Archiv des Autors: Menglin

Die Sprache des Tees

Es war ein Zufall, dass Roger mich kennen lernte. Es war ein Zufall, dass ich auf seinem Blog gestossen bin. Es war ein Zufall, dass er mir anbot, einen Blog über Tee zu führen. Er war die Geburtshilfe dieses Teeblogs.

roger
Roger

Eigentlich kannte ich Blog gar nicht und hatte vorher nie gebloggt. Eigentlich bin ich weder ein Meister noch ein Fachmann des Tees. Ich bin einfach ein Übersetzer des Tees. Jeder Tee erzählt etwas von sich. Einen Übersetzer bräuchte man, wenn man die Kodes seiner Sprache noch nicht vertraut ist, z. B. was bedeutet die Farbe des Aufgusses und was bedeutet diese Duftnote etc. Das wichtigste von allem um seine Sprache zu verstehen ist Gespür und eine Art von kindlicher Unschuld, die Welt so zu entdecken und anzunehmen, wie sie ist.
Jede Sorte von Tee hat bestimmte Merkmale, die sich von Sorten zu Sorten unterscheiden und manchmal widersprüchlich sind. Z.B. ein grüner Tee sollte man möglichst frisch geniessen, während ein Pu Er seine Charakter erst durch die Lagerung gewinnt. Die Fermentation bei einem grünen Tee sollte gar nicht stattfinden, während sie bei einem Oolong notwendig ist. Die Grade der Fermentation verraten uns die Farbe der Blätter vor und nach dem Aufguss.
Jeder Tee hat eigene Duftmerkmale, die erfahren und entdeckt werden möchte. Durch die Zusatzaroma wird diese authentische Erfahrung leider ausgeschlossen. Die Duftnote hängt mit dem Fermentationsprozess und Röstung zusammen. Ein Lungjing duftet einfach anders als ein Bi Luochun. Ein Bi Luochun aus Taiwan duftet einfach anders als der aus Zhejian oder Yünan. Die Globalisierung kann die Authentizität des Herkunftsorts nicht täuschen, nur den Preisunterschied. Ein Oriental Beauty aus China kostet weniger als der aus Taiwan, kann allerdings die authentischen Düfte dieses Oolongs aus Taiwan nicht wiedergeben…

Der Tee spricht für sich und lügt niemals. Aber der Mensch, der diesen Tee anpreist, konstruiert eine eigene Wirklichkeit. In Taiwan würde man Tee nicht kaufen, bevor man ihn gekostet hat.
Ich möchte einfach nur versuchen, die Sprache des Tees in diesem Blog zu vermitteln. Ihn zu geniessen muss man selbst mit seinen Sinnen!

Lapsang Souchong – Xiaozhong Hongcha 小種红茶 – der Rauchtee aus Fujian

Lapsang Souchong ist eine Spezialität aus Fujian Wuyi Gebirge Chongan 福建武夷山星村镇桐木村. Die Heimat dieses Tees ist in einem Gebirge, wo oft benebelt ist. Der Nebel tut zwar das Wachstum und die Aroma gut, aber nicht besonders begünstigt bei dem Welkensprozess. Die Teebauer wußten mit Hilfe der Kieferkohle das Problem zu lösen. Die Duftnote des Kiefers verleiht den unverwechselbaren Charakter dieses Tees!
Dieser Tee ist der älteste Schwarztee! Der erste Schwarztee, der im 17. Jahrhundert nach Europa expotiert wurde. Wenn der Souchong aus Chongan Provinz kommt, bezeichnet man ihn als Zhengshan 正山小種Xiaozhong oder Xingcun Xiaochong 星村 小種. Andere Souchung wird einfach als Kongfu Xiaozhong (Kungfu Souchong – roter Tee) bezeichnet.
Andere bekannte Provinzialitäten sind: Tangyang Xiaozhung 坦洋 小種und Zhenghe Xiaozhung 政和小種.
Der Charakter des Tees ist lebendig und fließend. Er hat einen fruchtigen Geschmack nach Longyan 桂圓湯 (Longgang Frucht).

佛手 Foshou, Buddha Hand – ein traditioneller Oolong

Ich bin ein Fan von Foshou 佛手, ein Oolong namens Buddha Hand. Er stammt ursprünglich aus Fujian Yongchun, wird auch in Taiwan in der Nähe von Taipei 石碇 坪林 angebaut. Er ist ein Tee, der immer mehr von neuen ertragsreichen Teebaumsorten verdrängt wird. Heute findet man ihn nicht mehr leicht, nur bei traditionellen Teebauern, die ihren Garten nicht ganz nach dem kommerziellen Geschmack gestalten. Teeliebhaber in Taiwan schätzen diese Rarität, die nur selten angeboten wird. Sein Duft ist das typische Merkmal dieses Tees!
Die Form von Buddha Hand ähnelt sich an Yancha und hat streifenartige Blätter. Die Farbe ist braun und das bedeutet schwere Fermentation und starke Röstung. Seine Duft ist aufgrund dieser Verfahren großartig: er duftet zuerst nach Karamel, dann fruchtig. Anschließend vermischen die beiden Duftnoten! Einbisschen wie Mandel, ein bisschen wie reife süße Zitrusfrüchte! So einen Tee findet man wirklich nicht mehr einfach – selbst in Taiwan. Wer Lust hat, kann sich bei mir melden!

Foshou
Foshou 佛手, die Blätter von Foshou sind im Vergleich mit Blättern von anderen Teesorten ziemlich gross.

Wuyi Yancha 武夷岩茶

Wuyi Yancha ist eine Perle des chinesischen Oolongs. Er stammt aus dem Gebirge Wuyi 武夷山 in Chongan Fujian福建. Er geniesst den Ruf als ein „lebendiger, lieblicher, reiner und aromatischer“ Tee.
Das Wuyi Gebirge hat 36 Gipfeln und seine Teeproduktion war in Yüan 元 und Ming 明 Dynastie bereits für den Hofgebauch reserviert.
Mingcong (bekannte einzelne Teebaum) ist eine spezielle Bezeichnung von bekanntem Wuyi Yancha. Unter Mingcong sind z. B. Wuyi Shuixian, Wuyi Qizhong (aussergewöhnliche Teebaum) und die vier bekannteste Teebaumsorte: „Da Hongpao大紅袍“, „Shui Jingui水金龜“, „Baijiguan白雞冠“, „Tie Luohan 鐵羅漢“ und „Rougui 肉桂“:
Die speziellen Merkmals von diesem traditionreichen Tee sind:
Die Form der Blätter sind fest und glänzend. Keine Kugelform, sondern länglich wie ein Streifen. Die Farbe ist glänzend dunkel schwarz. Die Farbe der Blätter nach dem Aufguss sollte jedoch am Rand leicht rötlich gefärbt und innen grün sein. Die Farbe des Aufgußes ist orangen-gelb.
Der Geschmack erinnert uns an den Duft der Orchiden und hält lang an. Er zeigt bei Abgang einen speziellen wohltuenden Effekt im Hals.
Dieser Tee kann man lang aufbewahren und verliert seine Aroma nicht. Ein Tee für die Dauer, für gute und schlechte Zeit!

Wuyi Shan
Wuyi Shan

Der weisse Tee 白茶

Der chinesische weisser Tee ist weiss aufgrund der einfachen und besonderen Herstellungsmethode.
Der weisse Tee stammt von den Teebäumensorten, deren Trieben weiss behaart sind. Sie werden nur am sonnigen Tagen gepflückt und unter der Sonne welken lassen (bis 30% der Feuchtigkeit der Blätter abgeht, während es bei Oolong bei 70% liegt). Anschliessend werden die Blätter getrocknet – auf dem Feuer oder în der Luft. Sie werden nicht fermentiert, nicht gerollt und nicht geröstet. Daher enthalten sie die natürlichsten Aroma der Blätter und schmecken mild.
Yinzhen Baihao 銀針百毫 ist aus einem speziellen Teebaum, der saftige Trieben treiben. Die beste Ernte dieses Tees kommt aus Fuding oder Zhenghe (Fujian 福建).
Baimudan 白牡丹 ist ein Tee aus dem Tip und Blätter. Da er eine längere Welkenszeit benötigt, werden die Blätter leicht braun, als ob er fermentiert wäre. Der frische Baimudan trotz der manchmal braune Färbung, zeigen die Blätter jedoch saftige grüne Farbe.
Nachdem alle Tips von Teebäumen für Yinzhen gepflückt werden, werden die Blätter zu einfacheren weissen Tee verarbeitet, z. B. Shoumei 壽眉.
Die Wirkung des weissen Tees tendiert ebenfalls wie der grüne Tee den Körper abzukühlen und zu erfrischen. Sie haben mehr Yin-Charakter. Darum sollte man diesen Tee besser bei warmen Tagen trinken und eher am nachmittags geniessen.

Fujian Fujian

Der grüne Tee 绿茶aus China

Um den grünen Tee wird viel gesprochen. Was ist eigentlich der chinesische grüne Tee? Der grüne Tee ist ein Tee, dessen Fermentationsprozess gestoppt wird. Es könnte durch den heißen Dampf gestoppt werden oder durch rösten. En Shi Yu Lu 恩施玉露 ist ein einziger chinesischer Tee, der wie japanischer Sencha und Gyokuro durch den heißen Dampf behandelt wird, während der Fermentationsprozess von anderen chinesischen grünen Tees durch Rösten verhindert wird.
Bekannteste chinesische grüne Tees sind: Lungjing 龙井 (Zhejian), Bi Luo Chun 碧螺春(Dongting, Hunan), Yungxi Huoqing 甬溪火青(Anhui), Liuan Guapian 六安瓜片(Anhui), Xinyang Maojian 信阳毛尖 (Henan), Taiping Houkui 太平猴魁 (Anhui) etc.

Allgemein wirken grüne Tee nach der chinesischen Medizin abkühlen und Geist klärend. Für Menschen, die oft frieren, wäre es besser vorsichtig, solchen Tee zu genießen. Im Sommer ist er geeigneter als im Winter. Es wäre besser nach dem Mittagsessen zu trinken als gleich morgens, wenn man noch Wärme und Energie für den Start in den Tag bräuchte. Er regt die Verdauung an und steigert die Konzentrationsvermögen.

Jede Zusammenkunft ist einmalig! 一期一会

Detlef
Detlef in der Holzkohle Zeremonie.

Heute fuhr ich zu meiner Tee-Eltern nach Bodman. Wir wollten uns zum Neujahrstee treffen.
Detlef und Ingrid praktizieren Teeweg bereits mehr als 10 Jahren und haben mich auf diesen Weg geführt. Nun haben sie das Alter erreicht und wissen, dass das Leben vergänglich und der Körper hinfällig ist.
Als ich vor einem Jahr Nachlass (viele alte Teegeräte aus Japan) von einem vergangenen Teefreund erwarb, sagte er mir: “ Menglin, das gleiche kannst Du in paar Jahre mit meinen Teegeräten auch machen.“ Er befürchtete, dass seine Knie irgendwann nicht mehr in der Zeremonie mitmachen werden.
Ingrid leidet bereits unter Knieschmerzen und kann heute keinen Tee machen. Sie schaute zu und trank einfach Tee mit. Detlef sagte mir, „Ja, die Zeit ist absehbar“. Er zeigte mir seine schönen Teegeräte, „sie werden immer glänzender und schöner durch unser Treffen… sie überdauern sogar Generationen. Aber bei uns? Meine Enkelkinder können uns wohl überhaupt verstehen?“
In der Teezeremonie haben wir ein Ideal, wenn wir uns zum Tee treffen: „Jede Zusammenkunft ist einmalig.“ Denn das Leben ist vergänglich. Es ist mir zwar bewusst, dass jeder Augenblick ein unwiederholbares Moment ist. Aber in seinem tiefsten Seufzer erkenne ich das Gesetz der Natur. Ich weiß jeden Augenblick zu schätzen, den ich mit meiner Tee-Eltern eine Schale Tee teilen kann. Jede Zusammenkunft ist unwiederholbar!
Meine Freunde, Jede Zusammenkunft ist einmalig! 一期一会!

Dian Hong 滇紅 – ein roter Tee aus Yünan

Dian Hong ist meine Droge zum Aufstehen. Um ihn wurde eine Legende Kreiert. Als die portugiesische Prinzessin Katharina den englischen König Charles II heiratete, wurden ihre Schönheit und Anmut bewundert. Dies ist besonders der anwesenden französischen Königin aufgefallen und schickte ein Spion, um das Geheimnis zu entschlüsseln. Der Spion versteckte sich im Hochzeitszimmer und sah, dass die Prinzessin ein dunkles Getränk trank. Sie erzählte ihrem Gatten, dass dieses Getränk ein Tee aus China sei und Dian Hong hieß. Er hielt sie fit und ist verantwortlich für ihre Kurvenreiche Figur. Der Bericht dieses Spions machte den Tee Dian Hong europaweit hoffähig… Das ist eine chinesische Legende und erzählt von einem berühmten Tee-Taster aus Hong Kong.
Die Wirkung des Dian Hongs ist in der chinesischen Medizin tatsächlich mehrfach gepriesen. Er sollte Nierenenergie aufbauen und Willenskraft motivieren. Ein ideales Getränk für das Frühstück. Für Frauen, die gerne schöne Haut haben, wurde empfohlen, den Tee mit Milch zuzubereiten und nach Bedarf mit rohem Zucker oder Honig zu süßen.
Dian Hong kommt eigentlich aus der Heimat von Pu Er Tee. Er stammt hauptsächlich aus Menghai, Simao und 巴達山 Ba-Da-Gebirge, wo sich Ureinwohner Bu Lang 布朗 Volk niederlassen.

Bu Lang
Das Volk Bu Lang. Das ist ein Briefmarke aus der Volksrepublik China.

Duft des Tees

Man könnte viele Beiträge zum Duft des Tees schreiben. Ich möchte heute nur auf drei Dufte eingehen:
Duft von den trockenen Blättern
Duft des Aufgusses
Duft der erkalteten Blätter
Duft eines Tees, der sich beim Aufguss stark entfalten kann, kann sich allerdings innert Minuten verflüchtigen. Dieser Tee ist nicht unbedingt empfehlenswert.
Duft eines Tees, der sich zwar langsam entfaltet und hält sich allerdings lang an. Das ist ein Tee, den wir gerne als feinen Tee bezeichnen. Das ist ähnlich wie Liebe.

Bevor man den Tee aufgießt. Könnte man trockene Blätter in die aufgewärmte Kanne zufügen. Nach 15 Sekunde könnte man den schönen Duft der trockenen Teeblätter genießen. In diesem Moment verrät der Duft, ob der Tee schon alt ist und wie er gelagert ist.
Nach dem Aufguss, nach dem man die Tasse warm getrunken hat, bleibt der Duft an der Tasse einige Minuten hängen. Die Düfte, die ein Tee aufweist, sind von verschiedenen Noten, die sich in Sekunde schnell wechseln. Zuerst kommt oft die spezielle Note hervor. Z. B. beim Oriental Beauty: der Duft der Aroma von Insekten-Biss (dieser Tee sollte von Insekten befallen sein) kommt als erster. Anschließend kommt der typische Duft der Teesorte. Z. B. beim Buddha Hand kommt eine intensive fruchtige Note! Zum Schluss verrät dieser Duft uns noch, ob und wie dieser Tee geröstet ist: eine wunderbare natürliche Karamellartiger Dufttrömung verrät uns von einer erfolgreichen Röstung. Dieser Duft haben alle stark fermentierte Oolong gemeinsam, Z. B. Phönix Dancong, Buddha Hand und Tie Guan Yin.
Gute Teesorten geben wunderbaren Duftnoten ab, auch wenn sie kalt werden. Das ist ein sehr wichtiges Merkmal, die Qualität des Tees zu beurteilen.

Probleme der modernen Oolongs

Der Oolongtee erlebt seit paar Jahren einen Geschmackswandel, sowohl in China als auch in Taiwan. Der Oolong ist wörtlich übersetzt einen schwarzen Drachen. Der heutige Oolong, der auf dem Markt herrscht, ist ein Tee, der sich nicht mehr viel von Grüntee unterscheidet. Die Blätter zeigen kaum Spuren der Fermentation, die eine rötliche Färbung am Blätterrand zeigt. Die Form des Tees verändert sich auch zu einem kugelförmigen Tee.
Dieser neue Trend verändert drei Dinge: die Reife der gepflückten Blätter, die Zeit des Welkens und die Zeit der Fermentation. Wenn sollte man die Blätter eigentlich pflücken? Es ist verschieden bei verschiedenen Teesorten. Beim Oolong sollte man warten bis die Teeblätter um den Trieb schon zwei reife offene Blätter aufweisen. Wenn sie zu jung sind, als sie gepflückt wurde, gibt es folgendes Problem: man kann diese Blätter nicht zu lang unter der Sonne welken lassen. Sie zeigen sich als ein „Scheintod“. Sie hängen und werden blass. Teebauer bekommt Panik und beenden sofort den Welkensprozess. Die Feuchtigkeit der Blätter können sich nicht richtig ausscheiden und bleiben erhalten. So ein Tee schmeckt oft bitter und grasig im Aufguss, sehen allerdings schön aus. Denn die jungen Blätter sich leicht formen lässt. Normalerweise lässt man die Blätter vier bis acht Stunde fermentiert, so dass 3/10 rötlich und 7/10 grünlich in einem Blatt aus sieht. In unserer Zeit, in der Äußerlichkeit viel wichtiger ist, gewinnt die Form eines Tees Vorrang gegenüber dem tatsächlichen Geschmack. Da die Meister, die den Tee formen sehr teuer zu bezahlen sind, bleibt die Zeit für die Fermentation nicht viel übrig. Der Geschmack dieses Tees tendiert bitter und die Farbe des Aufgusses ist trüb. Solcher Oolong wirkt in einer Gongfu (Kungfu) Zeremonie richtig Magen anregend. Oolongs und Matcha sollte man generell nicht mit leerem Magen genießen.

Welken
Nach der Pflückung werden Blätter unter der Sonne welken lassen. Wenn es keine Sonne gibt, muss der Teebauer sich etwas einfallen lassen. Moderne Technik hilft, kann allerdings die Sonne nicht ersetzen…

Formen
Den Tee zu einer schönen Form zu verarbeiten.