Gangkou Cha 港口茶 2002

Teebauer ZhuTeebauer Zhu in Manzhou

Der Meeroolong Gangkou Cha war eigentlich nicht so mein Geschmack, wenn Gerhard von ihm nicht immer schwärmt und kaufen wollte. Dieser Tee hat für mich etwas wie das Wilde, Unangepasst und Schwierige wie das, was man von Südländer auf Formosa denkt.

Ich bin im Süden aufgewachsen – auf dem Rücken meiner lieben Tante, während meine Mutter in der Schule andere Kinder erzog und der liebe Vater ständig auf Auslandsreise war. Meine Tante erzählte mir immer wieder, dass ich auf ihrem Rücken andere Kinder provozierte und sie sich ständig für meine Frechheit entschuldigen musste. Das Südtaiwan war und ist politisch und wirtschaftlich von der zentralen „chinesischen“ Regierung vernachlässigt. Das bracht Vor- und Nachteile. In diesem Milieu habe ich mitbekommen, was das Taiwanesisch heißt: ein bisschen verbrecherisch – das kommt von der Piraten-Zeit; ein bisschen unangepasst – die Unabhängigkeit bewusst; und richtig einfach unkompliziert. In Südtaiwan regiert noch das alte Taiwan, das selbstbewusst mit ihrer Vergangenheit umgehen kann und unangepasst gegenüber den arroganten gestylten Globalplayern in Taipei stehen kann.

Der Geschmack dieses Gangkou Cha ist für mich ein unangepasster Oolong, salzig, direkt und nachhaltig. Heute ist es schwierig geworden, wieder so einen schwierigen Oolong zu finden. Der häufig vorkommende Meeroolong ist wie alle andere Oolong geworden: duftend, fein und kurzlebig. Gerhard beschwerte sich bei mir über dieses Trend und ich beschwerte mich weiter bei Bäuerin Zhu. Sie sagte bedauernd und irgendwie machtlos zu mir, wie schwer es ist, als ein Teebauer in Taiwan zu überleben. Teetrinker in Taiwan haben eben gerne die moderne leichte, duftende Variante – anders als die japanischen Teeliebhaber, die diese Urtümlichkeit schätzen. Ich bat sie, mir in der Zukunft nur diesen altmodischen Gangkou Cha zu schicken, denn es in Europa auch paar sture Köpfe wie Gerhard Lange gibt, die diesen Tee in ihrer Einzigartigkeit schätzen.

Vor einer Woche schickte sie mir einen Gangkou Cha 2002. Überraschend öffnete ich die Tüte und goss ihn auf. Sein „Meer“-Duft war richtig präsent und ich konnte mich wieder an meine Kindheit erinnern – am Meer, unter den Palmen und auf den Korallen. Ich bin ein Kind des Formosas! Der Meerduft begleitet mit einer reifen pflaumen Nunace präsentiert mir einen wunderschönen authentischen gelagerten Meeroolong! Ich schicke ihn sofort nach Bern, erhielt allerdings sehr skeptische Meldungen: weshalb ist er so dunkel, weshalb ist er wirklich gelagert?

Er ist dunkel, weil dieser Oolong durch einen langen Röstungsprozess auf niedriger Temperatur erzeugt wird. Er ist wirklich gelagert, aber nicht sehr lang, weil sein Geschmack uns diese Information bestätigt! Wir könnten nicht über das Paradies sprechen, wenn wir das Paradies nicht erleben! Was könnte ich beitragen, diesen Prozess der Kommunikation und Austausch des Tees zu beschleunigen? Gerhard konnte ich überzeugen, diesen Gangkou Cha 2002 zu würdigen. Aber es ist noch ein langer Weg vor mir, das Wissen verständlicher und zugänglicher zu machen!

Die Geschmäcke salzig, süss und sauer

wie der Geschmack von Heimweh

Tränen sind salzig

Erinnerungen werden süss

Sauer wird der Magen…

Ein Gedanke zu „Gangkou Cha 港口茶 2002

  1. Schwarzenegger

    Gerade heute habe ich wieder von diesem salzigen Meeroolong getrunken. Ich zähle mich auch zu den Fans dieses aussergewöhnlichen Tees! Es mag verrückt erscheinen, aber irgendwie erinnert mich der Duft dieses Tee an «Kombu» (dicke Meeresalgen, die man für Suppen oder Sushi-Reis braucht).

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