die Teeblaetter, was sie dir sagen. Vertrauen in Deine Nase, die sagt, was Du riechst. Vertrauen in Dein Wissen, was Du von Tee weiss und willst. Die anderen wollen andere Dinge haben als Du, aber Du hast Vertrauen in Dein tun. Er sagte mir, dass es eine Sucht sei, Dinge zu haben, was alle haben und schon immer haben (meine Kaffeesucht). Vertrauen ist etwas anders. Vertrauen zu haben sei romantisch, meinte er. Vertrauen in die Ungewissheit, um vom Gewoehnlichen abzubrechen und um etwas anders zu ermoeglichen.

01.30 er liess mich immer noch nicht schlafen. Er holte bei drei verschiedenen Produktionsstaette bereits die ersten Teeproben. Ich musste ihm noch sagen, was ich roch.

Gestern wurde ich bereits zu verschiedenen Fruechten und Blueten gefuehrt, um die Duefte richtig zu speichern. Bei jeder Schritt der Produktion musste ich ihm sagen, was ich roch. Roch es bereits nach Blumen? Nach Fruechte ? Nach Honig? Alles haben eine Bedeutung bei der Produktionsproezesse.

Vor den drei Tassen sagte ich ihm, was mir am besten gefiel und was nciht stimmte. Er kommentierte dann, warum.

1.50 fuhr er mich endlich wieder nach Hause. 2.05 lag ich auf dem Holzboden-Bett. Die Kindheitsgeraeusche liess mich nicht gleich einschlafen.

Um 6 Uhr sollte es weiter gehen.

 

6. 4. 2008 in Mingjian

Welken Sonne

6. 4. 2008 13.40

Bevor wir ankamen, waren bereits eine Ladung von 12 Uhr Pflueckgut auf dem Boden verteilt. Ueber das Pflueckgut wurde bedeckt, um die starke Sonne zu harmonisieren. Damit das Blatt langsam die Feuchtigkeit verliert. Mein Lehrer zeigt mir, wie die Blaetter aussahen: eine Partei nach 40 Minuten Welken und eine andere, die gerade anfing.

Ruhen

14.50 Innen Welken und Ruhen

Die zweite Ladung wurde in die Innenraeume getragen und auf dem Boden ausgelegt. Um Plaetz zu sparen, wurde das Pflueckgut auf dem Korb umverteilt. Die Pflueckgut verlieren weiter die Feuchtigkeit im Blatt auf eine sanfte Art. Den Zeitpunkt zu entscheiden, wann man diesen Prozess stoppt, haengt mit dem dortigen Wetter zusammen. Die Haende spueren und die Nase riecht, wie weit die Blaetter sind. 

Ruhen MLEine harte Arbeit!

15.30 Xiaolan – das kleinen Schuetteln

Xiaolang

Im klimatisierten Raum – Teeproduktion ist inzwischen ein kapitalintensives Faktor geworden. In gekuehltem Raum koennen die Teeblaetter langsam die Feuchtigkeit verlieren. Durch diese kleine sanfte bewegung werden die Verlust der Feuchtigkeit beschleunigt und auch um eine Regelmaessigkeit zu erzielen. Die Bewegung sollte sanft sein – wie immer beim Tee. Im Bild machte diese Dame zu grob, meinte mein Lehrer – und ich dufte keineswegs probieren.

20.20 Da Lang – das Welken stoppen und grosses Schuetteln des Blattgutes

Ein Prozess um die Fluessigkeit der Blaetter regelmaessig zu verteilen und um die Raender leicht reiben, die Fermentation vorzubereiten.

Dalang

Was ich machen dufte, war die schwere Arbeit, das Blattgut umzuverteilen oder irgendwohin zu transportieren. Bei dem grossen Schuetteln, das das Welken endgultig stoppt und die gebliebene Feuchtigkeit in Blaetter regelmaessig verteilen laesst, duftet der Tee bereits wie ein Duftmeer! Ich hockte vor dieser Maschine und vergass wo ich mich befand. 

dalang 2

Nach knapp 30 Minuten wurde ich geweckt. Es ist die Zeit zum Essen und ausruhen. Der Tee ebenfalls. Nun findet endlich die Fermentation statt.

Um 00.50 geht es weiter. Bevor es weiter geht, duschte ich mich und ging kurz schlafen.

In Mingjian als Teepflueckerin

Die Tage in Mingjian sollten mich lehren, wie ein gewoehnlicher Formosa Oolong gemacht werden. Mein Lehrer ist streng und ich konnte mich nicht krank machen.

Das Erste, was ich machen musste, war Tee pfluecken. Das machen heute in Taiwan eigentlich nur alte Frauen und importierte Heiratskandidatinnen.

Mir wurde ein Strohhut gereicht. Der alte Chen lachte ueber mein Outfit. Seine Frau war bereits seit sieben Uhr am Feld. Xiangxiang, sein Enkelkind klebte an mir und wollte mit zum Pfluecken gehen. Das Kind ist ein richtiger Frauenheld. Er gruesste mich mit dem Satz : „A-Yi, Wo Ei Ni!“ (Tante, ich liebe Dich.) Alle lachten und er klebte an meine Hose. Wenn er zum Toilet ging, musste ich mitgehen und sein Po putzen – dabei beschwerte er sich, dass seine Mutter viel besser macht.

Haus Chen

6. 4. 2008, Sonntag 12.00

Xiangxiang zeigte uns wo seine Grossmutter arbeitete. Wir fragten ihn, wie wusste er, wer seine Grossmutter war, weil sich alle Pflueckerin gleich kleideten. Er antwortete mit einer Selbstverstaendlichkeit, „Ich rufe, Ama (Grossmutter auf Taiwanesisch) und Ama wird mich rufen!“ Die Ama arbeitete bereits sehr hart. Sie war von oben bis unten bedeckt und hinter ihrem Ruecken hing noch eine Schnurr mit einem Hocker! Xiangxiang klebte an seine Grossmutter und fragte, wann sie ihm ein Eis kaufte. Er ruehte die Pflueckgut-Sack aus Anteilnahme und fluesterte immer wieder zu ihren Ohren.

Xiangxiang

Ich versuchte so schnell und gut zu sein wie die anderen Frauen. Keine Chance. was ich nachmachte war falsch, meinte mein Lehrer. Er zeigte mir, wie ich richtig machen sollte, um schnell, sicher zu sein, ohne das Pflueckgut zu verletzen! „Du muss die Teeblaetter so anfassen, wie Du Deinen Liebhaber behandelst! Ganz sanft und sorgfaeltig.“ Mein Schweiss tropfte. Ich kann es nicht! „Mache weiter!“ Ich bemuehte mich und zeigte ihn meinen Erfolg – er schuettelte seinen Kopf. Ich sei Hopfen und Malz verloren. Er habe noch nie so eine grobe Pflueckerin wie mich gesehen. Ich gab auf. Eine gute Ausrede – ich bin eben nicht geeignet fuer diese sanfte Aktion.

Pfluecken So muss es sein!

Meine kaffeesucht heimsuchte mich. Ich schrie nach Kaffee – fuer ihn sei es die fluessige Pferde-Ausscheidung. Xiangxiang brachte mich zum Family Market. Natuerlich gab es dort keinen gewuenschten Kaffee. Er troestete mich, dass seine Mutter mir spaeter einen machte. Dann brachte er ein Eis und sagte dabei „A-Yi, Wo Ei Ni! (Tante, ich liebe Dich.)“ Ein fuenfjaehriges Kind wusste schon, wie ein Frau zu haben ist. Ich kaufte ihn das Eis und fuhr weiter zu der naechten Station – das Sonne-Welken.

Es war 6.4. 2008 Sonntag 13.30.

Oriental Beauty 2008

Der Weg zum Oriental beauty Teegarten schien diesmal einfacher und deutiger zu sein. Die Strasse war breiter, geteert und installiert mit Strassenlampe. Ich roch aus dieser Neuigkeit einen Unheil. Ziemlich schnell sah ich frisch gebaute Villen und Luxus-Wohnungen. Mein Herz wurde immer mehr verkrampfter als diese neue Siedlung endlos wurde.

Awen veraenderte sich nicht sehr viel, seit ich ihm letztes Jahr sah. Sein Sohn wurde einfach Groesser. Die Toechter sahen mich schuechternd an, als ich die Schokolade verteilte. Er fragte mich, ob ich mit der Wahl zufrieden sei. Wir kennen uns lang genug und wissen, dass wir darueber offen reden koennen. Er machte sich Sorgen. Er zeigte mir eine Auszeichnung aus China, die er fuer seine Anwesenheit bekam, als er an einer Tee-Messe in Quanzhou teilnahm. Diese Messe wurde nur fuer die Teebauer aus China und Taiwan veranstaltet. Seine Reise wurde komplett bezahlt – von der chinesischen Regierung. Der Verkauf ging schief, keine Nachfrage. Aber die Promotion fuer eine kuenstliche Teestadt war im Gang. Taiwanessiche Teehaendler und Teebauer sind herzlich eingeladen, sich dort zu niederlassen – Miete in dem ersten Jahr sei Gratis, viele Privilegien und Vorteile kommen noch dazu! „Bist Du ueberzeugt?“ Er schuettelte seinen Kopf, „aber wie geht es weiter mit uns?“ Die neue Regierung verspricht eine Oeffnung des Marktes und viele hoffen auf diesen neuen Markt, ein Geschaeft mit den Chinesen zu erzielen! Aber das bedeutet fuer einen Teebauer in Taiwan einen wahrscheinlichen Niedergang. Der Teeimport wird nun endlich legalisiert. Das Mischen des chinesischen Tees in die Formosa Tees wird immer eindeutiger und unaufhaltsam. Da die Tees auf dem Makrt sowieso wie alle andere Waren in der Welt immer aehnlicher werden, verschwindet wohl auch immer mehr das klare Profil des Formosa Oolongs! Der Import Tee wuerde Teeanbau auf Formosa zunichte machen – meinte er.

Seine pessimistische Haltung machte eine komische Stimmung. Warum sollte ein chineischer Oriental Beauty den originellen ersetzen koennen, wenn der originelle charaktervoll und herrausragend bleibt? In der Konfrontation mit einer drohenden Veraenderung sollten wir doch noch bewusster werden, was wir haben und wer wir sind, meinte ich. Ich bitte ihn, sich auf die traditionelle Machart zu besinnen und Vertrauen haben, dass unser Tee einzigartig ist. „Bitte insistiere das, was Du tust!“ bitte ich ihn. Wenn wir selbst vertrauen in unser Tun verlieren, wie sollten wir denn weiter gehen?

In einer krisen Situation reagieren meiste Menschen mit ihren gewoehnlichen Muster, zu denken und zu handeln. Nur wenige vertrauen ihre Intuition, die ihren Weg folgen und anders als nur an Sicherheit zu orientieren und zu handeln. Es gibt noch nie einen Tee, der sein Gesicht verliert, um zu ueberleben. Es gibt nur solche beruehmte Teesorten, die Jahrhunterten ueberdauern und sein Gesicht beibehalten. Ein Longjing wurde noch nie aus einem Gruentee zu einem Oolong verwandelt. Umgekehrt bleibt er als eine Raritaet, weil er seinen Charakter beibehaelt. Die Mode kommt und geht. Probleme kommen und gehen. Auch der chinesische Tee scheinbar den Formosa Oolong bedrohen koennen, auch wenn Chinesen alles kopieren und machen koennen, wird Oriental Beauty so bleiben, wie er ist, weil er ein Oriental Beauty ist, der so und nicht anders schmeckt. So lang wir es insistieren und vertrauen auf den Tee und unser Tun haben, wird es belohnt – versichte ich ihn. Er schwieg. Ich dachte sofort an die neu hoch gezogenen Haeuser. Er sagte, dass seine Kinder eine gute Ausbildung bekommen werden. Ja, ich weiss. Sie werden wohl so leben wie ich, ins Ausland gehen und sich immer mehr von der Erde trennen. Das Land, das er nun hat, koennte auch einen anderen Zweck erfuellen – einen wirtschaftlicheren. Das ist das wirkliche Problem, das wir haben.

Ich ging weiter und nahm einen seltenen Winter Oriental Beauty 2007 mit. Mein Herz wurde schwerer. Was wartete nun auf mich in Mingjian?