Nan Nuo Shan Shi Tou Zhai 南糯山石頭寨

Nan Nuo Shan Shi Tou Zhai 南糯山石頭寨

朔風如解意 Wenn der Nordwind mich (die Pflaumenblüte) verstehen würde,
容易莫摧殘 würde er nicht so heftig und wütend wehen.

唐-崔道融《梅花》Dang-Dynastie, Cui Daorong „Pflaumenblüte“

Als ich den Deckenrand roch, roch ich Spuren von Poren. Poren versunken im Kräuterzucker. In einem Tee aus Yunnan Poren zu riechen? Ich dachte es sei wegen meinem „Geschmackslosigkeit“.
In diesem Dschungel ist der Mensch so klein. Umgebend von grossen üppigen Bäumen – dazwischen Teebäume, die Spuren von Menschen verschwinden in der dunklen Schattierung des anderen Lebewesen. Vögel lästern, Insekten summen und Tiere lauschen… Nach dem typischen tropischen Nachmittagsschauer duftet der Wald nach Kampfer, nach Jasmin oder nach Maiglöckchen oder nach… mir fällt kein Begriff, um diesen umfassenden Spektrum diese Düfte zusammenzufassen. Nan Nuo Shan – bekannt nach dem Legende von Kong Ming, der intelligenteste Mann der chinesishen Geschichte, berühmt durch die Erzählungen von drei Königsreichen 三國. Es wurde erzählt, dass Kong Ming in Yunnan Kriege fuhr um die politische Macht von Shu zu stabilisieren. Als er mit seinen Soldaten durch Nan Nuo Shan reitete, wurden die Augen seiner Männer krank. Aber die Teeblätter in diesem Wald heilte die Augen seiner Soldaten und die Teebäume wurden seitdem verehrt. Und Nan Nuo Shan wurde zu einem Pilgerort des Tees.
Meine Augen waren heil – tatsächlich. Seit ich wieder in Zürich bin, stehen sie wieder unter stetigem Reiz und Rötung.
Ich weiss nicht ob diese Geschichte mit Kong Ming wahr ist, oder nicht. Wahrheit gehört zur Geschichte, die beliebig und oft willkürlich von Hegemonie interpretiert werden kann. Aber die Poesie gehört mir – für immer.
Nachdem ich in diesem Wald fast vier Stunde gewandert bin, wollte ich unbedingt auch einen Tee von dem Shitou-Dorf, wo Kong Ming verweilte (angeblich) HABEN. Haben, nicht nur ein Schluck zu erleben. Ich will meine Erinnerung wahr haben!
Über Umwege bekam ich endlich diesen Tee. Meine Nase riecht inzwischen wieder und mein Geschmack kehrt bedingt zurück. Mit Freude brach ich Stückchen von diesem Fladen, Nan Nuo Shan Shi Tou Zhai 2010, von You produziert, goss ich mit dem Wasser von Zürich auf. Plötzlich ist der Wald in meiner Tasse und ich bin auf einem Teebaum, der einfach dort auf dem Hang steht, allein und glücklich. Der Mond und sein Schatten sind seine bester Freund. Wie lang steht er da schon? Spielt die Zeit wirklich eine Rolle?
Ich will diese Verbundenheit mit diesen Teebäumen hier haben. Sorgfältig falte ich das Papier des Fladens und Aufguss für Aufguss trank den Tee.
Wenn der Mensch weiss, wie alt diese Bäume sind – vielleicht werden sie vorsichtig sein mit ihren Spuren… Wenn der Mensch weiss, wie hart es ist, eine Fladen noch wie in der Song-Zeit zu erzeugen, vielleicht gibt es Dankbarkeit bei jedem Schluck…
Plötzlich entdeckte ich bei zweiter Degustation die Ursache für die Spuren der Poren. Eine winzige Camelia-Blüte wurde in dem Fladen mitgepresst! Ein bisschen stolz auf meiner sensorischen Fähigkeit, vermischt mit einer starken Traurigkeit.
Teeblüte im Frühling – ein Phänomen gegen das Naturgesetz. Wenn der Baum nicht gestresst wäre, würde er nicht im Frühling blühen… Wer stresst den Baum?
In der chinesischen Kultur werden Pflaumenblüte gerne von Poeten verewigt. Nicht weil sie schön sind, sondern weil sie in den kalten Winter blühen. Eine Schönheit, die trotz der schwierigen Zeit zu sich selbst steht und Mut hat, selbst zu entfalten, wird in dieser Kultur als Ideal gefeiert. Pflaumenblüte bietet den Nordwin, nicht zu bitter und zörgerlich zu toben. Wenn der Nordwind wissen würde, wie schwer sie haben trotz der Kälte treu zu sich selbst zu sein! Vielleicht wenn die Menschen es wissen würden, wie schwer ein Teebaum in dem Dschungel zwischen den Schatten des anderen zu stehen, und wie viel Freude ein gesunder Teebaum den Menschen bereichern kann, würden die Menschen sanfter mit dem Ausbeuten seiner Blätter umgehen…

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