Ohne Grund zum Tee 無由

山泉煎茶有懷, 白居易 (772-846)

坐酌冷冷水,看煎瑟瑟塵。
無由持一碗,寄與愛茶人。

„Lass uns gemütlich hinsetzen. Mit dem klaren Quellwasser kochen wir eine Schale Tee. Neben dem wärmenden Feuer vergessen wir die Vergangenheit und die Zukunft. Ich möchte Dir eine Schale Tee offerieren ohne weltliches Kalkül. Denn Du bist auch ein Teeliebhaber.“

Tang-Dichter Bai Juyi verdeutlicht uns das Wesentliche, was Tee im Leben der chinesischen Kultur ausmacht. Eine Schale Tee zuzubereiten, eine Schale Tee miteinander zu teilen ist ein Ausdruck der Absichtslosigkeit. Weil es absichtslos ist, weil kein Nutzen dabei sein muss, können Teeliebhaber die einfache Schönheit des Lebens zelebrieren und so an ihr teilhaben.

In der chinesischen Tradition ist eine Teezusammenkunft ein integrativer Teil des gesellschaftlichen Lebens. Man trifft sich zum Tee und Tee verbindet. In dieser Zusammenkunft steht nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern die Freude des Teilens. Häufig gibt es einen Gastgeber, der eine Teezusammenkunft veranlasst und dazu Gäste einlädt. Das Wichtigste bei einer solchen Zusammenkunft ist die Harmonie. In dem Moment, wenn der Gastgeber seinen Ehrgeiz aufgibt und kein Ziel verfolgt, entsteht eine Offenheit, die die Atmosphäre entspannt und harmonisiert. In dieser Offenheit und starken Konzentration kann der Gastgeber die Bedürfnisse der Gäste subtil wahrnehmen und kann entsprechend darauf eingehen. Als Gast nimmt man alles dankend an, was ihm entgegengebracht wird. Und in dieser Dankbarkeit und Respekt ist man in Mitten der Schönheit des Lebens.

Diese Art der Teezusammenkunft, die heute noch praktiziert wird, ist Gongfu Cha. Gongfu Cha bedeutet Teezubereitungsart voller Konzentration und Aufwendigkeit. Es ist aufwendig, Tee in seiner Vielfalt zur Sprache zu bringen. Grosser Konzentration ist erforderlich, Menschen mit Tee zu dienen.

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Am 4.09 Samstag ab 20 Uhr werde ich für Völkerkundemusem ihren Besucher drei Sessionen Gongfu Cha zelebrieren.
Ich wurde gefragt, einen Text darüber zu schreiben. Anstatt einen gewöhnlichen Text über diese mehrfach zitierten Zubereitungsart zu schreiben, möchte ich auf das Essenzielle konzentrieren.
Was ist der Anfang oder der Grund, der uns zum Tee brachte?
War es wegen Gesundheit? War es wegen Wellness? War es wegen „weil mein Freund oder Familie immer Tee getrunken hat?“
Was passiert danach? Was ist das, was uns nun an Tee bindet? Unser eigener Zugang, der mit der Zeit langsam entstanden ist, der nicht spektakulär ist, sondern einfach im Alltag und im Leben intergriert ist. Einfach so, ohne Grund. Eine grossartige Freiheit, kein Nutz und keinen Grund zu haben.

4 Gedanken zu „Ohne Grund zum Tee 無由

  1. Grüner Tee Extrakt

    Vielleicht ist es ja gerade dieses „Alles-einfach-geschehen-lassen“, dieses Einfügen in den Fluss des Geschehens und die daraus entstehende Harmonie, die in unserer hochoptimierten, zweckorientierten Gesellschaft am meisten fehlt.
    Ich mache mir jetzt erstmal eine Tasse Tee und denke darüber nach.

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  2. Grüner Tee Extrakt

    Vielleicht ist es ja gerade dieses „Alles-einfach-geschehen-lassen“, dieses Einfügen in den Fluss des Geschehens und die daraus entstehende Harmonie, die in unserer hochoptimierten, zweckorientierten Gesellschaft am meisten fehlt.
    Ich mache mir jetzt erstmal eine Tasse Tee und denke darüber nach.

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  3. Menglin

    Für mich ist viele Probleme unserer Gesellschaft nicht ohne Grund geworden. Es ist grade das, dass es einen Zweck, ein Ziel und eine Option haben muss, unsere Gesellschaft und uns zunehmend krank macht.
    Die Veränderung liegt immer in unsere Hand und immer an uns selbst, egal wie die Gesellschaft wieder welche Trend und Vorbilder erfindet.

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