Archiv für den Monat Juli 2006

Was ist ein gelagerter Oolong?

Vergleich zwei gelagerten Oolongs

Oben: Aufguss von Dongding Jahrgang 1981 mit aufgegossenen offenen Blätter; unten Aufguss von Ban Tianyao 1993 mit aufgegossenen Blätter. 

Teefreund Gerhard hat mir einen gelagerten Oolong aus Wuyishan 武夷山 geschickt. Dieser Tee heißt Ban Tianyao 半天妖 ein sehr berühmter Yancha!

Heute goss ich ihn mit Freude auf und war sehr gespannt auf einen Yancha von 1993!

Der Tee duftet sehr stark nach dem Feuer, als ich die Tüte öffnete. Der Röstungsduft ist sehr dominant, so dass ich den Tee selbst kaum wahrnehmen kann. Der Tee wurde aufgegossen und der Aufguss war recht dunkel. Der frisch zubereitete Yancha duftet leicht säuerlich – ja, ein Merkmal eines gelagerten Oolong. Jedoch ist der Duft dominiert von der Röstungsnote. Der Ausguss schmeckt leicht geschmeidig und stark nach der Röstung – malzig, schwer. Der Abgang kam mir ziemlich heftig vor: er wirkt zusammenziehend und trocknet mein Hals sehr stark – so dass mein Hals in nächsten paar Stunden wie verbrannt wäre.

Ich konnte es mir nicht vorstellen – ein Yancha von 1993? Wie sollte ein gelagerter Oolong sein?

Sofort holte ich einen Dongding Oolong 凍頂烏龍 Jahrgang 1981. Diesen Tee erhielt ich vor einem Monat von Teataster Chen. Er wurde ebenfalls aufgefrischt. Nun schmeckt die Nuance der Röstung nur noch sehr schwach und andere Noten kommen zur Geltung. Der frische Duft, der nach Pflaumen duftet, die kurz vor der Reifung platzt – lieblich, säuerlich und süß. Der Aufguss schmeckte sehr geschmeidig, balsamierte mein Hals und die Würze aromatisierten den Mund! Ein Tee, der gereift wurde und immer noch weiter reift, könnte einen frischen Tee zu einer reifen Frucht verwandeln.

Ein gut gelagerter Oolong schmeckt lebendig. Aufgrund seiner speziellen halben Fermentation schmeckt ein gelagerter Oolong nach einem Pflaumen, der kurz vor der Reifung platzt! Säuerlich und süß! Der Aufguss schmeckt sanft und geschmeidig aufgrund der guten Lagerung. Der Abgang ist wohltuend! Die aufgegossenen Blätter sind vollständig aufgegangen, elastisch und stark – nicht verkohlt, auch nicht grün.

Man kann selbst Oolong lagern – dieser Tee verändert sich auf einer sehr interessanter Art und Weise – wegen seiner speziellen Fermentation. Manche Teebauer erfrischen gelagerten Oolong jedes Jahr, weil die Feuchtigkeit in Taiwan den Tee schaden könnte. Dadurch werden die Blätter verkohlt und der Tee ist praktisch wie tot! Manche Teebauer erfrischen den Tee, bevor sie ihn verkaufen. Die erfrischende Röstung schmeckt zwar anfangs stark, aber schwächt nach paar Wochen. Der Tee bleibt lebendig und die erlebnisreiche und genussvolle Duftnote und Geschmack kommen wunderbar zur Geltung!

Hast Du auch Oolong daheim, der Dir zuerst nicht schmeckt? Versuch´ ihn doch zu lagern. In fünf Jahren zeigt er Dir eine Überraschung!

Milchverkäufer und die Entwicklung des Tees

Qigong Meister Chen erzählte mir eine Geschichte, als ein Seminarteilnehmer seines Kurs nach seinem Rückkehr nach Taiwan eine so genannte Einführung für alle anderen Seminarteilnehmer anbieten wollte. Seiner Meinung nach hat der Meister Chen keinen Rücksicht auf „Basis-Wissen“ von Qigong. Meister antwortete darauf mit dieser Geschichte.

Ein Milchverkäufer kaufte die Milch direkt beim Bauer ab und mischte anschließend Wasser in die Milch. Der nächste Händler kaufte bei ihm ab und mischte anschließend Zusatzaroma hinzu. Der nächste Händler kaufte bei dem Verkäufer ab und mischte anschließend noch mehr Zutaten hinein, um noch mehr „persönliche“ Noten hervorzuheben. Der Endkonsument kaufte bei dem Händler ab und wusste schon nicht mehr, wie eine „reine“ Milch schmecken kann…

Diese Geschichte erinnert mich an Aromatisierung des Tees.

Man ist nicht zufrieden mit dem reinen Aroma des Tees und fügt vermeintliche Aromastoffe hinzu. Oder besser gesagt, dass man den Zugang verloren hat, den Tee in seinem reinen Geschmack zu entdecken! Man glaubt nicht mehr an eigene Empfindung und Entdeckungsfähigkeit, sondern an die industrielle Anfertigung, die mit Geschmacksverstärke und reizenden Zusatzaromen. Der reine hochwertige Tee, dessen Duft und Aroma erst durch Aufguss zum Ausdruck kommt, ist in ersten Linien unauffällig und muss erst von Teetrinker entdeckt werden. Ein Massentee, dessen eigenen Duft und Aroma spärlich ist, kann durch Zusatzstoffe „aufgewertet“ werden und „überfällt“ vielen Nasen. Aber dieser Tee ist „geschminkt“ und wir wissen nicht, wie sein wirkliches Gesicht ist. Der Teeverkäufer hat wie der Milchverkäufer den Tee „verfeinert“, damit man nicht mehr weis, wie der Tee war!

Wir mischen heute Erdbeeren und Himbeeren „identisches“ Aroma hinzu und im Winter Schokolade und Zimt. Dieses Jahr haben wir diesen neuen Geschmack kreiert und nächstes Jahr? Noch mehr Aroma, noch mehr Neuigkeiten und noch größere Sensation? Unser Geist ist ständig in Rottieren – wie ein Hamster auf dem Rad, in der Suche nach Trend, nach neuen Erlebnissen und nach unentdeckten „Geschmack“! Die Dinge so wie sie sind zu sehen, zu erleben und zu genießen, können immer weniger Menschen. Der Jagd nach dem Aroma und Geschmack widerspiegelt dem Geist unserer Zeit!

Das ist der Hintergrund, warum Meister Chen mich ermutigte, die Kultur des Tees so zu vermitteln, wie sie ist, ohne meine persönliche Neigung beizumischen.

Guzhang Maojian

Guzhang Maojian ist ein berühmter grüner Tee aus Hunan, China. Er kommt aus Wuling Gebirge, Landkreis Guzhang. Ein Gegend von oft benebelten üppigen Wälder mit genügend Niederschlag.
Die direkte starke Sonnestrahlung wird hier erst gegen 9 Uhr spürbar, nachdem die Wolken weitergezogen sind. Jedes Jahr wird dieser Tee von guter Qualität vor dem April gepflückt – ähnlich wie Longjing. Nach 8 aufwendigem Verfahren wird dieser Tee erst hergestellt:
Pflücken von einem Tipp und einem Blatt.
kurzes Ruhen ohne Sonnestrahlung
Erhitzen
Rollen
Ruhen und abkühlen
Formen
Trocknen
Sortieren
Dieser Tee ist in einer Nadelform (ähnlich wie bei kap. Sencha), heller leicht gelblicher grüner Aufguss, feiner lieblicher Abgang. Frischer klarer eleganter blumiger Duft, der sich leicht an Minz, an Melissen erinnert.
Dieser Tee wurde seit Han-Dynastie (220 AC)dokumentiert. In Tang-Dynastie (7.-9. Jh) wurde er als Kaiser-Tribut Tee ausgewählt. 1982 wurde Guzhang Maojian als 10 bester chinesischer Tee ausgezeichnet.

PS. ich habe in Europa früher schon Guzhang Maojian probiert. Dann habe ich mich gefragt, wie kann es sein, dass dieser Tee zu 10 besten chinesischen Tees gehört? Der Aufguss war einwenig trübt und der Duft war schwer. Die trockene Blätter zeigen keine Glanz.

Nun durch den Kontakt zu einem Teebauer in Hunan konnte ich endlich verstehen und „erleben“, warum dieser Tee zu 10 besten chinesischen Tees zählt!

Nanyue Maofeng 南岳毛峰

Man leidet unter der Sommer-Hitze oft Kreislauf-Probleme und Migräne. Eine Tasse Grüntee könnte unsere innere (Stress) und äußere Hitze lindern. In China trinkt man gerne im Sommer eine Tasse Longjing, um sich zu entspannen.

 

Vor einer Woche erhielt ich einen wunderschönen Grüntee aus Hunan, China. Dieser Tee hat zwar eine lange Tradition, ist allerdings im Westen kaum bekannt.

Nanyue Maofeng wächst im Henshan Gebirge 衡山, wo als einer der fünf bekanntesten Bergen Chinas 五嶽 bezeichnet wird und sich seit Tausend Jahren unzählige taoistische und buddhistische Einsiedlerei und Tempel befinden. Der Tee wächst zwischen 800 bis 1000 Meter hohen Gebirge, wo kaum Umwelt Verschmutzung vorhanden ist. Nebel und Wolken herrscht die Umgebung. Durch wenige Sonnestrahlung und ausreichende Niederschlag enthält dieser Tee feines außergewöhnliches Aroma.

 

Nanyue Maofeng wurde seit Tang Dynastie (618-907) als kaiserlichen Tribut-Tee berühmt. Er wurde in Lu Yu 陸羽 Cha Jing 茶經 bereits dokumentiert. In Tang Shi (offizielle Geschichte der Tang Dynastie) wurde beschrieben, dass der Tee aus Hengshan unvergleichbar gewesen sei. Die Geschichte des Nanyue Maofengs wird begleitet mit einer taoistischen und buddhistischen Tradition, die in Hengshan-Gebirge seit Tausenden Jahren etabliert und verschiedene Höhepunkt erlebt.

 

Nanyue Maofeng

Nanyue Maofeng

Dieser Tee schmeckt frisch nach Frühlingstriebe. Leichte Kastanien-Note und leicht blumige Aroma kennzeichnen diesen wunderbaren Tee. Nach der Erkalten duftet es leicht eine zarte Spur nach Zitrus-Blüte. Maofeng hat immer spiral-formige Blätter. Da dieser Tee im frühen Frühling hergestellt wurden, sieht man die frische leuchtende grüne Farbe, die oft bei dem Grüntee auf dem europäischen Teemarkt nicht zu sehen ist.

Nanyue Maofeng, Jahrgang März 2006. Nanyue (Landkreis), Hunan, China.

 

Hengshan Map

Hengshan Map

 

Wann sollen wir Pu Er trinken?

Warum sollen wir Pu Er Tee nicht nach 15.30 trinken?

Theoretisch kann man alles machen, was man machen will. Warum sollen wir im Winter Mantel anziehen, wenn unserer Körper genug Wärme enthält. Natürlich kann man Pu-Er nach 15.30 noch trinken, solang man Tee nur als Genussmittel betrachtet und Mensch getrennt von der Natur wahrnimmt. Man kann Pu Er so trinken, wie man es gerne hat, so lang man sich wohl dabei fühlt. Für Chinesen ist der Mensch das, was er trinkt und isst. Er nimmt die Energie (was wir gerne als Qi verstehen) von seiner Umwelt und Nahrungsmittel auf. Wenn er Pommes und Schnitzel isst, bekommt er dessen Energie. Darum sollten Menschen mit Zuckerkrankheiten vorsichtig mit „Götterspeise“ umgehen!

Andererseits ist der Mensch nicht getrennt von dem ganzen Kosmos. Jeder von uns unterliegt dem Einfluss von Umwelt – vom Jahreswechsel (die so genannte Wetterfühligkeit…), von Wohnort und vom Klima! Im Winter brauchen wir mehr Wärme, während wir im Sommer gerne Kühle haben. Im Winter essen wir gerne Käsefondue oder Fondue Chinoise, während wir im Sommer gerne Mövenpick Eis lecken. In der chinesischen Medizin beeinflussen die Sonne bzw. die Uhrzeiten unsere Organe. Nach bestimmten Uhrzeiten sollen wir uns zur Ruhe kommen, weil unsere Organe Energie auftanken müssen.

Tee ist ebenfalls ein Energielieferant für uns. (Das ist allerdings nur ein Aspekt des Tees. Man trinkt den Tee, weil man ihn gerne trinkt – nicht wegen seiner so genannten Wirkung! Wenn ein Tee uns nicht schmeckt, braucht der Körper wohl ihn auch nicht.) Wenn wir Grüntee trinken, genießen wir den feinen frischen Geschmack und erfrischenden Aspekt. Da Grüntee unseren Körper abkühlt, könnte es ungünstig für Menschen, die eher Wärme bräuchte – z.B. ich. Ein Pu Er Tee, ein gelagerter Tee, ein roter Tee oder ein stark gerösteter Oolong spendieren uns eher Wärme und Kräfte zu arbeiten. In China gibt es eine Tradition mit Tee, Lebensenergie zu pflegen. Mit rotem Tee pflegt man schöne Haut und guten Stoffwechsel, während man mit grünem Tee die geistige Arbeit vorantreibt.

Nach 15.30 sollte man schauen, dass der Körper langsam zur Ruhe kommt – nicht alles auf einmal, sondern langsam. Tee, der uns Energie spendiert, sollte vermieden werden. Für eine bewusste Ernährung wäre z.B. Rettich zu empfehlen. Nicht nur Tee und Kaffee, was so genanntes Koffein enthält, sollte mit Vorsicht genossen werden. Eigentlich alle Nahrungsmittel, was uns Yang-Energie (Wärme) spendieren, sollte bewusst am Abend vermieden werden- z. B. Ingwer und Pfeffer. (Mit Ausnahme von Nachtmensch, der gerne durch Nächste feiert und arbeitet.)

Meine Meinung nach ist der „Wellness Yogi Tee“, der als „No Black“ Tee (ohne Aufpusch-Wirkung) geworben wird, nicht unproblematisch.

Glauben Sie an es, oder nicht? Ist es eine Glaubenssache? Kann man selbst nicht durch bewusstes Leben bei sich beobachten und erleben? Müssen wir alles von den Zeitungen und Bücher oder Experten überzeugt werden?

Ich möchte hier keine Wahrheiten verkünden. Es ist nur ein kleines Aspekt, was Tee uns vermitteln kann – bewusst mit unserem Körper umzugehen, der mit der Natur und dessen Rhythmus im Einklang steht.

Schließlich sollten Sie bei Fragen, Sich an Apotheke und Ärzten wenden 🙂