Bergkirschblüten 山櫻

Auch ohne den Wind kaze narade
zerfällt die Pracht im Regen – ame ni kudaku ya
Bergkrischenblüten. yamazakura
Tessui

Vor fast 20 Jahren bracht Atong schöne rare Teebaumsorte aus Fujian nach Taiwan. Es war eine Schmuggelaktion. Darunter war auch Rougui. Dieser ganz kleine Teebaum wurde sorgfältig gewickelt von seiner stinkenden Unterwäche. So konnte er die wachen Hunde des Zolls am Taipeher Flughafen täuschen.
2003 bin ich meinen Lehrer begegnet und begann meine Reise mit Tee. Dann machte eine Schüler was der Lehrer sagte, auch wenn er seinen Lehrer nicht immer verstand. Der Schüler hatte Vertrauen und lernte den Tee Rougui aus Mingjian kennen. Diesen Tee mochte ich damals nicht. So liess ich ihn irgendwo im Ikea-Blechdosen liegen.
Jahren sind vergangen. Ich bin nicht mehr dort, wo ich einmal war. Und der Rougui?
Ich fand ihn ganz zufällig wieder irgendwo in dieser Ikea-Blechdosen. In jenem Moment des Wiedersehens erinnerte ich mich wieder an die Worte des Atongs. Also, ich kochte Wasser und nahm den zweiten Anlauf.

Dieser fremde Rougui war in meiner Erinnerung geheimnisvoll und undecodierbar! Er war halt süss und fruchtig und mehr verstand ich eben nicht. Und in der zweiten Begegnung? Ich schmeckte zarte Blüte, feine reife Früchte und bilde mir ein, ein Hauch der Nektar von Bergkirschblüten zu trinken! Mit großen Augen betrachte ich die Veränderung. Was ist denn dabei anders geworden? Ich oder der Tee?
Sorgfältig hob ich den Rest von Rougui 2005 auf. Sorgfältig wurde er in dem Schrank verschlossen. Ich hob meine Veränderung auf. Ich hob einen verändernden Tee auf, so dass ich immer wieder zurückgreifen kann – dachte ich. Aber ich vergass die Unabhängigkeit der Zeit, die ohne mich auch weiter läuft.
Gestern kam ein Besucher mit einem würdigen Begleiter. Wir sprachen über die Musik, die Mathematik und den Tee. Ich wollte einen schönen Tee zubereiten und fand plötzlich diesen Rougui in der Hand. Als der schöne Rougui in der Tasse war, bemerkte ich, dass etwas nicht mehr stimmt. Der zweite Aufguss verlor an seiner Intensivität und sein Volum. Was ist los?

Heute kam Bruno und wollte wissen, was er vielleicht falsch macht mit der Zubereitung. Ich sagte ihm, „Mache bitte einen Tee für mich und ich kann Dich korrigieren.“ Er bereitete den Rougui 肉桂 zu. Schon wieder zeigte dieser einst wunderschöne Tee, der mich an das Pracht der Bergkirschen erinnert – zwart, faccettenreich und voller Leichtigkeit, sein Schweigen im Gaiwan! Wo ist die Pracht? Wo ist der Frühling geblieben? Und das Nektar meinen Blüten im Traum?
Achhhhhh….
Ich seufzte. Eine Schönheit nach dem Regen der Zeit ist nun nicht mehr dieselbe! Und ich?
Auch ich werde irgendwann wie der Tee… Auch ohne den Wind zerfällt die Pracht im Regen!
Wozu den Rest einer Schönheit aufheben? Wozu an die Schönheit eines Tees anhaften? Nur weil das Volum dieses Tees geringfügig ist, verändert sich der Tee in der Tüte weiter und zu seinem Nachteil. Ich hätte ihn einfach an seinem Höhepunkt weg trinken sollen!
In diesem Moment war es nicht mehr schlimm, einen toten Tee zu begraben. Es ist viel elender, einen hinfallenden Tee zuzusehen!

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