Archiv der Kategorie: Pu Er und gelagerter Tee

Pu Er Degustation von Yiwu 易武 2003, Yiwu 易武 1999 und Menghai 1982

Ich danke zuerst 茶友 Teefreund Stefane aus Taipei. Er schickte mir einen schönen jungen Pu Er aus Yiwu zum Probieren. Ich habe diese Probe mit meinen anderen Yiwu-Pu Er probiert. Der Duft ist identitisch, obwohl 4 Jahre dazwichen liegen.

Degustation von drei Pu Er Tees.von links nach rechts:Pu Er 2003 von Yiwu, Pu er 1999 von Yiwu und Pu Er 1982 Qizi Bing Cha 七子餅茶 aus Menghai.

Der junge Pu Er von 2003 kann sicherlich nicht mit den anderen älteren verglichen werden. Der Geschmack und Tiefe fehlen diesem jungen Tee einfach. Heute werde ich ihn mit einem Yiwu 2004 aus der Pflückung von wildem Teebäumen vergleichen und könnte mehr darüber berichten.

Viele Verkäufer behaupten heute, dass ihr Tee eine alte Sorte ist oder aus wilder Pflückung stammt. Als normaler Konsument könnten wir uns gar nicht richtig vor solchen Marktstrategie schützen. Ich bemühe mich Merkmale des Tees zu beschreiben und darzustellen, damit das Wissen an Teeliebhaber in Europa weiter vermittelt werden kann. Egal was der Verkäufer uns erzählt, schau´ zuerst den Tee an, scmeck´ ihn und trink´ ihn. Er wird uns über seine Wahrheit und Geschichte berichten: wie er gepflückt, hergestellt und gelagert wird!
Neulich habe ich auch einen Pu Er von einem vertrauten Teehändler aus Europa erhalten. Er schickte mir begeistert die Probe zu und schrieb, dass dieser Tee eine wilde Pflückung 野生茶 sei. Ich degustierte ihn mit voller Spannung und wurde enttäuscht, dass dieser Tee eigentlich küsntlich nachfermentiert wurde! Die Blätter waren richtig schwarz, hart und glanzlos. Dagegen mein Pu Er 1990 aus Grenze zu Vietnam zeigen zwar dunkle aber vollständig aufgegangene Blätter! Es ist offensichlich, dass dieser Teefreund von chinesischen Händlern betrogen wurde…

Übrigens habe ich die Probe von Suzanne von einem schönen grünen Tee aus Strassburg probiert. Ein schöner Tee, wahrscheinlich aus Hunan, aber sicherlich kein gelber Tee. Ich habe gehört, dass viele Teebauer in Hunan nicht nur traditionellen gelben Tee Junshan Yizhen herstellen, sondern mit den gleichen Tee auch weissen Yinzhen produzieren. Denn sie mehr Kundschaft erreichen wollen, die nur die weisse Yizhen kennen… Das bedeutet, dass Junshan Yizhen 君山銀針weniger produziert wird! Weil der Teegarten in Junshan 君山 nur eine bestimmte Menge von Ernte austrägt und gleichzeitig zwei verschiedene Tees produzieren muss. Ausserdem gehört der weisse Yinzhen 銀針百毫 nicht zur Tradition des Hunan Tees…
Wieder ein Beispiel, wie der Markt die Tradition des Tees, die über Jahrhunderten überlebt, verändert!

Pu Er Tee und die Kindheitserinnerungen

Heute kam Freundin Karin zu Besuch und wir tranken Pu Er Tee. Wir haben 3 verschiedene Pu Er Tees degustiert:
ein Aufguss von Pu Er aus den 80er Jahren aus Menghai,
ein Aufguss vom Grenzgebiet zwischen China und Vietnam, eine private Kreation von Teehändler Wang aus Taiwan, aus der Ernte von 1990, gepflückt aus wildwachsenden Teebäume und auf Kieferkohle getrocknet
und ein Aufguss von Simao, Ernte 1999, wilder Teebaum

Karin fing gleich an, von ihrer Kindheitserinnerungen zu erzählen. Sie erzählte von Wald, von Chalet und von Holzofen. Sie erzählte von ihren wenigen glücklichen sorgenlosen Momenten ihres Lebens. Sie strahlte, war briliant und sah schön aus.
Wir tranken die Tees und befanden uns plötzlich im Wald. Ja, es duftet nach Kiefer, es duftet nach Tannenspitzen und es duftet nach Erde!
Karin liebt den mit Kieferkohlen beheizten Pu Er. Er schmeckt nach Honig! Er erinnert uns an eine leichte Brise Kampfer-Duft. Herr Wang erzählte mir, dass diese Teebäume in einem Wald mit Kampfer zusammen wachsen. Die Duftnoten vermischen sich in unverwechselbarer Eigenart.
Ich liebe den alten Tee der 80er Jahre. Er sieht hell aus im Vergleich mit dem jungen 1999er. Er schmeckt nicht nach viel. Fast gar nichts – im Vergleich mit dem jungen. Er ist einfach da, einwenig dezent, klar und subtil. Literat und Qigong Meister Deng Shihai sagte, dass ältere Pu Ers nach gar nichts schmecken. Dieser Satz hat mich immer verwirrt. Nach gar nichts, wie denn? Pu Er ist doch stark und dominant. Heute nachmittags glaubte ich es zu verstehen.
Der junge Simao, dominant, wild und stark. Unvergesslich und unverwechselbar. So beeindruckend, dass wir ihn nicht mehr berühren wollten. Wir lassen ihn noch weiter reifen, meinten wir.
Wann treffen wir uns wieder, um diesen drei Pu Ers wieder in ihren weiteren Reifungsprozess zu begegnen? Oder meinen wir uns selbst, in einer Begegnung mit Pu Er widerspiegelt erkannt zu haben?

Teeblüte in Simao
Teeblüte in Simao

Ist Pu Er ein Schwarztee oder ein roter Tee?

Oft sehe ich Werbungen von Pu Er Tee, vor allem von Reformhaus. Dort wird er oft als ein roter Tee bezeichnet. Was ist eigentlich ein roter Tee? Was verstehen Chinese unter Schwarztee?
Der roter Tee heisst Schwarztee in Europa. In China bezeichnet man einen Tee als ein roter Tee, der 100% fermentiert ist und eine schöne rötliche Farbe und einen goldenen Rand an der Tasse aufweist. Man nennt ihn Schwarztee in Europa, weil die Farbe der trockenen Blätter dunkel aussieht.
Dagegen ist ein Schwarztee in China, einer der lang gelagert ist und dadurch eine dunkle Farbe gewinnt. Also ein Tee, der nachdunkelt. Ein Pu Er, der lang gelagert ist und eine dunkle Farbe aufweist, ist für Chinesen ein Schwarztee. Keineswegs ein roter Tee!!
Zu berühmten chinesischen Schwarztees ausser dem Pu Er zählen noch:
Cangwu Liu Bao Cha 苍梧六堡茶
Xiangjian 湘尖
Anhua Hei Cha 安化黑茶
Dies sind alles Teesorten, die gelagert werden müssen, um ein eigenartiges Aroma zu gewinnen.

Mit Bambusblätter verpackter Pu Er Tee – 7 Stücke
Pu Er Tee
Pu Er Tee aus den 70er Jahren
70 er Jahre Pu Er Tee

Tuo Cha 沱茶 und Bing Cha 饼茶

Pu Er Tee kommt nicht aus der Stadt Pu Er, sondern aus dem Gebirge zwischen China und Vietnam. Ursprünglich, reines Wildnis. Pu Er ist der Ort, wo der Tee gehandelt wird.
Traditionell wird der Pu Er Tee zu verschiedener Formen gespresst. Zwei bekannte Formen in Westen sind Bing Cha – Fladen und Tuo Cha – ein Pilzkopf.
Tuo Cha ist aus der Ernte von Frühling. Sanft, leicht und zart. Bing Cha ist aus der Ernte von Herbst. Tippreich, aromatisch und voll. Bekanntester Anbauort und Fabrikation von Tuo Cha ist aus Xia Guang. Der Tuo Cha könnte oft eine bessere Qualität aufweisen als der Bing Cha. Bekanntester Bing Cha kommt aus Yibang 倚邦- und Yiwu 易武- Gebirge. Auch Menghai勐海, Simao思茅 sind bekannter Anbauort. (Früher war der Handel in der Hand von der chin. Regierung. Nun gibt es genügende private Unternehmer. Das Angebot ist vielfätiger geworden. Vielfalt bedeutet allerdings nicht immer Fortschritt…) Alle diese Tees nennen wir Pu Er Tee.
Der lose Pu Er ist oft ein künstlich veralteter Pu Er und hat wenig von Bedeutung. Während ein original junger Pu er volle weisse Tipps zeigt und aromatisch duftet, riecht ein „falscher“ Pu Er mufffig und nach Stall.
Bing Cha
Bing Cha

Tuo Cha
Mini Tuo Cha

Pu Er Tee 普洱茶

Pu Er Tee wird immer bekannter in Europa und als Fett-Killer vermarktet. Viele Pu Er probiert haben, haben das Gefühl, etwas aus dem Kuhestall geschluckt zu haben.
Wieso lieben Chinesen diesen Tee? Oder, ist der Pu Er, den Chinese trinken etwas anders als den, was man hier bekommt?
Ich habe oft Berichte von sogenannten Experten über Pu Er gelesen, sie schreiben, dass Pilzbefall bei Pu Er erwünscht sei!
Dieser Tee wird so geheimnisvoll vermaktet, weil man einfach zu wenig von ihm erfahren kann!
Ein ursprünglicher Pu Er ist ein Grüntee 滇青aus Yunnan, Südchina. Dort pflegt man den Umgang mit Tee seit mehr als Tausend Jahren. Pu Er Tee war schon in Sung-Dynastie bekannt und wurde in Qing Dynastie (1644-1911) als kaiserlicher Tribut Tee ausgenommen. Der beste Pu Er wird im Frühling gepflückt und zuerst zum Grüntee verarbeitet und anschliessend gedämpft, gepresst und getrocknet. Nach einiger Zeit, wenn man ihn trocken und gut lagert, verändert sich der Geschmack des Tees – wie ein edeler Cognic oder guter Rotwein.
Ein junge grüner Pu Er ist wild. Wenn wir ihn aufgiessen, vermittelt er uns das Bild des Wildnisses in Yunnan und Vietnam. So wild, fast ungeniessbar. Nach 3-5 Jahren Reifung könnte man ihn lange antasten, geniessen und Freude an ihn haben. Er wird milder, sanfter, eleganter.
Wenn man ihn allerdings nicht gut lagert, kommt die Feuchtigkeit rein, schmecht er muffig und hat Schimmel. Solche Pu Er sollte man lieber seinen Finger weglassen.
Da man immer mehr Pu Er schätzt, ist eine künstliche Methode in Guangdong im 60er Jahren entstanden, ihn künstlich bei der Veralterungsprozeß zu helfen. (Chinesen sind Schlau) D. h. man setzt Feuchtigkeit zu und lässt den Tee liegen. Es fängt eine Vergorungsprozess statt. Wir können uns auch ein Bild von Kompositieren machen… Solche Tees kommen hauptsächlich nach Europa. Auch in Taiwan findet man oft solche gefälschte Pu Er Tees…
Wenn der Pu Er muffig riecht und Pilze aufweist, bitte lass Eure Finger weg!

Kaiser Kangxi von Qing-Dynastie
Kaiser Kangxi der Qing-Dynastie
Yunnan
Yunnan, China