Schenken II

Teefreund Helmut schrieb einen Text über das Geschenk als Antwort auf meinen letzten Beitrag über das Thema. Schenken ist ein anthroposophisches Phnänomen und von höchster Kunst!

Ich bin auch am lernen! Mein Lehrer Atong fotografiert die Geschenke die er von Leute erhielt. Warum? Um zu wissen was man möchtest mal zurück schenken kann.

Wir schenken zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Kein Problem, mein Sohn Adrian hat schon einen Monat vorher eine Liste mit Wünschen, die schriftlich fixiert und dezidiert, bis auf die genaue Handymodellbezeichnung und den dazu gehörigen Links formuliert wird. Hier besteht das Problem lediglich in der genauen Entscheidung, oder besser in der Reduktion der Wünsche auf ein gesundes Maß. Das setzt wiederum ein geschicktes Verhandeln und Taktieren voraus, es handelt sich schließlich um Wünsche für Geschenke. Damit darf nicht achtlos oder gar respektlos umgegangen werden. Der Wunsch an sich hat erst einmal Gewicht und Kraft. Hier wird auf eine ganz andere Weise das Schenken als das Erfüllen von Wünschen und Sehnsüchten eine große Kunst des Abwägens und Erfreuens und Überraschens.

Schenke ich meinem Hund Pinto einen Markknochen ist die Welt plötzlich voll und ganz in Ordnung. Der Hund ist sofort hier und jetzt für eine ganze Stunde glücklich. Erwartet hat er gar nichts. So ist das Geschenk eine Überraschung und zwar eine überaus gelungene. Das Tier ist glücklich, der Chef ist glücklich. So einfach kann schenken auch sein, Tier und Mensch im Einklang.

Wird man eingeladen zu Essen etwa, oder auf eine Feier, wird die Sache kniffliger.
Ich war letztens zum Jubiläum meiner Goldschmiedefreundin eingeladen. Wir kennen uns lange, früher intensiver, heute weniger vertraut aber eben gut. Was mitbringen, ich war unsicher. Ich dachte an guten Wein oder Cremant. Dann fiel mir dunkel ein, dass es im nahen Umkreis von ihr ein Alkoholproblem gab. Wein ist vielleicht doch nicht ideal. Literatur fiel mangels Vertrautheit aus. Ich entschied mich spontan am selben Tag für Tee. Das mache ich qua Profession höchst ungern, aber es erschien mir die einzig sinnvolle Alternative zu sein. Der geschenkte Matcha von höchster Qualität war genau die richtige Lösung gewesen und fand, schön verpackt, die allerhöchste Wertschätzung.

Das Schenken soll nicht nur den Beschenkten, sondern auch den Schenker erfreuen.
Dieses „Klingen“ und „Zurück-Klingen“, das „sonare“ und re-sonare“ scheint mir die Essenz des Schenkens zu sein. Es ist ein ohne Worte sich Verstehen, ein Aufnehmen, Antizipieren und Zurückgeben.
Resonanz, das scheint mir das Grundprinzip des Schenkens zu sein.

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