Chajin – Teemensch 茶人

Freundin Karin kam heute zum Besuch. Eine Frau, die gleichzeitig, Köchin, Schneiderin und allein erziehende Mutter ist, hat das Leben nicht einfach in einer reichen Stadt wie Zürich. Das Schicksal meinte nicht immer gut mit ihr. Der Vater der Tochter starb durch unheilbare Krankheit und hinterließ ihr den harten Überlebenskampf mit dem Kind allein. Später wiederholte das Schicksal: der Vater des Sohnes verließ sie und sie musste wieder allein ihr Leben anpacken – mit zwei Kindern. Sie wusste, dass das Schicksal sich wiederholt, wenn Menschen nicht aus ihrem Fehler lernen. Sie wurde als ein dreijähriges Mädchen von ihrer Mutter ins Heim geschickt, weil der Vater die Familie verließ. Als ein dreijähriges Mädchen litt sie immer wieder an Blasenentzündung, weil das Schuldgefühl an dem Geschehen sie nicht losließ. Selbst das Schicksal nicht immer gut mit ihr meint, bemüht sie diesen Kreislauf zu brechen. Allein hat sie ihre Kinder aufgezogen.
Ich lernte sie richtig kenne, als wir zusammen Tee tranken. Eine Frau, die mir ganz fremd erscheint – aus einer anderen Welt, in der der nackte Überlebenskampf den Alltag herrscht. Sie spricht eine andere Sprache und bewegt sich in einen anderen Habitus. Als eine Akademikerin im Elfenbeinturm spüre ich eine Kluft, die mir auf meiner Grenze der „tatsächlichen“ Lebenserfahrungen aufzeigt.

Als mein Lieblingsdancong – Phönix Dancong vom Teetaster Chen aufgegossen wurde, strahlte sie in einer kindlicher Begeisterung: „Ach, ich bin in einem Garten von Pfirsich! Licht, Wärme und Duft von reifen Früchte“ Eine gute Köchin mit unglaublich feiner Sensibilität und Empfänglichkeit! Anschließend habe ich Buddha Hand Oolong aufgegossen. Sie lachte und erzählte mir, von dem Mandelblütemeer in La Gomera und der Duft der gebrannten Mandel. „Doch er duftet nun nach Zitrusfrüchte. Kann das sein?“ Sie fragte mich nach paar Minuten nach dem Aufguss. Ich bewundere ihre Nase, die die Grenze überspringt. Bis jetzt hat noch niemand mir gesagt, dass Buddha Hand nach Zitrusfrüchten duftet. Buddha Hand duftet tatsächlich in taiwanesischer Vorstellung nach eine Art Zitrusfrüchten, die jedoch in Europa nicht wachsen und unbekannt bleiben.
Karin ließ sich gern von Tee und Duft verzaubern. Wir machten eine Duftzeremonie zusammen. Die Düfte des warmen Sandelholzes und eleganten Adlerholzes hoben uns ab und füllten die Lücke der Lebenslage. Menschen aus verschiedener Kulturen, Lebenslage und Erfahrungshorizonte begegnen sich in einer Welt des Tees und Duftes, wo die Sprache überflüssig wird. Was für ein großartiges Geschenk vom Kosmos!
Teehüte Gehen wir Tee trinken? 吃茶去

2 Gedanken zu „Chajin – Teemensch 茶人

  1. Suzanne

    Wie schön – zwei neue Beiträge! Ich freue mich immer, wieder etwas neues zu lesen, und ich bin nicht die einzige!
    Natürlich habe ich gleich versucht, den Zitrusduft im Buddha Hand zu finden. Aber meine Nase ist nicht (noch nicht?) so fein… 😉 wenn der Tee aufgegossen ist, kann ich es nicht riechen. Aber im trockenen Tee kann man es sehr deutlich bemerken – mir ging es jedenfalls so.

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  2. Menglin

    Der Duft kann man besser geniessen und differenzieren nach folgender Methode:
    Teekanne – Besser Porzellan aufwärmen und trockene Blätter hinzufügen. Nach 5-10 Sekunden abdecken und den Duft geniessen.
    Aufguß wie gewöhnt zubereiten – nach Kungfu. Den Tee in einer separaten Aufgußkanne aufgiessen. Wenn alle Tee aufgegossen wird. Sollte man unbedingt den Duft von Aufgußkanne geniessen!
    Nase kann man trainieren. Die Sinne werden immer offener!

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