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Tee und die Weiblichkeit 1

Seit Tee in die europäische Geschichte eingeführt wurde, wurde er über zwei Orten verbereitet: in der Öffentlichkeit – Teehaus oder Teegarten; in der privaten Sphäre – Zu Hause.

Zwischen 1660-1720 sind unzählige Kaffeehäuser entstanden, wo nicht nur Kaffee ausschankte, sondern auch Tee. Solche Kaffeehäuser waren Schauplätze von gesellschaftlichen Ereignisse und Treffpunkte der politischen und wirtschaftlichen Elite. Sie verloren immer mehr ihre Wichtigkeit im Lauf des 18. Jahrhunderts, während Tee immer mehr ihre Bedeutung gewann. Tee wurde zunehmend im öffentlichen Garten und Park ausgeschenkt, wo die ganze Familie ihre Freizeit verbracht. Vauxhall, Ranelagh, Marylebone, Cuper´s etc. waren beliebte Ausflugsziele der englischen bürgerlichen Familie. Sie konnten dort spazieren, wo die Natur, die von urbanen Bevölkerung nach der Industrie-Revolution zunehmend vermisst wurde, nachgebildet wurde und kulturelle Ereignisse stattfanden. Tee trinken mit der Familie und Freunde und die Umgebung „gelüscht“ zuschauen waren das „Wellness Programm“ der damaligen bürgerlichen Familie. Frauen waren willkommend, ebenfalls Kinder. Dieses Phönomen war neuartig, denn Frauen und Kinder nicht erlaubt waren im Kaffeehaus. Der Schauplatz der weiblichen Präsenz – Tee ermöglichte die geschlechtliche Komunikation in der Öffentlichkeit, was früher nicht stattfand. Das Beisammensein der Familie stellte sich der Öffentlichkeit zur Schau. Sehen und gesehen werden. Wer ist glücklicher, welche Familie haben best erzogene Kinder, waren die Beobachtung und Gsprächsthemen beim Teetasse.

Die Kombination von Tee und Garten war nicht kulturell vorbehalten. Tee spägte nicht nur die japanische Gartenarchitektur, sondern auch die europäische. Kew Garten ist ein bekanntes Beispiel von Chinoserie!

1717 erkannte Thomas Twinning die Macht der Weiblichkeit. Er verwandelte sein Kaffeehaus zu einem Teehaus „The Golden Lyon“. Sein Teehaus wurde Treffpunkt von Damen, die sich an dem öffentlichen Leben beteiligen wollten und bewußt, sich zur Schau zu stellen. Elegante behagliche feine Atmosphäre, in der Damen sich austauschen, klatschen (Klatsch hat einen moralischen Aspekt) und entspannen konnten. Wenn die ganze Familie unterwegs waren, wäre das Teehaus der Ort gewesen, wo alle zugänglich waren. Ein männlicher Kaffeehaus oder Pubs waren keine Konkurrenz gegen Tee in einer Gesellschaft, in der das familiäre Leben (bürgerliche Werte) noch im Vordergrund stand.

Bevor der Tee in Europa ankam, war die Auswahl an Getränke für eine Gastgeberin beschränkt. Alkoholische Getränke boten die einzigen Möglichkeiten an. Man könnte sich vorstellen, wie so eine Party nach vielen Alkoholkonsum aussah… Katharina Bragnanza erkannte die neue Möglichkeit, eine kultivierte, stilvolle und geschmacksvolle Atmosphöre für alle zu schaffen – mit Tee. Herzogin Anna (1788-1861) entwickelte leidenschaftliche Tee-Rituale, um ihre Gäste in eine sorgfreie Welt voller Eleganz, Schönheit und Stil einzuführen. Es war Frauen, die Akzente des gesellschaftlichen Lebens gaben, die ihre Macht von der privaten Sphäre in die Öffentlichkeit eingedrungen haben. Die weibliche Raffinesse definierte, was kultiviert sein könnte, was abartig aussehen sollte. Sie organisierten Teepartys, in den sich beiden Geschlechter traffen und amüsierten. Gleichzeitig war es eine bewußte Demostration von Macht und Reichtum.  Eine Finger zu viel an dem Henkel der Teetasse verriet schon den Herkunft des Teetrinkers. Die Frage und Antwort auf die Gastgeberin sagten bereits das Habitus eines Gastes. 

Die weibliche Hand, die eine Teekanne innehat, gleicht eine Waffe in der Hand zu besitzen. Eine Aussage eines englischen männlichen Anthropologe Alan Macfarlane.

Das magische Wasser – Tee

Magisch ist der Tee, weil er als Ferment unserer gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung diente.

In alten chinesischen Städten, wo dichte Bevölkerungen zusammenlebten und das saubere Trinkwasser ein ernsthaftes Problem war, bedeutet die Entstehung des Tees eine Rettung und Stütze der chinesischen Zivilisation. Das gleiche Problem hatte europäische Zivilisation. Die Gewohnheit des Mittelalters, dass man das Bier zum Frühstück trank und als familiäres Getränk benutzte, war ein Dorn der industriellen Revolution. Vernunft, Leistungsfähigkeit und Effizienz waren keine Eigenschaft des Alkoholkonsums. Die Entdeckung des Tees löste das Problem der Fabrikanten und hält die Arbeiter fit und leistungsfähig. Kein Wunder, dass Tee als das Getränk des langen Lebens und des nationales Getränk des Königsreichs plädiert wurde. Eine neue Zeit bringt ein neues Getränk hervor, das wiederum eine neue Zivilisation hervorruft.

Nun in den Industrienationen, wo sauberes Trinkwasser gibt und wohlhabende Menschen andere Getränke zur Auswahl haben, spielt nun der Tee eine ganz andere Rolle. Die Herzkrankheiten und Schlaganfälle sind die Hauptursache des Todes. Man entdeckt jetzt Wirkstoffe im Tee, die diese Krankheit vorbeugen und erleichtern.

¾ der Weltbevölkerung trinken täglich Tee. Tee ist weltweit ein unentbehrliches Getränk geworden. Er unterstützt Menschen nicht nur beim Kampf gegen die Krankheiten, sondern auch die Veränderung der menschlichen Beziehung. Die Rolle und gesellschaftliche Stellung der Frauen wurden durch die Einführung des Tees wesentlich aufgewertet verändert. Diese Veränderung möchte ich nächste Woche asuführliche darüber berichten.

 

Das magische Wasser, das das arbeitende Volk fit und wach hält, reichen Menschen sinnliche und genussvolle Stunden bereichert und müde und strapazierte Seele tröstet, ist auf den Fleiß und Schweiß der meisten anonymen Teearbeiter und Teemeister in Teegärten zurückzuführen. Ich möchte uns alle nur darauf hinweisen, dass diese reine unschuldige und anmutige Flüssigkeit ohne anonyme vergessene kleine Menschen in anderem Teil der Erde nicht gäbe.

Wenn wir in der japanischen Teezeremonie eine Schale Tee vom Gastgeber serviert bekommen, bedanken wir uns zuerst bei allen, die an diesen Tee gearbeitet haben. Ich habe mich oft gefragt, warum. Wahrscheinlich sollte das uns immer wieder an die andere Seite des Lebens erinnern und die verflochene Zusammenhänge der Menschen ins Bewußtsein rufen.

 

Teepflückerin

Anmutige Teepflückerin aus Ceylon.

Touristische Werbung für die Reise nach Sri Lanka.

 

Teetrinkerin in Europa

Gemütliche Teetrinkerin in Europa. Teewerbung von Messmer.

Green Gold 綠色黃金

„Sie saßen und tranken am Theetisch,

Und sprachen von Liebe viel.

Die Herren, die waren ästhetisch,

Die Damen von zartem Gefühl.“

Heinrich Heine schrieb dieses Gedicht „Der Theetisch“ im frühen 19. Jahrhundert. Der Dichter saß wohl distanziert am Rande des Theetisches und beobachte, wie Flirt und Äuglein hin und her ausgetauscht wurden.

Als die feine Gesellschaft im Jahr 1822 ihre Gefühle und Selbstdarstellung am Teetisch und in Teetassen ausleben konnten, befand sich der Versuch des Teebaus in Assam gerade am Anfang.

Im Jahr 1824 marschierten englische Soldaten nach Assam. Sie ritten auf den Elefanten und übernahm die Macht über dieses Gebiet aus den Händen von Burma. Der englische Beamte David Scott, der englische Herrschaft präsentierte, versicherte den gescheiterten und eroberten Burmanässe, dass er und seine Soldaten nicht wegen Habgier hier kamen, sondern, um England zu verteidigen, so dass englische Feinde keine Möglichkeiten besaßen, England anzugreifen. Nur paar Jahre dauerte es bis der erste Assamtee auf den Markt gab. 1937 war es so weit.

Niemand hat Menschen in Assam gefragt, obwohl sie sich auch nie dagegen gewehrt haben, wie Wälder sich verschwanden und Teepflanzen die Erde eroberten. Sie lehnten nur ab, in dem Teegarten zu arbeiten. Dass ihre Frauen unter dem starken Sonnestrahl arbeiten und wenig dafür bezahlt werden liessen, war unvorstellbar. Die Einheimischen wurden deswegen von der englischen Herrschaft als Opiumsüchtige und faule Sacke vorgeworfen. Gastarbeiter bzw. Sklaven zu importieren war die einzige Lösung für „The Assam Company“. Chinese aus Batavia und Singapur wurden importiert, die später festgestellt wurden, dass ihre Arbeitsethik der englischen Herrschaft nicht entsprach und wohl keine Ahnung hatten, was Tee ist. Außerdem gab es genügend arme Bauer in Indien. Arme Bauer von Nachbarprovinzen werden eingeführt. Solche Arbeiter verstanden nicht, was in einem englischen Arbeitsvertrag stand und starben meistens bereits auf dem Transportweg. Die Lebenslage und Bedingungen, die Arbeiter (Kuli) im Teegarten regelten und einschränkten, waren verheerend. Ein damaliger englischer Spruch, um Kinder zu Ruhe zu bringen lautete: „Sei brav! Ansonsten kommen die Coolie Catcher und bringen dich nach Assam!“

Tee, das grüne Gold, trieb Europäer mit dem Schiff nach Asien und hält die Arbeiter und das Bürgertum in Europa fit und vernünftig. Dieses Gold wird von Schweiß und Finger der indischen Frauen unter dem starken Sonnestrahl gepflückt und hergestellt. Täglich arbeiteten sie über 10 Stunden, jede Stunde 3000 Tipps – 50 Tipps/Min. Sie waren Roberten und Schöpfer des Reichtums der imperialen Macht. Gleichzeitig benötigten englische Arbeiter in England den Tee, um sich warm zu halten, fit in der Fabrikarbeit zu bleiben und seine Arbeitskräfte aufrechtzuerhalten. Alle dienten den Kapitalismus und die Ehre des Königsreichs! Eine Tasse von billigeren Assamtee ermöglichte englische Arbeiter noch mehr und effizienter zu schaffen. Das bedeutet ebenfalls, die Coolies in Assam noch billiger bezahlt werden und noch mehr arbeiten mussten. Eine Tatsache der Wechselwirkung zwischen Blut und Gewinn. Der amerikanische Anthropologe Sidney Mintz (Autor von „Sweetness and Power“, 1985) erkannte diese Ambivalenz: “ als der englische Arbeit die erste Tasse Tee mit Zucker trank, geschah ein entscheidendes historisches Ereignis. Es prophezeit eine dramatische Veränderung, die die Wirtschaft und die Gesellschaft endgültig umwälzt.“

Alan Macfarlane und seine Mutter Iris Macfarlane beschrieb den ganzen Prozess des Assam Tee Empire. Mitfühlend und wehmutig erinnerte sich Iris Macfarlane an ihr Leben als Ehefrau eines früheren Teegarten-Verwalters und ihren gescheiterten Versuch, das Leben des Plantagearbeiters zu verbessern. Ihr Sohn ging auf die Spuren der historischen Entwicklung und Zusammenhänge, um uns ein ganzheitliches Bild über das Geschehen und die Geschichte des Tees zu vermitteln. Tee ist ein Träger der menschlichen Zivilisation, ein Ferment der kulturellen Entwicklung! Ohne Tee wäre die Kulturgeschichte zwischen Orient und Okzident ganz anders geschrieben. Ohne Tee wäre das Industriezeitalter, in dem Menschen ständig unter Zeitdruck stehenund Kopfarbeit benötigen, unerträglich.

All diese Entwicklung und Errungenschaft waren auf die Kosten des Anderen, darunter die Coolies in Assam. Macfarlane widmen ihr Buch „Green Gold“ den Menschen:

„To the people who will never read this book,

the labourers of Assam.“

Greengold

 

Green Gold :
The Empire of Tea

by Alan Macfarlane and Iris Macfarlane

Ebury Press 2003
320 pages hardback
price: £12.99
ISBN: 0091883091

 

Tee und Porzellan

Das Synonym von Porzellan ist China. Porzellan und Tee waren Zwillingsbrüder, die die Tafelkultur und die kulinarische Geschichte bereichern. Warum waren Menschen in Europa so beeindruckt von Porzellan? Warum finanzierten europäische Höfe im 18. Jahrhundert, alchemistische Experimente durchzuführen, um die Geheimnisse des Porzellans zu entlüften? Vielleicht muss man die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel lesen.
1596 schrieb ein holländischer Reisender in seinem Reisebericht im Osten über seine Begegnung mit chinesischem Essen: „Auf dem Tisch werden raffinierte Speise in schönen verschiedenen Porzellan oder Silbergeschirr präsentiert. Fleisch wurde fein geschnitten, Fisch wurde exakt portioniert… Man darf nicht das Essen mit Hände zu sich nehmen, sondern mit zwei schwarze dünne Stäbchen. Es fehlt nichts runter, so dass man keine Serviette bräuchte.“ (Die Weltgeschichte des Tees) Diese Beschreibung widerspiegelt der damaligen europäischen kulinarischen Kultur. Das Essen hatte keinen besonderen Stellungswert und die Kochkunst war armselig. Gewürze und Aromastoffe waren Luxuswaren und mussten von Orient importiert werden. Pfeffersack war eine Bezeichnung der Reichen. Im 15. Jahrhundert wurde die italienische Kochkunst durch die arabischen Einflüsse bereichert, während die französische Küche erst im 16. Jahrhundert Bedeutung gewann. Das Hauptthema des Kochens war den schlechten unerwünschten Geruch des konservierten Fleischs, das Eiweißquelle war, zu bedecken.

Muys Bild
Eine Malerei von Nicolas Muys aus Holland im 18. Jahrhundert. Die feine Dame saß vor einem Wasserkocher. Zwei Hausmädchen bedienten, während der Herr einen Besuch empfang.

Persönliche Gabel und Messer wurden erst richtig populär in dem 16. Jahrhundert. Man aß wie heutige Inder mit Händen. Gemeinschaftsgabel und -messer waren zwar vorhanden, aber man muss mit Hände eigenes Speise zu sich nehmen. Vor 16. Jahrhundert musste man bei einer Einladung selbst Messer mitnehmen und zwar meistens nur für Brot schneiden. Becher gab es aus Stein, privilegierte Schichte benutzten Zinkbecher. Becher werden von Anwesenden gemeinsam benutzt. Persönliche Gabel wurde im 16. Jahrhundert in Venedig zum ersten Mal erwähnt und später über Italien nach Spanien übermittelt. In England wurde die Benutzung von persönlicher Gabel erst 1750 bekannt. Vor dieser Zeit benutzte man einfach seine Hände und putzte seine Hände mit Servietten, wenn sie beschmutzt wurden. Dieser Vorgang wurde innerhalb einer Mahlzeit öfters wiederholt.
In diesem historischen Hintergrund war es nicht wunderlich, dass Porzellan sofort den Einzug in die europäische Alltagskultur fand. Menschen in Europa kannten diese Art von Tafelkultur nicht und ließen sich beeindrucken. Tee und das Geschirr, das Tee präsentiert wurden von europäischen Höfen mit Leidenschaft aufgenommen. Der Stil Chinoiserie, die sich durch Porzellankabinette, Teehäuser und chinesische Pagode zum Ausdruck gebracht wird, zeigen die Verklärung und Respekt vor der vermeintlichen anderen Kultur, die ihrer Eigenen widerspiegelt.

Indische Tees – Der Weg zur weltweiten Karriere

Viele Leute fragen mich oft, ob der Tee ursprünglich aus Indien stammt. Oft bin ich sprachlos. Ich habe mich oft gefragt, wie so der indische Tee eine weltweite Karriere machen kann.

Indien war ein bekanntes Sinnbild von Gewürze und feinen Textilien. Marco Polo lobte die indischen Textilien als schönste, feinste Stoffe. Indische Baumwolle war weltweit begehrt. Im 17. Jahrhundert war sie Importschlager in England, so dass es ein Importverbot aufgrund des Protests der traditionellen Wollenproduktion verhängt wurde. Im 18. Jahrhundert wurde die Lage umgekehrt. Die englische Baumwolle eroberte den indischen Markt und verursachte verheerende soziale Elend in Indien. Tausende indische Familien verloren ihre Existenz und die tausendjährige Tradition des Textilien-Handwerk wurde auf einmal spurlos zerstört.
Woher bekam das alte England die Baumwolle? Natürlich von Kronenkolonie west-indischer Insel – mit den Sklaven aus Westafrika! Später wurde Indien lediglich als Rohstoff-Anbieter in dem Welthandel integriert. 1830 verschwand das Textil-Handwerk – der früheren Symbol der paradiesischen Osten in der Geschichte. Ist es ein historischer Zufall, dass Indien und China ähnliches Schicksal erleben mussten?

Nachdem Tee nicht mehr für bestimmte Schichte privilegiert war, wurde er ein allgemeines Genussmittel. Es ist den Engländern sehr wichtig die Dominanz des chinesischen Tees zu brechen. In eigener Kolonie Ersatz zu finden war eine selbstverständliche Lösung. Außerdem gibt es klimatische Parallel zwischen den britischen Kolonie und Teeheimat China. Wilde Teepflanzen wurde in Assam gefunden, während man in Darjeeling experimentierte. Kulis aus Singapore wurden importiert. Die Geschichte des indischen Tees spiegelt unserer globalisierten kapitalistischen Denkweise wider. Sie herrscht heute noch. Man produziert dort, wo es billig ist, ohne auf die Tradition und Handwerk zu achten. Viele Bio-Tees sind die besten Beispiele.

Tee in Afrika
Tee kommt auch aus Affrika. Eine Errungenschaft unserer Globalisierung.

Teehandel und Opiumkrieg

Der Welthandel in den 17. und 18. Jahrhunderten war ein Austausch von Luxuswaren zwischen dem fernen Osten und dem Okzident. Das Zahlungsmittel war Silber. Vom Okzident führte man Tee, Seide und Porzellan aus China ein, während man sich in China ausschließlich für Uhren und Silber interessierte. Ende des 18. Jahrhundert wurde das Volumen des Handels allmählich für Engländer unbefriedigend. Die Nachfrage in Europa stieg und stieg. 1793 sendete König George III einen Botschafter Lord George Macartney nach Beijing und verlangte dem Kaiser nach mehr Handlungsfreiraum. Kaiser Qianlong 乾隆皇帝 erwiderte, dass China ein großes Land mit vielfältiger Raffinesse und Ressourcen ist. In dem Binnenmarkt fehle kaum etwas Exotisches. Da Seide und Tee und Porzellan eine Beliebtheit in Europa genossen, erlaube er diese Waren in Guangdong zu exportieren. Dies sei kaiserliche Gnade und bedürfe keine weitere Diskussion.

Opium Opium

Ein Land, das mit sich zufrieden ist und keine Exotik bedarf, lehnt ein anders Land ab, das ständige Drang in sich spürte und spürt, in die Ferne aufzubrechen und das Exotische zu besitzen. England musste das Problem mit extremer Ausfuhr von Silber lösen und die Handelsdefizit beheben. Da das Schmuggelgeschäft mit Tee florierte, musste der Tee-Zoll in Englang von 119% auf 12,5% senken. Die eingebußte Steuereinnahme und weitere Silberausfuhr an China machte die finanzielle Lage noch brennender. Die perfekte Lösung der Engländer war Opium nach China zu exportieren. Die Situation wurde dramatisch verbessert. 1820 wurde Silber in umgekehrter Richtung geflossen. Als der Kaiser Daoguang 道光皇帝 die verheerende Realität seines Volkes bemerkte, war fast schon zu spät. Seine Bemühung und sie Arbeit seines Beamtes Lin Zexu konnte die Wende nicht kehren und rief die Rache des Engländer hervor. Ein Krieg um Opium, in dem Tee als Ferment diente, war nicht mehr zu vermeiden. England behauptete seine Macht im Welthandel und China musste sich beugen. Das einstige Kulturnation, ein Land vielfältiger Raffinesse lebte in einer anderen Realität und musste mit der auf dem Materialismus begründeten Zivilisation konfrontieren.
Tee, einst ein Symbol einer nach innen besinnenden Kultur war, wurde heute eine Ware.

Qianlong Qing-Kaiser Qianlong 1736–1799

Zucker im Tee

Man fragt mich oft in meinen Vorträgen, ob Chinesen Tee mit Zucker verfeinern. Ich kannte diese Konvention in chinesischem Kulturkreis eigentlich nicht. Woher kommt eigentlich diese Assoziation von Zucker mit Tee? Weil Tee zu bitter und schlecht schmeckt?

portugiesische Prinzessin Catarina de Bragança

Catarina de Bragança die portugiesische Prinzessin heiratete den englischen König Karl der Zweite (1662) und machte den Tee europaweit hoffähig. Sie brachte zu der Hochzeit nicht nur ihr Grundnahrungsmittel – Tee, sondern auch die vereinbarte Mitgift. Ursprünglich wurde Silber als Mitgift vereinbart. Aus irgendeinem Grund wurde Silber von Zucker ersetzt. Zucker war in damaliger Zeit nicht weniger wertvoll als Silber. Im Jahr 1665 wurden nur 88 Tonnen Zucker nach England importiert. Selbst in aristokratischen Kreisen kam nicht jeder dazu den Geschmack des Zuckers zu probieren. Honig war die einzige Quelle der süßen Versuchung. Engländer mussten den Zucker in Indien oder bei den Portugiesen den brasilianischen Zucker kaufen. Der Zucker war genau so wertvoll wie der Tee, der nur über den Import aus China oder Japan erhältlich war.
Zucker und Tee, zwei Luxuswaren, zwei Geschmacke des Paradieses vereinen sich zu einem unverkennbaren Lebensstil. Es ist ein Sich-zur-Schau Stellen. Eine Demonstration des Reichtums und der Macht. (…begleitet mit chinesischen Porzellan und Architektur…)
Wenn wir davon ableiten, dass Schwarztee mit Zucker ein Symbol der englisch Schwarzteekultur ist, dann enthält er eine Nuance des Imperialismus. Dieser Luxus brauchte zwei Stützen: Die Sicherung der kolonialisierten west-indischen Zucker-Plantage und die Dominanz über den Welthandel mit China. Über den Welthandel des Tees und seine Problematik mit China werde ich im nächsten Beitrag behandeln.

Chinesischer Pavillon in Pillnitz
Chinesischer Pavillon in Pillnitz. Gebaut von August der Starke (1670-1733)

Tee in Europa – eine Geschichte der europäischen Sehnsüchte

Luis Frois (1562), ein portugiesischer Jesuit, fragte sich reflektiert während seines Missionsaufenthalts in Japan:
„egal was wir in Euopa essen, wir benutzen immer die Hände dazu, während man in Japan, sei man ein Kind oder ein Erwachsener, zwei Stäbchen benutzt;
Wir trinken nur frisches klares Wasser, während die Japaner ausschließlich heißes mit Bambus-Besen gerührtes Wasser mit Tee zu sich nehmen;
Wir betrachten Gold, Silber und Edelstein als wertvoll, während die Japaner alte Töpfe, kaputte Keramik und Steingut als Schätze aufbewahren.“

Warum braucht man eine Grasshütte, um Tee zu trinken? Warum bewahrt man solche „ebay-taugliche“ kaputte Schalen und Töpfe auf, um Tee zuzubereiten? Warum sind solche Dinge genau so wertvoll wie Gold?
Im 16. Jahrhundert war Europa alles andere als eine Wohlstandsgesellschaft. Im 16. Jahrhundert war Asien das Sinnbild des Paradieses. Das Paradies der Gewürze und der Seide, die den Geschmack und die Kontur dem europäischen Alltag gaben. Teppich, Porzellan und Baumwolle… Der Orient war das Lebenselixier für den Okzident. Die Sehnsüchte nach dem Paradies zu gelangen, trieben unzählige Seemänner und Abenteurer ins Meer. Sie entdeckten Tee, der bereits eine eigene Geschichte besaß.
Man baut sich eine Grasshütte, wo man sich einfach zum Tee trifft. Man entwickelt eine Beziehung zum Tee und zu den Dingen um den Tee. Alte Teekannen sind wertvoller als neue. Man geht in die Berge, um Quellwasser für Tee zu sammeln. All das zeigte, dass „Tee“ nicht nur die Teeblätter bedeutet. Es geht um viele andere Dinge. Was denn?
Genau diese Frage hat sowohl der portugiesische Jesuit als auch alle Seeleute beschäftigt, die mit Tee in China und Japan in Berührung kamen. Sie brachten neben dem Tee auch Porzellan nach Europa. Sie sprachen und berichteten von Chinesen, Japaner und ihrem Tee… Es ist ein Lebensgefühl, das mit Tee in Verbindung gebracht wurde. Eine Mode verbreitete sich und bis heute…
Wenn Gewürze die treibende Kraft für die Entdeckung der neuen Welt war, war der Tee wohl eines der Impulse des modernen Kapitalistischen Zeitalters.

Ein Grasshütte zum Tee – ein Teehaus der Urasenke-Schule 又 隠(ゆういん)
Teehaus in der Urasenke-Schule

Yi-Xing Teekanne, die durch Benutzung und Jahre an Wert gewinnt.
Yi Xing Kanne