Offering to the tea lover, 寄與愛茶人

“Sipping cool spring, cooking rattling dust. 坐酌冷冷水, 看煎瑟瑟塵
Holding one teacup, offering to the tea lover.” 無由持一碗, 寄與愛茶人
Memoir of Spring Tea, Poet of Tang Dynastie Bai Juyi 白居易

Letzte Zeit habe ich paar Beiträge über Yixing Teekanne aus der chinesischen Tee-Tradition geschrieben. Das bedeutet nicht, dass ich für diese Art von Teekanne plädiere. Ich habe die Beiträge geschrieben, weil das wachsende Interesse in Mitte Europa unbestritten ist und Information über die kulturelle Hintergründe fehlt.
Europa ist ein freies Land für die Teekultur! Hier gibt es Möglichkeit ohne kulturelle Belastungen und Verwicklung etwas kreativ auszuprobieren. Die Mangel an Vorstellung und Utensilien bietet gerade die Chance der Entdeckung! Mangel fordert menschliche Kreativität und Entdeckungsmöglichkeit in sich selbst.

Drei verschiedene Art des Teetrinkens
Tee

oder lieber chinesisch?
Tee2
Oder orinetalisch?
Tee3
Was hättest Du lieber? Wahl ist Qual.

Teemeister Sen Ryku erkannte die Notwendigkeit, eigene Kulturwurzel des Tees in den japanischen Boden einzuschlagen. Er bevorzugte die einheimischen Töpferwaren und entwickelte eine eigenständige japanische Ästhetik. Natürlich werden chinesische Teeware weiterhin verehrt, aber auf japanische Art interpretiert! Wir könnten in Europa verschiedene Teetraditionen kennen lernen und selbst ausprobieren, so dass eine eigene Teekultur entstehen kann, die die Modewelle und Wellnesstrend überlebt und eigene kulturelle Blüte werden könnte.

Der improvisierende Geist, die Dinge zu entdecken und ausprobieren gibt mir Freude mit Tee. Nicht der Besitz einer „teueren“ „echten“ Teekanne von berühmter Persönlichkeit, nicht Haben des so genannten besten Tees (ich habe natürlich gerne guten Tee) verbreitet mir Freude. Diese Äußerlichkeit macht mir nur kurze Freude, indem ich mich mit diesen Dingen kokettiere. Der Freude an Tee geht viel weiter und tiefer. Die Faszination des Tees liegt für mich an den Phänomenen der Vergänglichkeit. Vergänglich sind wir alle. Vergänglich sind unsere Meinung, unsere Empfindung und der Tee. Tee wartet auf die Zeit nicht, er schreitet weiter. Das macht einen jungen Pu Er zu einem charmanten Pu Er. Der gleiche Tee manifestiert sich durch die Degustation von verschiedener Persönlichkeiten, in verschiedenem Klima und verschiedener Weise unterschiedlich. Wir können unsere Empfindung in dem Teegenuss nur beschränkt verwörtlichen, aber nicht mit Kamera oder irgendeiner technischen Errungenschaft festhalten und messen. Weil die Empfindung des Genusses so persönlich ist, macht es wenig Sinn, Meinung des Anderen als Geschmackssiegel zu nehmen, außer man an eigener Urteilsfähigkeit zweifelt. Teetaster Chen gehört zu führenden Teemeister in Taiwan. Einmal als ich beim Teetrinken an seine Meinung festhalten wollte, schrie er mir an: „Glaub´ nicht daran, was andere glauben. Jeder Tee spricht eine eigene Sprache. Oolongtee hat einen eigenen Kode, er spricht anders als ein Gyokuro! Lern´ die Kodes zu dekodieren, statt etwas darauf zu projizieren!“ Er wollte mich von ihm befreien. Dies macht ihm meisterhaft.

Seit unserer Kindheit werden wir erzogen, an Autorität zu glauben, sei es Fernsehen, sei es die Schule, sei es die Eltern. Statt die Welt mit eigenen Augen zu erfahren, ist es bequemer und sicherer, von anderen zu zitieren. Der französische Ethnologe und Soziologe Bourdieu macht es deutlich, indem er die Definition der Geschmäcke als Machtkampf zwischen Menschen erkannte.
Die Befreiung und die Freiheit, die Tee mir vermittelt, ist ein wertvoller Schatz, der für jeden zugänglich ist!

Ein Gedanke zu „Offering to the tea lover, 寄與愛茶人

  1. Suzanne

    Dein Artikel erinnert mich an meine alte Schule, in der viele lateinische Sprüche – von Philosophen und Dichtern – an den Wänden und auch auf dem Fußboden standen (wir hatten einen sehr alten, historischen Fliesenboden, mit wunderschönen Bodenfresquen).

    Unter anderem war dieser Spruch zu lesen: „sapere aude“. Der Geschichtslehrer erklärte uns, dass dieser Spruch nicht nur bedeute, „wage es, zu wissen“ (so wird es meistens übersetzt), sondern eigentlich „wage es, zu schmecken“. Also: wage, einen eigenen Geschmack zu haben, und selbst zu entscheiden, was Du für gut und richtig hälst – auch wenn es nicht dem entspricht, was die Mehrheit denkt, oder Du Dich sogar damit unbeliebt machen könntest.

    Das Wort „sapere“ ist wohl nicht nur Ursprung für das französische „savoir“ (wissen), sondern auch für „saveur“ (der gute Geschmack eines Essens, eines Getränks).

    Auch beim Tee ist das „sapere aude“ ein wichtiges Motto. Was natürlich nicht heisst, dass man von „echten“ Autoritäten (also mit großer Kompetenz) nicht lernen sollte. Schmecken muss man trotzdem immer selbst!

    Was Du geschrieben hast, hat mir sehr gut gefallen.

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