Archiv des Autors: Menglin

Shifeng Longjing 獅峰龍井, was ist das?

Gestern kam Herr Jürgen Schmitt nach Zürich und hielt einen Vortrag über Shifeng Longjing. Was ist Shifeng Longjing (Lung Jing) eigentlich?

Die Heimat des Longjing Tees liegt am Westsee (西湖 Xihu) in Hangzhou, Zhejian, China. Aufgrund verschiedenen Anbauorten am Westsee varriieren sich die Qualität, die Form und der Geschmack verschiedenen Lungjings. Seit es Geschichte über Lungjing gibt, gibt es vier Klassifikation: Shi (Löwen), Lung (Drachen), Yun (Wolken) und Hu (Tiger). Lungjing von der Shi-Klasse galt und gilt als der beste Lungjing von ganzem Land! Heutzutage gibt es nur noch drei Klassifizierung: Shi, Long und Mei (Pflaumen).

獅 Shi-Klasse stammt aus Shifeng (Löwengipfel), Lungjing (Drachenbrunnen), Wongjianshan, Majuilong und Yangmeiling, Tianzhu und Lingyin. Teeblatt ist nur aus „one bud and two leaves“. Wobei das Bud in den two Leaves versteckt ist. Sein Farbe solte gelblich im Grün – ähnlich wie Vollkornreis. Der Duft hält lang an und das Aorma ist lieblich, frisch. Der Aufguss schmeckt geschmeidig und erfrischend.

梅 Mei-Klasse stammt aus Meijiawu (das Haus des Meis – wahrscheinlich leben hier viele Familie Meis), Yunqi, Fancun. Die Form ist glatt und glänzend, falch und jadegrün. Die Duftnote und Aroma sind leicht flacher als von Shi-Klasse.

龍 Long-Klasse stammt aus Hupao, Shuanfeng, Jinshagang, Maojiapu, Jiulisong und Liuheta. Bei dieser Klassen sind Teeblätter eindeutig grösser und die Aromen sind deswegen wesentlich flacher und schlechter als die anderen zwei.

Wann wird Shifeng Lungjing gepflückt? Ende März bis Anfang April und nur innert 10 Tagen. Der beste Lungjing überhaupt heisst Mingqian Longjing 明前龍井.

Die Lungjings, die wir in europa meistens erhalten können, sind OEM Produkte aus anderen Gebieten von Zhejian, Yunan, Fujian und Vietnam…

Was ist Drachenbrunnen? Das ist ein Brunnen am Tempel Longjing, bekannt seit Ming Dynastie. Aber das beste Wasser für Lungjing Tee sei Brunnen Hupao 虎跑泉 (Brunnen des rennenden Tigers) im Hupao Berg.

Lungjing Tempel Tempel Lungjing

Literatur: Chen Wenhuai 1997. Wang Xinjun 1980.

Naixiang Wulong Cha 奶香烏龍茶

Stefan (nicht aus DD, sondern der andere aus Thüringen) fragte mich, ob ich Naixiang Wulong Cha kenne, ob dieser Wulong (Oolong) der Jinxuan Oolong sei.

Darüber habe ich mit Teataster Chen besprochen, was für einen Tee es sein kann. Naixiang sollte der typische Geschmack von Jinxuan sein, wenn Jinxuan (eine neue Oolongsorte) richtig hergestellt wird. Naixian – milchiger Duft, meinen wir eigentlich nicht nach Molk, sondern leicht süsslich, leicht wie Condensmilch.

Aus Bremen habe ich einen Naixiang Oolong aus Taiwan als Muster angefordert. Dieser Tee schmeckt richtig molkig. Für mich ist dieser Tee eindeutig parfümiert. Teataster Chen war ebenfalls meiner Meinung, denn Jinxuan Oolong 金萱 nicht wirklich so „molkig“ schmeckt. Er habe allerdings noch nie von dieser Bezeichnung Naixian Oolong gehört. Ich kann die Frage Stefans nicht wirklich antworten. Ob es einen seziellen Verfahren für diesen mit „Molk“ behandelten Oolong gibt, ist mir nicht bekannt. Ich würde eher behaupten, dass dieser Oolong einfach „aromatisiert“ oder „parfümiert“ wurde, wie viele so genannten Gingsen (Rensen) Oolong…

Eine Degustation mit Huang Jin Gui

Eine Degustation mit Huang Jin Gui

Huang Jin Gui, ein noch unbekannte Oolongsorte in Europa, genießt jedoch seit 1850 als ein unverwechselbarer Duft-Oolong in China. Er ist bekannt für seinen einzigartigen ausgezeichneten Duft und seine früh treibenden Eigenschaft. Es wurde erzählt: „Bevor man seine liebliche Note im Gaumen vergehen lässt, strömt die außergewöhnliche Duftnote bereits in die Nase!“

Huang Jin Gui wurde in China wie Yancha zu einer streifenartigen Form verarbeitet. Seit 90er Jahren wurde er ebenfalls in Taiwan produziert. Der Huang Jin Gui aus Taiwan hat allerdings eine taiwanesische Form – halbkugelig. Huang Jin bedeutet Gold auf Chinesisch und Gui bedeutet Osmanthus, vielleicht meint man die ähnliche Duftnote von beiden. Ich nenne diesen Tee einfach als „Goldener Oolong“.

In meiner Reise nach Taiwan habe ich einen seltenen besonderen Hochland Goldener Oolong probieren können! Seine unverwechselbare Duftnote begeisterte mich und half mir es zu verstehen, weshalb dieser Tee seinen Rühm genießt!

In Konstanz degustierte ich zwei Goldener Oolong: einer aus Nantou Mingjian, einer aus Lishan. Die beiden Huang Jin Gui zeigen seine Ähnlichkeiten und weisen gleichzeitig aufgrund zwei unterschiedlichen Anbaugebiet wiederum interessante bemerkbare Diversität!

Huang Jin Gui aus Nantou: die Blätter sind ledrig, stark und die Fermentationsfärbung sind eindeutig zu sehen. Sein Aufguss ist klar, aber gelblich leicht orangenfarbig. Er schmeckt vollmundig, honigsüß und geschmeidig.

Huang Jin Gui aus Lishan: das Hochlandsqi war nicht zu übersehen! Erfrischend, elegant und sanft strömte der Duft in meine Nase! Seine Blätter sind dicker als gewöhnliche Oolong durch seine Höhe, sind saftig grün und rötlich am Rande gefärbt! Die eindeutige milchige (Naixiang) liebliche Duftnoten vergeht in einer Geschmeidigkeit in die Zunge. Sein Aufguss ist klar, hell gelblich.

Teataster Chen gab mir einen guten Rat, dass man den Duft des Tees nach der Erkalten des Tees erst richtig verifizieren kann. Nach zwanzig Minuten decke ich die Decke ab und genoß noch einmal die Düfte: der Goldener Oolong aus Lishan duftet tatsächlich nach Osmanthus – lieblich und blumig; während der Goldener Oolong aus Nantou richtig nach Honig duftet!

Im Bild: rechts Huang Jin Gui aus Lishan; links Huang Jing Gui aus Nantou. 

Nicht nur Räucherstäbchen

Nicht nur Räucherstäbchen

Es gibt nicht nur Räucherstäbchen, die unsere Nase und Räumen mit Düften verwöhnen können. Es gibt auch andere Möglichkeiten, die vielleicht noch mehr Ruhe in uns verbereiten könnte.

Räuchermeister Chen zeigte mir eine Möglichkeit mit Duftpulver zu arbeiten. Er bezeichnet die Ruhe des Erlebens, die beim Räuchern entstanden ist, als die wahre Faszination von Duft. Duft bringe uns zurück zu uns und beruhigt unseren stets „denkenden“ Geist zur Ruhe. Ohne Ruhe könnten wir den Duft gar nicht geniessen, ohne Ruhe könnten wir gar nicht realisieren, was für einen Duft sich gerade im Raum verbereitet!

Er schlägt vor mit reinem Pulver aus Sandelholz 檀香oder Adlerholz 沉香 zu arbeiten:

Auf Asche mit Messer Striche ziehen – man kann auch ein Wort schreiben. Die Pulver vorsichtig in die Striche fühllen und dann anzünden.

Im Teezeremonie benutzen wir auch Neriko – Räucherwerk aus Honig, Kohlepulver, Sandelholzpulver, Adlerholzpulver und viele andere Gewürze und Harze je nach Geschmack. Neriko wird auf heissem Aschen oder neben der glühenden Kohle gelegt und sein Duft füllt den Raum almählich und nachhaltig! Es gibt nicht nur Räucherstäbchen, sondern viele andere Möglichkeiten, die uns in diese neue Welt der Düften einführen können!

Er erzählte mir ebenfalls von der Wirkung von Duft. Ursprünglich war er vom Beruf chinesischer Apotheker. Chinesische Medizin arbeitet viel mit Düfte und Geschmäcke. Um guten Adlerholz zu suchen, reiste er Monaten lang durch Urwälder in Südasien. Diese Welt hat ihn fest gefesselt und er konzentriert sich nun nur auf Düfte. Er sagte mir, dass Adlerholz sich direkt auf unser Dantian auswirkt. Er bringt die Energie runter und beruhigt uns somit. Gegen Bauchschmerzen und Unterleib-Problem ist Adlerholz eine grosse Hilfe. Er fördert Yin-Energie im Körper und entspannt. Sandelholz dagegen wirkt eher energetisch aufsteigend. Für Meditation ist er nicht zu empfehlen. Er hilft Lunge und Magen Probleme und fördert Yang Energie im Körper. Blütedüfte wirken prinzipiell im Kopf. Darum ist Jasmintee bei der Depression und Migräne oft eine Hilfe.

Er kann vieles erzählen. Erleben müssen wir es selbst. Ohne Ruhe erleben wir gar nichts.

Die Welt der Düfte 2

Die Welt der Düfte 2

Räuchermeister Chen zeigte mir, wie man Räucherstäbchen anzündet.

Räucherstäbchen ist nun weltweit salonfähig. Ein neuer Produkt von Life-Style und Wellness, aber eine uralte Tradition von fernöstlicher Religiösität!

In Europa findet man zwei verschiedene Ausführungen von Räucherstäbchen: einer mit Bambus-Stab, der andere ohne Bambus und wird direkt im Asche gesteckt. Warum dieser Unterschied?

Im Südchina ist Bambus beheimatet, während Bambus in Nordchina eine Rarität war. Darum ist ein Räucherwerk ohne Bambusstab in Nordchina entstanden, während in Südchina das Räucherwerk mit gespaltendem Bambus hergestellt wird. Heute ist Taiwan der führende Produzent von Bambus-Räucherstäbchen.

Deshalb sind Räucherstäbchen aus Taiwan, Indien und Südasien meistens mit Bambus-Stab und japanische Räucherstäbchen ohne Bambus-Stab.

Meister Chen sagte mir, dass man sich selbst zum Ausdruck brint, indem er Räucherstäbchen anzündet. Viele haben kein Geduld und zündet Räucherstäbchen einfach so an, so dass ein grosser Teil verkohlt und schwarz wird. So kann man den feinen Duft nicht richtig geniessen. Besser Räucherstäbchen schräg mit Feuerzeug anzünden und mit einem Abstand zur Nase halten. So haben wir mehr von dem Duft.

Viele neue Life-Style Räucherstäbchen aus Japan preisen mit „Less Smoke oder Non Smoke“. Er hält nichts von dieser Aussage. Ein reiner Naturprodukt kann nicht „less Smoke oder Non Smoke“ sein. Auch schöne weisse Asche, was Räucherstäbchen hinterlässt, zeigt, wie „unrein und unnatürlich“ dieser Produkt ist!

Um Feinheit der Düfte zu verifizieren und die Vielfalt der Geschmäcke kennenzulernen, ist ein sortenreinen Räucherwerk zu empfehlen. Die Mischungen sind eher irreführend für jemanden, der sich mit Düfte auseinandersetzen möchte. Das gilt ebenfalls beim Tee! Tee und Duft können wir nur durch unseren Körper erfahren und verifizieren, nicht durch das Denken! Durch Körper lernen wir die Feinheit der Geschmäcke kennen! Und die Ruhe des Geniessens bringt uns zu uns selbst zurück!

Wer sich mit Tee auseinandersetzt, ist irgendwann unzufrieden mit aromatisierten Produkten. Wer den natürlichen Duft und authentischen Geschmack schätzen gelernt hat, kann mit der künstlichen Aromatisierung nicht mehr glücklich sein!

Warum schreibe ich so viel über Düfte? Weil wir unsere Welt sehr viel über Nase wahrnehmen als wir es realisieren können! Weil wir den Tee ebenfalls nicht nur durch Augen und Gaumen geniessen, sondern auch durch die Nase! Viele Gerüche werden mit vieler Erinnerung im Gedächtnis gespeichert. Und wiederum rufen Gerüche viele unsere Erinnerungen, Gefühle und Emotionen auf, die längst vergessen wurde! Gerüche sind Eintrittsticket in die andere Welt, die oft im uns versteckt ist und verborgen bleibt…

Das Buch Parfum hat uns dieses Geheimnis gelüftet und erzählt uns die unsichtbare und aber „wirkliche“ Wirkung der Düfte. Leider wird die Funktion unsere Nase unterschätzt und die „Glaubwürdigkeit unserer Augen“ überbewertet!

Vertrau‘ unsere Nase und wir können unsere Welt „grossartig“ erleben!

Die Welt der Düfte

Die Welt der Düfte

Stefan fragte mich, wie war meine Reise. Ja, super! Leider hatte ich zu wenig Zeit für den Blog. Nach meiner Ankunft in Europa verarbeite ich nun, was ich alles gelernt habe!

Ich habe ein unglaublich interessantes und unvergessliches Erlebnis bei einem Räucher-Meister erlebt! Er heisst zufällig auch Chen!

Warum Duft?

Ich dachte, dass meine Nase total schlecht ist bis ich mich mit Tee beschäftige. Meine Nase war nicht schlecht, sie war nur nicht „gelebt“. Sie war nicht eingeführt in diese interessante Welt der Düfte!

Normalerweise möchte man die Düfte stark schmecken. Man zündet Duftkerzen an, Räucherstäbchen mit Lavender ect und sprüht Chanel no.5 auf den Körper. Is es der Weg, eigene Nase zu verfeinern und Düfte zu geniessen?

Räuchermeister Chen sagte mir, Geniessen kann man nur mit Abstand. Er hielt das Räucherstäbchen in einem Abstand ca. 15 cm zu seiner Nase und führte so zärtlich von links nach rechts. Elegant und ruhig. Der Duft umhüllte ihn und ich seufzte.

Ich fragte ihm, was er von Parfüm hält. Er seufzte ebenfalls. „Weiss Du, Parfüm auf den Körper zu tragen, ist heute eine Akt für anderen, damit alle wissen – ich bin da! So rieche ich- so möchte ich gerne riechen.“ Er zeigte mir Rezepte von älterer Duftmischungen für Kleider und Körper: dezent, fein und individuell. „Duft ist eine sehr individuelle Sache, so wie Du Tee verstehst. Jeder hat einen anderen Geschmack! In der alten Zeit parfümiert man sich mit eigener Mischung aus Holzpulver und Gewürze oder Blumenwasser. Man schmeckt den anderen nicht, wenn man nicht in die Nähe des anderen zugelassen wurde. Es ist eine intime Sache, dass ich jemanden mich schmecken liess…“

Wie schmeckst Du? Nach Chanel No. 5 oder Poison von Christian Dior?

Menschen, die sich an der Grenze bewegen

Ich bin wieder da in Europa. Es ist nicht die Kälte, der Nebel und die Sprache, was diese Grenze bemerkbar macht, sondern die Atmosphäre, die Menschen umhüllt.

Kulturschock, egal wie man es nennen wollte, findet in jedem Moment statt. Die Ignoranz und Vorstellung über Asiaten (vor allem Asiatinnen), das ernste Gesicht der entgegenkommenden Menschen und die bestimmende mitteleuropäische Art der Dienstleistenden (die schlechte Bedingung im Laden und Restaurant) brachten mich immer wieder zum Aufregen. Phänomenen, wenn ein Fremder wieder „zurückkehrt“…

Jahrelang habe ich beklagt über oberflächliche Art der Schweizer Freundlichkeit und Selbstverherrlichung der Schweizer Denkweise. Ich wusste nicht, dass es um einen Prozess der Verarbeitung als ein Fremder unter den Fremden geht. Fremd, sind ich oder die Schweizer? Probleme von mir oder von den Schweizern?

Marisa kam mich heute besuchen. Sie ist in Argentinien aufgewachsen und von deutscher Abstammung. Eine akzentlose Sprache spricht sie, aber fühlt sich hier fremd. „Ich bin eine Argentinierin.“ Wir tranken einen Huang Jin Gui, ein Oolong der sich über die Meeresgrenze aus China nach Taiwan ansiedelt. Beim Tee ist es alles einfacher, er gewöhnt sich an das Klima und schlägt seine Wurzel ein oder auch nicht. Bei seiner schlechten wirtschaftlichen Aussicht wird er ausgerottet oder im Leben gelassen. Aber Marisa erzählte mir von dem Leiden ihrer Mutter als ein deutscher-argentinischer Einwanderer, der einst hier zu Hause war. Sie schafft nicht, sich von der Umgebung zu distanzieren und fühlt sich von den neugierigen und fremden Blicken und Denkweise betroffen. Verloren unter den Fremden. Sie kapselt sich ein und lebt wie auf einer Insel in Hamburg. „Menglin, nehmt Probleme des anderen nicht auf Dich. Es sind Probleme des Anderen, die nur aus ihrem Auge die Welt so anschauen zu wollen. Sie waren noch nie an der Grenze, auch wenn sie in Hilton in Bangkok oder Delhi hocken…“ Ich weinte in diesem Erkenntnis, dass das Schicksal eines Menschen, der sich an der Grenze bewegt, eben ein Fremder ist. Er überschreitet seine Grenze, die einem Geborgenheit, Sicherheit und Selbstverständnis bietet. Er verliert alles, was ihm einst Halt gab. Seine Kohärenz wurde inkohärent, seine Geschichte wurde brüchig, sein Verständnis wurde zum Unverständnis. Er kommt mit seiner Emotion nicht klar, die von Missverständnisse und Unverständnisse hervorbringen. Er muss es verstehen wollen – sich selbst und Anderen -, so dass er zur Ruhe kommt. “ Was ist mit unserer multikulturellen Gesellschaft und interkulturelle Kommunikation?“ „Eine Chance von Anderen zu lernen, sich anzuschauen. So wie der Tee, wie Du Tee zubereitest! Wir haben die Chance von Dir zu lernen, was Tee ist und was für eine faszinierende Welt im Tee sich versteckt.“ „Von Anderen lernen? Wie denn? Wenn man sich nie an das eigene Weltbild zweifelt und das Eigene für das Beste und selbstverständlich hält?“

Zur Ruhe kam ich durch den Tee. Tee sagt uns nicht viel. Man kann ihn so oder so sehen und trinken. Es ist Aufgabe des Menschen, der das Beste aus dem Tee ausschöpft oder nicht.

Es ist mein Problem, wenn Schweizer oder Deutsche anders sind als ich. Sie sind anders und es ist so in Ordnung. Ich behalte gerne diese Distanz als ein Fremder in der Gesellschaft. Es ist ein Privileg.

Fremder, ich bin gerne ein Fremder. Nicht im Aussehen und auch nicht in der Aussprache. Ich bin gerne und bleibe gerne ein Fremder im Anders-Denken.

Wie viele Blätter werden beim Oolong gepflückt?

Wie viele Blätter werden beim Oolong gepflückt?

Man hört immer wieder, dass das Standard Blattgut bei der Hand-Pflückung „one
bud and two leaves“ sei. Stimmt es? Das stimmt bei hochwertigem Grüntee,
aber leider nicht bei einem guten von Hand gepflückten Oolong.
Bei einem Oolong, der zum richtigen Zeitpunkt gepflückt werden sollte,
ist das „Bud“ so klein und die Blätter offen gewachsen. Man pflückt
meistens bei drei bis vier Blättern. Bei 5 Blätter-Pfückgut bedeutet
es, dass dieser Teegarten zu spät gepflückt wurde. Wenn das „Bud“ gross
aussieht, bedeutet es, dass das Pflückgut zu früher geerntet wurde.
Teeblätter offenbaren uns viele Geheimnisse. Wenn die trockenen
halbkugelugen Blattgut schwarz und klein aussehen, bedeutet es oft zu
jung gepflückt und fehlerhafte Herstellungsprozess. Beim einen schönen
Hochlandoolong sollte trockene Blattgut grün glänzen und im Aufguss
saftig grün erscheint. Wenn Blattgut im Aufguss gelblich erscheint,
bedeutet oft, dass es Herstellungsfehler beim Welken und Fermentation
gab. Wenn ein Oolong schöne runde kugelige Form ausweist – nicht
halbkugelig, bedeutet es, dass dieser Tee aus sehr jungen Blätter stammt
und zu früher gepflückt und zu wenig fermentiert wurde. Beim
chinesischen grünen Tie Guanyin wurde der durch Fermentation rot
gewordene Blattrand extra weg verarbeitet, während ein schöner Formosa
Oolong durch die rötlichen Ränder erst erkennbar ist!
Tee erzählt uns, wie er gewachsen war und hergestellt wurde. Wir
brauchen nur ihm zuzuhören und wissen, wer dieser Tee ist und wie er
sein kann.

Jianzhi 檢枝 ein wichtiger Schritt für die Herstellung Oolongs

Jianzhi 檢枝 ein wichtiger Schritt für die Herstellung Oolongs

Als ich nach Shidding zu Teebauer Gao fuhr, arbeiteten sie gerade an die
Winterernte Paochungs. Ich sah, dass sie gerade die holzige Stande von
Blattgut abtrennten. Eine mühesame Arbeit.
Herr Gao sagte mir, dass man heute in Taiwan eigentlich nicht mehr diese
Arbeit leitet. Man lässt die holzigen Stange an dem Blatt hängen. Das
ist modern. Blätter samt die Stange sehen schöner und vollständiger aus.
Die aussortierten Blätter ohne Stange sehen nicht so „vollwertig“ aus –
meinen moderne Konsumenten. Um dern Geschmack kümmert sich allerdings
niemand. Vielleicht wissen moderne Konsumenten auch nicht mehr, wie ein
richtig verarbeiteter Oolong ohne Stange schmeckt.
Teetaster Chen erzählte mir ebenfalls von dieser Tatsache, obwohl er
seinen hochwertigen Lishan Oolong immer noch disen Prozess durchziehen
liess – ein Oolong ohne diesen holzigen Teil schmeckt einfach besser und
feiner. Bei bestimmten Oolongsorten wie Huang Jin Gui ist dieser
Unterschied bemerkbar. Warum wird dieser Prozess erspart? Um
Herstellungskosten zu drücken und weil die meisten Teeläden in den
Städten Taiwans nicht mehr selbst Tee verarbeiten.
In der frühen Zeit kauften Teeläden frisch verarbeiteten Tee von
Teebauer oder Zwischenhändler ab und verarbeiten den Tee selbst weiter.
Zuerst wird der Tee aussortoert: Blatt und Stange abgetrennt. Dann wird
der Tee je nach Geschmack und Stil des Ladens geröstet und verarbeitet.
Heute kauft man meistens den Tee so ab und verkauft es weiter an
Konsumenten. Ein Trend, der die Teekultur in dem Teeland Taiwan schadet.
„Meistens machen die Omis diese Arbeit.“ lachte Teebauer Gao, als ich
versuchte diese Arbeit mitzumachen. Ja, diese Arbeit fordert
Konzentration und fingerliche Geschick, obwohl diese Arbeit wenig
bezahlt wird. Wer würde heute noch diese Arbeit machen, wenn nicht die
mussigen Omis?
Diesen Tee kann man leider noch nicht trinken. Herr Gao muss ihn noch
weiter verarbeiten. Zuerst rösten und ruhen.