„Geisha“ 藝妓 und Mohamed-Karikatur

Teemeister Ulrich Haas in Freiburg regte sich in einem Rundbrief über die kulturelle Ignoranz des Marshalls in seinem Film „Geisha“ auf und zitiert im Satz von chinesischem Regisseur Chen Kaige „Eine Chinesin kann keine Geisha spielen, es ist eine traditionelle Figur der japanischen Kultur. Aber vielleicht war es dem Regisseur egal.“
Kann Chinesin keine Geisha spielen? Wie konnte ein Brite Sir Ben Kingsley überhaupt Gandhi spielen und einen Oscar gewinnen? In diesem Logik wäre es nicht möglich von Fremdverstehen zu sprechen. Wie kann ein Deutscher oder Schweizer überhaupt Buddhist werden? Das ist ja ursprünglich eine indische Religion… Das Problem von Hollywood liegt nicht daran, dass Chinesin eine Geisha spielen kann, sondern an der Haltung „Schlitzaugen sind Schlitzaugen!“

Die Welt, in der wir uns bewegen, ist beschränkt auf einen kleinen Teil der Erde, wo Handy, Computer, Supermarkt, Pizza, Internet und Bloggen zum Alltag gehört. Es sind Privileg eines winzigen Teils der Weltbevölkerung und keine Selbstverständlichkeit. Wir teilen nicht das gleiche Lebensgefühl, nicht die gleichen Werten und noch weniger die ähnlichen Lebensperspektiven und Hoffnungen miteinander. Meisten von uns sind bedroht von Hunger, Krieg und Hoffnungslosigkeit des Lebens. Das Paradoxe der ganzen Geschichte ist, dass wir in einer Welt leben, in der Globalisierung den Anschein erweckt, dass wir alle Coke Cola trinken und Lewis Jeans tragen. In Züge der Globalisierung rückt das Fremde immer näher, das Leben wird unübersichtlicher und wir befinden uns immer mehr inmitten der Differenzen. Statt mit den Differenzen auseinanderzusetzen beharren wir auf die Bequemlichkeit, in dem wir mit Stereotypen denken – wie oft wurde ich auf der deutschen Strasse als Thailänderin oder Heiratskandidatin angesprochen!

Schlitzaugen sind sowieso Schlitzaugen. Ihnen stehen keine Geschichte, keine Werte und keine Gefühle zur Verfügung. Diese Haltung erinnert mich an den Streit um Mohamed-Karikatur. Als die westliche Welt von Meinungsfreiheit, Provokation und Alibi des islamischen Terrorismus spricht, fragt sich wohl vielleicht jemand, ob es in unserer Welt vielleicht andere Menschen gibt, die andere Vorstellung von Leben, Freiheit und Religion innehaben.

Soshitsu Sen in Berlin
Meister Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 opferte im Mai 2000 eine Schale am Berliner Mauer.

Alter Teemeister der Urasenke-Schule Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 musste sein Pflicht an dem zweiten Weltkrieg erfuellen und schlug eine Schale Tee für seine Kameraden, bevor sie ins Kampfflugzeug einstiegen. Nach dem Krieg beschloss er als Friedensbotschafter zu sein. Er wollte Menschen mittels eine Schale Tee diese Botschaft zu verkünden! Tee geht über die Grenze der Sprache, des Territoriums und der Kultur. Durch das Teilen eine Schale Tee, indem wir aufhören, zu denken, zu sprechen und zu unternehmen, tragen wir dem Weltfrieden bei. Das Andere, so wie es ist, anzunehmen ist wohl der Anfang des Friedens.
Soshitsu Sen in Honolulu
Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 in Honolulu im Juli 2001

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