Milchverkäufer und die Entwicklung des Tees

Qigong Meister Chen erzählte mir eine Geschichte, als ein Seminarteilnehmer seines Kurs nach seinem Rückkehr nach Taiwan eine so genannte Einführung für alle anderen Seminarteilnehmer anbieten wollte. Seiner Meinung nach hat der Meister Chen keinen Rücksicht auf „Basis-Wissen“ von Qigong. Meister antwortete darauf mit dieser Geschichte.

Ein Milchverkäufer kaufte die Milch direkt beim Bauer ab und mischte anschließend Wasser in die Milch. Der nächste Händler kaufte bei ihm ab und mischte anschließend Zusatzaroma hinzu. Der nächste Händler kaufte bei dem Verkäufer ab und mischte anschließend noch mehr Zutaten hinein, um noch mehr „persönliche“ Noten hervorzuheben. Der Endkonsument kaufte bei dem Händler ab und wusste schon nicht mehr, wie eine „reine“ Milch schmecken kann…

Diese Geschichte erinnert mich an Aromatisierung des Tees.

Man ist nicht zufrieden mit dem reinen Aroma des Tees und fügt vermeintliche Aromastoffe hinzu. Oder besser gesagt, dass man den Zugang verloren hat, den Tee in seinem reinen Geschmack zu entdecken! Man glaubt nicht mehr an eigene Empfindung und Entdeckungsfähigkeit, sondern an die industrielle Anfertigung, die mit Geschmacksverstärke und reizenden Zusatzaromen. Der reine hochwertige Tee, dessen Duft und Aroma erst durch Aufguss zum Ausdruck kommt, ist in ersten Linien unauffällig und muss erst von Teetrinker entdeckt werden. Ein Massentee, dessen eigenen Duft und Aroma spärlich ist, kann durch Zusatzstoffe „aufgewertet“ werden und „überfällt“ vielen Nasen. Aber dieser Tee ist „geschminkt“ und wir wissen nicht, wie sein wirkliches Gesicht ist. Der Teeverkäufer hat wie der Milchverkäufer den Tee „verfeinert“, damit man nicht mehr weis, wie der Tee war!

Wir mischen heute Erdbeeren und Himbeeren „identisches“ Aroma hinzu und im Winter Schokolade und Zimt. Dieses Jahr haben wir diesen neuen Geschmack kreiert und nächstes Jahr? Noch mehr Aroma, noch mehr Neuigkeiten und noch größere Sensation? Unser Geist ist ständig in Rottieren – wie ein Hamster auf dem Rad, in der Suche nach Trend, nach neuen Erlebnissen und nach unentdeckten „Geschmack“! Die Dinge so wie sie sind zu sehen, zu erleben und zu genießen, können immer weniger Menschen. Der Jagd nach dem Aroma und Geschmack widerspiegelt dem Geist unserer Zeit!

Das ist der Hintergrund, warum Meister Chen mich ermutigte, die Kultur des Tees so zu vermitteln, wie sie ist, ohne meine persönliche Neigung beizumischen.

2 Gedanken zu „Milchverkäufer und die Entwicklung des Tees

  1. stefan

    Die persönlich Neigung gibt dem vermittelten Wissen die Würze.
    Mein Taiji Lehrer sagt forsche und experimentiere aber bleibe im Einklang mit dem Ursprung.
    viele Grüße

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  2. Menglin

    Persönlicher Stil könnte dem vermittelten Wissen die Würze verleihen. Die Essenz einer Tradition bleibt allerdings in der Übermittelung im Vordergrund.

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